Herzkribbeln

Philipp & Simon
 
 
Forever (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 7. Juni 2021
  • |
  • 304 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95818-613-2 (ISBN)
 
Philipp hat immer an die große Liebe geglaubt, bis ihn sein erster Freund hinterrücks betrügt. Um sein gebrochenes Herz zu heilen, stürzt er sich ins wilde Studentenleben und verbringt jedes Wochenende mit einem anderen Mann. Zwar ist ihm bewusst, dass sein Verhalten nicht gesund ist, aber er kann niemandem mehr vertrauen. Doch dann trifft er Simon in seinem Lieblingsclub. Als er jedoch Philipps Einladung auf einen One-Night-Stand ausschlägt, möchte dieser ihn am liebsten vergessen. Mit einer Einladung zu einem richtigen Date hat Philipp kurz darauf jedoch nicht gerechnet. Verletzt möchte Philipp ihn am liebsten vergessen, der ihn stattdessen zu einem richtigen Date überredet. Kann Philipp seine Gefühle zulassen, oder verhindert sein verletztes Herz die wahre Liebe?
1. Auflage
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 3,24 MB
978-3-95818-613-2 (9783958186132)
Katharina B. Gross lebte und studierte im Ruhrgebiet, bevor es sie in den Norden verschlug. Trotzdem hat sie ihre Heimat nicht vergessen, weshalb viele ihrer Romane in Essen und Umgebung angesiedelt sind. Die Liebe zum Schreiben entdeckte sie bereits in der Grundschule, doch bis sie einen Roman zu Papier brachte, dauerte es mehrere Jahre. Ihr erster Roman erschien 2017 - und es wird garantiert nicht der Letzte sein.

Kapitel 1


Als ich ihm begegne, haut mich sein Anblick um. Wortwörtlich, denn ich stolperte über meine eigenen Füße und ich fiel der Länge nach hin. Normalerweise bin ich überhaupt nicht tollpatschig. Die Bücher, die ich in den Händen halte, landen neben mir auf dem Fußboden. Zum Glück habe ich bereits mein Mensa-Tablett mit dem Mittagsessen weggebracht. Nicht auszudenken, wenn sich auch noch die Reste der Nudeln mit Tomatensoße bei dem Sturz über meinen Klamotten verteilt hätten.

So sitze ich hier auf dem Mensa-Boden zwischen den Tischreihen und starre diesen Traum von einem Mann an, während er lässig auf mich zukommt. Er bückt sich und hebt eins der Bücher auf, das ihm vor die Füße gerutscht ist. Mit einem amüsierten Grinsen betrachtet er den Einband, dann schaut er mich aus dunklen Augen an, die unter dem etwas zu langen Pony eben noch verborgen waren.

»Gedichte?«, fragt er und hebt eine Augenbraue, als wolle er mir damit signalisieren, wie ich nur auf die Idee kommen könnte, Gedichte zu lesen. Tja, als Literaturstudent komme ich um solche tiefgründigen Werke nicht drum herum. Am liebsten würde ich jetzt cool reagieren, irgendeinen Spruch loswerden, doch ich bleibe bloß stumm auf dem Boden hocken, während ich ihn wie ein Vollidiot anstarre. Mein Körper will sich gar nicht vom Fleck bewegen. Null. Keine Reaktion. Ich bin wie erstarrt.

Super Philipp, ganz große Klasse, spätestens jetzt halten dich die restlichen Studenten für einen Vollidioten. Nicht nur, dass ich wie ein totaler Nerd aussehe - nicht wirklich groß, eher durchschnittlich, blonde Locken, spießige Klamotten und eine dicke Hornbrille - nein, nun werde ich auch noch als Tollpatsch abgestempelt. Mein erstes Semester hat gerade erst begonnen und schon werde ich zum Gespött der Leute. Großartig, dabei habe ich noch ganze drei Jahre Bachelorstudium vor mir!

Der unbekannte Typ streckt mir seine Hand entgegen. Wie gebannt starre ich auf seine schlanken Finger. Wie kann man nur so schöne Hände haben? Und überhaupt, dieser Kerl ist so verdammt sexy, da bleibt mir die Spucke weg. Sein Haar ist kurz und hat den Ton von dunkler Schokolade, lediglich der Pony sticht hervor, der ihm lang in die Stirn fällt und ein verwegenes Aussehen verleiht. Jetzt erkenne ich, dass seine Augen dunkelbraun, beinahe schon schwarz sind. Er trägt ein weißes Shirt mit Aufdruck, in dem seine breiten Schultern und der flache Bauch sehr gut zur Geltung kommen, eine blaue Jeans im Used-Look und dazu passende Chucks. Ich kann nichts weiter tun, als ihn anzustarren.

Er grinst mich an und sieht sich dann kurz um. »Also, wenn du meine Hand nicht langsam nimmst, wird es wirklich peinlich«, sagt er schließlich.

»Oh!« Schnell ergreife ich die mir dargebotene Hand und lasse mir von ihm auf die Beine helfen. Verlegen klopfe ich unsichtbare Staubfusel von der Hose. Er reicht mir mein Buch.

»Du solltest besser aufpassen, wo du hinläufst«, bemerkt er.

Ich nicke stumm. Sein Lächeln beschert mir weiche Knie. Es ist aufrichtig und so warm, dass mein Herz plötzlich wie wild in meiner Brust pocht. Er nickt mir zu und geht an mir vorbei zu einer Gruppe Studenten, die an einem Tisch am Fenster sitzt. Eilig sammele ich meine restlichen Bücher vom Boden auf, stecke sie in den Rucksack und verschwinde aus der Mensa zur nächsten Vorlesung.

»Hey, die Pizza ist da«, höre ich meinen Mitbewohner Markus aus dem Wohnzimmer rufen. Das wurde auch Zeit, ich habe schon einen Bärenhunger. Sofort erhebe ich mich von meinem Schreibtischstuhl und eile zu ihm. Ich arbeitete gerade an einer Gedichtinterpretation, die mich seit Tagen beschäftigt. Mein Mitbewohner sitzt auf dem Sofa, einen großen Pizzakarton auf dem Schoß und ein Bier vor sich. Ich hole mir ebenfalls ein Bier aus dem Kühlschrank und setze mich zu ihm.

»Iss schnell, sonst wird sie kalt«, meint er mit vollem Mund und beißt ein weiteres Stück von seiner Pizza ab. Seitdem ich mit Markus in der WG zusammenwohne, gibt's öfter Fast Food als meinen Eltern lieb wäre. Meine Mutter achtete immer darauf, dass ihr Lieblingskind mit ausreichend Vitaminen versorgt wurde.

Ich schnappe mir meinen Karton und öffne den Deckel. Ein köstlicher Duft nach Oregano, Knoblauch und geschmolzenem Käse weht mir entgegen, der mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Ich nehme ein Stück heraus und beiße genüsslich hinein. Das ist auch einer der Vorteile nicht mehr zu Hause zu wohnen. Pizza und Bier zum Abendessen, bei dieser Mischung würde meine Mutter vermutlich nur den Kopf schütteln. Aber hey, ich bin erwachsen, also was soll's?

Nach meinem einundzwanzigsten Geburtstag bin ich zum Studieren von zu Hause ausgezogen und habe mich im Studentenwohnheim in der Nähe der Uni eingemietet.

Meine Eltern wohnen ebenfalls in Essen in einem schönen Einfamilienhaus. Sie können es nicht verstehen, warum ich mir die Mühe mache, in eine kleine Zweizimmerwohnung zu ziehen, die ich sogar noch mit jemandem teile, wenn doch daheim genug Platz ist. Aber ich will auf eigenen Beinen stehen. Sollte ich Heimweh bekommen, sind es nur ein paar Haltestellen bis zu meinen Eltern.

Mein Mitbewohner Markus zappt mit der Fernbedienung durch das Abendprogramm, während er genüsslich auf seiner Pizza kaut. Er ist ebenfalls einundzwanzig, studiert Mathe und Sport auf Lehramt, weil er unbedingt Gymnasiallehrer werden will. Außerdem spielt er Fußball und fährt Motorrad. Seine haselnussbrauen Augen, die oft zerzausten braunen Haare und sein strahlendes Lächeln bringen nicht nur Mädchen um den Verstand. Denn dass Markus auf Männer steht, habe ich spätestens am ersten Wochenende nach seinem Einzug in die WG mitbekommen. Ich bin nachts aufgewacht und wollte mir etwas zu trinken holen, als ich ihn mit jemandem - und das war eindeutig ein Kerl - im Wohnzimmer auf dem Sofa erwischt habe. Wir haben eine offene Wohnküche, das war unvermeidlich. Es hat mich nicht weiter gestört, dennoch hätte er wenigstens anstandshalber in sein Zimmer gehen können, schließlich ist dies nicht allein seine Wohnung. Weil ich so lässig reagierte, klärte er mich am Morgen auf, dass er schwul ist. Ich habe damit kein Problem, immerhin bin ich selbst schwul und wollte dieses Thema sowieso nicht vor ihm verheimlichen. Wäre er nicht als Erster mit der Wahrheit rausgerückt, so hätte ich ihn darauf angesprochen und es ihm erzählt.

Männlicher Besuch geht seit dem Abend fast jedes Wochenende bei uns ein und aus. Markus macht keinen Hehl aus seinen vielen One-Night-Stands. Und es sind eindeutig bloß One-Night-Stands, denn nie bleibt jemand zum Frühstück oder kommt ein zweites Mal, soweit ich es mitbekommen habe.

»Du siehst aus, als hättest du länger keinen Spaß mehr gehabt«, sagt Markus aus heiterem Himmel und reißt mich damit aus meinen Gedanken. Sein Bier ist bereits leer und er greift nach meinem, um das letzte Stück Pizza damit runterzuspülen.

»Wie kommst du plötzlich drauf? Und wie definierst du Spaß?«, frage ich irritiert und verdrehe sogleich die Augen. »Meinst du etwa das, was du jedes Wochenende in deinem Bett treibst?«

»Nicht nur im Bett. Ich habe es auch in der Küche auf dem Tresen getan, als du bei deinen Eltern warst«, entgegnet Markus mit schelmischem Grinsen und ich verziehe angewidert mein Gesicht. So etwas will ich mir definitiv nicht vorstellen. Erst recht nicht, wenn ich esse. Ich bin zwar nicht prüde, doch meine sexuellen Erfahrungen beschränken sich auf ein paar schlechte Pornos, die ich mir im Internet angeschaut habe, und auf das, was ich mit meiner rechten Hand mache. Mich mit einem wildfremden Mann einzulassen, kam mir noch nicht in den Sinn.

»Nein im Ernst. Nicht nur Sex. Ich meine Spaß, vielleicht Party, ein bisschen tanzen, mit Freunden ausgehen. So etwas eben.« Er zuckt mit den Achseln. »Seitdem wir zusammenwohnen, habe ich nicht mitbekommen, dass du ausgegangen bist.«

»Hab noch nicht viele Freunde an der Uni, wie dir vielleicht aufgefallen ist. Die meisten, mit denen ich zur Schule gegangen bin, studieren in ganz Deutschland zerstreut«, antworte ich wahrheitsgemäß. »Und ich gehe nicht gerne auf Partys.«

Markus beäugt mich mitleidig und legt seine Hand auf mein Knie. »Du brauchst eine Ablenkung, dann kommst du vielleicht auch zum Zug. Mir ist schon ein paar Mal dein sehnsuchtsvoller Blick aufgefallen, wenn ich jemanden mitgebracht habe. Viel Kontakt zu anderen Männern hattest du bisher nicht, oder? Also, du weißt schon, wie ich das meine . Weil du eben noch Jungfrau bist.«

»Mach dich nur lustig.« Dass ich mit einundzwanzig noch keinen Sex hatte und zu allem Übel auch noch ungeküsst bin, ist mir echt peinlich. Nicht, dass ich nicht schon verliebt war. Das war ich wirklich oft. Nur leider eben in Typen, die mich nicht bemerkt oder ignoriert haben. Aber Markus hat recht mit seiner Vermutung. Eine ganze Weile denke ich bereits darüber nach, ob ich meinen Kumpel darum bitten sollte, mich von diesem Umstand zu befreien. Schließlich hat er genug Erfahrungen mit Männern, sicher würde es ihm nicht so viel ausmachen mit mir zu schlafen, statt jedes Wochenende jemand neuen...

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