HARDCORE-WESTERN, BAND 1 - FÜNF ROMANE IN EINEM BAND

 
 
BookRix (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. November 2019
  • |
  • 607 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7487-2100-0 (ISBN)
 
'Was wird nun aus dem Fort?', fragte Doc Bayard. 'Die Army hat's verkauft.' Van Husen stieß einen Seufzer aus. 'An die personifizierte Sünde.' 'Ach, wirklich?' Bayard zupfte sich interessiert an der Nase. 'Darf ich fragen, was Sie damit meinen?' 'Das sage ich lieber nicht', erwiderte der Lieutenant errötend. 'Außerdem sind es ja nur Gerüchte.' 'Sie scheinen Ihnen trotzdem nicht zu behagen.' Van Husen seufzte noch einmal. 'Nun ja, nach allem, was man so hört, macht der neue Verwendungszweck von Fort Doyle unseren ruhmreichen Streitkräften wenig Ehre.' Van Husen errötete und sagte hinter vorgehaltener Hand: 'Ich hab es zwar nur aus dritter Hand, aber wenn es stimmt... wird hier ein Sündenbabel entstehen. Mit roten Laternen.' Er hüstelte. 'Wenn Sie verstehen, was ich meine.' 'Gütiger Gott', sagte Bayard mit gespielter Empörung. 'Meinen Sie etwa ein Bordell?' Als dem Lebenskünstler Doc Bayard während einer Fahrt durch den Westen bewusst wird, dass man mit 44 Jahren nicht mehr unsterblich ist, will er im nächsten Nest aussteigen und ein neues Leben anfangen. Das Nest heißt Chickenville - doch was ihn dort erwartet, hat er sich in seinen kühnsten Träumen nicht ausgemalt... Hardcore-Western, Band 1 von Ronald M. Hahn enthält die ebenso spannend-mitreißenden wie humorvollen Adult-Western-Romane Das Fort der scharfen Weiber, Die Herrin der Geisterstadt, Peitschen-Lily, Heiße Ladies, dreckiges Gold und Der Biss der Viper.
  • Deutsch
  • 0,56 MB
978-3-7487-2100-0 (9783748721000)

  1. DAS FORT DER SCHARFEN WEIBER


 

 

1.

 

Als Doc Bayard begriff, dass sich die zweite Hälfte seines vierten Lebensjahrzehnts rapide näherte, ließ er den sieben Tage alten Minneapolis Star auf die Knie sinken und schaute aus dem Fenster.

Es war dunkel draußen. Dicke Regentropfen klatschten gegen die Scheibe. Der von grauen Dampfwolken eingehüllte Waggon ratterte über die Schienen. Der Zug fuhr durch eine Gegend, die so ungemütlich war wie Kanada im Winter.

Gottverdammich, dachte Bayard. So kann es doch nicht ewig weitergehen! Irgendwann bist du fünfzig. Dann dauert es nicht mehr lange und du stehst vor deinem Schöpfer. Und wenn es so weit ist - mit welchen Heldentaten willst du dich dann brüsten? 

Na schön, er hatte sich im Laufe seiner vierundvierzig Lebensjahre nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Er hatte aber auch nicht das Leben eines Banditen geführt. Doch wenn er ehrlich zu sich war, musste er zugeben, dass er auch nie zum Wohle der Menschheit unterwegs gewesen war. Auch wenn er keine Banken ausgeraubt und weder Züge noch Postkutschen überfallen hatte... Wenn er an die zahllosen Trottel dachte, die seine flinken Hände in den Spielhöllen von Minnesota, Kansas und Iowa um ihre Barschaften gebracht hatten, musste er sich gelegentlich doch schütteln.

Aber war es etwa seine Schuld, dass sein Vater es nicht für nötig gehalten hatte, ihm und seinen sechs Geschwistern zu erläutern, dass es gar nicht übel war, wenn erwachsene Menschen einen ordentlichen Beruf erlernten, statt bis zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr auf Universitäten rumzuhängen? Bayard schnaubte leise. Wäre es nach seinem alten Herrn gegangen, säße er vielleicht jetzt noch dort und speiste, wenn er vom Studieren müde nach Hause kam, mit einem silbernen Besteckt von Meißener Porzellan. Leider aber war sein Vater vor zwanzig Jahren ziemlich schnell in die Pleite gerast. Inzwischen gehörte das feine Bankhaus Bayard & Delacroix seit Anno Domini 1875 dem noch reicheren Bankier Mr. J. P. Morgan in New York.

Nur deswegen wanderte Bayard seither rastlos durch die Welt, vertrödelte seine Zeit in Lokalitäten, in denen die Zoten dicker waren als die dort tätigen Damen und hielt sich - eines echten Mannes unwürdig - mit dem Kinderkram über Wasser, den er am besten beherrschte: dem Kartenspiel.

Es muss jetzt ein Ende haben, dachte Bayard. Es wird Zeit, dass ich was Ernsthaftes unternehme. Ich fahre nicht nach Denver. Am nächsten Bahnhof steig ich aus, und wenn er 'Hell's Gate' heißt. Ich habe fünfhundert Dollar in der Tasche. Damit fange ich ein neues Leben an. Er faltete entschlossen die Zeitung zusammen, zupfte an seinem schicken schwarzen Binder, richtete seinen grauen Stetson und reckte den Hals.

Die wenigen Passagiere, mit denen er den Waggon seit Cheyenne teilte, waren bereits aufgestanden und standen auf den Zehenspitzen, um ihr Gepäck aus den Netzen zu holen.

Bayard tat es ihnen gleich. Er hievte die beiden grünrot karierten Reisetaschen herunter und stellte sie neben sich auf den freien Sitzen ab. Der Zug verlangsamte sein Tempo. Der Lokführer ließ die Pfeife ertönen, um sämtliche Köter, Kojoten und Kühe zu warnen, die sich eventuell auf den Bahnhofsschienen lümmelten. Schließlich kreischten die Bremsen, und zwar so schrill und schauerlich, dass Bayard sich fragte, ob man vielleicht ein Geschäft damit machen konnte, der Eisenbahngesellschaft Schmieröl zu verkaufen.

Während er in gebannter Spannung nach dem Schild Ausschau hielt, das ihm sagte, wie die nächste Ortschaft hieß, steckte er sich einen schwarzen Zigarillo an. Dann, er hatte gerade zum ersten Mal inhaliert, tauchte das Schild urplötzlich auf:

 

WILLKOMMEN IN CHICKENVILLE.

 

Auch das noch. Bayard war so erschreckt, dass er sich ernsthaft überlegte, ob er noch eine Station weiterfahren sollte.

Nichts da, ermahnte er sich streng. Gesagt ist gesagt. Ein Bayard hält sein Versprechen. Nur rückgratlose Kreaturen werfen sofort das Handtuch, wenn nicht alles optimal ihrem Geschmack entspricht. 

Trotzdem schüttelte sich. Die Passagiere nahmen ihre Koffer und strebten zum Ausgang des Waggons. Bayard schloss sich ihnen flink an. Er klemmte den Zigarillo zwischen seine makellosen Zähne, ergriff die beiden Reisetaschen und stieg aus. Auf dem abendlichen Bahnhof - er bestand eigentlich nur aus einer langen Baracke - war es ungemütlich und kalt. Ein Blick zum Himmel sagte ihm, dass er bedeckt war. Kein einziger Stern war zu sehen. Der von langen Lagerschuppen umgebene Gleiskörper Chickenvilles war so finster, dass die Zuginsassen sich nach der Laterne richten mussten, die der backenbärtige alte Bahnhofsvorsteher schwenkte.

Bayard biss fest in seinen Zigarillo und bahnte sich unter mürrischen Flüchen einen Weg. Die anderen Reisenden schienen sich gut hier auszukennen. Wahrscheinlich wohnten sie hier - er konnte sich nicht vorstellen, dass ein Fremder freiwillig in diesem Nest ausstieg. Als er das Bahnhofsgebäude fast erreicht hatte, rempelte ihn jemand von der Seite an und er verlor auf dem unebenen Boden das Gleichgewicht.

Bayard entglitt der Griff seiner linken Reisetasche. Er hörte einen leisen Aufschrei. Neben ihm fiel irgendwas dumpf zu Boden.

»Gottverdammte Kacke!«

Bayard schaute sich um. Es erschreckte ihn, als er erkannte, dass die Verwünschung nicht aus einer Männerkehle gekommen war. Die blitzend grünen Augen der unbekannten Remplerin maßen ihn fast vorwurfsvoll, als er sei er an der Katastrophe Schuld. Dann ging sie in die Hocke und musterte die Bescherung. Der metallene Verschluss ihres Koffers war aufgesprungen, ein Teil ihres Privatbesitzes lag auf dem Boden verstreut.

Bayard registrierte mit Entzücken, dass der gewagte Ausschnitt ihrer schwarzen Spitzenbluse die mangelnde Länge ihres Rockes mehr als wettmachte. Außerdem stellte er fest, dass an ihren kleinen Öhrchen große goldene Ringe baumelten. Der Fluch, den sie ausgestoßen hatte, sprach freilich dagegen, dass sie eine wohlhabende und gebildete Lady war.

Trotz der Dunkelheit erkannte Bayard einige der Dinge, die aus ihrem Koffer gefallen waren. Sie entzückten ihn noch mehr. Als Gentleman, fand er, war es nur recht und billig, wenn er der Lady ein wenig zur Hand ging. Also stellte er seine Reisetaschen ab, ging neben ihr in die Hocke und half ihr beim Einsammeln. Dies machte ihm besondere Freude, da der erste Gegenstand, den er fand, ein altrosafarbenes Höschen aus feinster Seide war.

»Was machen Sie da?«, fauchte die Frau, als sie sah, wie interessiert Bayard ihr Höschen betrachtete.

»Ich will Ihnen nur helfen, Lady«, erwiderte Bayard, ohne den Zigarillo aus dem Mund zu nehmen. Die anderen Passagiere waren weitergeschlurft, als hätten sie nichts gesehen. Bayard nahm an, dass sie nur bequem waren, was seiner Meinung nach von einer schlechten Kinderstube kündete. Er reichte der Lady das altrosafarbene Höschen.

»Kann ich helfen?« Der Bahnhofsvorsteher eilte mit der Laterne heran. »Sind Sie gestürzt, Lady? Haben Sie sich verletzt?«

Die Lady riss Bayard das Höschen aus der Hand und stopfte es in den Koffer. »Was fällt Ihnen ein, in meinen Intimitäten rumzuwühlen!« Ihre grünen Augen blitzten ihn an. »Ich kenn Sie doch nicht mal!«

»Intimitäten?«, echote Bayard schockiert.

»Ich werde Ihnen leuchten, Lady«, warf der Bahnhofsvorsteher ein. »Bücken kann ich mich leider nicht - ich hab's nämlich im Kreuz.« Er seufzte. »Ist 'n altes Kriegsleiden.«

»Ich helf der Lady schon«, sagte Bayard und hob das nächste Höschen auf. Es war schwarz und aus Spitze.

»Danke.« Bevor die Laterne allzu viel Licht auf den Ort warf, an dem die Katastrophe passiert war, rafft die Lady drei weitere Höschen zusammen. Wie Bayard merkte, sahen sie noch lasziver aus als die beiden ersten.

Erst jetzt, im gelben Schein der Laterne, erkannte er, dass die neben ihm hockende, leicht hektische Frau sehr attraktiv war. Er schätzte sie auf Ende zwanzig, Anfang dreißig. Sie hatte ein schmales Gesicht und schulterlanges rotes Haar.

Unter ihrer Spitzenbluse wölbten sich zwei pralle Hügel, bei deren Sichtung in Bayards Hose spontan die Wollust ihr verdorbenes Haupt reckte. In seinem Kopf entwickelten sich spontan Phantasien von dermaßen unglaublicher Obszönität, dass er sich schüttelte. Keine Frage: Diese animalische Reaktion musste damit zu tun haben, dass er sich seit einer Woche kein Vergnügen mehr geleistet hatte. Er nahm sich vor, sich demnächst - an langen Winterabenden - dafür zu verachten.

Das nächste, was in seine Hand fiel, war das gerahmte Foto eines finster dreinblickenden, ziemlich dunkelhäutigen unrasierten Kerls mit einer langen schwarzen Mähne, dem man auf den ersten Blick ansah, dass er nicht zu einem Anwalt ging, wenn er sein Recht durchsetzen wollte. Da er Bayard auf den ersten Blick unsympathisch war, drehte er das Bild herum und reichte es der Lady. »Bitteschön.«

»Danke.« Die Lady seufzte dumpf, dann verschloss sie den Koffer und stand auf.

Bayard tat es ihr gleich. Sie standen nun im Schein der Laterne des backenbärtigen alten Zausels da und schauten sich an.

Offenbar gefiel der Lady, was sie zu sehen kriegte, denn nun besänftigten sich ihre Gesichtszüge und sie stellte ein Lächeln zur Schau.

»Entschuldigen Sie, dass ich Sie angerempelt habe - aber mir ist auf dem dämlichen Schotter der Fuß umgeschlagen.«

Bayard verzog das Gesicht zu einem freundlichen Grinsen. Seine Phantasien liefen Amok. Die Unbekannte war nicht nur attraktiv...

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