Von der Ostsee zu den Alpen

Aus dem Tagebuch einer Fahrradreise
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. August 2020
  • |
  • 224 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7519-8701-1 (ISBN)
 
Nütze die Zeit. Diese Lebensweisheit macht sich Karl-Heinz zu Eigen. Er sucht im Ruhestand eine neue Herausforderung und verwirklicht seinen Jugendtraum. Angeregt durch eine Urlaubslektüre, plant er eine Fahrradtour durch Deutschland von der Ostsee bis zu den Alpen zu Bedingungen, wie er sie als Jugendlicher vermutlich vorgefunden und wohl auch erlebt hätte. Eindrucksvoll schildert er seine Vorgehensweise und Gedanken, von der ersten Idee, über die Planungs- und Vorbereitungsphase bis zur Rückkehr an seinen Wohnort. Er nimmt den Leser mit auf seine ungewöhnliche Reise und lässt ihn teilhaben an seinen Erlebnissen und Eindrücken, die er realistisch beschreibt und bewertet und dabei gelegentlich auch in die Vergangenheit zurückblickt. Der Leser sieht und "erfährt" unser schönes Land mit den Sinnen eines rüstigen Pensionärs.
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,34 MB
978-3-7519-8701-1 (9783751987011)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Im Januar 1943 wurde ich als zweites von vier Kindern in Travemünde an der Ostsee geboren. Was lag da näher als der Wunsch, Kapitän auf Großer Fahrt zu werden. Doch statt Tanker, Fracht- oder Kreuzfahrtschiffe um die Welt zu navigieren, erlernte ich auf einer Werft zunächst den Beruf eines Starkstrom- und Schiffselektrikers, wurde später Reserveoffizier bei der Bundeswehr, verließ nach dem Studium und verschiedenen Verwendungen im Kieler Raum aus beruflichen Gründen die Küste und zog ins Rheinland nach Bonn. Dort war ich bis zu meiner Pensionierung 34 Jahre lang als höherer Beamter in einem Bundesministerium tätig. Meine Traumschiffe sind jetzt Hochseesegelyachten, auf denen ich seit vielen Jahren als Urlaubs- und Freizeitskipper und als Ausbilder an einer großen deutschen Yachtschule über die Meere segel. Mit meiner Ehefrau Ute bin ich seit fast 50 Jahren verheiratet. Gemeinsam haben wir eine Tochter und einen Sohn sowie zwei Enkelkinder. Mit ihnen zusammen bewohnen wir seit 2011 ein Haus in der Nähe von Eckernförde.

Wittensee - Bad Segeberg

Endlich ist es soweit. Für mich gibt es kein Halten mehr. Am Sonntag, den 06.09.2009 starte ich gegen 10:00 Uhr im Landkreis Rendsburg-Eckernförde, unweit des Ostseebades am schönen Wittensee. Es ist ein 10 Quadratkilometer großer, mitten in der Endmoränenlandschaft des Naturparks Hüttener Berge liegender See, der seinen Ursprung der Eiszeit verdankt.

Ute, meine Kinder und Enkeltochter Jette verabschieden mich mit guten Wünschen für meine Fahrt. Sie winken mir nach und die vierjährige Jette versteht noch nicht so recht, was da abläuft. Dann ist Opa fort und auf sich allein gestellt. Das Abenteuer kann beginnen.

Die Straße nach Haby verlangt mir erste Kraftanstrengungen ab. Viele Orte hier im Norden enden mit der Silbe "by", was so viel heißt wie Ort oder Dorf. Die Endung "by" entstammt der dänischen Sprache. Vor ca. 150 Jahren gehörte dieser nördliche Landesteil (Schleswiger Land) noch zu Dänemark. Von Haby aus fahre ich nach Sehestedt. Der Ort zählt zu den ältesten Rittergütern im alten Herzogtum Schleswig und wurde 1282 erstmals erwähnt. Sehestedt wurde durch den Bau des Nord-Ostsee-Kanals in zwei Teile geteilt. Heute liegt die romantische, Anfang des 13. Jahrhunderts errichtete Feldsteinkirche St. Peter und Paul unmittelbar an dieser knapp 100 km langen künstlichen Wasserstraße, auf der sich jährlich ca. 34.000 Schiffe den 800 km langen Umweg um die Nordspitze Dänemarks und die oft stürmischen Seegebiete des Skagerraks und Kattegats ersparen.

Der "Kiel-Kanal", wie er in der Sprache der Seeschifffahrt genannt wird, nahm am 01.07.1895 nach 8-jähriger Bauzeit als "Kaiser-Wilhelm-Kanal" seinen Betrieb auf und gilt als die meistbefahrene Wasserstraße der Welt.

Hier setze ich mit der kostenlosen Schnellfähre vom Landesteil Schleswig nach Holstein über und fahre durch Osterrade. In Kluvensiek, mit seinem herrlichen Gutshaus und der parkähnlich angelegten Gartenanlage fällt mein Blick auf ein Hinweisschild zu einem Café im Gutshaus, das mir bisher nicht bekannt war.

Kurze Zeit später erreiche ich den "Alten Eider-Kanal". Er hieß ursprünglich "Schleswig-Holstein-Kanal" und war die erste künstliche Wasserstraße zwischen Nord- und Ostsee. Er ist ein in Vergessenheit geratener Vorgänger des heutigen Nord-Ostsee-Kanals.

Um dieses frühzeitliche Meisterwerk der Nachwelt zu erhalten, wurde in den letzten Jahren mit der Restaurierung einiger sehenswerter Teilstücke und alter Schleusen begonnen. Seinerzeit hatten die Meister des Wasserbaus den Lauf der Eider, des längsten Flusses Schleswig-Holsteins, genutzt, um eine schiffbare Verbindung zwischen Nord- und Ostsee herzustellen. Hierbei kam den Wasserbauingenieuren die geographische Lage der Eider entgegen.

Die Eider entspringt im östlichen Landesteil, durchquert das Land nach Westen hin auf einer ursprünglichen Länge von 188 Kilometern und mündet bei Tönning in die Nordsee. Der Nord-Ostseekanals nimmt die Eider bei Achterwehr auf und folgt nach Westen hin im Wesentlichen deren altem Flusstal. Durch diese Wasserbaumaßnahmen hat sich die Länge des Flusses deutlich reduziert. Sie wird heute offiziell mit 108 Km angegeben.

Über Wakendorf erreichte ich den Ort Bovenau mit seinen schönen Häusern und Gärten. Auch hier entdecke ich wieder ein Hinweisschild auf ein mir ebenfalls nicht bekanntes Café bzw. den Dorfkrug. Bei Bredenbek quere ich die A 210, einem Autobahnstück, das die für den Norden wichtige Autobahn A 7 und den mittleren Landesteil von Schleswig-Holstein mit der Landeshauptstadt Kiel verbindet.

Und weiter geht es zügig Richtung Süden. Bis Bredenbek ist mir der Weg noch vertraut und aus meiner Kieler Zeit von 1968 bis 1976 noch in guter Erinnerung. Oft verließen wir in den Sommermonaten am Wochenende mit den Kindern unseren damaligen Wohnort Kiel, um uns am See im Kreise der Familie zu erholen. Zu dieser Zeit gab es die Autobahn von Kiel nach Rendsburg noch nicht und man war auf die zeitraubende und sehr kurvenreiche und unfallträchtige Bundesstraße angewiesen.

Vor dem Antritt meiner Radtour hatte ich mir als Navigationshilfe diverse "Spickzettel" geschrieben und mir diese unter die Klarsichtfolie meiner Lenkertasche geklemmt. Auf ihnen sind alle anzusteuernden Orte der Reihe nach aufgeführt. Diese Planungsarbeit hätte ich mir erleichtern können, wenn ich mich auf die offiziellen und gut ausgeschilderten Radwege abgestützt hätte, aber mein Ziel ist ja, zumindest auf dem ersten Teil meiner Reise ganz bewusst auf das Befahren von Fernradwegen zu verzichten. Ich will meine Heimat näher kennenlernen. Mir liegt viel daran, ganz bestimmte, mir noch nicht bekannte und zum Teil fernab der Hauptradfahrwege liegende Orte anzusteuern.

Als ich am Morgen meine Radtour begann, wusste ich noch nicht, wie weit ich heute fahren würde. Ich hatte einfach zu wenig Erfahrung und will zunächst meine Kondition und mein gepäckbeladenes Gefährt testen. Überhaupt keine Vorstellung habe ich davon, wie sich mein Hinterteil verhalten wird. Ich bin auf alles vorbereitet und habe bei der Zusammenstellung einer kleinen Reiseapotheke auch die guten Ratschläge von erfahrenen Leuten berücksichtigt. So befindet sich in dem kleinen Päckchen auch eine Wund- und Heilsalbe, mit der ich bei Bedarf mein geschundenes Hinterteil pflegen kann.

Als nächster Ort steht Brux auf meinem "Spickzettel". Der Weg dorthin führt an einer Eichenallee, wie man sie heute nur noch selten sieht, vorbei. Schneller als ich dachte, erreiche ich den Ort Westensee, am gleichnamigen See gelegen. Westensee mit seiner mittelalterlichen Feldsteinkirche liegt, eingebettet in eine wunderschöne Landschaft und unerschöpfliche Natur, nur ca. 16 Km westlich der Landeshauptstadt Kiel, inmitten des Naturparks Westensee-Obereider. Hier bieten viele Wander- und Radwege dem erholungssuchenden Bürger das, wonach er auf der Suche ist. In diesem Naturpark sind auch die hervorragenden Baudenkmäler und Herrenhäuser Schierensee, Deutsch-Nienhof und Ehmkendorf zu finden.

Am Rande des Ortes Westensee haben ein Reit- und Springturnier sowie ein Pferdemarkt viele Besucher angelockt. Gerne hätte ich hier noch ein wenig verweilt, um dem Treiben zuzuschauen, aber ich will weiter. Das Vorbereitungstraining in den Hüttener Bergen zeigt seine Wirkung. Ich fühle mich pudelwohl und bin optimistisch, mein insgeheim doch angepeiltes Tagesziel Bad Segeberg und die dortige Jugendherberge heute noch zu erreichen. Bis dahin habe ich aber noch etliche Kilometer zu strampeln.

Erste Zweifel an diesem Plan kommen mir schon kurze Zeit später. In Westensee muss ich bis zur Ortsmitte die Straße ständig bergauf fahren. Ärgerlich ist, dass ich mich hier zum ersten Mal verfahre und wieder zurück radeln muss. Erfreulich ist, dass ich auf diese Weise an dem für seine große Auswahl guter Torten bekannten "Café Zeit" vorbeikomme und jetzt weiß, wo ich dies künftig finden werde.

Mein weiterer Weg Richtung Groß Vollstedt führt mich aus Westensee heraus. Ich muss viele hundert Meter an der Hauptstraße entlang bergauf strampeln. Die Luft ist klar und ich habe eine hervorragende Aussicht über das weite Land. In der Nähe des Ortes Warder am gleichnamigen See ziehen schwarze Wolken auf und es tröpfelt vom Himmel. Ich weiß, dass ich mich heute noch auf einiges gefasst machen muss, denn dieses Wetter war morgens im Rundfunk angekündigt worden. Für die nächsten Tage hatten die Meteorologen jedoch gutes Wetter vorausgesagt und das wollte ich unbedingt nutzen, um meine Traumradtour durch Deutschland endlich zu realisieren.

Als ich Langwedel erreiche, wird der Regen stärker. Von einem Sportplatz schallt Lärm zu mir herüber. Dort findet gerade ein Fußballturnier statt. Schon von weitem sind die lauten Fans zu hören. Mehrere Mannschaften aus der Umgebung sind mit ihren Familien angereist. Am Platz und im Vereinslokal herrscht reger Betrieb. Es ist Mittagszeit und was liegt da näher, als eine Pause einzulegen. Hier kann ich mich stärken und gleichzeitig den Abzug des Regenschauers abwarten.

Im Mannschaftsheim geht es recht quirlig zu. Ich bestelle mir eine Currywurst mit Pommes Frites, muss mich allerdings eine ganze Zeit gedulden, bis mir diese serviert wird. Man sieht mir an, dass ich mit dem Fahrrad unterwegs bin und fragt mich nach meinem Vorhaben. Als ich von meinem begonnenen Abenteuer erzähle, und meinen Zielort nenne, höre ich nur: "Oh, da haben Sie aber noch ein ganzes Stück vor sich". Zu diesem Zeitpunkt ahne ich noch nicht, dass ich diesen Satz auf meiner Tour nach Süden noch oft wortgleich zu hören bekomme und dies unabhängig von den jeweiligen Entfernungen der bereits gefahrenen oder noch vor mir liegenden Wegstrecke.

Der Regen lässt nach und der Himmel reiß auf. Gestärkt und frohen Mutes schwinge ich mich auf mein Fahrrad und fahre meinem Tagesziel Bad Segeberg entgegen.

Von Langwedel am Brahmsee, an dessen Ufer Altkanzler Helmut Schmidt sein Feriendomizil hat und in seinen jüngeren Jahren auf...

Schweitzer Klassifikation
DNB DDC Sachgruppen

Dateiformat: ePUB
Kopierschutz: Wasserzeichen-DRM (Digital Rights Management)

Systemvoraussetzungen:

Computer (Windows; MacOS X; Linux): Verwenden Sie eine Lese-Software, die das Dateiformat EPUB verarbeiten kann: z.B. Adobe Digital Editions oder FBReader - beide kostenlos (siehe E-Book Hilfe).

Tablet/Smartphone (Android; iOS): Installieren Sie bereits vor dem Download die kostenlose App Adobe Digital Editions (siehe E-Book Hilfe).

E-Book-Reader: Bookeen, Kobo, Pocketbook, Sony, Tolino u.v.a.m. (nicht Kindle)

Das Dateiformat ePUB ist sehr gut für Romane und Sachbücher geeignet - also für "fließenden" Text ohne komplexes Layout. Bei E-Readern oder Smartphones passt sich der Zeilen- und Seitenumbruch automatisch den kleinen Displays an. Mit Wasserzeichen-DRM wird hier ein "weicher" Kopierschutz verwendet. Daher ist technisch zwar alles möglich - sogar eine unzulässige Weitergabe. Aber an sichtbaren und unsichtbaren Stellen wird der Käufer des E-Books als Wasserzeichen hinterlegt, sodass im Falle eines Missbrauchs die Spur zurückverfolgt werden kann.

Weitere Informationen finden Sie in unserer E-Book Hilfe.


Download (sofort verfügbar)

5,49 €
inkl. 5% MwSt.
Download / Einzel-Lizenz
ePUB mit Wasserzeichen-DRM
siehe Systemvoraussetzungen
E-Book bestellen