Ein Herz für Lord Luzifer

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. April 2021
  • |
  • 130 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7515-0645-8 (ISBN)
 
"Lord Luzifer" nennt man Baron Lucius Daventry wegen der unheimlichen Maske, die er seit einer schweren Kriegsverletzung trägt. Die junge Angela überläuft ein eiskalter Schauer, als er sie unvermittelt aufsucht: Sie soll sich mit ihm verloben? Will er sie wie sein teuflischer Namensvetter ins Verderben reißen?
Deborah Hale konnte es nie richtig glauben, wenn ihre Eltern erzählten, sie hätte schon mit sieben Monaten zu sprechen begonnen. Aber wie auch immer, eines ist sicher: Deborah liebt es, Geschichten zu erzählen, seit sie denken kann. In ihrer Jugend las sie unendlich viele Romane über das Meer und schrieb auch mit einer Freundin zusammen ein Buch über Piraten, als sie beide dreizehn Jahre alt waren. Auf den Geschmack gekommen, schrieben beide einzeln weiter und lasen ihre Werke gegenseitig, nur um sich zu bestätigen, welch brilliante Autorinnen sie beide seien. Nun, damals war das ganz sicher noch nicht so. Ein großes Steckenpferd von Deborah war Familiengeschichte; zehn Jahre lang dauerte es, bis sie alles lückenlos beisammen hatte und wusste, dass ihre Vorfahren im 18. Jahrhundert aus Britannien nach Kanada ausgewandert waren. Dieses interessante Hobby von Deborah Hale brachte ihr nützliches Wissen über die Gesellschaft der damaligen Zeit. Dieses Wissen konnte sie ab 1992 besonders intensiv nutzen, als sie ihren ersten historischen Liebesroman schrieb. Diesen überarbeitete sie zwei Jahre später noch einmal, als sie von der Organisation der Romance Writers of America erfuhr. Aber ihre Bemühungen wurden nicht sofort mit Erfolg gekrönt. Erst als weitere unzählige Verbesserungen und Kritiken das Werk geformt hatten, war es soweit: Deborah Hale gewann 1997 den Golden Hearts Award der Romance Writers of America für die beste historische Romance. Dadurch war sie in die Topliga ihrer großen Vorbilder aufgestiegen und überglücklich. Außerdem bedeutete der Preis ein riesen Sprungbrett für ihre Karriere; sie wurde von einer Agentur unter Vertrag genommen und begann, für Harlequin Enterprises Canada zu schreiben. Sie bekam endlich die große Unterstützung, auf die sie die ganze Zeit gehofft hatte. Deborah Hale ist seit siebzehn Jahren verheiratet. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Nova Scotia - zwischen der geschichtsträchtigen ehemaligen Garnisonsstadt Halifax und dem romantischen Annapolis Valley.

1. KAPITEL

Northamptonshire, England, 1818

Wer hat an so einem schönen Tag die Vorhänge zugezogen?" Eilig ging Angela Lacewood, die Haube auf ihrem Kopf zurückgezogen und in einer Hand ein paar dicke Handschuhe, in den Salon von Netherstowe. "Hier ist es wie in einem Grab!"

Sie hatte im Garten gearbeitet und den strahlenden Sonnenschein des Spätfrühlings genossen, als der Butler sie gerufen hatte, um einen unerwarteten Gast zu begrüßen. Angela konnte sich keinen Reim darauf machen, warum sie jemand in Netherstowe besuchen wollte, während ihre Familie im Ausland verreist war. Im Grunde war es ihr jedoch nicht besonders wichtig.

Sie würde die Person so schnell wie möglich abwimmeln, um sich wieder in ihre Welt zurückzuziehen.

Als sie durch den verdunkelten Raum schritt, um die Vorhänge zu öffnen, hatten sich ihre Augen noch nicht an das Halbdunkel innerhalb des Hauses gewöhnt. Aus den Schatten ertönte eine tiefe männliche Stimme, die so klang, als wollte sie jemand in Angst und Schrecken versetzen.

"Lassen Sie die Vorhänge geschlossen! Ich habe sie zugezogen, und so soll es auch bleiben, bis ich wieder gehe."

Überrascht von der brüsken Anweisung ließ Angela ihre Handschuhe fallen und stolperte über den Lieblingsschemel ihrer Tante. Beinahe wäre sie gestürzt, wenn sie in der Dunkelheit nicht von ein paar kräftigen Armen aufgefangen worden wäre.

"Ich bitte um Verzeihung. Ich wollte Sie nicht erschrecken." Die Stimme gehörte zweifellos zu derselben Person, die sie festgehalten hatte, denn sie flüsterte so nah an ihrem linken Ohr, dass es sich fast wie ein Kuss anfühlte. Aber konnte diese sanfte, volle und verführerische Stimme dieselbe sein wie jene schroffe, wegen der sie soeben schmachvoll gestolpert war?

Vielleicht stammen sie doch von ein und derselben Person, dachte Angela. Beide brachten ihr Herz und ihren Atem zum Rasen . aus sehr unterschiedlichen Gründen.

"W.Wer sind Sie, Sir? Und warum sind Sie nach Netherstowe gekommen?" Die Fragen waren ihr gerade über die Lippen geschlüpft, als sie auch schon die Antwort auf die erste Frage erriet. Ihr Puls ging noch schneller - jedoch aus Angst . oder etwas anderem. Sie war sich nicht sicher.

Bevor der Besucher sie wieder freigab, spürte sie die warme Liebkosung seines Atems an ihrem bloßen Hals. Einen Moment glaubte sie, seinen Widerwillen wahrzunehmen, so als wollte er sie eigentlich gar nicht loslassen. Oder vielleicht war es ihr eigener Unmut, sich aus der Umarmung zu lösen, war es doch das erste Mal, dass sie in den Armen eines Mannes lag.

Selbst wenn dieser Mann der Teufel in Person war.

"Lord Lucius Daventry, Miss Lacewood. " Er verbeugte sich steif über ihrer Hand. "Zu Ihren Diensten."

Vielleicht nicht der Teufel persönlich, aber jemand, der ihm in der verschlafenen Landschaft von Northamptonshire wohl am nächsten kam. Trotz des abgeschiedenen Lebens, das sie von der Londoner Gesellschaft führte, wusste Angela, dass ihr Gast von den Witzbolden des ton "Lord Luzifer" genannt wurde. In letzter Zeit hatten auch die Leute im Dorf angefangen, diesen Namen zu verwenden - allerdings nie in Gegenwart Seiner Lordschaft.

"Bitte verzeihen Sie, dass ich Sie erschreckt und mir die Freiheit genommen habe, mich in Ihre häuslichen Angelegenheiten einzumischen." Er deutete auf das Fenster. "Meine Augen reagieren empfindlich auf helles Licht."

War das vielleicht der Grund, weshalb er tagsüber nur selten zu sehen war? Gerüchten zufolge gab es allerdings wesentlich verruchtere Motive für die nächtlichen Umtriebe Seiner Lordschaft.

Ihre Augen hatten sich nun so an das Halbdunkel im Raum gewöhnt, dass Angela die scharfen Konturen einer merkwürdigen Maske erkennen konnte, die Lucius Daventry ein diabolisches, seinem Ruf entsprechendes Aussehen verlieh. Ein großer Lederlappen bedeckte seine linke obere Gesichtshälfte vom Wangenknochen bis zur Schläfe. Unter einem schmalen Schlitz war sein linkes Auge zu sehen.

Ist es nur sein Auge, das kein Licht mehr vertragen kann? fragte sich Angela. Oder war es auch sein Stolz? Vor Waterloo galt Seine Lordschaft als der bestaussehende Junggeselle Großbritanniens. Auch wenn Angela über wenig Erfahrung verfügte, um Vergleiche anzustellen, hatte sie immer gedacht, dass dieser Ruf ihm kaum gerecht wurde.

"Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuchs, Sir? Lord und Lady Bulwick und meine Cousinen sind vor zwei Wochen zu einer Reise auf den Kontinent aufgebrochen. Ich erwarte sie erst in einigen Monaten zurück."

So sehr sie auch versuchte, die Freude darüber in ihrer Stimme zu unterdrücken, wollte es ihr nicht gelingen. In diesem Frühling und Sommer hatte sie das ganze Haus Woche um Woche für sich allein, und niemand würde sie kritisieren oder bevormunden. Diese Aussicht war das Paradies auf Erden.

"Mein Bruder ist im Internat", beeilte sie sich hinzuzufügen.

Für gewöhnlich war Miles immer der Erste, an den sie dachte, doch heute hatte sie ihre Gedanken absichtlich in andere Richtungen gelenkt. Es konnte nichts Gutes dabei herauskommen, sich um die Zukunft ihres Bruders zu sorgen, wenn sie keine Mittel hatte, um ihm zu helfen.

Lord Daventry schüttelte den Kopf. "Ich bin gekommen, um Sie zu sehen, Miss Lacewood."

"Mich? Warum?" Zu spät schlug sich Angela die Hand vor den Mund, um sich an der ungebührlichen Frage zu hindern. Andererseits hatte sie den Mann bereits zweimal nach dem Grund seines Besuchs gefragt. Genauso oft hatte er es unterlassen, sie aufzuklären.

Was er auch jetzt nicht tat.

"Könnten wir uns setzen?", fragte er stattdessen.

"Natürlich." Als Angela auf dem Lieblingssessel ihrer Tante Platz nahm, besann sie sich ihrer Manieren. "Möchten Sie gerne etwas trinken, Mylord? Bitte entschuldigen Sie, dass ich so eine schlechte Gastgeberin bin. Ich habe mich noch nie allein um Besuch gekümmert."

"Nein, danke." Seine Lordschaft wählte einen Sessel, der in einiger Entfernung zu ihr und tiefer im Schatten lag. "Das hier ist genau genommen kein gewöhnlicher Besuch."

Der Mann fing an, ihre Geduld zu strapazieren. Zuerst hatte er ihren erquicklichen Nachmittag im Garten gestört, sie dann erschreckt und schließlich alle möglichen verwirrenden Gefühle in ihr heraufbeschworen, die sie gar nicht empfinden wollte.

"Wenn es kein gewöhnlicher Besuch ist, was ist es dann, Sir?"

Tante Hester hätte vor Wut geschäumt, wenn sie gehört hätte, dass Angela in diesem Ton mit einem vermögenden und Ehrenmann mit Titel sprach, doch Lord Daventry ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

"Alles zu seiner Zeit, Miss Lacewood. Wenn Sie so freundlich wären, sich noch etwas zu gedulden. Um meines Großvaters willen", meinte er in einem Ton, der mehr Gefühle verriet, als er seit seiner Anweisung, die Vorhänge geschlossen zu halten, gezeigt hatte.

"Ihr Großvater?" Angela schoss von ihrem Sessel hoch. "Ist dem Earl etwas zugestoßen?"

Ihr Gast bedeutete ihr, wieder Platz zu nehmen. "Sie beide sind in den vergangenen Jahren gute Freunde geworden, nicht wahr?"

Dieser Mann antwortet offenbar nie auf eine Frage, die ihm direkt gestellt wird, dachte Angela.

"Ich kann nicht für Ihren Großvater sprechen, aber er ist mir teurer als sonst irgendwer . abgesehen von meinem Bruder."

Der liebe Earl of Welland gab Angela immer das Gefühl, klug, anmutig und begabt zu sein. Dabei hatte sie die Hoffnung längst aufgegeben gehabt, diese Eigenschaften jemals zu besitzen.

"Ich kann Ihnen versichern, Miss Lacewood, dass mein Großvater ebenfalls die größte Achtung vor Ihnen hat. Es war sehr freundlich von Ihnen, ihn so oft zu besuchen, als ich . abwesend war."

Auf dem Kontinent, wo er unter dem verehrten Duke of Wellington gekämpft hatte. Ob Lord Daventry wusste, wie viel sie von seinem Dienst in der Kavallerie wusste? Seine Briefe hatte sie dem Earl vorgelesen und über die Abenteuer gestaunt, von denen er mit trockenem, bescheidenem Witz berichtet hatte.

"Mir gefiel die Vorstellung nicht, dass er in diesem großen Haus allein ist. Ganz ohne Gesellschaft - abgesehen von den Dienern."

"Mein Großvater ist so etwas wie eine Lieblingsbeschäftigung von Ihnen, nicht wahr? Soviel ich weiß, gibt es noch ein paar andere solcher Personen in der Gemeinde, denen Sie Ihre Zeit widmen."

Obwohl ihr Besucher weder seine wohlklingende Stimme hob, noch in scharfem Ton sprach, vermutete Angela eine subtile Spitze in seiner Bemerkung. Fühlte er sich von ihr kritisiert, weil er seinen Dienst für den König und das Land vor seine familiären Pflichten gegenüber dem Großvater, der ihn aufgezogen hatte, gestellt hatte?

"Neben Ihrem Großvater gibt es noch andere, die ein bisschen Aufmunterung vertragen können, Sir. Ich tue mein Bestes, ihnen dabei zu helfen, da ich nicht über die Mittel verfüge, sie anderweitig zu unterstützen." Wie schon oft, bedauerte Angela diesen Missstand auch jetzt. "Einsamkeit macht weder vor Rang noch Wohlstand halt." Entgegen ihrer Absicht wurde ihr Ton bissiger. "Doch falls Sie mit 'Lieblingsbeschäftigung' andeuten wollen, dass ich auf meine Freunde herabsehe oder mich wegen meiner kleinen Dienste an ihnen für etwas Besseres halte, dann täuschen Sie sich."

Warum bemühte sie sich überhaupt, diesem überheblichen Menschen ihre Beweggründe zu erklären? Die Familie verlachte seit Langem ihre Neigung, sich um notleidende...

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