Leben Reloaded

Wie ich durch Yoga im Knast die Freiheit entdeckte
 
 
Kailash (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 12. August 2013
  • |
  • 256 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-11320-9 (ISBN)
 
Die Geschichte der Bekehrung eines Schwerverbrechers

Der Hass trieb ihn an, eine nahezu unstillbare Wut. Wohlbehütet aufgewachsen, warf Dieter Gurkasch als Jugendlicher jede Droge ein, die er in die Finger bekam, dealte, raubte und stürzte sich in Gewalt. Dann ein Mord - und 25 Jahre Knast. Ein Yoga-Buch brachte den Wandel: In der alten indischen Weisheitslehre fand Dieter Gurkasch einen Weg, seine Wut zu überwinden und inneren Frieden zu finden. Die unglaubliche wahre Geschichte eines »unheilbaren« Schwerverbrechers, der heute Häftlingen hilft, mit Hilfe von Yoga ein neues Leben zu beginnen.

  • Deutsch
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  • 10 schwarz-weiße und 10 farbige Abbildungen
  • 9,52 MB
978-3-641-11320-9 (9783641113209)
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»Schon bei meiner ersten Begegnung mit Dieter, als ich ihn mit zwei Bekannten 1990 in der Untersuchungshaft besuchte, sah ich in ihm nicht den Gewalttäter, sondern einen Menschen, der auf der Suche nach dem so häufig erwähnten wahren Sinn des Lebens und der Liebe ist. Er hatte bereits damals einen ungemeinen Mut und eine enorme innerliche Kraft, doch beides hat er jahrelang für die falschen Dinge missbraucht.«

Fee Gurkasch, Erzieherin und seit 1999 mit mir verheiratet

Bestimmt ist das so einer, der schon als Kind den Vögeln bei lebendigem Leib die Federn rausrupfte. Der früher Hamster und Meerschweinchen quälte, an ihnen kranke, von Gewalt geprägte Fantasien auslebte. Bestimmt ist das einer, der aus so einer asozialen Familie kommt - der Vater ein Schläger, die Mutter Alkoholikerin und die Geschwister in der Straße bekannt, weil sie ständig Dummheiten machten, stahlen und die Leute anpöbelten. Bestimmt ist das einer, der früher selbst häufig Schläge einstecken musste und der dann später vom Opfer zum Täter wurde.

Eine derart vorschnelle Meinung über meine mögliche Kindheit kenne ich nur allzu gut. Sie trifft ja auch auf den einen oder anderen Straftäter zu. Leider. Und leider pauschalisieren deswegen viele Leute viel zu voreilig. Höchstwahrscheinlich vermutete auch so manch einer der verschiedenen Psychiater oder Neurologen, die im Lauf der Jahre immer wieder einmal ein Gutachten über mich erstellten, zunächst tatsächlich, dass ich ihnen eine solche Vergangenheit auftischen würde. Habe ich aber nicht, und fast möchte ich sagen: ganz im Gegenteil.

Hinter Gittern: Schon mit knapp zwei Jahren machte ich diesbezüglich meine ersten Erfahrungen.

Ich war der »blonde Engel«, so nannten mich die Nachbarn, wenn sie über mich sprachen oder mich sahen. Ich hatte noch längere, blonde Locken als heute. Die Leute mochten mich. Ich war der kleine süße Junge, der so freundlich lächelte und dem man gerne im Vorbeigehen durch die Haare wuschelte oder eine Süßigkeit schenkte. Oder einen Groschen, auch mal 50 Pfennig zusteckte, wenn ich ihnen die Einkäufe hochtrug. Kaum zu glauben, aber wahr: Früher war ich ein richtig lieber Sonnenschein.

Wir wohnten im Hamburger Stadtteil Stellingen, in einer Drei-Zimmer-Altbauwohnung, knapp 60 Quadratmeter groß, ganz in der Nähe des Wasserturms. Es war und ist auch heute noch eine klassische Wohnsiedlung mit vielen eher kleinen, zwei- oder dreistöckigen Häusern, fast ein jedes mit eigenem Vorgarten. Alles nicht luxuriös, sondern solide. Vielleicht kann man es als eine bessere, eine »gehobenere« Arbeitersiedlung bezeichnen.

Mein Vater arbeitete als Hauptbrandmeister bei der Berufsfeuerwehr Hamburg/Feuerwache Mörkenstraße in Altona, während sich meine Mutter um den Haushalt und uns Kinder - mich und meine vier Jahre ältere Schwester - kümmerte und ab und an putzen ging oder stundenweise in einer Fleischerei aushalf. Dort hatte sie bereits vor der Geburt von meiner Schwester und mir gearbeitet, und sie erzählte einmal, sie sei irgendwann Mitte/Ende der vierziger Jahre eine der ersten Frauen in Deutschland gewesen, die eine Wurstmaschine bediente.

Als Kind kam mir die Wohnung riesig vor. Es machte mir auch nichts aus, dass meine Schwester und ich uns viele Jahre ein Zimmer, etwa 15 Quadratmeter groß, teilen mussten. Ich hatte ein gutes Verhältnis zu ihr. Es gab keinen Neid, keine Rivalitäten zwischen uns. Ich glaube, keiner von uns beiden hatte das Gefühl, dass der andere von den Eltern bevorzugt wurde. Allerdings war es für meine Schwester als Erstgeborene sicher schwieriger, sich so manche Erlaubnis, wie zum Beispiel länger fernzusehen, zu erbitten, während solche Sachen dann bei mir als Zweitgeborenem und zudem Jungen schon selbstverständlich waren.

Zwar hatten wir selbst auch einen recht großen Garten hinter dem Haus, doch das Besondere am Stadtteil Stellingen war und ist noch heute, dass es dort etliche Schrebergärten gibt. Für mich waren die zusammengenommen wie ein riesiger Abenteuerspielplatz. Ich stromerte oft durch die Kolonien, suchte nach Fossilien, besonderen Steinen und nach Schneckenhäusern und war der festen Überzeugung, dass ich bestimmt einmal das Ei eines Dinosauriers finden würde. Dinosaurier fand ich cool. Deshalb bettelte ich auch ganz oft meine Mutter an, mit mir in den Tierpark Hagenbeck zu gehen. Der lag auch nur knapp fünf oder sechs Fahrradminuten von unserer Wohnung entfernt, und dort gab es schon damals mehrere, riesige Dinosaurier-Skulpturen.

Ich weiß auch noch, dass mir einmal eine der zwei älteren Damen, die mit bei uns im Haus lebten, das Buch »Das Leben der Urwelt« schenkte. So ein Wälzer mit über dreihundert Seiten, voll mit Bildern beziehungsweise Zeichnungen von Dinosauriern. Die malte ich, so gut es ging, ab und erfand dazu eigene Geschichten.

Meistens spielte ich als kleinerer Junge, so etwa bis ich fünf oder sechs war, eher allein. Ich ging auch nicht in den Kindergarten, dafür war ich, meine Mutter betreffend, viel zu anhänglich.

Obwohl ich an meine ersten Lebensjahre nicht so viele Erinnerungen habe, ist da ein positives, wohliges Gefühl, wenn ich zurückdenke. Meine Mutter liebte mich, und genau dieses Gefühl vermittelte sie mir auch. Ich war ein Rockzipfelkind, ein richtiges Mamasöhnchen und obendrein der totale Schisser. So einer, der schon flennte, wenn es dunkel wurde oder meine Mutter mich in einem drohenden Ton ansprach. Einer, der immer nur mit leicht geöffneter Tür einschlafen konnte, weil er in den Zimmerecken oder unter dem Bett irgendwelche unheimlichen Wesen vermutete.

Markttag: Meine Mutter und ich im Alter von elf Jahren

Permanent suchte ich die Nähe und Aufmerksamkeit meiner Mutter. Als ich geboren wurde, war sie 34 Jahre alt. Für mich war sie damit schon immer eine relativ alte Frau, aber sie schien mir auch besonnen und war immer sehr freundlich - zu uns Kindern, aber auch zu anderen Menschen. Wenn sie doch einmal mit uns schimpfte, etwa weil wir zu schmutzig nach Hause kamen, verfiel sie schnell ins Plattdeutsche. Wahrscheinlich geschah das völlig unbewusst. Sie stammte aus einem kleinen Dorf aus der Region Dithmarschen. Auf jeden Fall hatte dieses Plattdeutsche etwas Gemütliches an sich, klang nicht so aggressiv. Vielmehr empfand ich es fast als lustig, wenn sie sich so aufregte.

Ich weiß nicht, ob meine Mutter mit ihrem Leben zufrieden war. Aber sie äußerte niemals Unzufriedenheit. Eigentlich hatte ich immer den Eindruck, sie wäre recht glücklich mit dem Leben - zumindest so lange, bis später der große Stress mit mir anfing. Abends saß sie zumeist auf dem Sofa und schaute im Fernsehen am liebsten Sportsendungen. Allerdings ist sie dabei auch innerhalb kürzester Zeit eingeschlafen. Ich glaube, sie war ganz oft einfach nur müde.

Mein Vater war eher der distanzierte, nüchterne Typ. Zu Hause traf man ihn selten an. Er war zielstrebig und wollte uns als seiner Familie ein gutes Leben ermöglichen. Deshalb arbeitete er häufig nach Feierabend noch neben seinem Job bei der Feuerwehr und half zum Beispiel auf dem Bau mit. Als gelernter Elektriker war er dort sehr gefragt. Selbst an vielen Wochenenden arbeitete mein Vater, und umso mehr genoss ich es, wenn er mal Zeit für mich hatte.

Ein Erlebnis, das mich als Kind am nachhaltigsten beeindruckt hat, war, als mein Vater in meine Grundschule bestellt wurde. Eine Lehrerin hatte mir meine Erbsenpistole weggenommen und wollte mit meinem Vater darüber reden. Doch mein Vater fragte nur, ob ich in der Schulstunde mit Erbsen geschossen hätte. Das hatte ich nicht, sondern nur in der Pause. Darauf antwortete mein Vater der Lehrerin: »Na, dann ist doch alles gut. Eine Erbsenpistole ist doch schließlich zum Spielen da.«

Er hatte durchaus Humor, und wenn ich mich nicht täusche, war er sehr beliebt. Irgendwie hatte er in seiner Art eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem Moderator Hans-Joachim Kulenkampff. Er war jovial und wusste zu allem etwas zu sagen. Ich erinnere mich auch an viele Feiern bei uns im Garten. Oft grillten wir, und dann kamen Nachbarn, Tanten und Onkel vorbei. Meine Mutter stammte aus einer sehr großen Familie, hatte insgesamt neun Geschwister.

Ich glaube, dass ich nie die Chance hatte, meinen Vater wirklich kennenzulernen. Er war so ein Typ, der seine wirkliche Wesensart nur wenigen zeigte. Vielmehr war er ein sehr beherrschter Mensch. Er war auch nie aggressiv - weder meiner Mutter noch uns Kindern gegenüber. Zwar gab es als Bestrafung, zum Beispiel als ich auf einer abgesperrten Baustelle spielte und erwischt wurde, ein paar Schläge mit der Hand oder ein bis zwei Wochen Hausarrest, doch mein Vater wurde nie ausfallend, schrie nicht herum, und der Hausarrest wurde spätestens nach einigen Tagen wieder aufgehoben.

Meine Eltern hatten relativ kleine Träume und haben viele davon mit harter Arbeit verwirklicht. Sie hatten sich ein schönes Zuhause geschaffen, in dem wir uns als Familie wohlfühlen sollten. Dafür haben sie gearbeitet, nach dem Motto: »Euch soll es mal besser gehen als uns!« Ein paarmal verbrachten wir den Sommerurlaub bei meinen zwei Tanten im Schwarzwald, auch an die Ostsee sind wir gefahren, zum Camping. Wir machten so Ferien, wie es Arbeiterfamilien, die nicht sonderlich viel Geld haben, eben tun.

Es soll kein falscher Eindruck entstehen, wir waren nicht arm. Weihnachten war ein großes Familienfest mit richtigen Tannenbaumkerzen, vielen Geschenken und leckerem Essen. Auch Silvester habe ich sehr geliebt, und ich durfte auch schon als kleiner Junge mit Feuerwerk durch die Gegend ziehen. Doch große Sprünge waren finanziell bei uns nicht drin.

Es...

"Eine außergewöhnliche Biographie, aus der sich viele wichtige Erkenntnisse ableiten lassen."
 
"Eine bewegende, wahre Geschichte, die zeigt, dass es in jeder Situation Hoffnung gibt."

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