Yehuda, der Fremde

Roman
 
 
neobooks Self-Publishing
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 21. März 2021
  • |
  • 303 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7531-8340-4 (ISBN)
 
Yehuda gelingt eine meisterhafte Investition in ein Pharma Start-Up. Er gelangt zu einem sehr großen Vermögen. Er setzt sich in den Kopf in einem arabischen Land eine Firma zu gründen. Ein Konkurrent, initiiert eine Kampagne gegen ihn, die sich schnell verselbständigt. Von vielen Seiten gerät Yehuda unter Druck...
  • Deutsch
  • 0,32 MB
978-3-7531-8340-4 (9783753183404)
Tobias Haarburger interessieren Veränderungen in Menschen, die in der Mitte ihres Lebens stehen. Veränderungen die durch innere Bedürfnisse, oder äußere Ereignisse ausgelöst werden. Menschen entwickeln sich ihr Leben lang, sie suchen nach ihren Versäumnissen, ihren Schwächen und erkennen ihre Kräfte und Talente.

Kapitel 2

Morten Wilson trug nur wenige sympathische Züge. Er war selbstbezogen und suchte in allem seinen Vorteil. Mit zweiunddreißig Jahren hatte er es zum Vertriebsleiter einer Geschäftseinheit eines der größten Pharmaunternehmen der Welt gebracht. Was ihn dorthin gelangen ließ, war seine Unaufrichtigkeit und dass er keine Scheu davor hatte, jeden Widersacher - und er sah in jedem Kollegen einen solchen - kaltschnäuzig zu verleumden. In dem amerikanischen Unternehmen herrschte eine Betriebskultur, die gerade ein solches Verhalten förderte. In der englischen Stadt Manchester, wo Morten lebte, hatte die Firma ihre Basis für Europa. Sein großes Verkaufstalent beeindruckte den Vorstandsvorsitzenden des Gesamtkonzerns so sehr, dass ihm Morten unentbehrlich schien. Er schätzte, wie sich Morten nach oben geboxt hatte. Dieser Geschäftsführer sah sowohl über Mortens unaufrichtige Art hinweg als auch über die Extravaganzen, die er sich selbstherrlich herausnahm. Dazu zählten Flüge in der ersten Klasse, das Anmieten von Luxusfahrzeugen, Hubschrauberflüge und Betreuungsfeste für Kunden, bei denen alle sittlichen Schranken fielen. Morten sammelte in seiner Laufbahn, wie konnte es anders sein, viele Freunde, aber vor allem Feinde. Der Vorstandsvorsitzende, bei dem die Abrechnungen landeten, welche die Buchhaltung durchaus nicht akzeptieren wollte, redete ihm bisweilen sanft ins Gewissen und strich ihm die eine oder andere Quittung, doch hatte es Morten innerhalb eines Jahres geschafft, sowohl den Umsatz als auch die Marge um jeweils 10 Prozent zu steigern und das war es, was zählte. In Mortens Privatleben herrschte hingegen einige Unordnung. Er war zweimal geschieden und musste für drei Kinder Alimente bezahlen, wogegen er sich mit allen Mitteln sträubte. Seine Kollegen vermuteten, dass ihm trotz seines stattlichen Einkommens alles weggepfändet wurde. Deshalb wohnte er wohl bei seiner Mutter. Er neigte dazu, laut Musik zu hören, die man nur als maximal disharmonisch bezeichnen konnte, und besuchte mit Leidenschaft Rockkonzerte, die regelmäßig in einem wüsten Schlamm untergingen. Manchmal war er tagelang nicht aufzufinden und erschien dann in einem erbärmlichen Zustand zu den Sitzungen. Der Aufsichtsrat versuchte Morten seit Langem loszuwerden, doch wehrten sich die Arbeitnehmervertreter gegen sein Ausscheiden, da auch sie von seinen Eskapaden profitierten. Morten setzte seine Verkäufer unter Druck, verteilte aber auch großzügige Boni und die Firma bezahlte Besuche in gewissen Einrichtungen. Morton hatte sehr viel Energie, worin seine größte Stärke lag. Er redete überzeugend und eloquent und konnte sich mit einem feinen Lächeln in den charmantesten Unterhalter verwandeln. Auch hatte er ein gutes Produktwissen und rechnete auf seinem übergroßen Taschenrechner, der auf seinem Schreibtisch stand, Rabattsätze aus, welche die Marktsituation treffend widerspiegelten. Wenn es sein musste, erschien er auch in einem exzellent passenden Anzug und sah überhaupt sehr stattlich aus, was auf seinen regelmäßigen Besuch in einem Fitnessstudio zurückging. Morten war nicht klassisch intelligent, sondern hatte diese Bauernschläue, die sich Menschen aneignen, wenn sie blind ihrem Instinkt folgen und ein gewisses Maß an emotionaler Intelligenz besitzen. Er war wegen seiner Unberechenbarkeit und seiner Intrigen sehr unbeliebt, aber seine Kollegen wagten nicht, sich mit ihm anzulegen. Die einen meinten, mit halbem Ernst, man würde ihn eines Tages mit einem Kopfschuss in seinem Bürostuhl kreisend vorfinden. Andere trieben seine Versetzung nach Russland oder Asien voran, was aber bisher noch jedes Mal scheiterte.

***

An einem Morgen im Oktober wurde Morten Wilson in das Büro seines Chefs, des Leiters der Geschäftseinheit, gebeten. Albert Taylor verfolgte eine Sache, bei der er Mortens Eigenschaften gewinnbringend einsetzen konnte.

"Schließ die Tür", bat er ihn als Erstes und setzte ein wichtiges Gesicht auf. "Hast du schon einmal von einer Firma namens Explizit Pharmaceuticals gehört?", fragte Albert Taylor. Morten verneinte. Er hatte sich nicht auf einen Besucherstuhl gesetzt, sondern lehnte an einem Nebentisch, auf dem die Kaffeemaschine stand. "Die Firma ist praktisch pleite", erklärte Albert Taylor, mal auf seinen Computer, mal zu Morten blickend. "Sie ist eines der vielen Start-ups, die aus der Harvard Medical School hervorgegangen sind. Die Firma hat es tatsächlich geschafft, eine Zulassung für ihr Produkt zu bekommen. Es ist ein Antibiotikum gegen multiresistente Keime." Albert Taylor erklärte weitere Einzelheiten. "Die Firma gehört zwei Oldies, die beide nicht aus Amerika stammen. Ein Grieche und ein Italiener. Nicos Papadopulos und Francesco Moretti heißen sie, beides Professoren. Vielleicht haben sie einfach keine Ahnung, wie man eine Firma führt. Es sind beides bekannte Wissenschaftler, die inzwischen im Ruhestand sind. Unser Vertrieb in den USA hat es geschafft, dass das Medikament bisher von keinem Großhändler aufgenommen wurde. Was die Firma aber interessant macht, sind die Rechte an den Wirkstoffen, das heißt an dem Knowhow. Natürlich haben sie alles patentiert und das ist genau, was wir brauchen: ihre Patente. Nun stand Albert auf, ging an die Kaffeemaschine, schob Morten zur Seite, goss sich Kaffee ein, ohne Morten etwas anzubieten, und sagte etwas boshaft: "Vermutlich sind das die letzten Werte, die ihnen geblieben sind."

"Okay, und was wäre meine Aufgabe dabei?", fragte Morten, der seine Arme vor dem Oberkörper verschränkte und ungeduldig auf seine Uhr sah.

"Wir werden nicht die einzigen sein, die Interesse an den Patenten haben. Flieg in die USA, rede mit den Leuten und kaufe die Patente." Morten gefiel diese Aufgabe. Er freute sich sogleich auf das Gespräch mit den beiden bankrotten Professoren. Er hatte zu der Aufgabe keine besonderen Fragen. Er verstand sofort.

"Gut, das mache ich", antwortete er kurz und ging zurück in sein Büro. In drei Tagen würde das erledigt sein, dachte er. Er verließ am Abend das Büro, nachdem er einen Flug gebucht hatte, und ohne mit Papadopulos oder Moretti zu telefonieren, machte er sich auf den Weg. Unterwegs am Flughafen sichtete Morten, was an Bilanzen veröffentlicht worden war, und stellte sich Informationen über das Medikament zusammen. Dann las er die Biografien der beiden Wissenschaftler. Am Ende suchte er nach Medikamenten mit identischen Eigenschaften, fand aber nichts.

***

Yehuda befand sich im Flugzeug nach New York. Von dort aus wollte er mit einem Mietwagen nach Boston weiterfahren. Er war in einer hoffnungsfrohen Stimmung. Mit dreißig Jahren wollte er eine Firma übernehmen. In ihm wechselten sich jedoch Zweifel und Zuversicht ab. Er hatte eine Liste darüber angefertigt, welche Punkte er untersuchen musste. Eine Sache ging ihm nicht aus dem Kopf. Pinchas hatte gesagt, er könne das nicht alleine schaffen. Das war richtig. Er brauchte mindestens einen Partner, einen Sparringspartner, um Entscheidungen vorzubereiten und gemeinsam zu treffen und auch, um die Firma zu leiten. Ihm fiel ein palästinensischer Kollege ein, Mahmoud al-Masri. Sie kannten sich einigermaßen gut, wobei sie sich noch nie privat getroffen hatten. Sie hatten sich gleich im ersten Semester an der Universität kennengelernt und pflegten seither einen respektvollen, wenn auch etwas distanzierten Umgang miteinander. Nach dem Studium fingen sie in derselben großen Firma an. Mahmoud leitete eine Produktionslinie, der typische Einstiegsjob für einen Absolventen, der im technischen Bereich Karriere machen wollte. Er wohnte in Wadi Nisnas, einem Stadtteil von Haifa, und fuhr jeden Morgen die weite Strecke nach Netanya. Yehuda hatte den Eindruck, dass ihn und Mahmoud ein stillschweigendes Vertrauen verband, eines, das sich manchmal zwischen Menschen bildet, auch wenn es nie ausgesprochen wird. Sie respektierten sich und halfen sich in gemeinsamen Besprechungen. Auch waren sie gleich alt und hatten beide Kinder im selben Alter. Allerdings fürchtete Yehuda, dass er einen Partner brauchte, der zunächst nach Boston ziehen würde. Dort befand sich die Firma, auch wenn die Medikamente in Indien hergestellt würden. Da Mahmoud nicht einmal von Haifa nach Netanya ziehen wollte, hielt es Yehuda für ungewiss, ob er in die USA wechseln würde. Aber noch war es nicht soweit. Er musste vorher noch viele Hürden nehmen.

***

Yehuda döste eine halbe Stunde. Er dachte an seinen Ururgroßvater, den Pionier, der mit achtzehn Jahren aus Russland nach Palästina gekommen war. Er war 1870 geboren und lebte bis 1942. Die Pogrome in den 1880er-Jahren in Russland waren entsetzlich geworden. Man wurde einfach erschlagen, nur weil man Jude war. Die westeuropäische jüdische Elite nahm sich derer an, die auswandern wollten. Die meisten reisten in die USA, andere in irgendwelche Kolonien oder nach Südamerika. Nur eine kleine Minderheit von Zionisten wanderte nach Palästina aus. Sie waren Vieh- oder Getreidehändler, manche auch Gelehrte, aber praktisch gearbeitet hatte noch niemand. Nathan Itzhak Rosenberg brachte sich alles selbst bei, jedenfalls das, was er für den Aufbau seines Geschäftes brauchte. Am Anfang gab es nur ganz einfache Siedlungen. Rishon Le-Zion war die erste. Dann gab Baron Edmond de Rothschild mehr Geld, um weitere Siedlungen zu errichten. Die eingewanderten Juden mussten lernen, als Landwirte zu arbeiten oder sie wurden Winzer und stellten Wein her. Aber keiner von ihnen war diesen Herausforderungen sofort gewachsen. 1918, als er sein eigenes Geschäft gründete, war Yehudas Vorfahre achtundvierzig Jahre alt und verstand das Transportgeschäft in Palästina wie kein anderer. Er begann mit einem Fuhrwerk und besaß am Ende seines Lebens die erste und größte Spedition des Landes. Erfahrung gesammelt...

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