Am Felsfenster morgens (und andere Ortszeiten 1982-1987)

 
 
Suhrkamp (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 21. Oktober 2018
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  • 541 Seiten
 
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978-3-518-75666-9 (ISBN)
 

»Maximen und Reflexionen? nein, eher Reflexe . die aus einer Bedachtsamkeit kommen, einer grundsätzlichen, und in deren Folge hin und wieder ausschwingen, auch ausschwingen wollen, über den bloßen Reflex hinaus, soweit der Atem reicht.«

Peter Handkes viertes Journal.

1. Auflage
  • Deutsch
  • Berlin
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  • Deutschland
Suhrkamp
  • 3,02 MB
978-3-518-75666-9 (9783518756669)
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Peter Handke wird am 6. Dezember 1942 in Griffen (Kärnten) geboren. Die Familie mütterlicherseits gehört zur slowenischen Minderheit in Österreich; der Vater, ein Deutscher, war in Folge des Zweiten Weltkriegs nach Kärnten gekommen. Zwischen 1954 und 1959 besucht Handke das Gymnasium in Tanzenberg (Kärnten) und das dazugehörige Internat. Nach dem Abitur im Jahr 1961 studiert er in Graz Jura. Im März 1966, Peter Handke hat sein Studium vor der letzten und abschließenden Prüfung abgebrochen, erscheint sein erster Roman Die Hornissen. Im selben Jahr 1966 erfolgt die Inszenierung seines inzwischen legendären Theaterstücks Publikumsbeschimpfung in Frankfurt am Main in der Regie von Claus Peymann.

Seitdem hat er mehr als dreißig Erzählungen und Prosawerke verfaßt, erinnert sei an: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970), Wunschloses Unglück (1972), Der kurze Brief zum langen Abschied (1972), Die linkshändige Frau (1976), Das Gewicht der Welt (1977), Langsame Heimkehr (1979), Die Lehre der Sainte-Victoire (1980), Der Chinese des Schmerzes (1983), Die Wiederholung (1986), Versuch über die Müdigkeit (1989), Versuch über die Jukebox (1990), Versuch über den geglückten Tag (1991), Mein Jahr in der Niemandsbucht (1994), Der Bildverlust (2002), Die Morawische Nacht (2008), Der Große Fall (2011), Versuch über den Stillen Ort (2012), Versuch über den Pilznarren (2013).

Auf die Publikumsbeschimpfung 1966 folgt 1968, ebenfalls in Frankfurt am Main uraufgeführt, Kaspar. Von hier spannt sich der Bogen weiter über Der Ritt über den Bodensee 1971), Die Unvernünftigen sterben aus (1974), Über die Dörfer (1981), Das Spiel vom Fragen oder Die Reise zum sonoren Land (1990), Die Stunde da wir nichts voneinander wußten (1992), über den Untertagblues (2004) und Bis daß der Tag euch scheidet (2009) über das dramatische Epos Immer noch Sturm (2011) bis zum Sommerdialog Die schönen Tage von Aranjuez (2012) zu Die Unschuldigen, ich und die Unbekannte am Rand der Landstraße (2016).

Darüber hinaus hat Peter Handke viele Prosawerke und Stücke von Schriftsteller-Kollegen ins Deutsche übertragen: Aus dem Griechischen Stücke von Aischylos, Sophokles und Euripides, aus dem Französischen Emmanuel Bove (unter anderem Meine Freunde), René Char und Francis Ponge, aus dem Amerikanischen Walker Percy.

Sein Werk wurde mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. Die Formenvielfalt, die Themenwechsel, die Verwendung unterschiedlichster Gattungen (auch als Lyriker, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur ist Peter Handke aufgetreten) erklärte er selbst 2007 mit den Worten: »Ein Künstler ist nur dann ein exemplarischer Mensch, wenn man an seinen Werken erkennen kann, wie das Leben verläuft. Er muß durch drei, vier, zeitweise qualvolle Verwandlungen gehen.«

2019 wurde Peter Handke mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.

Der Held der »Wiederholung« lebt von seinen Vorwänden; er ist ein guter Finder von Vorwänden - allerdings immer nur zu einem Menschen hin; von einem Menschen weg, für solche Vorwände ist er kein guter Finder - niemand kann das sein

Die Ansagerin im Telefon sagte die Zeit an wie eine Sterbende (10. Dez.)

»Lichtblick« heißt (soll heißen): die Dinge, die Gegenüber im Licht sehen (nicht nur bei Tage)

Winter: ich freue mich tagsüber auf die Sterne (den Orion; den Fuhrmann)

Manches Wissen ist ein Unwissen; manches Nicht-Wissen dagegen .

Tun: um zu fühlen

Der Held d.??W. verliert im Lauf der Zeit seine Singstimme, und findet sie auf einmal dann wieder

Urban Jarnik, 1826: die deutsche Sprache breite sich alle hundert Jahre um eine Wegstunde weiter nach Süden aus (er meinte den »Balkan«) (12. Dez. 1983)

Der Bruder (meiner Mutter) von seinem gefallenen Bruder: »Gregor war so ein feiner Mensch - den kann man gar nicht nachbilden!« (14. Dez.)

»Meletor«, altgriech.: Fürsorger, aber auch: Rächer; »Meletor«, das wäre ein anderer Name für den Helden d.??W.

Und »Hepoa« ist das Gras, der Grasplatz, und: der Sommer

Und: Ort und Lebenskraft; Örtlichkeit und Lebenskraft

Das Gefährliche der Mystiker: sie glauben, ein Recht, ja, das Recht zu haben; oder auch: das Recht »gepachtet« zu haben - die gefährliche, anderen gefährliche Demut der Mystiker

Das Feierliche, gewollt, ist das Pompöse; verkommt zum Pompösen

Statt »intelligent« sag: »hellhörig«

Die Katze kam, näherte sich und ließ sich sehen; ihr Akt von Zutraulichkeit (die Katzen haben, auch in der Haltung, etwas von Bettelmönchen; auch in ihrem Geschnurre)

»Die Klugheit vermehrt sich den Menschen mit Rücksicht auf das Gegenwärtige« (oder »entsprechend dessen, was anwesend ist«?) (Empedokles)

Held d.??W.: Anders, als man ständig von ihm behauptet, hat er keinerlei »Begabung«, sondern, im Gegenteil, fehlt es ihm an fast allem (was die meisten besitzen) - und daraus kommt vielleicht der Anschein von Begabung (18. Dez. 1983)

Unbesonnen, verspiele ich die Dinge

»Niemand war unterwegs«: In solchen Minimalsätzen öffnet sich mir das große Tor der Erzählung

»Schau, leer!« (Blick, begeistert, auf einen Weg)

Aushalten, bis die Bäume zur Schrift werden. Und was besagt diese Schrift? Nichts, als daß Schrift ist - da ist. Aus dem Wirrwarr wird Schrift; soll .

Eine dicke Zeitung, und kein ernsthafter Journalist; dafür »Doppelnummer«

Ein Geschenk soll den andern umhüllen; Verb für das Geschenk: .

Verb für die Klage: »bricht durch« (und »schafft Raum«) (20. Dez.)

Aus dem schmelzenden Schnee ragt eine schwarze Schwimmflosse, und weiter weg auf dem Felsenberg eine schwarze Kanonenkugel, so wie gestern abend jemand mit einer dunklen Leiter an einer beleuchteten Tankstelle vorbeiging

Den Vater überwinden und ihn gelten lassen: »Die Wiederholung«

»Bei der Geburt weinte und jammerte ich, als ich den ungewollten Ort erblickte« (Empedokles) (21. Dez. 1983)

»Du willst immer nur sehen, statt erst einmal da zu sein« (gilt auch für mich?)

Der sich über den Bergrücken im Osten schwingende Orion setzte wie über eine Hürde, während zu seinen Füßen der Stern in Form eines Hasen lagerte - Versuch dann, mit diesen Sternbildern als Gegenüber einzuschlafen und die Nacht zu verbringen (21. Dez.)

Empedokles' Tätigkeit: er erinnert (mich; an »das alles«)

Viele, schreibend - und nicht nur Journalisten -, »bemächtigen« sich eines Themas; das kann ich nicht; oder: das ist nicht meine Sache

Der Gedanke: »Jetzt!« ist der höchste Gedanke (22. Dez.)

Empedokles: Richtig gesetzte Wörter, in Betracht kommende Dinge; Dinge und Wörter als Ethos, ohne ausdrückliche Ethik

Unterscheide zwischen Ungeschicklichkeit und Achtlosigkeit (ich bin leider oft nur achtlos)

Er gähnte in sein Ärmelloch (Passagier im Zugkorridor)

Freudig fragen ist freudig erzählen ist Die Wiederholung

Die Blätter winkend an dem kleinen Baum in der Dämmerung im Regen vor dem Bahnhof: das war fast der einzige Wink gestern (24. Dez.)

In Schwäche sich zeigend schöner werdend: Ästhetik (25. Dez.)

»Dir kann man nichts erzählen« heißt: Dich kann man nicht liebhaben

Ein Hang mit grauen Baumstrünken erinnerte an einen Judenfriedhof

Philip Kobal sagte zu seiner Freundin: »Ich möchte endlich etwas anderes von dir hören als deine Familiengeschichten. Erzähl mir, wie du einmal allein warst!« - Aber sie war nie allein, ohne Familie. Oder sie weiß davon nichts zu erzählen

Lächerliche Schnelligkeit: »unbeschreiblich schnell« - »beschreiblich langsam«

So lange werde ich sie nicht lieben können (wird sie mich nicht lieben können), als ich ihr nicht mein ganzes Unglück gezeigt habe - habe zeigen können. Aber was ist mein ganzes Unglück? Mein ganzes Unglück ist nicht zu zeigen (im Zug nach Bologna, 26. Dez.)

Ich erkenne mich in dir nicht wieder. Was haben wir also miteinander zu schaffen?

Giotto: »mitten im Leben«; ein jedes seiner Gesichter hat eine andere Wendung, und alle Gesichter zusammen haben eine Wendung (?? ?a? p??) (Santa Croce, Florenz); und die Betrachter oder, eher, Zuschauer, wie verschieden sie auch sind, können alle mit den Bildern mitspielen, ohnmächtig-innig den Tod aufhalten wollen (z.??B. den Tod des Franz von Assisi)

Der Sohn krönt die Mutter, heißt bei Giotto: Der Sohn soll die Mutter krönen

Zwei Adjektiva, essentiell für den Künstler: »erschütterbar« und »gewissenhaft«

Giotto schafft malend Verwandte: seine Menschen, verschieden-eins, sind als Verwandte versammelt um ein Ereignis, den Tod, die Himmelfahrt, das Abendmahl, den Verrat; und diese Verwandten sind zu erkennen daran, daß sie allesamt SEGELaugen haben - Augen als gespannte Segel

Wie bei Giotto auf einen Sterbenden, so sollen in der Wiederholung alle Personen ausgerichtet sein auf einen Lebenden

Marmor - Romanik: Romanische Formen und Marmor gehen nicht zusammen? (San Miniato, Florenz, 28. Dez.)

Vor der Kunst ausruhen

Ein Nichts tief erleben: das war von jeher seine Stärke, und das bedeutete auch seine Schwäche; er erlebte tief den Regen, das dunkle Licht, den Wind, die Tropfen im Wegstaub; aber er konnte nichts davon ausdrücklich wahrnehmen, und schon gar nicht auf Geheiß

Giotto: hält im Traum die Hand ans Ohr (= »Du sollst im Traum .«)

Unterschied zwischen Engeln und Heiligen: die Engel sind ruhig (Ognissanti-Madonna in Siena)

Wie viele Haltungen haben wir im Lauf der Jahrhunderte verlernt und verloren: wie man ein (großes) Buch in der Hand hält, z.??B.

Der geistesgegenwärtige Jesus: von Judas den Verräterkuß empfangend, deutet er zugleich dem Petrus, der dem Malchus das Ohr abschneidet, und gebietet ihm Einhalt (12. Jahrhundert)

Giotto: die Figuren blicken; Cimabue: sie lassen sich (nur?) anblicken

Der Engel der Verkündigung: im Kniefall weniger vor der künftigen Muttergottes als vom Schwung seines Herwegs, und davon auch das Haar im Nacken geflügelt, als ein dritter, rotblonder Flügel zwischen den himmelblauen (Girolamo da Cremona)

Im Traum kam zum Vorschein, was auf dem Grund des heiligen Cenote(-Brunnens) von Yucatán an Menschenopfern liegt. Von meinen geheimen Verbrechen war aber darunter kein Anzeichen, es gab keine Kadaver meinerseits am Boden des Wassers, nur einen vergoldeten Engel, der bei Berührung zerbrach, und jemand fragte, mit Blick auf den aufgedeckten Cenote: »Ob das verschollene Kind (mein Verbrechen!) jemals zurückkehren wird?« Und ich sagte: »Ich glaube nicht« (Verona, 1. Januar 1984)

Krokodilfrauenfüße in Krokodillederschuhen

Die ältere Frau saß im Restaurant allein am Tisch neben der Tür, in der Hand ein helles Stück Brot, gegenüber dem roten Feuerlöscher an der Wand, und um Mitternacht gestern wackelte dem schlafenden Kind der Kopf auf dem Tisch, weil der Vater daneben auf...

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