Träum ich?

Roman
 
 
Random House ebook (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 9. November 2011
  • |
  • 336 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-06621-5 (ISBN)
 
Zu schön, um wahr zu sein?
Träum ich? Das denkt Lilly, als sie ihre große Liebe nach der Hochzeit küsst. Das ist zu schön, um wahr zu sein! Ist es auch nicht, wie die junge Frau nach einem Moment feststellt. Gogo ist weg, sie ist allein. Hätte sie doch auf ihre Großmutter und Mutter hören sollen? Die hatten sie immer davor gewarnt, den Mann, den sie wirklich liebt, zu heiraten. Ein Fluch soll auf der Familie lasten. Aber wer glaubt schon an Flüche? Doch wo ist Gogo, der eben noch da war?


Adena Halpern, geboren in Philadelphia, studierte Dramatic Writing an der New York City University und Screenwriting am American Film Institute. Sie arbeitet als Journalistin und Kolumnistin und schrieb unter anderem für Marie Claire und die 'New York Times'. Adena Halpern lebt mit ihrem Ehemann in Los Angeles, wo sie an ihrem nächsten Roman arbeitet.
  • Deutsch
  • 0,71 MB
978-3-641-06621-5 (9783641066215)
3641066212 (3641066212)
weitere Ausgaben werden ermittelt

Eins

»Heirate nur einen Mann, der klein, fett, kahl und dumm ist und dich schlecht behandelt.« So lautet der Rat meiner Großmutter Dolly. »Doch vor allem: Solltest du je deinen Traummann finden, dann renn um dein Leben!«

Das geht mir durch den Kopf, als Gogo sich auf dem Eiffelturm vor mich hinkniet und mir einen Ring mit einem großen Smaragd präsentiert.

Gogo.

Attraktiv, volles Haar, Harvard-Abschluss summa cum laude in Medizin.

Gogo, der mich auf Händen trägt.

Gogo, der Mann, in den ich wahnsinnig verliebt bin.

Ich habe Mühe, Gogos Worte zu verstehen, aber es klingt wie: »Du bist die schönste Frau, die ich je kennengelernt habe . innerlich und äußerlich . du bist die Frau meiner Träume . wärest du bereit, den Rest meines Lebens mit mir zu verbringen?« Ich bin mir ziemlich sicher, dass er etwas in dieser Richtung sagt. Doch mein Kopf ist vernebelt von den unzähligen Szenen, in denen meine Mutter und meine Großmutter mich vor Männern gewarnt haben.

»Die Guten sind eben nicht gut!«, höre ich meine Mutter schreien. »Am Anfang sind sie nett und anständig und legen dir ihr Herz zu Füßen! Aber das ist nur ein Trick!«

»Also: Willst du mich heiraten?«, höre ich Gogo, als ich in die Gegenwart zurückkehre.

»Was?«, frage ich, um Zeit zu gewinnen.

»Lily«, wiederholt er lächelnd, aber mit einem nervösen Unterton. »Lily Joan Burns, willst du mich heiraten?«

»Entschuldige«, antworte ich und schüttle den Kopf, um klar denken zu können. »Ich hab dich nicht richtig verstanden. War das gerade ein Heiratsantrag?«

»Ich knie mit einem Ring vor dir. Was soll es denn sonst sein?«

»Oh, ja natürlich«, erwidere ich und versuche krampfhaft zu lächeln. Aber vor meinem inneren Auge sehe ich nur, wie Selma und Dolly in Philadelphia beim Kofferpacken auf mich einreden.

»Versprich uns, dass du nicht verlobt bist, wenn du zurückkommst.« Das war meine Großmutter, mit flehentlichem Unterton.

»Das wäre der größte Fehler deines Lebens«, fügte meine Mutter hinzu.

»Willst du mich heiraten?«, fragt Gogo noch einmal und strahlt mich an. Er klingt so glücklich wie nie zuvor.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Es sind die längsten Sekunden meines Lebens. Langsam verblasst Gogos Lächeln.

»Du willst mich nicht heiraten?«, fragt er leise und wirkt leicht beunruhigt. Noch immer kniet er vor mir und streckt mir den Ring entgegen. Die Leute um uns herum zeigen lächelnd auf den Mann, der seiner Freundin an einem der romantischsten Orte der Welt einen Heiratsantrag macht. Eine übergewichtige, mit Schmuck behangene Frau in Schwarz und ihr nur halb so großer Mann nehmen sich in den Arm und werden Zeuge des scheinbar glücklichsten Augenblicks meines Lebens.

»Er macht ihr einen Heiratsantrag!«, sagt die Frau und zerrt aufgeregt am Arm ihres Mannes. »Hol den Fotoapparat raus, Larry.«

»Bin schon dabei, Barb«, antwortet er und holt die Kamera aus seiner Bauchtasche.

»Was soll diese Parisreise überhaupt?«, sagte Selma mit klagender Stimme. »Dabei kann nichts Gutes herauskommen.«

»Ach, Mutter, bitte«, erwiderte ich. »Er will mit mir verreisen. Ich war noch nie in Paris. Keine Sorge, er wird mir keinen Antrag machen. Ich kenne Gogo. Bei uns beiden steht der Beruf an erster Stelle. Außerdem sind wir erst ein Jahr zusammen. Kein vernünftiger Mensch würde schon nach einem Jahr Beziehung heiraten.«

»Natürlich kennen wir uns erst seit einem Jahr«, sagt Gogo, immer noch kniend. Da die Aussichtsplattform aus Beton ist, muss sein Knie schon wehtun. »Aber wenn es Liebe ist, weiß man es eben.«

Ich will Sie nicht anlügen. Schon als ich Mutter und Großmutter erklärte, Gogo würde mir auf keinen Fall einen Heiratsantrag machen, war mir klar: Kein Mann, der mit seiner Freundin eine so perfekte Beziehung wie die unsere führte, würde mit dieser Frau sechstausend Kilometer weit fliegen und sie in der romantischsten Stadt der Welt auf das romantischste Bauwerk der Welt zerren, wenn er nicht planen würde, ihr dort einen Antrag zu machen. Tief im Innern ahnte ich das, als Gogo mir das Reiseziel nannte.

»Eine Woche Paris. Wir wohnen im Hotel George V. Wir besuchen all meine Lieblingsbistros. Außerdem will ich dir unbedingt die Mona Lisa zeigen. Für Versailles habe ich einen ganzen Tag eingeplant. Aber zuerst gehen wir auf den Eiffelturm.«

Ich hätte nicht mit ihm verreisen dürfen. Ich hätte ihn warnen sollen, wenn sein Hintergedanke bei dieser Reise ein Heiratsantrag sei, so sei ich noch nicht bereit dazu. Aber die Wahrheit ist: Ich will Gogo heiraten. Noch nie habe ich etwas so sehr gewollt.

»Ich bekomme langsam Hunger. Du nicht auch?«, frage ich, als mein Blick auf ein Kind mit einem Sandwich fällt. Mir ist jede Ausflucht recht.

»Ist das deine Antwort?«, fragt Gogo und steht endlich auf. Er reibt sich das Knie.

»Tja, sozusagen«, stammle ich. »Aber ich will, wirklich, ich will dich heiraten«, füge ich hinzu und nehme ihn in den Arm. Er wirkt verlegen und sieht mit ausdrucksloser Miene zu Boden. Den Ring hält er noch in der Hand.

»So nicht, Lil«, sagt er leicht verärgert. »Eigentlich wollte ich so was hören wie: Ich liebe dich auch, du bist der wunderbarste Mensch, den ich je getroffen habe, bla, bla, bla, ich möchte nichts mehr, als den Rest meines Lebens mit dir zu verbringen .« Jetzt sieht er mich an. Sein Blick ist verwirrt und verletzt.

»Ich bin . einfach nur überwältigt. Vielleicht könnten wir uns noch etwas Zeit lassen.«

»Gott sei Dank!«, höre ich meine Mutter und meine Großmutter wie aus einem Munde sagen.

»Aber wieso denn, verdammt noch mal!«, fragt er verstört. »Bist du nicht glücklich mit mir?«

»Im Gegenteil«, seufze ich, »ich war noch nie zuvor so glücklich.«

»Wo liegt dann das Problem?«

»Hat sie etwa Nein gesagt?«, höre ich, wie Barb ihre halbe Portion von Mann fragt. »Ach, wie schade!«

»Ich habe nicht Nein gesagt!«, rufe ich zu ihr hinüber.

»Worauf warten Sie dann noch?«, erwidert Barb und stemmt die Hände in die Hüften, als wollte sie mir die Leviten lesen.

»Was willst du denn dann?«, fragt Gogo und tritt einen Schritt zurück.

»Gogo, ich bin verrückt nach dir. In meinem ganzen Leben habe ich noch nie so empfunden.«

»Dann sag doch Ja!«, brüllt Barb.

»Sag Ja!«, bekräftigt eine Frau in den Fünfzigern mit ausgeprägtem Südstaatenakzent.

»Stimmt doch, oder?«, wendet sich Barb an ihren Mann. »Wenn ein derart gut aussehender Mann meiner Lucy einen Antrag machen würde, würde ich schon Ja sagen, noch bevor sie den Mund aufgemacht hätte. Oder etwa nicht, Larry?«, hakt sie nach.

»Scheint mir ein netter Kerl zu sein«, antwortet Larry achselzuckend.

»Dürfte ich vielleicht noch etwas Zeit zum Nachdenken haben?«, rufe ich den Frauen zu.

Larry schießt immer noch Fotos.

»Larry«, ruft Gogo schließlich entnervt, »könnten Sie die Kamera wegstecken?«

Langsam sind wir beide von unseren amerikanischen Landsleuten genervt, daher packt Gogo mich am Arm, reißt die Tür zum Inneren der Aussichtsplattform auf und führt mich hinein.

»Im Augenblick bin ich nur etwas verwirrt«, erkläre ich und gehe zur Bar.

»Aber du musst doch mit so was gerechnet haben«, entgegnet er. »Wenn man sich verliebt, zusammenzieht und nie ernsthaft Streit hat, läuft es doch irgendwann darauf hinaus.«

»Ja, natürlich. Natürlich wusste ich, dass wir uns irgendwann verloben würden. Ich kenne kein Pärchen, das sich so gut versteht wie wir.«

»Wo liegt dann das Problem?«

»Es hat nichts mit dir zu tun«, stoße ich hervor und liefere gleich noch die zweite Hälfte des Klischees nach. »Sondern nur mit mir.«

»Bist du noch nicht bereit zu heiraten?«

»Ich liebe dich«, erkläre ich. »Ich liebe dich wahnsinnig.«

»Aber .?«

»Ich bin einfach noch nicht so weit.«

Gogo holt einmal tief Luft. Ich weiß nicht, was ich tun soll, außer ihn traurig anzusehen. Es tut mir in der Seele weh, ihm - und mir - das anzutun. Es bringt mich um.

Gogo tritt an die Bar. Ich sehe zu, wie er niedergeschlagen zwischen all den glücklichen, hungrigen Touristen an der Theke steht. »Deux sandwichs aux oufs s'il vous plaît. Pas de tomates pour elle«, bestellt er und wendet sich dann mir zu. »Ich hab dafür gesorgt, dass auf deinem Sandwich keine Tomaten sind«, erklärt er mir reserviert. Er hat das Thema gewechselt, klingt aber immer noch verstört und verstimmt.

Gogo weiß, dass ich Tomaten hasse. Das vergisst er nie. Er vergisst überhaupt nie, wie ich mein Essen mag. Gott, ich fühle mich erbärmlich! Was ist bloß los mit mir? Warum gebe ich eigentlich so viel auf Selmas und Dollys Ansichten? Ich bin doch kein kleines Mädchen mehr! Ich bin eine kluge, erfolgreiche Frau, die ihrem eigenen Urteil vertrauen sollte und nicht dem dieser zwei Männerhasserinnen.

Da steht Gogo und wartet, dass die Thekenkraft unsere Sandwiches macht. Wie einsam und verlassen er wirkt! Ich komme mir vor wie der mieseste Mensch auf Erden. Was ist bloß los mit mir? Ein Sandwich ist mir lieber als ein Heiratsantrag.

Warum höre ich überhaupt auf meine Mutter und meine Großmutter? Warum habe ich solche Angst vor ihnen? Bloß weil sie nur Pech in der Liebe hatten, muss ich noch lange nicht das Gleiche erleben. Genau das habe ich ihnen auch schon gesagt.

»Warum glaubt ihr,...

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