Der Islam als Diskursfeld

Bilder des Islams in Deutschland
 
 
VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • erschienen am 17. September 2008
  • |
  • 143 Seiten
 
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978-3-531-90985-1 (ISBN)
 
Das Buch analysiert den aktuellen Diskurs um die Integration des Islams in die deutsche Gesellschaft. Es wird gezeigt, wie unterschiedliche Akteure bestimmte Bilder des Islams in der Öffentlichkeit etablieren, um damit Positionen zu stützen und Interessen zu vertreten. Auf dieser Grundlage werden die Perspektiven diskutiert, die der deutsche Islam unter diesen diskursiven Bedingungen hat.
2008
  • Deutsch
  • Wiesbaden
  • |
  • Deutschland
  • 0,85 MB
978-3-531-90985-1 (9783531909851)
3531909851 (3531909851)
10.1007/978-3-531-90985-1
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Dr. Dirk Halm ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Stiftung Zentrum für Türkeistudien in Essen.
Der deutsche Islamdiskurs seit 2001 - Vertretung der Muslime durch die Verbände - Christlich-Islamischer Dialog - Integrationspolitik - Akteure - Szenarien einer zukünftigen (Des-)Integration des Islams in Deutschland
7 Szenarien einer zukünftigen (Des-)Integration des Islams in Deutschland (S. 113-114)

7.1 Verbindung mit anderen öffentlichen Diskursen

Der Diskurs um die politische Integration des Islams hat zahlreiche Anknüpfungspunkte zu anderen Diskursen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit werden im Folgenden vier sehr mächtige Diskursstränge ausgewählt - der "Kampf der Kulturen", die Etablierung eines "Euro-Islams", die Entstehung von "Parallelgesellschaften" sowie der gesellschaftliche Bedeutungsverlust von Religion - und dargestellt, wie sich die Befunde der vorliegenden Studie in die entsprechenden Debatten einfügen. Diese Darstellung kann damit zugleich aus Ausblick auf die zukünftige Integration des Islams fungieren - versteht man die vier Diskurse als gesellschaftliche Zukunftsszenarien, die der weitere Verlauf des Diskurses um die politische Integration des Islams befördert oder konterkariert.

7.2 "Kampf der Kulturen"

Die von Samuel P. Huntington entworfene Vorstellung vom internationalen System im 21. Jahrhundert dürfte die meistzitierte und vermutlich meistkritisierte politikwissenschaftliche Arbeit seit ihrem Erscheinen laut Wikipedia 1996 sein. Dass auch hier noch einmal Bezug auf Huntington genommen wird, hat weniger damit zu tun, dass (wiederum) der Prognosewert seines Ansatzes für das zukünftige Zusammenleben mit dem Islam diskutiert und verworfen werden soll, sondern damit, dass der "Clash of Civilizations" in einer nochmals primitiveren Lesart des eigent lichen Huntington-Konzepts zu einem wichtigen Bestandteil des Diskurses um das Zusammenleben mit den Muslimen in Deutschland und der Welt geworden ist. Auch einige der Interviewpartner dieser Studie haben dieses Konzept als Referenzpunkt gewählt, immer dann, wenn beschrieben wird, wie die medial vermittelten Konflikte außerhalb Deutschlands, um den Islam oder unter Beteiligung von Muslimen, auf das Zusammenleben in Deutschland rückwirken.

Es gib damit einen Diskurs, der gleichermaßen eine negative Erwartungshaltung fördert wie auch stereotype Bilder reproduziert, die Islam und westliche Werte und Lebensweise als miteinander unvereinbar darstellen. Dieser Diskurs nimmt seinen Ausgang nicht im 11. September 2001, sondern ist längst vorher etabliert, genau genommen seit der islamischen Revolution im Iran 1979. Ein erster Höhepunkt der Wahrnehmung einer islamistischen Bedrohung durch die westlichen Gesellschaften dürfte die Fatwa gegen Salman Rushdie 1989 gewesen sein.

Nina Clara Tiesler konstatiert:

Gleichzeitig scheint sich binnen der letzten ca. 25 Jahre eine renovierte Variante der Dichotomie von der "christlich geprägten", aufgeklärten, modernern, europäisch-westlichen Gesellschaft einerseits und der unaufgeklärten, vormodernern "islamischen Welt" andererseits verfestigt zu haben. Allen gegenläufigen empirischen Argumenten zum Trotz, die Familienbiografien von gesellschaftlich wohl integrierten Muslimen in europäischen Ländern liefern, wird diese Dichotomie in der medialen Öffentlichkeit ausgerechnet in den Emigranten, die eine islamische Mehrheitsgesellschaft verlassen haben (oder gar in ihren hier geborenen Nachkommen) personalisiert und erlangt in Selbst- und Fremdzuschreibungen eine gesellschaftliche Wirkungsmacht.

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