Der Abgrund jenseits der Träume

Roman
 
 
Piper (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. Oktober 2015
  • |
  • 816 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-492-97124-9 (ISBN)
 
Endlich kehrt Peter F. Hamilton zu seinem beliebtesten Universum zurück. Auf diesen Band, Teil des »Commonwealth«-Zyklus und zugleich idealer Einstieg für Neuleser, haben die Fans seit Jahren gewartet: Was liegt hinter der Leere, der gefährlichsten Anomalie der Galaxis, die niemand zuvor durchquert hat? Die Leere ist ein gewaltiges, machtvolles Gebilde, mysteriöser und gefährlicher als alles im Universum. Als ein selbsternannter Prophet von dort Traumbilder empfängt, die auf eine bevorstehende Katastophe hindeuten, wird Nigel Sheldon beauftragt, zur Leere zu reisen. Er soll alles über den Ursprung der Träume herausfinden und die letzte Grenze überschreiten. Und was er entdeckt, wird über das Schicksal aller Zivilisationen entscheiden ...
  • Deutsch
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  • Deutschland
Piper ebooks in Piper Verlag
  • 2,84 MB
978-3-492-97124-9 (9783492971249)
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Peter F. Hamilton wurde 1960 in Rutland, Großbritannien, geboren. 1988 verkaufte er seine erste Kurzgeschichte an das legendäre »Fear«-Magazin. Mit seinen gefeierten Serien um das »Konföderations«- und das »Commonwealth«-Universum wurde er zu einem der erfolgreichsten phantastischen Autoren unserer Zeit und verkaufte weltweit mehrere Millionen Bücher. Der »Armageddon«-Zyklus gehört zu den modernen Klassikern der Science-Fiction.

Laura Brandt kannte die Ausstiegsprozedur aus einer Suspensionsröhre in- und auswendig. Diese ähnelte dem Ende des altmodischen Rejuvenations-Prozesses, dem Laura sich unterzogen hatte, bevor biononische Ergänzungen und Advancer-Gene in die menschliche DNA eingefügt worden waren und den Alterungsprozess praktisch ausgelöscht hatten. Zuerst kam die langsame, behagliche Reise zum Erwachen des Bewusstseins, während der Körper behutsam aufgewärmt wurde und Nährlösungen sowie Betäubungsmittel jedes Gefühl von Unbehagen und Orientierungslosigkeit dämpften. War man dann richtig wach und bereit, die Augen aufzuschlagen, erschien es einem, als erwachte man aus einem wirklich angenehmen Schlaf, bereit, dem Tag voller Begeisterung und erwartungsvoll entgegenzutreten. Ein reichhaltiges Frühstück mit Pfannkuchen, knusprigen Schinkenstreifen, Ahornsirup und gekühltem Orangensaft - kein Eis bitte, danke! - gab dann der ganzen Angelegenheit diesen zusätzlichen kleinen Touch, der die Rückkehr zum vollen Bewusstsein zu einer willkommenen Erfahrung machte. Wenn sie das diesmal erlebte, würde sie sich am Ende einer Reise zu einem Sternenhaufen außerhalb der Milchstraße befinden, bereit, mit anderen Angehörigen der Brandt-Dynastie ein neues Leben zu beginnen, eine neue Zivilisation zu gründen, und zwar eine, die ganz und gar anders wäre als die des übersättigten und abgestumpften alten Commonwealth, die sie hinter sich gelassen hatten.

Freilich gab es da noch die Notfall-Extraktions-Prozedur, die von der Schiffsbesatzung Tank-Yank genannt wurde .

Jemand schlug auf den roten Notfallknopf außen an ihrer Suspensionsröhre. Hochwirksame Revitalisierungsmedikamente wurden in einen Körper gejagt, der immer noch eiskalt war. Hämatologische Nabelschnüre zogen sich aus ihrem Hals und ihren Schenkeln zurück; die geschockten Muskeln verkrampften sich. Die Blase schickte verzweifelt Überdrucksignale an ihr Gehirn, aber die automatische Notfall-Extraktion hatte den Katheter bereits entfernt. Wirklich großartige Planung, Jungs! Aber das war längst nicht so schlimm wie die rasenden Kopfschmerzen oder wie sich die Spitze ihres Diaphragmas zusammenzog, als ihr Magen sich vor Übelkeit verkrampfte.

Laura öffnete die Augen, schrecklich buntes Licht stach ihr in den Kopf, gleichzeitig öffnete sie den Mund und übergab sich. Ihre Bauchmuskeln verkrampften sich so heftig, dass ihr Oberkörper sich aus dem Polster hob. Sie stieß sich den Kopf am Deckel des Sarkophags, wie die Suspensionsröhre genannt wurde, der sich noch nicht ganz geöffnet hatte.

»So'n Scheiß!« Zu dem verwirrenden Nebel aus bunten Farben und Formen gesellten sich kräftig rot schimmernde Sterne des Schmerzes. Sie drehte sich auf die Seite und erbrach sich erneut.

»Ganz ruhig«, empfahl ihr eine Stimme.

Hände packten ihre Schultern und stützten sie, während sie würgte. Jemand hielt eine Plastikschüssel hoch, die den größten Teil der widerlichen Flüssigkeit auffing.

»Kommt noch mehr?«

»Was?«, krächzte Laura.

»Müssen Sie noch mehr auskotzen?«

Laura fauchte ihn einfach nur an. Sie fühlte sich zu elend, als dass sie auch nur über eine Antwort hätte nachdenken können. Jede einzelne Zelle ihres Körpers teilte ihr unmissverständlich mit, wie miserabel sie sich fühlte.

»Atmen Sie ein paar Mal tief durch«, riet ihr die Stimme.

»Ach, zum .!«

Ihr Körper zitterte so heftig, dass es schon mühsam genug war, einfach nur Luft zu holen, auch ohne irgendwelche Yogameister-Atemtechniken auszuprobieren. Diese blödsinnige Stimme .!

»Sie machen das großartig. Die Wirkung der Wiederbelebungsmedikamente setzt gleich ein.«

Laura schluckte. Magensäure brannte ekelhaft in ihrer Speiseröhre, aber wenigstens fiel es ihr jetzt etwas leichter zu atmen. So mies hatte sie sich seit Jahrhunderten nicht mehr gefühlt. Kein besonders angenehmer Gedanke, aber zumindest war er kohärent. Warum helfen meine Biononics nicht? Die winzigen molekularen Maschinen, die jede ihrer Körperzellen anreicherten, sollten eigentlich ihren Körper dabei unterstützen, sich zu stabilisieren. Sie kniff die Augen zusammen, um die bunten Lichter zu fokussieren. Ihr war klar, dass einige davon ihre Exosicht-Icons sein mussten. Aber das alles kostete sie viel zu viel Mühe.

»Tank-Yank ist Scheiße, was?«

Jetzt endlich erkannte Laura die Stimme. Sie gehörte Andy Granfore, einem Mitglied der medizinischen Abteilung der VERMILLION. Er war ein anständiger Kerl. Sie hatten sich auf ein paar Pre-Flight-Partys getroffen. Bebend stieß sie den Atem aus. »Was ist passiert? Warum haben Sie mich mit der Notfall-Extraktion rausgeholt?«

»Anordnung des Captain. Und wir haben nicht viel Zeit. Sorry.«

Laura gelang es endlich, Andys Gesicht in den Fokus zu bekommen. Sie sah seine vertraute, dicke Nase, die dunklen Tränensäcke unter den hellbraunen Augen und das ergrauende, in alle Richtungen abstehende Haar. Ein solch altes, verlebtes Gesicht war im Commonwealth, wo sich jeder mit kosmetischer Gen-Sequenzialisierung ein makelloses Aussehen zulegte, ein ungewohnter Anblick. Laura fand sowieso, dass die Menschheit heutzutage aussah wie eine Rasse jugendlicher Supermodels - was nicht unbedingt eine Verbesserung bedeutete. Alles unterhalb von Perfektion war entweder ein Modestatement oder ein überzeugtes, individualistisches »Fick dich!« an die Konformität.

»Ist die VERMILLION beschädigt?«

»Nein.« Er lächelte sie etwas gezwungen an. »Jedenfalls nicht direkt. Sie hat sich nur verirrt.«

»Verirrt?« Diese Antwort war möglicherweise noch beunruhigender. Wie konnte man sich auf einem Flug zu einem Sternenhaufen mit einem Durchmesser von mehr als 20000 Lichtjahren verirren? Etwas von dieser Größe verlor man ja wohl kaum aus den Augen. »Das soll bloß ein Witz sein, oder?«

»Der Captain wird es Ihnen erklären. Ich bringe Sie zur Brücke.«

Laura befahl ihrem U-Shadow, ihr einen allgemeinen Statusbericht zu geben. Die allgegenwärtigen, halbintelligenten Gebrauchsroutinen in ihren makrozellularen Clustern reagierten sofort und ließen eine Standardanordnung mentaler Icons aufflammen, dünne Linien aus blauem, zartem Licht, die sich über ihr etwas verschwommenes Blickfeld legten. Sie runzelte die Stirn. Wenn sie die Effizienzmodi richtig interpretierte, hatten ihre Biononics eine ernsthafte Macke davongetragen. Der einzige Grund, den sie sich für ein derartiges Ausmaß an Verfall vorstellen konnte, war schlichte Alterung. Ihr Herz krampfte sich zusammen, als sie sich fragte, wie lange sie wohl in Suspension gewesen war. Sie warf einen Blick auf die Ziffern auf ihrem Zeit-Display. Was sie sah, verwirrte sie noch mehr.

»Zweitausendzweihunderteinunddreißig Tage?«

»Was?« Andy sah sie an.

»Wir sind zweitausendzweihunderteinunddreißig Tage unterwegs gewesen? Wo zur Hölle sind wir?« Eine so lange Reise mit UltraDrive-Geschwindigkeit musste sie fast drei Millionen Lichtjahre von Terra weg und damit sehr, sehr weit außerhalb der Milchstraße gebracht haben.

Sein altes Gesicht schien seinen bestürzten Ausdruck noch zu verstärken. »Es könnte so lange gewesen sein. Wir sind uns über die relative Zeitkompression hier drinnen nicht ganz sicher.«

»Was .?«

»Lassen Sie . Kommen Sie einfach mit zur Brücke, okay? Der Captain wird Ihnen eine angemessene Erläuterung geben. Ich bin nicht gerade der Richtige, um das hier zu erklären. Vertrauen Sie mir.«

»Okay.«

Er half ihr, die Beine aus dem Polster zu schwingen. Ihr wurde schwindlig, als sie aufstand, und sie wäre fast zusammengebrochen. Andy war darauf vorbereitet und hielt sie so lange fest, bis sie sich stabilisiert hatte.

Das Suspensionsareal selbst schien intakt zu sein: eine riesige, lange Höhle mit einem metallischen Gerippe, das tausend große, sarkophagähnliche Suspensionsröhren enthielt. Reihen von beruhigend grün blinkenden Monitorlichtern leuchteten an jeder Einheit, jedenfalls soweit sie sehen konnte. Sie nickte zufrieden. »Also gut. Ich mache mich kurz frisch, dann gehen wir. Sind die Waschräume schon aktiviert?« Aus irgendeinem Grund hatte sie Schwierigkeiten, direkt mit dem Netzwerk des Schiffs zu kommunizieren.

»Dafür haben wir keine Zeit«, beschied Andy ihr. »Zum Transportpod geht es hier lang.«

Es gelang Laura, ihre Gesichtsmuskeln so weit zu kontrollieren, um ihm einen pikierten Ausdruck zuwerfen zu können, bevor sie sich über das Deck zum Ende des Raumes führen ließ. Zwei Malmetall-Quad-Türen schälten sich auf. Der Pod dahinter war ein einfacher, runder Raum, um dessen Wand ringsum eine Sitzbank verlief.

»Hier«, sagte Andy, nachdem sie sich auf die Bank hatte sinken lassen. Sie war nach dem kurzen Weg, den sie mehr geschlurft als gegangen war, fast vollkommen erschöpft. Er hielt ihr ein Paket mit Kleidung und ein paar Sporentücher hin.

Sie musterte die Tücher abfällig. »Im Ernst jetzt?«

»Etwas Besseres kann ich nicht bieten.«

Während er ihr Ziel in die Kontrolltastatur des Pods tippte, reinigte sie sich Gesicht und Hände und streifte dann den ärmellosen medizinischen Kittel ab. Die meisten Menschen entwuchsen dem Schamgefühl vor Nacktheit, wenn sie ihr zweites Jahrhundert erreicht hatten und zu griechischen Göttern resequenziert wurden. Außerdem kümmerte Andy sie sowieso nicht; er war schließlich...

»Ein wuchtiger Science-Fiction Knüller!«, denglers-buchkritik.de, 30.11.2015
 
»Der Meister der Science Fiction auf dem Höhepunkt seiner Kunst!«, SFFWorld
 
»Hamilton versteht sein Handwerk, das beweist er mit seinem neuesten SF-Epos wieder.«, Geek!

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