Filmreif

Ein Hundekrimi
 
 
Ludwig & Sissi (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Dezember 2017
  • |
  • 270 Seiten
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95530-899-5 (ISBN)
 
Die fulminante Premiere des Musicals über König Ludwig II. ist ein ungeahnter Erfolg - neben Lobeshymnen der Zuschauer & Kulturkritik soll nun sogar eine Serie darüber gedreht werden! Doch dann wird ein Teammitglied vergiftet aufgefunden und Tiertrainerin Sissi samt ihrem detektivisch begabten Jack-Russel-Terrier Ludwig ermittelt, um sich selbst vom Mordverdacht zu befreien. Aber sie ahnt nicht, dass auch ihr eigenes Leben und das ihrer Freunde weiterhin in höchster Gefahr schwebt ... Das sind die Zutaten für einen unterhaltsamen Lesegenuss: Witzige Abenteuer der Protagonisten, Theaterluft, spannendes Herumschnüffeln des Ermittlerduos und nicht zuletzt auch die Liebesabenteuer der Tiertrainerin Sissi sind es, die nicht nur ihren Hund Ludwig, sondern auch die Leser ab der ersten Seite auf Trab halten ... Vorsicht - Suchtgefahr: für alle neuen Fans von Ermittler-Terrier Ludwig empfehlen wir auch Band 1 "Festspielschmaus" mit ersten Abenteuern!
  • Deutsch
Edel Elements
  • 1,87 MB
978-3-95530-899-5 (9783955308995)

Kapitel 1


Fasziniert folgten meine braunen Augen den sanften Bewegungen der filigranen Fische, die elegant und schwerelos durch das türkise Blau des Aquariums glitten. Ein Schlag seiner hauchdünnen Schwanzflosse und schon preschte das Fischlein nach vorn. Dann hielt es wieder inne, stand regungslos im Wasser; gehalten durch sanfte rückwärtsgerichtete Bewegungen seiner faserigen Seitenflossen. Es musste ein schönes Gefühl sein, sich schwerelos im Wasser bewegen zu können. Die Fische sahen mich ebenso interessiert an wie ich sie. Was mochte wohl in ihren Gehirnen vorgehen? Witzig sahen sie aus, mit ihren großen Glubschaugen, mit denen sie uns an dem Tisch vor dem Aquarium unentwegt beobachteten. Unter ihnen waren auch Clownfische und Doktorfische. Ich konnte sie mühelos identifizieren, weil ich zuweilen mit Sissi auf dem Sofa Enzyklopädien und Bücher über Fische angesehen hatte. Der Clownfisch Nemo, der Filmstar, hatte als Plastikfigur in unser Bad Einzug gehalten. Das wäre doch auch noch eine schöne Karriere für mich, Filmstar, dachte ich mir, während Sissi mich liebevoll streichelte.

»Guck, Nikolaus, wie Ludwig die Fische ansieht. Ich glaube, wir kaufen uns ein Aquarium, wenn wir mal eine gemeinsame Wohnung haben.« Sissi grinste ihr spitzbübisches, aber auch laszives Lächeln, dem Nikolaus vom ersten Augenblick an verfallen war. Dabei funkelten ihre grünen Elfenaugen und ihre weißen Zähne blitzten hervor. Sissi machte keinen Hehl daraus, dass sie in ihrer Mietwohnung unglücklich war. Ich bellte zustimmend und hatte weder gegen eine beruhigende Unterwasserwelt noch gegen eine noblere Behausung etwas einzuwenden.

»Gern, mein Spatzerl, aber fürs Saubermachen des Aquariums bist du zuständig!«, kam die prompte Antwort.

Sissi grinste zufrieden. Da soll einer sagen, Frauen seien nicht berechnend.

Das rustikale Restaurant in Tirol, in dem wir saßen, war für seine ungarischen Spezialitäten und seine Slow-Food-Küche bekannt. Dieser Begriff prägt regionales, bewusstes und genussvolles Essen im Gegensatz zum globalisierten Fast-Food-Wahnsinn. Dass ich für alle Arten von Gaumenschmäusen offen bin, ist ja bereits hinlänglich bekannt. Spätestens seit Nikolaus von Gaffron in das Leben meines Frauchens Sissi und mir, dem berühmten Musical-Hund Ludwig, getreten ist, kann man mich mit profanem Leberkäse nicht mehr locken.

Heute führte er uns elegant aus und hatte extra den Tisch vor dem Aquarium reserviert. Ich durfte auf der Eckbank sitzen und alles genau beobachten. Nikolaus wollte uns etwas erzählen und auf die kommende Premiere anstoßen. Nachdem das Musical »Ludwig und Richard« verkauft worden war, hatte er es mit seiner Agentur für Kunst, Kultur und Theater geschafft, das erste Musical »Ludwigs Träume« mit Intendant Bellini zurückzugewinnen. Die Freude darüber war groß gewesen, zumal einige Schauspieler und Technikleute des alten Teams übernommen worden sind, die alten Hasen Gerhard Wackerl und seine Frau Rosl zum Beispiel. Wackerl, der knorrige Allgäuer, und Rosl, das norddeutsche Urgewächs. Auch Ellen, die erste Besetzung der Kaiserin Sissi und beste Freundin meines Frauchens.

Am nächsten Samstag sollte die Premiere stattfinden, das Revival sozusagen.

Nikolaus verbrachte die Wochenenden fast immer in Füssen. Die kraftvollen Allgäuer Berge, die glasklaren Seen und die sanften Hügel hatten es nicht nur dem Mountainbiker in ihm angetan. Spätestens wenn sich auf Höhe des Ortes Marktoberdorf die Allgäuer Bergkette in ihrer ganzen Schönheit auftat, falle der Stress der Woche, den er in seiner Agentur in München hatte, »wie Schuppen von ihm ab«, pflegte er immer zu sagen. Und mittlerweile hatte es ihm eben auch mein Frauchen Sissi angetan. Nicht zuletzt war er dann meinem tierischen Charme erlegen .

Meist hielten wir uns in unserer Wohnung in Rieden auf, die etwas größer war als seine Füssener Dachgeschosswohnung. Die war eigentlich urgemütlich, hatte aber einen frappierenden Fehler: hundefeindliche Spießernachbarn! Erst neulich hatte es da wieder eine unschöne Situation gegeben:

Am Freitagabend hatte Sissi gerade ihren silbernen Kombi im Hof geparkt und ich noch schnell an einen Busch am Gartenzaun gepinkelt. Plötzlich kreischte es von oben. Es war nicht etwa ein Rabe, der über andere Vögel ächzte, nein, es war Frau Bauer, die im ersten Stock wohnte und vom Balkon in einer Tonlage herunterschrie, die nicht nur Hunde taub werden ließ: »Das haben wir doch ausdrücklich geklärt, dass der Hund da nicht hinmachen soll!« Böse funkelte die spießige Lockenwickler-Lady mein Frauchen und mich an.

Sissi, die dafür bekannt war, dass sie in solchen Situationen nicht souveräne Milde walten ließ, sondern mich wie eine Tigerin verteidigte, blaffte zurück: »Der bieselt doch bloß, sehen Sie das nicht?«

Zwischenzeitlich war Nikolaus auf dem Balkon darüber erschienen: »Gibt's Probleme?«

Sissi und ich guckten ungläubig nach oben, wo sich die entrüstete Frau Bauer echauffiert an Nikolaus wandte. »Also, Herr von Gaffron, Sie sind ja so ein netter Mann, aber Ihre Dame!« Bei diesen Worten überschlug sich ihre Stimme.

»ICH BIN NICHT SEINE DAME!«, schrie nun Sissi in einer Lautstärke, die sicher noch auf dem Tegelberg zu vernehmen war. »Sie .« Gerade rechtzeitig unterbrach sie sich, weil sie dem harmoniebedürftigen Nikolaus keinen Ärger machen wollte. »Alte Hexe!«, fügte sie ein wenig leiser hinzu und ging ins Haus.

Ich trabte artig neben ihr her, wollte nicht schon wieder der Stein des Anstoßes sein. Aber der alte Besen konnte nur nicht verkraften, dass ein Herr wie Nikolaus von Gaffron eine viel jüngere Freundin hatte. Das schien für Allgäuer Wertempfinden unerhört.

Oben angekommen sprang ich Nikolaus, der schon in der Tür wartete, freudig in die Arme. Freudig nahm ich mein Leckerli, einen Zahnpflegeknochen, entgegen. Ich liebte dieses Ritual.

»Diese alte, vertrocknete, böse Schabracke«, sprudelte es aus Sissi heraus.

Nikolaus nahm sie mit einer liebevollen Umarmung mit in den Flur und schloss die Tür. Sicher lauschte die unliebsame Nachbarin oder hatte die Türe geöffnet.

Sissi drückte sich an Nikolaus und musste sich die Tränen verkneifen. Manchmal weinte sie aus purer Wut. Hatte ich etwa die Bedeutung des Begriffes »Dame« nicht ganz verstanden? Gab es da etwa eine fiese Konnotation? Galt es, mein Frauchen zu verteidigen? Nikolaus hatte sie zum Glück schnell getröstet.

Doch zurück zu den essenziellen Dingen im Leben. Essen als bewusster und gesunder Genuss passte wie gesagt prima in mein Konzept - und in meinen Magen. Zur Vorspeise gab es typisch ungarische Lángos - frittierter Hefeteig mit Sauerrahm. Sehr lecker mit dieser feinen Paprikanote.

»Jetzt rück schon raus, was wolltest du uns sagen? Warum feiern wir heute?«, fragte Sissi mit vollem Mund und strahlte Nikolaus verliebt an, während sie ihr Glas zwischen den Fingern drehte.

»Nein, ich sag es euch erst zum Dessert. Das erhöht die Spannung.« Nikolaus grinste und zwinkerte dabei mit seinen strahlend blauen Augen, in deren Wärme Sissi einzutauchen schien wie in das warme Karibische Meer.

Dann kam der Hauptgang: Lescó, ein Gemüsegericht. Enttäuscht starrte ich auf den fleischlosen Teller. War Nikolaus, angesteckt von Sissi, jetzt auch auf dem Vegetariertrip?

Die beiden stießen mit diesem noblen gelblichen Sprudelzeug mit französischem Namen an, das sie sich nicht allzu oft gönnten. Die Neuigkeit, die Nikolaus für uns hatte, musste wirklich großartig sein.

»Lass es dir schmecken, Liebes!«

Seit einigen Monaten waren die beiden nun ein Paar und nach anfänglicher Eifersucht hatte ich mich damit abgefunden. Es gab ja auch wirklich schlimmere Männer als Nikolaus von Gaffron. Wenn ich da nur an Willi und den Rest dieser unmöglichen Zinnsoldaten zurückdachte, die weder Sissi noch mich glücklich gemacht hatten. Der eine Depp, ein Lehrer, hatte mich doch glatt mit dem Staubsaugerrohr verprügeln wollen. Der andere hatte meine Sissi sogar körperlich bedroht; blitzschnell war ich dazwischengegangen und hatte ihn an der Wade gepackt. Ein durch die Luft fliegender Buddha und das Gekreisch von Sissi sind das Letzte, woran ich mich in diesem Zusammenhang noch erinnern kann.

Ich schüttelte mich, um mich von dieser fürchterlichen Vorstellung zu befreien. Immerhin hatte ich nun mein Frauchen unter der Woche weiterhin für mich allein und am Wochenende noch einen lieben Menschen mehr um mich herum, der mich verwöhnte und mir jeden Wunsch von den Augen ablas. Okay, heute hatte es nicht geklappt, aber vielleicht war die Gemüsepampe ja nur ein Zwischengericht und das Filet kam dann als nächster Gang.

Plötzlich ertönte ein wildes Gitarrenriff. Rammstein. »Feuer frei.« Es war Sissis Handy. Unsanft riss es mich aus meinen Träumereien und ich schluckte die Geschmacksfäden, die sich gebildet hatten, herunter. Nikolaus verschluckte sich ob des harten Industrial-Sounds fast an seinem Brokkoli. Umständlich fingerte sie das Mobiltelefon aus ihrer Handtasche heraus.

»Ja, hallo!« Sissi schaute Nikolaus ratlos an. »Ellen, bist du es?« Sie schwieg für einen Moment. Zwei senkrechte Falten an der Nasenwurzel zeigten sich. »Was ist denn los?«, fragte sie. Ihr Gesichtsausdruck verdunkelte sich. Die Augenbrauen kräuselten sich, ihre Stirn lag in Falten. »Was?« Ernst starrte sie Nikolaus und dann mich an. »Wer? . Dich umbringen? Wo bist du jetzt?« Stille. »Bist du jetzt in Sicherheit?«

Nikolaus guckte sich peinlich berührt im Restaurant um. Sissi hatte seiner Ansicht nach bei Telefonaten mit Ellen die Gewohnheit, so laut zu sprechen, dass...

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