Bekenne deine Schuld

Kriminalroman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Januar 2015
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-96724-2 (ISBN)
 
Lisa Wild ist ihr schlechtes Karma endlich los. Denn als im Nachbarort zwei Männer ermordet werden, ist es ausnahmsweise einmal nicht sie, die die Toten entdeckt. Lisa hat keine Lust mehr auf Ermittlungen, und obwohl alles auf einen Serienmörder hindeutet, möchte sie mit dem Fall rein gar nichts zu tun haben. Doch kurz darauf lockt eine anonyme SMS sie in das Gartenhäuschen ihres Nachbarn - und prompt findet sie dort die dritte Leiche! Kennt Lisa den Mörder etwa persönlich?
  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 1,44 MB
978-3-492-96724-2 (9783492967242)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Susanne Hanika, geboren 1969 in Regensburg, lebt noch heute mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in ihrer Heimatstadt. Nach dem Studium der Biologie und Chemie promovierte sie in Verhaltensphysiologie und arbeitete als Wissenschaftlerin im Zoologischen Institut der Universität Regensburg. »Bekenne deine Schuld« ist ihr fünfter Kriminalroman mit der Ermittlerin Lisa Wild.

Kapitel 2


Max hatte den Arm um meine Schultern gelegt und ging mit hinaus in den Garten, um sich wieder in die Ermittlungsarbeit zu stürzen. Als er sich am Gartentor kurz zu mir drehte, um sich zu verabschieden, sah er meine trostlose Miene. Sein Gesicht und seine Augen wurden plötzlich weich, und ich wusste, er würde mich gleich in den Arm nehmen.

»Bleib am besten heute mal zu Hause«, schlug er mit sanfter Stimme vor, die mich stutzig machte.

Zu Hause bleiben? Als hätte diese Aufforderung mein Gehirn wieder in Gang gesetzt, kam die Erkenntnis wie ein Wasserfall über mich.

Der Typ, der mir Nachrichten schrieb, musste ja der Mörder sein! Wer sonst hatte das Handy von einem Toten und verschickte damit Kurznachrichten? Und er hatte mir bereits zwei Nachrichten geschickt. Innerhalb einer halben Stunde. Dass das ein Zufall war, schied also komplett aus. Ich blickte hinter mich, um zu sehen, ob Großmutter mithörte. Die wollte ich damit nicht belasten.

»Wieso schreibt mir dieser Blödl Nachrichten?«, fragte ich Max leise. »Es gibt doch so viele Leute, denen er Nachrichten schicken könnte.«

Es fühlte sich an, als wäre das alles unwirklich. Die Leiche im Gartenhäusl. Die Spurensicherung im Reisinger-Garten. Das Handy in meiner Tasche, das mich irgendwie mit dem Mörder verband.

Vom Bauch her kommend rollte eine größere Hysteriewelle heran. »Glaubst du, dass mich der Typ umbringen will?«

Daran hatte ich bis jetzt noch keine einzige Sekunde gedacht.

»Kennst du diesen Leopold Fischer?«, wollte Max ganz sachlich wissen, ohne auf meine Frage einzugehen.

Ich schwieg. Ich war zu beschäftigt zu verarbeiten, dass Max nicht mit »Nein« geantwortet hatte. Drei Leichen mit Betttuch um den Hals. Natürlich war das der gleiche Mörder! Das bedeutete, dass der Kare recht hatte mit seinem Titel. Ein Serienmörder mitten unter uns. Es gab kaum Serienmörder. Und dann schrieb ausgerechnet einer dieser seltenen Serienmörder mir eine SMS!

Zwei SMS, um genau zu sein.

Ich beglückte Max mit noch mehr Schweigen.

Vielleicht spürte er, dass ich plötzlich alles kapiert hatte. Dass da ein Mörder mit mir kommunizierte. Dass das nicht okay war. Dass ich selbst in Gefahr war, allein schon deswegen, weil es einen Mörder gab, der mich kannte. Der sich über mich Gedanken machte.

Die Panikwelle krachte mit Gewalt ans Ufer meines Bewusstseins.

Max zog mich in seine Arme und hielt mich fest. Es war einfach toll, Max zu haben, und da am Hals roch er wirklich richtig gut.

»Ich will nicht erwürgt werden«, stellte ich klar.

»Ich glaube nicht, dass er das vorhat«, stellte Max klar.

Okay. Es war wichtig, dass Max diesen Typen schnappte. Deswegen war es wichtig, dass ich ihm half. Kannte ich Leopold Fischer?

»Also«, setzte ich an. Ich wusste, wie er aussah, der Poldi, Euer Ehren, aber ich konnte mich nicht erinnern, jemals mit ihm auch nur ein Wort gewechselt zu haben. Geschweige denn, dass wir Telefonnummern getauscht hatten.

»Seine jüngste Tochter war mit mir auf dem Gymnasium«, erklärte ich seinem Hemd, an das ich mich mit geschlossenen Augen schmiegte. »Allerdings zwei Klassen über mir. Und ich hatte mit ihr überhaupt keinen Kontakt, genau genommen, und mit ihrem Vater auch nicht. Weil sie aus Unterbachenreuth waren, und mit denen hatte man einfach keinen Kontakt, auch als Schüler nicht.«

»Hatte er deine Handynummer?«

Das wäre die einfachste Erklärung. Der Mörder ruft eine Nummer aus dem Adressbuch des Handys an, das er mitgehen hat lassen. Aber wieso sollte Poldi, den ich nicht richtig gekannt und der mich vermutlich überhaupt nicht gekannt hatte, meine Handynummer haben?

»Ich gebe eigentlich nicht jedem Hiasl meine Nummer«, erwiderte ich mit trotziger Stimme. »Außerdem . der Kerl musste ja gewusst haben, dass mir das Reisinger-Gartenhäusl ein Begriff ist.« Und dass ich einfach nur rübergehen musste, um nachzusehen.

Max schwieg eine Weile.

»Das Handy kannst du ja mir mitgeben«, schlug er vor. »Dann brauchst du keine weiteren SMS zu lesen.«

Max meinte, dass ich noch weitere SMS erhalten könnte? Das Handy in meiner Tasche fühlte sich plötzlich wie ein kompletter Fremdkörper an.

»Findet einfach den Mörder«, warf ich stattdessen ins Rennen, »dann brauchen wir uns über mein Handy gar keine Gedanken mehr zu machen.«

Max ging auf meinen tollen Vorschlag nicht ein.

»Und die sind alle auf die gleiche Art und Weise umgebracht worden?«, vergewisserte ich mich.

»Sieht so aus«, seufzte Max. »Die Fundsituation ist jedenfalls identisch. Bettlaken um den Hals, mit einer Kordel zusammengebundene Handgelenke.«

»Er fesselt seine Opfer, und dann erdrosselt er sie«, sagte ich. Dass Max mir diese Ergebnisse einfach sagte, war wirklich der Gipfel! Was das bedeutete, war mir sofort klar. Er hatte nicht die geringste Angst, dass ich irgendetwas unternehmen würde, um seine Ermittlungen zu gefährden, wie es sonst meine Angewohnheit war.

»Seltsamerweise nicht«, sagte Max nachdenklich. »Zumindest bei den ersten beiden Opfern war das nicht so.«

»Er fesselt sie im Nachhinein?«, wiederholte ich erstaunt. »Er betäubt sie, fesselt sie und erdrosselt sie dann?«

»Er betäubt sie nicht. Die beiden ersten Opfer waren angetrunken und deswegen relativ leicht zu überwältigen. Sie haben sich sogar gewehrt, dazu mussten sie die Hände frei haben.«

»Dann habt ihr DNA vom Mörder unter den Fingernägeln«, riet ich.

»Nein. Wir haben . Fasern. Vlies.«

»Handschuhe.«

»Oder ein Pullover. Dunkelblau.«

Es war regelrecht gespenstisch, dass Max mir das einfach so sagte, ohne dass ich betteln musste.

»Der Maneder war auch volltrunken«, gab ich weiter, was mir der Schwager erzählt hatte. »Und dann fesselt er sie, unnötigerweise sozusagen? Wozu?«

Max schwieg eine Weile, und ich drückte mich leicht von ihm weg, um ihm ins Gesicht zu sehen.

»Das ist ihm ein wichtiges Detail. Vielleicht eine seiner Tötungsphantasien, die er sich unbedingt erfüllen muss«, versuchte Max eine Erklärung.

Tötungsphantasien? Das konnte jetzt wirklich nicht wahr sein, dass ich mit Leuten zu tun hatte, die ganz konkrete Tötungsphantasien hatten.

»Dass er Tote fesselt? Ist seine Phantasie?«, fragte ich ungläubig.

»Ich weiß es nicht«, antwortete Max seufzend. »Wir stehen am Anfang der Ermittlungen.«

Ein bisschen Gas geben würde ungemein helfen.

»Die Möglichkeit, mit dem Typen zu kommunizieren, könnte uns jedenfalls enorm die Aufklärung des Falls erleichtern. Wenn du uns dein Handy geben könntest, wäre das nicht schlecht«, wiederholte sich Max.

»Das kann ich der Polizei nicht zur Verfügung stellen«, erinnerte ich ihn.

Allein schon, wenn was mit Großmutter war. Da musste ich jederzeit erreichbar sein. Max seufzte, anscheinend hatte er mit meiner Bockigkeit schon gerechnet.

»Darüber reden wir später noch einmal.«

»Außerdem müssen wir über das Badezimmer von den Reisingers reden«, fügte ich hinzu.

»Ist dort schon die Spurensicherung?«, fragte Max irritiert.

»Igitt«, widersprach ich. »Nein. Die Fliesen. Was wir da für Fliesen haben wollen.«

Max seufzte. »Jetzt nicht.«

Als wir gerade durch unser Gartentürl auf die Straße treten wollten, standen ein paar Frauen davor und sahen uns erwartungsvoll an.

Irgendjemand zischelte etwas von »Ausgerechnet beim Herrn Hauptkommissar im Garten«, als wären wir schon in das Reisinger-Haus eingezogen.

»Stimmt des?«, wollte die Rosl ohne weitere Spezifikation wissen.

Max' Griff um meine Schultern wurde fester.

»Ich hab's glei gsagt, dass des die Harley vom Maneder ist«, erklärte die Annl routiniert, als hätte jemand mit ihr gesprochen. »Ich kenn keinen, der eine Harley hat, außer dem Maneder.«

»Seit er in der Midlife-Crisis war«, bestätigte die Rosl.

»Dass der Poldi gestorben ist, hat ja jeder erwartet«, wusste die Zenz. »Ich mein, seine Frau, das Marianndl, hat zwar immer gsagt, der ist kerngsund, aber wenn'st dein rechtes Bein nachziehst, dann bist einfach ned kerngsund.«

»Der hat bestimmt ein Schlagerl ghabt. Garantiert«, erklärte die Annl.

»Wieso sonst sollt er so seinen Haxen nachziehen.«

»Aber er hat gmeint, dass da nix wär.«

»Und dass er nur ein anderes Auto braucht. Eins mit Automatik, dann fällt so ein Bein gar nicht ins Gewicht.«

Ich schob Max vorsorglich weiter in Richtung Reisinger-Garten und nickte freundlich und beständig. Plötzlich fühlte ich mich fast pudelwohl. Inmitten von abstrusem Klatsch verbreitenden Weibern gab es kein Gefühl der Bedrohung mehr.

»Aber vom Maneder haben wir da noch nix ghört«, fügte die Annl hinzu, »Herr Hauptkommissar.«

Max blieb mit gerunzelter Stirn stehen.

»Wieso hat das jeder erwartet, dass der Herr Fischer stirbt?«, fragte er nach.

»Und der Maneder nicht«, setzte ich hinzu, weil das meines Erachtens die interessantere Frage war. Bei dem Bauch, den der vor sich hergeschoben hatte, war doch nur anzunehmen, dass der bald starb.

»Weil, das Marianndl, das ist die Frau vom Poldi«, erklärte die Rosl, »die hat immer gesagt, ihr wär's recht, wenn der Poldi vor ihr stirbt. Weil, was tät er ohne sie.«

»Erst letzte Woche hat's des gsagt. Der könnt sich...

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