Scherbenhaufen

Fellers dritter Fall
 
 
Gmeiner-Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Juni 2011
  • |
  • 183 Seiten
 
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978-3-8392-3748-9 (ISBN)
 
Im Schlossmuseum Thun geht bei einem Handgemenge ein kostbarer Tonkrug zu Bruch. Der junge Töpfer Niklaus Weihermann wird beschuldigt, doch seine Freundin Eva, die ihn entlasten könnte, schweigt beharrlich. Privatdetektiv Hanspeter Feller bemüht sich um die Aufklärung des Falls und entlarvt den Richter Adam Füssli als Täter. Dieser wird kurz darauf tot am Ufer der berühmten Kleist-Insel geborgen. Die Ermittlungen führen Feller weit zurück in die Vergangenheit und zu einem grauenvollen Verbrechen, das nie gesühnt wurde .
2011
  • Deutsch
  • 1,30 MB
978-3-8392-3748-9 (9783839237489)
3839237483 (3839237483)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Dr. Stefan Haenni, geboren 1958, studierte Kunstgeschichte, Psychologie und Pädagogik. Er arbeitet an einem Thuner Gymnasium als Lehrer für Bildnerisches Gestalten. Sein malerisches Werk präsentiert er in regelmäßigen Ausstellungen. "Scherbenhaufen" ist sein dritter Kriminalroman um den Thuner Detektiv Feller.
1 - 1 [Seite 8]
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22 - 22 [Seite 117]
23 - 23 [Seite 125]
24 - 24 [Seite 130]
25 - 25 [Seite 136]
26 - 26 [Seite 142]
27 - 27 [Seite 145]
28 - 28 [Seite 154]
29 - 29 [Seite 162]
30 - 30 [Seite 167]
31 - 31 [Seite 170]
32 - 32 [Seite 174]
33 - Jetzt fahr'n wir über'n See [Seite 181]
34 - Glossar [Seite 183]
"23 (S. 124-125)

Erinnern und Vergessen? Am Golf von Siam erklingt längst wieder das unbeschwerte Gelächter der sonnenverwöhnten Strandtouristen. Am Thunersee macht sich allmählich der Frühling breit und leistet beidem Vorschub, dem Vergessen und dem Erinnern. Die Blütenpracht lässt den harten Winter vergessen, der sich mit letzten Schneeflecken vergeblich in Erinnerung zu rufen sucht. »Warum wirkt dieses Männchen bloß so einsam?«, fragt Eleonore Günther verwundert. Wir spazieren gemeinsam auf der Aarehalbinsel entlang des Schiffkanals. Ich habe beschlossen, mich dort umzusehen, in der Hoffnung, einen Blick auf die Kleistinsel zu werfen.

»Stimmt, Ellen. Das Denkmal steht ziemlich verloren im Rasen«, gebe ich zur Antwort. Ein bronzener Jüngling sitzt isoliert auf einem Quader und dreht uns den Rücken zu. Wir nähern uns der Figur und lassen uns auf einer der öffentlichen Holzbänke in unmittelbarer Nähe nieder. Eigenartigerweise sind alle Sitzgelegenheiten so ausgerichtet, dass die Statue ignoriert wird. Inmitten wandelnder Spaziergänger, watschelnder Enten und stolzierender Schwäne muss sich der Bronzene einsam und verlassen fühlen. Pausenlos mag er sich die quälende Frage stellen, was er eigentlich am Thunersee verloren hat. Das magere Bäumchen, das der Statue zur Rückendeckung gepflanzt wurde, trägt vorderhand wenig dazu bei, der Verlorenheit der Figur entgegenzuwirken.

»Soweit ich orientiert bin, soll Heinrich von Kleist dargestellt sein«, meine ich. »Und wieso steht er dann nicht auf der Kleistinsel?«, wundert sich Eleonore Günther. »Weil die eben privat ist.« »Schau mal!«, meint Eleonore und erhebt sich von der Bank. »Da steht was am Sockel.« Sie entziffert die Inschrift: ›Sich träumend, seiner eignen Nachwelt gleich, den prächtgen Kranz des Ruhmes einzuwinden‹.« »Du, Hanspeter. Das ist nicht der Kleist. Es ist ein Prinz!« Was wurde mir einst am Gymnasium doziert? Eleonore Günthers Feststellung fördert versunken geglaubte Wissensreste zu Tage.

Die Bronzefigur trage die Züge des Dichters. Explizit zeige sie jedoch nicht ihn, sondern den Helden seines letzten vollendeten Schauspiels. »Jetzt, wo du es sagst«, stimme ich meiner Begleiterin zu. »Prinz Friedrich von Homburg. Er döst in der Anfangsszene des gleichnamigen Dramas unter einer Eiche. Sein Kommandant überrascht ihn, als er sich gedankenverloren ein Kränzchen windet.« »Von seinem Vorgesetzten scheint der bewaffnete Florist wenig Notiz zu nehmen«, bemerkt Eleonore Günther augenzwinkernd. »Der Kommandant begnügt sich mit der Rolle eines Kommentators: ›Als ein Nachtwandler, schau, auf jener Bank, wohin, im Schlaf, wie du nie glauben wolltest, der Mondschein ihn gelockt.«

»Haben sich die Krieger vergangener Tage derart gewählt ausgedrückt?«, zweifelt Eleonore Günther. »Das war kein gewöhnlicher Kriegsherr«, wende ich ein. »Wenn mich nicht alles täuscht, handelte es sich beim Militärchef um den Grafen von Hohenzollern.« Damit scheine ich ihre Zweifel nicht gänzlich ausgeräumt zu haben. Dennoch lässt es Eleonore vorerst dabei bewenden. Sie ergreift meine Hand und zieht mich zurück auf eine Sitzbank. Ich nehme mir vor, zu Hause noch weiter zu recherchieren. In dem Moment radelt pfeifend ein dunkelhäutiger Mann auf einem Fahrrad heran. Er stellt es an eine der rot lackierten Bänke und hockt sich hin. Ohne von uns Notiz zu nehmen, starrt er auf die grünweißen Wellen des Gletscherwassers. Kurz darauf dudelt sein Handy. Er telefoniert lauthals in einer kehligen Sprache, neben der sogar Schweizer Mundart zu naturreiner Lingualsahne zerflösse."

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