Dem Leben so nah wie nie zuvor

Wie der Tumor mich stärker machte
 
 
Cameo Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen im September 2016
  • |
  • 230 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
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978-3-906287-19-5 (ISBN)
 
«Haben denn Schicksalsschläge keine Weihnachtsferien?»

Nein, haben sie nicht.
Ausgerechnet an Heiligabend eröffnet Dr. Lukes auf unmissverständliche Art und Weise die niederschmetternde Diagnose: Hirntumor.

«Ich sagte laut und klar, dass ich dieses Ding so rasch wie möglich draußen haben möchte.» so die Patientin Tanja Gutmann. Die Folgen dieses eindeutigen und bestimmten Entscheides zeichnen sich allmählich ab. Auf mannigfaltige Art und Weise ergreifen sie nach und nach Besitz vom Leben der prominenten Patientin. Oftmals schleichend, auf leisen Sohlen, dann wiederum unbarmherzig, mit Getöse hereinbrechend. Schlag auf Schlag müssen Träume und Karriereplanung der Angst und Unsicherheit weichen.

Tanja Gutmann erläutert auf eindrückliche Weise, wie wir auch in sehr belastenden Momenten positive Botschaften finden können. Sie motiviert und ambitioniert das Leben in seiner Fülle zu genießen und vermittelt Tipps im Umgang mit schwer hinnehmbaren Momenten der Lebensbewältigung.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Neue Ausgabe
  • 0,49 MB
978-3-906287-19-5 (9783906287195)
390628719X (390628719X)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Ex-Miss Schweiz, Moderatorin, Schauspielerin, Botschafterin und Hypnosetherapeutin.
Die nur wenige Jahre nach ihrer Krönung zur Miss Schweiz erhaltene Diagnose Hirntumor veränderte ihr Leben schlagartig. Doch sie lässt sich nicht niederkriegen, sondern motiviert und spornt mit ihrer sehr bereichernden Leichtigkeit an in jeglichen Belangen die positiven Seiten zu finden.
Sie engagiert sich für wohltätige Zwecke, ist Botschafterin der Guido Fluri Stiftung, moderiert diverse Events und TV-Formate und behandelt als Hypnosetherapeutin zahlreiche Klienten.
1. KAPITEL

Schock-Diagnose


Es ist Dienstag, 24. Dezember 2002. Ich sitze im Auto und die Tränen laufen mir in Strömen herunter. Ich stehe unter Schock. Alle meine Emotionen werden wie von einem Schalter von off plötzlich auf on gesetzt. Habe ich vor wenigen Minuten noch nichts gespürt, überfallen mich jetzt alle Gefühle auf einmal.

Tief in mir drin ist eine Fassungslosigkeit, ein Nicht-begreifen-Können, eine unglaubliche Angst. Eine Todesangst. In dem Moment fühle ich, zum ersten Mal in meinem Leben, dass der Tod plötzlich da sein könnte. Dass das Leben unberechenbar ist. Und gleichzeitig bin ich dem Leben so nah wie nie zuvor.

Ich beginne zu realisieren, was gerade passiert ist und löse mich langsam aus meiner Schockstarre.

War's das? Ich bin erst 25. Soll mein Leben etwa jetzt schon zu Ende sein? Ich habe doch noch so viel vor!

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich die Schauspielschule abgeschlossen. Ich bin erst gerade nach München gezogen und will jetzt so richtig loslegen. Vor wenigen Tagen hat mir ein bekannter deutscher Regisseur eine Filmrolle angeboten. Meine erste Rolle!

Ich wollte immer Kinder haben, reisen, die Welt entdecken und überhaupt, wie sag ich es meinen Eltern, meiner Schwester, meinem Freund?!

Es kommt mir vor, wie wenn mein Leben aus normaler Geschwindigkeit auf Slow Motion heruntergebremst wird, bis es fast stillsteht.

Ich sehe mich, wie ich mich von meiner Familie verabschieden muss, male mir aus, was ich ihnen als Letztes sagen würde, bevor ich sterbe und fühle eine so unglaublich tiefe Trauer, dass ich meine Angehörigen jetzt bald zurücklassen würde.

Ich heule von neuem drauflos und schluchze laut. Jemand läuft durchs Parkhaus und an meinem Auto vorbei. Es ist mir so was von egal, wenn jemand hört, wie elend ich mich gerade fühle. Ich schluchze einfach weiter.

Was, wenn das alles nur ein böser Traum ist und ich gleich aufwache? Schön wär's! Ich habe Mühe alles einzuordnen. Was ist Wirklichkeit, was nicht? Die Situation ist einfach zu surreal.

Was war eben gerade passiert?

Vor rund einer Stunde war meine Welt noch völlig in Ordnung. Ich hatte einen Termin in der Neurologie im Inselspital Bern. Ich hatte zwar keinen blassen Dunst, was ich hier wirklich sollte. Mein Hausarzt wollte unbedingt, dass ich noch weitere Tests machen lasse, nachdem wir die MRI-Bilder von meinem Gehirn besprochen hatten. Er sagte mir, ich müsse mir keine Sorgen machen, es sei alles in Ordnung, da sei nur etwas, das nicht sein müsse. Aber das wäre nicht weiter ein Problem. Ich begriff zwar nicht, warum ich dann noch ins Spital zu weiteren Untersuchungen sollte, aber ich habe das auch nicht näher hinterfragt. Dass ich seine Antwort einfach so geschluckt habe, das verstehe ich heute noch nicht. Normalerweise rieche ich 10 Kilometer gegen den Wind, wenn etwas komisch ist.

Also sitze ich nun da mit einem Neurologen, der Hirnnerventests mit mir macht.

Ich muss z. B. die Augen schließen und erst mit dem rechten und dann mit dem linken Zeigefinger auf meine Nase tippen oder auf einem Bein hüpfen. Er streicht mir mit einem spitzen Gegenstand über die Fußsohlen und die Arme um mein Gefühl zu testen.

"Wozu das wohl gut ist?", frage ich mich. Solche Übungen haben wir ja schon im Turnunterricht in der 1. Klasse gemacht.

Und ich muss eigenartige Fragen beantworten. Zum Beispiel ob ich schon einmal Lähmungserscheinungen oder Sprachstörungen gehabt habe.

Info: Warum macht man Hirnnerventests?

Beim Hirnnerventest wird der neurologische Status der Hirnnerven und der Rückenmarksfunktion getestet.

Dabei werden alle 12 Hirnnerven und ihre vielen Verbindungen kontrolliert. So erhält der Neurologe wichtige Hinweise, welche Hirnareale zum Beispiel bei einem Schlaganfall betroffen sind. Oder ob ein Tumor mit bestimmten Hirnnerven verwachsen ist und eine Operation erschweren oder Risiken darstellen könnte und man nach der Operation mit körperlichen Einschränkungen rechnen muss.

Ist dies der Fall, dann machen sich bei den Tests zum Beispiel Gleichgewichtsstörungen, Einschränkungen im Tasten oder Fühlen, beim Schlucken, Sehen usw. bemerkbar.

Oft nimmt man ja schon im Alltag wahr, ob sich bestimmte Körperfunktionen verändert haben. Die Anamnese, also das Vorgespräch mit dem Chirurgen, Symptome, die der Patient schildert und die Hirnnerventests geben sehr wichtige Hinweise um Risiko und Nutzen des Eingriffs abschätzen zu können. Diese Erkenntnisse vergleicht der Neurologe dann mit dem MRI-Bild um sich so ein möglichst genaues Bild von der Tumorlage machen zu können. Es ist also wichtig und für den Neurologen sehr aufschlussreich, wenn der Patient alle Veränderungen, die er selber schon bemerkt hat, ganz genau schildert.

Nachdem wir alle Tests durchgeackert hatten, und das dauerte rund eine halbe Stunde, fragte er mich, ob ich Zeit hätte zu warten, dann würde er alles mit seinen Kollegen besprechen und mir gleich Bescheid geben.

Ich hatte Zeit, ja, es war ja der 24. Dezember und ich wollte danach nach Luzern zu meinem Freund fahren, um mit ihm und seiner Familie Weihnachten zu feiern.

Also saß ich da und wartete.

Das Zimmer war eher klein. Da gab es ein Untersuchungsbett, einen Spiegel, ob ein Pult darinstand, weiß ich nicht mehr, aber es gab eine große Leuchtwand um die Röntgenbilder anzuschauen und ein, zwei Stühle.

Ich saß da und ärgerte mich schon etwas, dass ich kein Buch dabeihatte. Denn da gab es absolut nichts zu lesen. Und ich wartete ziemlich lange.

Nach einer gefühlten Ewigkeit ging plötzlich die Tür auf und drei Neurologen kamen herein. Die Atmosphäre im Raum wurde plötzlich angespannt. Ich saß immer noch ahnungslos da, aber langsam wurde mir mulmig. Das war komisch. Gleich drei Ärzte? Und alle schauten so ernst.

Sie stellten sich kurz vor und einer fragte mich dann, ob ich alleine hier sei.

Ich antwortete: "Ja, warum?"

Diese Frage überraschte mich irgendwie und machte mich etwas misstrauisch.

Meine Eltern hatten mich gefragt, ob sie mitkommen sollten, aber ich hatte abgewunken. Ich sagte, das sei schon in Ordnung, ich würde da einfach hingehen und danach gleich nach Luzern zu meinem Freund Sacha fahren.

Also saß ich alleine da vor diesen drei Spezialisten, die sich nach meinem Ja kurz verdutzt anschauten. Da war auch ein kleines Zögern in der Körpersprache, so als ob sie jetzt gerade nicht wüssten was zu tun sei und das mit kurzen Blicken abklären müssten.

Oftmals spürt man, dass irgendetwas nicht stimmt, dann nimmt man plötzlich alles, die Umgebung, den Raum, das oder in meinem Fall die Gegenüber, ganz intensiv wahr. Man fasst die kleinsten Gesten, Blicke, Atemzüge oder ein winziges Zögern sofort auf.

Man scheint wie in Alarmbereitschaft zu stehen und kann alles in einer Millisekunde einordnen. Man denkt weder rational noch emotional. Der ganze Körper ist voll auf dem Intuitions-Modus.

"Hatte jemand in Ihrer Familie einmal einen Hirntumor". Peng, da war der nächste Satz und peng, ich wusste, was es geschlagen hatte.

Ich nahm plötzlich alles wie in Zeitlupe wahr und die drei Neurologen rückten irgendwie in die Ferne. Innerlich war ich wie gelähmt und gleichzeitig hinter einer Glasscheibe.

Ich fühlte nichts. Ich war leer. Im Schock. Ich realisierte gar nichts mehr.

Ich antwortete mit nein.

Sie erklärten und zeigten mir auf dem MRI-Bild wo der Tumor war.

Ich kann mich noch so gut an diesen Moment erinnern. Ich schaute auf den Punkt im Kleinhirn auf der Höhe des linken Ohrs, auf den die Ärzte deuteten und dachte: "Habe ich es doch gewusst, dass da etwas nicht stimmt und nicht mitten im Hirn." Mein Hausarzt hatte nämlich immer auf die Hypophyse gezeigt, als er von dem "kleinen Problem" sprach, das nicht sein sollte. Mein Gott, er hatte mich elegant hinters Licht geführt. Aber mehr dazu später.

Einer der drei Neurologen sagte mir, dass anhand von meinem Alter und so wie der Tumor auf dem Bild aussah, er zu 95 % gutartig sei. Aber wirklich wissen tue man es erst, wenn man ihn rausoperiert und im Labor untersucht habe.

Sie schätzten den Tumor auf 3 mal 3 Zentimeter.

Ich fragte, was sie mir empfehlen würden.

Operieren wäre eine Möglichkeit oder noch abwarten und schauen, wie er sich entwickelt, wäre die andere Option.

Ich sagte laut und klar, dass ich dieses Ding so rasch wie möglich draußen haben möchte.

Ich dachte nicht einmal nach, was das bedeutet oder welche Folgen eine Hirnoperation haben könnte. Für mich war einfach klar: Raus damit! Und zwar schnell. Ich will den Tumor keinen Tag länger als nötig in mir drin haben.

Einer der Ärzte meinte, er würde mir auch zu einer Operation raten, da der Tumor zwar wohl ziemlich sicher gutartig sei, sich aber mit der Zeit auch in einen bösartigen verändern könnte. Außerdem würde er weiter wachsen und könne mit der Zeit neurologische Probleme verursachen. Unter Umständen könnte man ihn dann nicht mehr vollständig entfernen.

Ich fragte nach den Risiken der Operation.

Einer der drei schaute mich verdutzt an und sagte zu mir: "Sie sind ganz schön hart im Nehmen."

Dass ich so sachlich war und gleich aufs Ganze ging, war wohl nicht gerade eine übliche Reaktion auf eine solche Hiobsbotschaft.

Ich antwortete nur: "Ich begreife noch gar nicht, was hier gerade passiert."

Nach außen hin schien ich ganz anders zu wirken, als ich mich...

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