Abbildung von: Aargauer Grauen - Emons Verlag

Aargauer Grauen

Kriminalroman
Ina Haller(Autor*in)
Emons Verlag
1. Auflage
Erschienen am 30. Januar 2024
272 Seiten
E-Book
ePUB ohne DRM
978-3-98707-110-2 (ISBN)
12,99 €inkl. 7% MwSt.
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Andrina ermittelt in ihrem exotischsten Fall.
Unheimlich, spannend und voller Überraschungen.

Ein Mann wird leblos in seiner Wohnung aufgefunden. Die Polizei geht von einem Herzinfarkt aus, doch dann werden an der Leiche seltsame Bissspuren entdeckt. Andrina und ihr Mann Enrico, in dessen Pharmaunternehmen das Opfer tätig war, stellen Nachforschungen an und stoßen schon bald auf die ungewöhnliche Mordwaffe: eine hochgiftige Spinne aus Australien. Kurz darauf verschwinden Betäubungsmittel aus Enricos Firma, und Andrina wird klar, dass auch sie selbst und ihre Familie in tödlicher Gefahr schweben.
Ina Haller lebt mit ihrer Familie im Kanton Aargau, Schweiz. Nach dem Abitur studierte sie Geologie. Seit der Geburt ihrer drei Kinder ist sie »Vollzeit-Familienmanagerin« und Autorin. Zu ihrem Repertoire gehören Kriminalromane sowie Kurz- und Kindergeschichten.
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EINS

»Der Preis ist überrissen«, sagte Andrina, als sie mit Enrico das Geschäft verlassen hatte und sie gemeinsam zu seinem Auto gingen.

Anfang Woche hatte ihre fast dreißigjährige Waschmaschine ihren Dienst quittiert. Eine Reparatur wäre teurer als eine Neuanschaffung, hatte der Monteur erklärt. Enrico hatte einen Beratungstermin für heute Donnerstagabend abmachen können.

Das passte gut, da Andrina dienstags und donnerstags im Cleve-Verlag war, in dem sie als Lektorin arbeitete. Den Rest ihres Fünfzig-Prozent-Pensums erledigte sie im Homeoffice.

Enrico und Andrina hatten sich um kurz vor sechzehn Uhr in der Stadt verabredet.

»Das, was er angeboten hat, hat mich nicht überzeugt«, sagte Enrico und holte den Autoschlüssel hervor. Statt den Motor zu starten, trommelte er mit den Fingern auf das Steuerrad.

»Was ist?«, fragte Andrina.

»Wann müssen wir Rebecca abholen?«

»Heute gar nicht. Sie übernachtet bei Seraina.«

Wenn Andrina ihre Verlagstage hatte, kümmerte sich ihre Schwester Seraina um Andrinas und Enricos zweieinhalbjährige Tochter. Andrina war froh um diese Unterstützung. Heute löste Seraina das längst überfällige Versprechen ein, dass Rebecca bei ihr über Nacht bleiben durfte.

»Richtig«, sagte Enrico. »So haben wir unseren freien Abend.«

»Genau. Es hat mit der Reservation beim Chinesen geklappt.« Andrina schaute auf die Uhr. »Um halb acht müssen wir dort sein, also in drei Stunden.«

Nach wie vor startete er nicht den Wagen, sondern drehte sich um und schaute auf die Rückbank.

»Was ist los?«, wiederholte Andrina.

»Gregor Hartmann ist krank.«

Als sie am Mittag miteinander telefoniert hatten, hatte Enrico es erwähnt. Den Finanzchef von Enricos Pharmaunternehmen JuraMed musste eine üble Grippe erwischt haben.

»Ausgerechnet zum dümmsten Zeitpunkt«, hatte Enrico gesagt. Etwas stimmte mit dem Monatsabschluss beim Wareneinsatz nicht, und Gregor hatte realisiert, dass der Fehler bereits im Halbjahresabschluss unbemerkt geblieben war. Was falsch war, hatten sie bisher nicht finden können. Gregor hatte in der E-Mail, mit der er Enrico informiert hatte, gebeten, ihm den Laptop zu bringen. Er würde von zu Hause aus arbeiten.

»Ja?«, fragte Andrina, da Enrico nichts weiter sagte.

»Ursprünglich wollte ich Fadrina darum bitten, habe es aber vergessen. Als es mir wieder einfiel, war sie schon weg. Sie musste am Nachmittag früher gehen. Nun muss ich den Job übernehmen.« Er deutete auf die Rückbank.

Andrina bemerkte die zweite Tasche. »Dafür ist Zeit genug«, sagte sie.

Fünf Minuten später fuhren sie über die Kettenbrücke. Nein, dachte Andrina. Die Steinbrücke war der Ersatz für die alte Kettenbrücke und hieß Pont Neuf. Beim Kreisel nahmen sie die zweite Ausfahrt und bogen vor dem Feuerwehrdepot in das Aarepark-Quartier ab.

»Darfst du hier parken?« Andrina schaute auf die gelbe Markierung.

»Gregor hat mir gesagt, ich dürfe hier das Auto abstellen. Sonst müsste ich zahlen.« Er zeigte auf den Parkautomaten. »Möchtest du warten oder mitkommen?« Enrico griff nach der Laptoptasche.

»Ich komme rasch mit.«

Andrina und Enrico stiegen aus und gingen an dem Veloparkplatz im überdachten Bereich vorbei. Sie bogen in einen schmalen Weg ein und gingen zur Siedlung mit den dreistöckigen grauen Häusern. Zwischen den parallel angeordneten Hausreihen hatte es einen Rasen oder einen Kiesplatz mit Pingpong-Tischen und Schaukeln. Hecken bildeten einen Sichtschutz zu den Sitzplätzen im Parterre.

Andrina lief hinter Enrico zu einem Hauseingang. Von hier aus hatte sie Sicht auf die Aare und die Altstadt mit der Stadtkirche am gegenüberliegenden Ufer.

Die Glastür wurde von einem grauhaarigen Mann von innen aufgestoßen, und er trat zur Seite.

Andrina folgte Enrico in den ersten Stock. Vor der einen Wohnungstür stand eine schwarz gekleidete, hagere Frau, die kleiner als Andrina war. Sie streckte die Hand zur Klingel aus, schüttelte den Kopf und zog sie zurück, ohne auf den Knopf gedrückt zu haben. Einige Sekunden später wiederholte sie das Prozedere.

»Kann ich Ihnen helfen?«, fragte Enrico.

Die Frau fuhr herum.

»Was wollen Sie von Gregor Hartmann?«, fragte Enrico, als die Frau nichts sagte und ihn anstarrte.

»Er hat das Gemüse nicht reingenommen«, sagte sie und zeigte auf einen Papiersack, der auf der Fußmatte stand. »Er hat mich gestern gefragt, ob ich ihm heute Gemüse und Eier vom Hof mitbringen könne, an dem ich regelmäßig frische Produkte kaufe. Aber der Sack steht nach wie vor so da, wie ich ihn heute am frühen Nachmittag hingestellt hatte. Vielleicht ist Gregor noch nicht nach Hause gekommen.«

Andrina und Enrico schauten einander fragend an.

»Wer sind Sie?« Die Frau verschränkte die Arme vor der Brust. Misstrauen hatte den Schrecken und die Verwunderung abgelöst.

Enrico stellte Andrina und sich vor und erklärte, warum sie gekommen waren.

»Das sieht Gregor ähnlich«, sagte die Frau. »Obwohl er krank ist, will er sich nicht schonen. Ich bin Lucia Widmer«, sie reichte Andrina und Enrico die Hand, »die Nachbarin.« Sie wies auf die gegenüberliegende Tür. »Das passt nicht zu ihm. Er hätte mir Bescheid gegeben, wenn er krank ist«, sagte sie.

»Kennen Sie Gregor gut?«, fragte Enrico.

Die Wangen der Frau färbten sich rosa. »Ja, nein. Wir unternehmen hin und wieder etwas zusammen. Wissen Sie, mein Mann ist vor vier Jahren früh - zu früh - gestorben, und Gregor hatte diese unschöne Trennung von seiner Frau. Das hat uns . zusammengeschweißt.«

Enricos Mundwinkel zuckten. Andrina bemühte sich um einen nichtssagenden Gesichtsausdruck.

»Wir waren verabredet. Ich wollte uns zur Feier des Tages etwas Feines kochen.«

»Er öffnet nicht?« Enrico zeigte auf die Tür.

»Nein. Ich mache mir Sorgen.« Lucia Widmer klopfte gegen die Tür. »Gregor?«

»Ist die Tür vielleicht offen?«, fragte Enrico.

»Nein. Aber ich habe seinen Schlüssel - wenn er nicht da ist. Damit ich Pflanzen gießen und den Briefkasten leeren kann.«

Wieso behielt sie den Schlüssel, wenn Gregor nicht in den Ferien war?

»Ich wollte aber nicht einfach reingehen.«

»Ich denke, das ist ein Notfall«, sagte Enrico.

Notfall, dachte Andrina. War das nicht übertrieben? Es konnte einen simplen Grund geben, weswegen er die Tür nicht öffnete oder das Telefon nicht abnahm: Er könnte schlafen, um sich auszukurieren. Auf der anderen Seite würden sie sich Vorwürfe machen, sollte er ernsthafter erkrankt sein und sie hätten nichts unternommen.

Lucia Widmer holte einen Schlüsselbund hervor, an dem vier oder fünf Schlüssel waren. Nervös spielten ihre Finger mit den einzelnen.

»Okay«, sagte sie.

»Gregor?«, rief sie, als sie die Wohnungstür geöffnet hatte. »Ich bin es.«

Keine Antwort.

Zögernd machte sie einen Schritt ins Innere und rief nochmals seinen Namen.

Andrina kam sich wie ein Eindringling vor, als sie hinter Enrico und Lucia die Wohnung betrat. Sie blieben in dem kleinen Entrée stehen. Obwohl aufgrund des Nebelwetters die Dämmerung bereits eingesetzt hatte, brannte kein Licht.

Lucia Widmer schaltete das Licht ein.

»Gregor?«, rief sie zum vierten Mal.

Auch dieses Mal kam keine Antwort.

Von ihrem Standort aus hatte Andrina einen direkten Blick ins Wohnzimmer, das wie der Eingangsbereich mit schwarzen Bodenplatten belegt war. Einer der drei Spots der Deckenlampe war darauf gerichtet. Sie erkannte im Wohnzimmer einen Teil eines hellgrauen Sofas und eines Glastischchens. An den weißen Wänden hingen wie neben der Garderobe, vor der Andrina stand, abstrakte farbenfrohe Bilder. Zu Andrinas Linken war eine Tür, hinter der sie das Gästebad vermutete.

Der Korridor führte ein Stück geradeaus, bevor er einen Knick machte.

»Gregor?«, rief Lucia Widmer von Neuem. »Ich bin es.«

Stille. Nicht einmal ihr Atmen war zu hören. Es war, als hielten alle gleichzeitig die Luft an.

»Vielleicht ist er nicht da«, sagte Enrico.

»Wo sollte er sein? Immerhin waren wir verabredet, und Ihrer Angabe zufolge ist er krank und konnte daher nicht zur Arbeit gehen. Da wird er kaum unterwegs sein.« Lucia Widmer klang entrüstet. Sie bog um die Ecke - zielgerichtet.

Enrico schien ähnlich unschlüssig wie Andrina zu sein. Er trat zur Tür, die ins Wohnzimmer führte, schaltete das Licht ein und schaute sich um. Andrina betrachtete eins der Bilder. Es war in Rot-, Gelb- und Blautönen gehalten. Schwarze Flecken waren unregelmäßig über die Leinwand verteilt. In dem für Andrina wirr anmutenden Muster konnte sie nicht erkennen, was das Bild darstellen sollte. Sie trat näher heran. Ein ungefähr ein Zentimeter großer rot-schwarzer Punkt bewegte sich über die Fläche, und Andrina zwinkerte. Der Punkt setzte den Weg vom linken zum rechten Bildrand fort. Nun erkannte Andrina, dass es sich um eine Spinne handelte, die über die Fläche krabbelte. Sie rümpfte die Nase und wich einen Schritt zurück. Die Spinne war stehen geblieben, und es war Andrina, als starrte diese sie an.

Andrina wandte sich dem nächsten Gemälde zu. Moment mal. Sie drehte sich zum ersten Bild zurück. Das konnte nicht sein. Vorsichtig beugte sie sich vor.

»Enrico, kannst du bitte herkommen?«

Enrico stieß sich vom Türrahmen ab, gegen den er sich gelehnt hatte.

Ein Schrei ließ sie zusammenfahren.

»Das war Frau Widmer«, sagte Enrico und eilte in die Richtung, in die Lucia Widmer vorhin verschwunden war. Andrina folgte ihm.

Lucia Widmer stolperte aus einem...

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