Alexanders Erben

Alexander 3
 
 
Heyne (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 4. März 2013
  • |
  • 400 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-09845-2 (ISBN)
 
Alexander der Große - ein unsterblicher Mythos

Von der Donau bis zur Adria, vom Nil bis zum Indus: Dies ist das Reich, das Alexander der Große bei seinem Tod hinterlässt - aber wem? Seine Verwandten, die hohen Offiziere, die Provinzverwalter beginnen einen tödlichen Reigen wechselnder Kriege und Bündnisse. Einige möchten das Reich bewahren, die übrigen haben eigene Ziele: Ptolemaios will Pharao werden, Seleukos Nachfolger der persischen Großkönige, andere wollen Vorderasien, Griechenland, die Inseln ...

Alexanders letzte Frau Roxane und seine Geliebte Barsine bringen Thronfolger zur Welt, seine immer noch machtgierige Mutter Olympias ist die Fürstin aller Niedertracht. Schlachten und Feste, ungeheure Schätze und düsterstes Elend, Liebschaften und Giftmorde, Treue und Tücke, nichts fehlt im Ringen der Diadochen. Schwer genug, in dieser Zeit zu überleben, noch schwerer, wenn man daneben Träume hat. Der junge Offizier Peukestas sucht seinen Vater und will die Geschichte Alexanders und der anderen niederschreiben; der Sänger und Musiker Dymas möchte die Rückseite des Windes und den Rand der Welt sehen; Kassandra will eigentlich nur mit dem Boot ihres ermordeten Vaters zum Fischen ausfahren; die Steppenkriegerin Tomyris sucht den heiligen Dolch, den einer von Alexanders Männern erbeutet hatte und der sie zur Fürstin machen kann. Sie alle bringt der Zufall zusammen und trennt sie immer wieder.

  • Deutsch
  • München
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  • Deutschland
Heyne
  • 1
  • |
  • 1 s/w Abbildung
  • 1,22 MB
978-3-641-09845-2 (9783641098452)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Gisbert Haefs, 1950 in Wachtendonk am Niederrhein geboren, lebt und schreibt in Bonn. Als Übersetzer und Herausgeber ist er unter anderem für die neuen Werkausgaben von Ambrose Bierce, Rudyard Kipling, Jorge Luis Borges und zuletzt Bob Dylan zuständig. Zu schriftstellerischem Ruhm gelangte er nicht nur durch seine Kriminalromane, sondern auch durch seine farbenprächtigen historischen Werke Hannibal, Alexander und Troja. Im Heyne Verlag erschienen zuletzt Caesar, Die Mörder von Karthago und Die Dirnen von Karthago.

Langsam, langsam, als müsse er unendliche Widerstände überwinden, hauchte Alexander etwas; die Lippen bewegten sich kaum.

KRA. Oder GRA. Oder so ähnlich. Alle hatten es gehört, keiner mehr als dies; sie fragten, wollten ihn schütteln, aber er regte sich nicht mehr, und schließlich trieb Philippos alle vor sich her, zurück ins Gesprächszimmer.

»Kra, kra, kra«, sagte Meleagros, als sie berichtet hatten. »Krateros? Nachfolger Parmenions als Oberbefehlshaber nach Alexander, jetzt Nachfolger von Antipatros als Statthalter in Europa - Stellvertreter des Königs, auch Nachfolger?«

»Krateros ist nicht hier«, sagte Perdikkas schneidend. »Vergeßt ihn.«

»Ob er sich nicht in Erinnerung bringen wird?« murmelte Eumenes. »Denkt an Susa, an die Vermählung und die Ehren. Er stand als Dritter da, vor ihm nur Alexander und Hephaistion. Wir alle nach ihm .«

»Vergeßt ihn«, sagte nun auch Ptolemaios; er wechselte einen Blick mit Perdikkas und nickte kaum merklich. Perdikkas zwinkerte.

Philippos schwor, es sei nicht kra, sondern gra gewesen. Vielleicht graia, die Alte - Olympias; damit erntete er Hohn und Empörung. Oder graikos, bei Sophokles ein Begriff für alle Hellenen? »Irgendwas mit gramma- oder graph-; vielleicht hat er doch etwas über die Nachfolge geschrieben?«

»Bah. Wie wär's mit grammatephoros - irgendeinen tüchtigen Briefträger werden wir doch finden, oder?« sagte Leonnatos wütend.

»Kra«, sagte Perdikkas nachdrücklich. »Bloß was - krabbatos? Ein Ruhebett für den Herrscher, oder >laßt mich schlafen<? Krama - das Gemischte, wir alle zusammen? Kranioleios - der >Kahlkopf< Antipatros? Kratistos - der Stärkste, der Beste, der Tapferste?«

»Krateros der Tapfere«, sagte Meleagros.

»Vergiß ihn!« brüllte Perdikkas. »Kra, kra, kra - kratistos. Das ist es. Ich bin jetzt ganz sicher, daß er kratistos gesagt hat.«

»Ist es dir gelungen, dich dazu zu überreden?« sagte Eumenes mit einer Grimasse. »Und wer soll das sein - der Beste, Tapferste, Stärkste?«

»Das werden wir nach und nach feststellen.«

»Außer mir noch jemand für Krateros?« sagte Meleagros, der sich durch Perdikkas' Gebrüll nicht einschüchtern ließ.

Keiner antwortete.

Nearchos wanderte durch die Schlieren der Schlaflosigkeit im Gewölbe der Nacht umher. Er durchquerte ganz Babylon, oder jedenfalls den größten Teil der Stadt. Kein Stern war zu sehen; die dichten Wolken hatten sich immer noch nicht aufgelöst, sie brüteten über allem wie eine Glucke. Zahllose Menschen waren auf den Straßen und Plätzen, hockten leise murmelnd irgendwo zusammen oder warteten stumm auf etwas, das ebenso gewiß war wie unfaßlich.

Im Morgengrauen kehrte er in den Palast zurück. Etwas zog ihn in den leeren Thronsaal. Es gab keine Wachen; nichts außer dem Thron der Großkönige, von Susa hergebracht, war dort zu stehlen. Er hörte ein fernes, fast unheimliches Geräusch, konnte aber im Zwielicht nichts erkennen. Es klang wie ein Schaben, dann ein Kichern. Er ging dem Ton nach.

Erst als er vor den Stufen des Throns stand, im Schatten zwischen zwei halbhellen Fensteröffnungen, sah er Arridaios, Alexanders Halbbruder, Sohn von Philipp und Philinna. Er trug einen makedonischen Reisemantel. Auf dem Kopf hatte er die doppelte Krone des Pharaos, in der einen Hand das Königsschwert Makedoniens, in der anderen Hand des Großkönigs Diadem. Die kalten Augen glitzerten. Nearchos seufzte und winkte; langsam stieg der Mann, den alle für schwachsinnig hielten, vom Thron. Er murmelte etwas wie: »Bist du so sicher?« Nearchos nahm ihm die Herrschersymbole ab und trug sie zurück in den kleinen Rüstraum neben Alexanders Schlafgemach.

Auf dem Gang, der zum größten Innenhof führte, sah er Ptolemaios, im Gespräch mit Simmias, der seinen Horchposten beim Ammoneion in Siwah verlassen hatte, um dem König wichtige Dinge aus der libyschen Wüste und Karchedons Gebiet zu erzählen. Nearchos nickte den beiden zu; im Vorübergehen hörte er Simmias sagen, Ägypten enthalte gewisse Verheißungen, und er hörte Ptolemaios ächzen.

Der 28. Tag des makedonischen Daisios-Mondes wollte nicht richtig hell werden. Schwere dunkle Wolken trieben träge über die Stadt und das Land. Es war schwül, drückend schwül; Nearchos sprach leise mit einigen Offizieren und Hopliten im Hof. Bedeutungslose Worte; alle warteten nur auf eines. Und auf Regen. Dichtgedrängt standen, hockten und saßen sie da, mehrere tausend Männer; in den übrigen Höfen und in den Gärten noch mehr.

Das Murmeln, Raunen, Seufzen endete plötzlich, als Gestalten zwischen den Säulen vor dem Thronsaal erschienen. Hetairen, in voller Rüstung, bildeten rechts und links des Eingangs Reihen. Wie die anderen stand Nearchos auf; irgendwo hörte er Männer schluchzen.

Die angesehensten der in Asien weilenden Männer des Heers erschienen: Perdikkas, rechts von ihm Ptolemaios, links Lysimachos. Sie hatten Rüstungen angelegt, trugen aber keine Helme. Lysimachos hielt auf den ausgestreckten Armen ein Kissen mit der Doppelkrone der Pharaonen. Ptolemaios trug Krummstab und Dreschflegel. Perdikkas hielt mit beiden Händen das große Schwert der makedonischen Könige. Vom Schwertgriff hing das Diadem der Achaimeniden.

Perdikkas blieb auf der obersten Stufe zum Hof stehen. Er starrte auf den Boden, nickte und rammte das Schwert in die Fuge zwischen zwei Quadern. Es schwankte, bebte, verhielt.

Der Chiliarch trat einen kleinen Schritt zurück, betrachtete wie blind das Schwert, hob den Blick, sah den übervollen Hof, die unzähligen Köpfe. Dann reckte er die Arme, mit geballten Fäusten, stieß einen langen, qualvollen Schrei aus und wandte das tränenüberströmte Gesicht zum Himmel.

Niemand spürte die ersten dicken Tropfen.

Dymas legte den Halm beiseite und überflog, was er für Aristoteles geschrieben hatte. »Als ob ich alles gesehen hätte«, murmelte er. »Aber wie, wenn nicht >als ob<, soll ich so etwas aufzeichnen? Ich kenne mich nur mit Versen aus. Und mit Musik.«

Seine geheimen Berichte hatte er früher so aufgezeichnet, und er nahm an, daß die Empfänger sie gelesen hatten, als ob sie ihm und ihnen glauben und zugleich mißtrauen sollten. Wie, außer durch Zweifel, kann denn Gewißheit entstehen? Was, außer dem gründlichen Zweifel, ist schon gewiß? Zweifellos war er selbst im Hof gewesen, als Perdikkas jenen Schrei ausstieß, und ohne jeden Zweifel hatte Nearchos ihm von der Begegnung mit Arridaios erzählt.

Vielleicht hatte Nearchos diese aber auch nur geträumt. Andererseits neigte der Kreter weder zum Träumen noch zu poetischen Lügen. Lügen konnte er trefflich, wie alle Kreter, aber solche Nachtpoesie war ihm fremd.

Arridaios auf dem Thron . Warum nicht? Philipp hatte das Schwert, das unvergleichliche Heer geschmiedet, Alexander hatte es geführt und verwandelt und die halbe Welt erobert. Parmenion hätte das Schwert ergreifen können, aber er war tot. Vielleicht könnte Antipatros es, aber Antipatros war alt und in Makedonien, nicht hier, nicht in Babylon, und für den Thron kam er nicht in Frage.

Dymas erhob sich vom Tisch, an dem er gesessen und geschrieben hatte. Er dehnte sich, gähnte und ging zur Fensteröffnung. Unter dem Bogengang davor staute sich die Hitze. Palmen im Hof und ein Brunnen, der mehrere Becken speiste, milderten sie nur mäßig. So, wie im Hof die Schatten fielen, mußte es mittlerer Nachmittag sein. Drüben, im großen Beratungsraum, schwollen die Stimmen wieder an. Noch kein Gebrüll, aber beinahe, und bald würde der nächste Stimmenschwall durch den Hof brausen, eine Klangbö, die nichts klärte und niemanden erfrischte.

Der Perser - ein Sklave, den sie ihm zugeteilt hatten - schob den Türvorhang beiseite und blickte ihn fragend an. Dymas winkte ab. Der Mann verbeugte sich und kehrte zurück in den Gang. Zurück zu den Wächtern. Zwei, die alle paar...

"Gewohnt sachkundig und packend von einem der besten Autoren in Szene gesetzt."

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