Kobaltblaue Tage

 
 
Francke-Buch (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2019
  • |
  • 360 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96362-953-2 (ISBN)
 
Es passiert nicht alle Tage, dass sich ein Ex-Straftäter und eine Polizistin ineinander verlieben. Dennoch geschieht genau das, als Lexie Graham und Adam Stone sich dank der Einmischung des beliebten Tacoverkäufers von Hope Harbor näherkommen. Dabei hat Lexie mit der Erziehung ihres Sohnes und einer Serie von Straftaten in Hope Harbor eigentlich alle Hände voll zu tun. Und Adam steht der Sinn gerade überhaupt nicht danach, eine Frau kennenzulernen - schon gar keine Polizistin.
Doch die Funken beginnen rasch zu sprühen, als Lexie Adam bittet, einem Jungen zu helfen, der eine Karriere als Kleinkrimineller einzuschlagen droht .
Auflage
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 0,40 MB
978-3-96362-953-2 (9783963629532)
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Kapitel 1

Nicht schon wieder!

Adam Stone schlug die Tür seines klapprigen Kia zu, atmete tief aus und sah sich den Schaden an.

Dieses Mal schien die rustikale Hütte, in der er wohnte, verschont geblieben zu sein. Aber er würde kräftig schleifen müssen, um die obszönen Schmierereien zu beseitigen, die an den kleinen Schuppen gesprüht worden waren, in dem sich seine Schreinerwerkstatt befand.

Wenigstens hatten die Vandalen dieses Mal keine Fenster eingeschlagen.

Aber wo war Clyde?

Adam lief über die Schotterstraße und suchte die Bäume ab, die an mehreren Stellen den Blick auf den sauberen Oregon-Strand und das stürmische kobaltblaue Meer freigaben.

»Clyde!«

Keine Antwort.

»Clyde! Komm zu mir, Junge! Alles ist wieder gut.«

Schweigen. Er hörte nur das unverkennbare Trillern der Wasserläufer, denen diese Bucht ihren Namen verdankte.

Er biss die Zähne zusammen. Mit mutwilliger Sachbeschädigung konnte er leben. Aber sollten diese Kerle seinem Hund .

Aus Richtung der Werkstatt kam ein leises Wimmern und die Schwingtür bewegte sich leicht. Er hatte sie für den herrenlosen Hund eingebaut, den er bei sich aufgenommen hatte.

Adam änderte rasch die Richtung, zog die Schlüssel zum Schuppen aus seiner Tasche und sprintete los.

»Jetzt bin ich da, mein Junge. Warte!« Als er den Schlüssel ins Schloss steckte, zitterten seine Finger. Eigentlich war es verrückt, sich um einen Hund Sorgen zu machen, der nicht einmal so schlau gewesen war, einem fahrenden Auto aus dem Weg zu gehen. Wenn man für jemanden - oder für etwas - Gefühle entwickelte, machte man sich verwundbar.

Er hatte schon genug Schmerz in seinem Leben erfahren und wollte sich eigentlich auf niemanden mehr einlassen. Aber er hatte das verletzte, wehrlose Tier, das er an jenem nebligen Tag am Straßenrand der Bundesstraße gefunden hatte, unmöglich liegen lassen können.

Das Schloss klickte und er schob die Schuppentür auf.

Aus der Ecke der Werkstatt steckte Clyde seine schwarze Schnauze hinter einem Holzstück hervor, hinter dem er sich verkrochen hatte. Wieder winselte er und seine großen braunen Augen waren angsterfüllt.

Adam atmete erleichtert auf und seine Anspannung verflüchtigte sich. Clyde hatte Angst, aber er war unversehrt.

Adam ging in die Hocke, hielt dem Hund die Hand hin und sprach mit sanfter Stimme: »Alles ist wieder gut, mein Junge. Komm zu mir.«

Doch Clyde rührte sich keinen Millimeter vom Fleck.

Kein Problem. Er konnte warten.

Adam setzte sich mit überkreuzten Beinen auf die rauen Bodenbretter und wartete. Es machte keinen Sinn, jemanden zu drängen, der noch nicht bereit war, einem anderen zu vertrauen. Das konnte schlecht ausgehen. Auch wenn man es nur gut meinte. Die kleine weiße Narbe an seiner rechten Hand war ein sichtbarer Beweis dafür. Sie stammte von dem Abend, an dem Clyde eine freundliche Geste irrtümlich als Bedrohung verstanden hatte.

Inzwischen dauerte es normalerweise nicht mehr so lange, bis der Mischlingshund aus seinem Versteck kam.

Keine fünfzehn Sekunden später kroch Clyde heraus und hinkte langsam auf ihn zu. Das eine Bein von ihm war nach jenem Autounfall nicht mehr richtig zusammengewachsen.

Als der Hund näher kam, unterdrückte Adam nur mühsam den Drang, die zittrige Fellmasse in seine tröstenden Arme zu schließen.

Er blieb regungslos sitzen, bis ihn Clyde beschnuppert hatte, seine feuchte Schnauze in seine Handfläche legte und auf seinen Schoß krabbelte.

Hier lag er dann mit seinen 21 Kilo.

Erst jetzt wagte Adam es, dem Hund über das Fell zu streichen.

»Niemand tut dir etwas, Kumpel. Alles ist gut.« Sein letztes Wort klang fast heiser. »Jetzt bin ich hier und bleibe da, bis ich morgen wieder zur Arbeit muss. Wir verbringen den Rest des Sonntags zusammen. Vielleicht grille ich dir sogar einen Burger, statt dir dieses Hundefutter zu geben, das der Tierarzt empfohlen hat. Klingt das nicht verlockend?«

Natürlich hatte der Hund keine Ahnung, wovon er sprach, aber Adams sanfter Tonfall schien ihn zu beruhigen. Clydes Zittern legte sich, und als er den Kopf hob und ihn anschaute, leuchteten seine Augen.

Eine plötzliche Wärme erfüllte Adams Herz. Aber er verdrängte sie schnell. Wie armselig, dass ihn die Zuneigung eines Hundes anrührte!

Außerdem war alles nur Einbildung.

Hunde hatten keine Gefühle.

Ohne den Blick von seinem Gesicht abzuwenden, schleckte Clyde seine Finger kurz ab. Es war, als wollte er sagen: Doch, wir haben Gefühle. Und ich finde, du bist großartig.

Adams Kehle war wie zugeschnürt, als er Clyde über den Rücken strich und seine Fingerspitzen die vielen Narben berührten. Er hatte sie schon gehabt, als sich ihre Wege vor 18 Monaten gekreuzt hatten und beide dringend einen Freund gebraucht hatten.

Okay.

Vielleicht deutete er in die Reaktion des Hundes zu viel hinein.

Vielleicht war er zu sentimental.

Aber heute wollte er einfach glauben, dass der misshandelte Hund tatsächlich tiefere Gefühle hatte.

Auch wenn er in den anderthalb Jahren, seit er hier wohnte, ein paar Freunde in Hope Harbor gefunden hatte, wartete am Ende des Tages doch nur Clyde auf ihn.

Ohne diesen vierbeinigen Gefährten, der sein Herz erobert hatte, wäre sein Leben noch einsamer.

* * *

»Einen schönen Montag, Lexie! Hat deine Woche gut angefangen?«

Hope Harbors Polizeichefin, Lexie Graham, lehnte sich mit der Schulter an die Seite von Charleys Taco-Stand und ließ ihren Blick über den malerischen Hafen schweifen.

Pflanzkästen mit bunten Blumen dienten als Abgrenzung zwischen dem Gehweg und den Felsen, die zum Wasser hin abfielen. Auf der anderen Seite säumten schlichte Geschäfte, die mit leuchtenden Markisen und Blumenkästen geschmückt waren, die Straße und gaben einen ungehinderten Blick auf den Hafen und das Meer frei. Ein weißer Pavillon beherrschte den kleinen Park hinter Charleys Stand. Hier endete die halbkreisförmige Geschäftsstraße in einer Sackgasse.

Alles war friedlich und vorhersehbar. Wie immer.

So wie es ihr gefiel.

»Bis jetzt ganz gut. Alles ist ruhig.«

»Aber der Schein kann manchmal trügen. Willst du heute nur eine Portion?«

»Ja.« Sie betrachtete den Taco-Koch, der gleichzeitig ein erfolgreicher Künstler war. In all den Jahren, die sie ihn kannte, hatte er sich kein bisschen verändert. Dieselbe ledrige, gebräunte Haut. Dieselben langen grauen Haare, die zu einem Pferdeschwanz zurückgebunden waren. Dieselben freundlichen, einfühlsamen Augen.

Es war tröstlich, in einer Welt, die einem gern Knüppel zwischen die Beine warf, etwas zu haben, das sich nicht veränderte. Auf den Künstler der Stadt war Verlass. Er hatte immer einen klugen Ratschlag und aufmunternde Worte parat.

Aber seine Bemerkung, dass der Schein trügen könne, löste bei ihr keine angenehmen Gefühle aus.

Mit zusammengekniffenen Augen ließ sie ihren Blick noch einmal über die Hafenstraße wandern. Soweit sie es beurteilen konnte, war in der Stadt alles so wie immer. Und auf dem Wasser schien es auch keine Probleme zu geben, die ihre Aufmerksamkeit erforderten. Der lange Steg auf der linken Seite und die beiden Felseninseln auf der rechten Seite, die die stürmischen Wellen brachen und die Boote im Hafen schützten, waren genauso unveränderlich wie die Wellenbrecher am Strand außerhalb der Stadt.

Alles wirkte normal.

Vielleicht war Charleys Bemerkung nur einer jener philosophischen Sprüche gewesen, die er gelegentlich von sich gab.

Egal, was der Grund für seine Bemerkung war, sie hatte nicht die Absicht, sich davon den Tag verderben zu lassen.

»Welche Tacos gibt es heute?«

»Der Taco des Tages ist mit Kabeljau gefüllt.« Er holte eine Handvoll geschnittener roter Zwiebeln aus einer Kühlbox und warf sie in die Pfanne. Bei dem köstlichen Duft knurrte ihr der Magen. »Mit Koriandersahnesoße nach einem Geheimrezept meiner Großmutter.«

»Das klingt köstlich. Wie immer.«

»Das Wohl meiner Kunden liegt mir stets am Herzen.« Er drehte den Fisch in der Pfanne um und streute Gewürze über die Zutaten. »Habt ihr draußen bei Adam verwertbare Spuren gefunden?«

Bei diesem abrupten Themenwechsel blinzelte sie verwirrt. »Wovon sprichst du?«

»Über den Vandalismus gestern bei Adam Stone.« Er rührte die Zwiebeln um. »Hat er das der Polizei denn nicht gemeldet?«

»Nicht, dass ich wüsste.« Wenn er den Fall angezeigt hätte, wüsste sie es. Auf ihrem Schreibtisch landete schließlich jede Verbrechensmeldung.

»Das überrascht mich, denn es war schon das zweite Mal, dass diese Kerle bei ihm gewütet haben.«

Es gab innerhalb der Stadtgrenze zwei Fälle von nicht gemeldetem Vandalismus?

»Wenn die Leute ein Verbrechen nicht melden, kann ich den Fall auch nicht lösen.« Eine leichte Gereiztheit schwang in ihrer Stimme mit.

»Angesichts seiner Geschichte will er mit der Polizei wahrscheinlich nichts zu tun haben. Du kennst Adam doch, oder?«

Sie erinnerte sich vage an den Mann, den sie bisher nur aus der Ferne gesehen hatte: Zwischen 1,80 und 1,85 Meter...

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