Taschenatlas Hämatologie

Mikroskopische und klinische Diagnostik für die Praxis
 
 
Thieme (Verlag)
  • 7. Auflage
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  • erschienen am 21. August 2019
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  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-13-240846-3 (ISBN)
 
Lernen am Originalbefund
- alle hämatologischen Erkrankungen im charakteristischen Originalbefund
- einprägsame Blickschulung der zelltypischen Merkmale
- diagnostische Leitsätze zu allen Bildtafeln

Normal oder pathologisch?
- Steckbriefe zu allen Zellreihen im peripheren Blut inkl. Knochenmarkbefunden
- rasche Orientierung durch Gegenüberstellung von Bild und Text
- systematische Darstellung der Zellreihen und Krankheitsbilder
- Differenzialdiagnosen und Indikationen zu Untersuchungsmethoden

Sämtliche Untersuchungsmethoden
- Ausstrich- und Färbetechniken, Zähltechnik, Zytochemie, Immunzytologie
- Knochenmark-, Lymphknoten- und Tumorpunktion
- welche Technik eignet sich am besten für die richtige Diagnose?

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7. Auflage
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  • Ärzte
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978-3-13-240846-3 (9783132408463)
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2 Normale Zellen des peripheren Blutes und der blutbildenden Organe


2.1 Einzelne Zellelemente der Hämatopoese


2.1.1 Unreife rote Vorstufen: Proerythroblasten und basophile Erythroblasten


2.1.1.1 Proerythroblasten

Diese stellen die unreifsten Zellen der erythrozytenbildenden Reihe (Erythropoese) dar ( ? Abb. 2.1). Aufgrund der Größe (um 20?µm), der dichten Kernstruktur und des tiefblauen schmalen, homogen wirkenden Zytoplasmasaums mit einer Aufhellungszone ist die Abgrenzung gegen Myeloblasten (Kap. ? 2.1.3?) und so die Zuordnung zur roten Zellreihe möglich. Ihre Teilungsprodukte sind die basophilen Erythroblasten.

2.1.1.2 Basophile Erythroblasten

Diese früher als Makroblasten bezeichneten Zellen haben ähnliche Charakteristika wie die Proerythroblasten, jedoch kleinere Kerne. Im Vergleich zu den Proerythroblasten ist das Kernchromatin etwas gröber und der Kerndurchmesser geringer.

Die Ausreifung der roten Reihe erfolgt in enger Verbindung mit Makrophagen (transformierte Monozyten), die ausgestoßene Kerne von Erythroblasten und Eisen gealterter Erythrozyten durch Phagozytose speichern und an junge Zellen weitergeben.

2.1.1.3 Diagnostische Bedeutung

Proerythroblasten sind nur unter pathologischen Bedingungen im Blut anzutreffen (extramedulläre Blutbildung, Störung der Knochenmark-Blut-Schranke durch Tumormetastasen, Kap. ? 4.3.5, oder akute Erythroleukämie, Kap. ? 3.2). In diesen Situationen kommt es auch zum Auftreten von basophilen Erythroblasten; in Ausnahmefällen können sie vereinzelt bei einer Anämieregeneration ausgeschwemmt werden: etwa nach schweren Blutungen oder bei Überwindung einer Vitaminmangelsituation, Kap. ? 4.4.1).

Info

Rote Blutbildung erfolgt normalerweise nur im Knochenmark.

Frühe Erythropoese.

Abb. 2.1 

Abb. 2.1a Die früheste Vorstufe der Erythrozyten ist der große dunkle Proerythroblast mit lockerem Kernchromatin (1). Unten 2 orthochromatische Erythroblasten (2) und oben ein Metamyelozyt (3).

Abb. 2.1b Proerythroblast (1).

Abb. 2.1c Proerythroblast (1) neben Myeloblast (2) (Kap. ? 2.1.3), unten ein Promyelozyt (3). Links oben ein Metamyelozyt (4) und ein segmentkerniger neutrophiler Granulozyt (5).

2.1.2 Reife rote Vorstufen: polychromatische und orthochromatische Erythroblasten und Retikulozyten


2.1.2.1 Erythroblasten

Unterhalb der Stufe der basophilen Erythroblasten ( ? Abb. 2.2a) folgen die polychromatischen und orthochromatischen Erythroblasten. Beide Zellformen haben einen relativ kondensen, runden Kern und homogen graurosa wirkendes Zytoplasma. Vor der Verwechselung von Erythroblasten mit Lymphozyten ( ? Abb. 2.2) schützt die Beachtung des ganz runden, sehr dichten Erythroblastenkerns und das homogene, unstrukturierte Zytoplasma.

  • polychromatischer Erythroblast: Darunter versteht man heute die noch teilungsfähige unreife erythropoetische Vorläuferzelle mit graublaustichigem Zytoplasma.

  • orthochromatischer Erythroblast: Hier handelt es sich um eine teilungsunfähige, stärker hämoglobinhaltige Form mit schon beginnender Rosafärbung des Zytoplasmas. In dieser letzten Form kondensiert der Kern bis zu einem kleinen, schwarzen und strukturlosen Kügelchen, das schließlich ausgestoßen wird.

2.1.2.2 Retikulozyten

Es zeigt sich nun ein junger kernloser Erythroblast, welcher reich an Ribosomen ist. Die Ribosomen lassen sich durch Spezialfärbungen (Kap. ? 1.2.3) zu netzartigen Gebilden ausfällen, woher sich die Bezeichnung "Retikulozyten" ableitet.

2.1.2.3 Diagnostische Bedeutung

Poly- und orthochromatische Erythroblasten können bei jeder starken Blutneubildung (also nach Blutungen, Eisenmangel oder Vitaminmangel) in der Kompensations- bzw. Behandlungsphase ins periphere Blut ausgeschwemmt werden. Konstant sind sie bei chronischen Umsatzsteigerungen (Hämolyse) im peripheren Blut anzutreffen. Ist eine gesteigerte Regeneration ausgeschlossen, wäre bei kernhaltigen Vorstufen der Erythropoese im peripheren Blut an 2 weitere Störungen zu denken: extramedulläre Blutbildung bei myeloproliferativen Erkrankungen (Kap. ? 3.3.3) oder Knochenmarkkarzinosen mit Störung der Knochenmark-Blut-Schranke (Kap. ? 4.3.5). In den gleichen Situationen sind Retikulozyten (in der Spezialfärbung) über den oberen Referenzbereich vermehrt.

Sie erreichen Extremwerte von zweistelligen Prozentwerten bei akuten Hämolysen und Vitaminmangelzuständen während der Behandlung.

Info

Kernhaltige Vorstufen der Erythrozyten können bei gesteigertem Umsatz in das periphere Blut gelangen.

Kernhaltige Vorstufen der Erythrozyten.

Abb. 2.2 

Abb. 2.2a Zwei basophile Erythroblasten (1) mit kondensem Chromatingerüst und ein polychromatischer Erythroblast (2) mit fast homogenem Kern.

Abb. 2.2b Die Erythropoese organisiert sich im Knochenmark oft um einen Makrophagen (1) mit sehr weitem, hellem Zytoplasma. Um ihn sind verschieden große, polychromatische Erythroblasten gelagert. Erythroblastenmitose (2).

Abb. 2.2c Polychromatischer Erythroblast (1) neben orthochromatischem Erythroblasten (2).

Abb. 2.2d Das Kernchromatin von Lymphozyten (1) und orthochromatischen Erythroblasten (2) ist ähnlich dicht, das Zytoplasma des Erythroblasten aber weiter und ähnelt farblich einem polychromatischen Erythrozyten (3).

Abb. 2.2e Unauffälliges rotes Blutbild mit diskreter Größenvarianz der Erythrozyten. Ein Lymphozyt (1) und einzelne Thrombozyten (2). Die Erythrozyten sind etwas kleiner als der Lymphozytenkern.

2.1.3 Unreife weiße Vorstufen: Myeloblasten und Promyelozyten


2.1.3.1 Myeloblasten

Dies sind die unreifsten Zellen der Granulozytenreihe ( ? Abb. 2.3). Sie sind als "mononukleäre" runde bis ovale Zellen durch eine feiner strukturierte "feinretikuläre" Kernstruktur und ein zarter basophiles und unruhigeres Zytoplasma von Proerythroblasten zu unterscheiden. Auf den ersten Blick können sie auch wie große oder gar kleine Lymphozyten wirken; jedoch hebt die feine Kernstruktur sie davon ab. Im Kern können sich einige zarte Chromatinverdichtungen als Nukleolen abzeichnen. Vereinzelte zarte Azurgranula im Zytoplasma sind möglich.

2.1.3.2 Promyelozyten

Sie sind das Teilungsprodukt der Myeloblasten, werden jedoch meist größer als die Mutterzelle. Die Kernreifung bedingt eine etwas derbere Struktur des Chromatins. Der Kern liegt exzentrisch, eine dem Golgi-Apparat entsprechende Aufhellungszone zieht über die Kernbucht. Im weiten basophilen Zytoplasma liegen reichlich dicke Azurgranula, die Peroxidase, Hydrolasen und andere Enzyme enthalten. Diese Granulationen liegen auch über den Kern hin verstreut.

2.1.3.3 Diagnostische Bedeutung

Beiden Zellformen - Myeloblasten wie Promyelozyten - begegnet man i.?d.?R. nur im Knochenmark. Bei stark gesteigerter Granulozytenneubildung können Promyelozyten...

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