Marvin und der Rat der Raben

 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. August 2020
  • |
  • 298 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7526-7597-9 (ISBN)
 
Ein Jahr nach dem mysteriösen Tod seiner Mutter entdeckt Marvin ihr Geheimnis. Das Schicksal seiner Familie ist eng mit dem Schicksal der Rabenvögel verknüpft.

Marvin lernt die Nebelkrähe Odin kennen, die Marvin in das Wissen der Rabenvögel einweiht. Vom Rat der Raben wird Marvin die Aufgabe anvertraut das Buch mit den sieben Siegeln zu finden, das seit Jahrhunderten verschollen ist.

Auf ihrer Suche müssen Marvin und Odin ständig auf der Hut vor den abtrünnigen Rabenkrähen sein, die sie verfolgen, um die Siegel zu stehlen und die Macht an sich zu reißen.

Wird es Marvin und Odin gelingen, alle Siegel zu finden, um das Buch zu entschlüsseln?
2. Auflage
  • Deutsch
  • 0,68 MB
978-3-7526-7597-9 (9783752675979)
weitere Ausgaben werden ermittelt
S.U. Groom hat in Deutschland, England und den USA studiert. 'Marvin und der Rat der Raben' ist ein erster Kinderroman. Weitere Werke sind in Vorbereitung.

Kapitel 1 - Das Geheimnis der Schwarzen Feder


Ende Juni

Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag - die letzte Woche vor den Sommerferien verging so langsam wie jede Unterrichtsstunde bei Frau Wiederich, die Deutsch (Gedichte auswendig lernen) und Englisch (Marvin fand, er war der einzige in seiner Klasse, der das R und das Th nicht richtig aussprechen konnte) unterrichtete.

Schließlich kam aber doch das Wochenende, auf das Marvin sich schon seit Wochen gefreut hatte. Sein Vater, Privatdozent Dr. Peter Krone, hatte ihm nämlich versprochen, die alten Sachen auf dem Dachboden zu durchforsten. Seit seine Mutter vor einem Jahr ganz unerwartet gestorben war, war keiner von ihnen mehr da oben gewesen. Aber sein Vater sagte, es wäre jetzt an der Zeit, mit der Vergangenheit Frieden zu schließen.

Nach dem Frühstück (Kakao und Brötchen mit Nutella - Marvins Lieblingsbrotaufstrich) stiegen sie - mit Taschenlampen bewaffnet - die knarrenden Stufen zum Dachboden hinauf. Marvin fühlte sich wie Christopher Kolumbus oder andere ruhmreiche Entdecker vergangener Zeiten, von deren Abenteuern sein Vater ihm manchmal erzählte. In der Nähe der Eingangsluke befanden sich ein Hochstuhl, ein Gitterbettchen und ein Laufstall, die aus Marvins früher Kindheit stammten.

Marvin glaubte, dass seine Eltern all diese Sachen aufgehoben hatten, weil sie noch ein Baby wollten - aber daraus würde wohl jetzt nichts mehr werden. Seufzend tastete sich Marvin im Halbdunkel voran.

"Guck mal, Papa. Hier ist Dein alter Plattenspieler."

Marvin leuchtete mit seiner Taschenlampe in einen der staubigen Winkel.

"Kannst Du die ABBA Platte auflegen? Du weißt schon, welche? Bitte."

Sein Vater kam herangestolpert und sah sich suchend um.

"Ich glaube, hier ist irgendwo eine Steckdose."

Peter Krone schrie auf. "Autsch! Verdammt noch mal!"

Er fasste sich mit beiden Händen an seinen Hinterkopf und rieb eine Stelle, an der sich seine Haare schon merklich lichteten.

"Die blöde Dachschräge!"

"Du sollst doch nicht fluchen", schalt Marvin kopfschüttelnd.

Als Peter Krone seine alte, umfangreiche Plattensammlung entdeckte, vergaß er seinen schmerzenden Kopf. Er kniete sich neben dem Plattenspieler nieder, um mit seinen Fingern durch die vergilbten Plattenhüllen zu blättern. Bald war der Dachboden von ABBA Songs aus den siebziger Jahren erfüllt. Als sein Magen zu knurren begann, erhob sich Herr Krone mit steifen Beinen vom Boden.

"Vielleicht sollten wir wieder in die Wohnung zurückkehren?", schlug er vor.

"Ich kriege langsam Hunger."

"Ich komme gleich."

In einer der mit Spinnweben behängten Ecken des Dachbodens hatte Marvin eine mit dunkelblauem Samt bezogene Schmuckschatulle entdeckt, die in einer staubigen Holzkiste ganz oben lag. Ihr Deckel war mit bunten Glasperlen bestickt, die die Initialen 'CJVR' bildeten und im Licht seiner Taschenlampe lustig aufleuchteten, nachdem er die feine Staubschicht weggeblasen hatte.

"Papa, schau mal, was ich hier gefunden habe!", rief Marvin aufgeregt und hielt seinem Vater das Kästchen entgegen.

"Ach ja, das gehörte Mama. Ich habe es ihr zu unserer Verlobung geschenkt.

Das ist schon beinahe fünfzehn Jahre her."

"Darf ich es öffnen?"

"Ich denke schon. Mama würde es Dir sicher schenken wollen, Marvin."

"Es scheint verschlossen zu sein. Da ist ein winziges Zahlenschloss, guck mal." Marvin rümpfte seine Nase, wie immer, wenn er enttäuscht war, und ließ mit einem Schnaufen die Luft durch seine Nasenlöcher entweichen. Sein Vater nahm die ihm von Marvin gereichte Schatulle und betrachtete sie eingehend.

"Hmm, ich glaube ich kenne die Zahlenschlosskombination. Obwohl ich niemals die Schatulle deiner Mutter geöffnet habe - merk Dir das, man muss die Privatsphäre von anderen immer respektieren."

"Also kann ich die Schatulle doch nicht öffnen?"

Marvin blies diesmal noch lauter Luft durch seine Nase.

Warum musste sein Vater immer so widersprüchlich sein?

"Marvin, hör mir mal gut zu."

Sein Vater legte versöhnlich seine rechte Hand auf Marvins Schulter.

'Ich glaube es nicht nur, sondern ich weiß, dass Deine Mutter Dir diese Schatulle und alles, was darin ist, schenken wollte. Sie hat es mir selbst gesagt."

Dies war kurz vor ihrem tragischen Unfall gewesen, aber Peter Krone ließ dies lieber unerwähnt. Marvin hob erstaunt seinen Kopf, als sein Vater wider Erwarten ganz plötzlich laut auflachte.

"Was ist denn, Papa?"

"Ich habe gerade gedacht, dass ich nicht hoffe, dass Deine Mutter in dieser Schatulle ihre Geheimnisse über ihre Liebhaber und Verehrer verwahrt hat.

Nicht gerade gute Lektüre für einen knapp elfjährigen Jungen - insbesondere, wenn sein Vater im Spiel ist." Marvins Vater zwinkerte ihm schelmisch zu.

"Großes Ehrenwort - ich werde alle Geheimnisse von Mama für mich behalten. Wie ist denn nun die Zahlenkombination?"

"Ich denke, es ist dreimal die Sieben."

Marvin drehte mit zitternden Fingern an dem Zahlenschloss, bis alle drei

Ringe die Ziffer Sieben zeigten. Der Deckel der Schatulle sprang auf. Marvins langer Haarschopf, der ihm immer in die Augen fiel (früher hatte immer Mama ihm die Haare geschnitten, aber Papa kümmerte sich nicht so

sehr um solche Dinge), verschwand in dem Kästchen. Er konnte kaum etwas erkennen, da seine Nase beinahe die Schatulle berührte. Eine Staubwolke wirbelte auf, und Marvin musste heftig niesen - genau fünfmal.

"Hatschi!"

"Gesundheit", erwiderte sein Vater und lachte, nun schon zum zweiten Mal heute. Heute war in der Tat ein schöner Tag. Marvin fühlte sich - hier oben mit all den alten Sachen - seiner Mutter so nahe wie lange nicht mehr. Marvin zog aus der Schatulle einen Stapel vergilbtes Papier hervor, dicht beschrieben mit der geschwungenen, zarten Handschrift seiner Mutter. Die wollte er später in seinem Zimmer lesen.

Aber war das schon alles? Irgendwie hatte Marvin gehofft, die Schatulle würde etwas Besonderes enthalten, eine spezielle und persönliche Botschaft von seiner Mutter - aber da war nichts mehr in dem Kästchen. Er klappte den Deckel wieder zu und stieg mit seinem Vater die wacklige Treppe vom Dachboden hinab.

Nach einem befriedigenden Mittagessen, das aus Toast mit Spiegeleiern, gebratenem Schinken und geschmorten Tomaten bestand, die sein Vater in der Pfanne gebrutzelt hatte, sprang Marvin die Stufen zu seinem Zimmer hinauf.

Prüfend sah er sich nach einem geeigneten Platz für seine Schatulle um. In seinem Zimmer lagen überall Bücher herum (Marvin war eine richtige Leseratte) und er räumte ein paar Bücher von seinem Fenstersims, um dort die Schatulle abzustellen. Gespannt nahm er die Papiere seiner Mutter aus dem Kästchen und begann zu lesen. Die meisten Blätter waren alte Briefe, die seine Mutter an seinen Vater geschrieben hatte. Der jüngste Brief war mit August 1994 datiert, also beinahe ein Jahr vor seiner Geburt. Kein Wort von irgendwelchen Liebhabern. Ein dumpfer Schmerz durchfuhr Marvin beim Lesen der liebkosenden Worte. Seine Eltern waren wirklich total ineinander verliebt gewesen.

Marvin legte die zusammengefalteten Briefe wieder in die Schatulle zurück. Sanft umfasste er die Schatulle mit beiden Händen und stellte sich die unzähligen Male vor, in denen seine Mutter dasselbe gemacht haben musste. Als er die immer noch geöffnete Schatulle betrachtete, fiel ihm plötzlich auf, dass sie von außen tiefer aussah als von innen. Gab es vielleicht ein verstecktes Fach unter ihrem Boden? Aufgeregt entnahm er die sorgsam gefalteten Briefe aus der Schatulle und betrachtete den blauen Samtboden. Tatsächlich. Da gab es eine kleine Lasche, die er vorher gar nicht bemerkt hatte, da sie aus dem gleichen blauen Samt wie das Innenfutter gefertigt war und sich wohl mit den Jahren eng an den Boden angeschmiegt hatte.

Vorsichtig zog Marvin an der Lasche, bedacht, sie nicht etwa abzureißen. Unter dem Boden entdeckte er eine Kammer, in der ein kleiner Holzgegenstand und eine schwarze Feder auf einem Blatt Pergament lagen. Marvin betrachtete verwundert die kleine Holzfigur, einen kunstvoll geschnitzten Vogel. Er erinnerte ihn an eine indianische Totemfigur. Warum würde seine Mutter wohl so etwas in ihrer Schatulle aufbewahrt haben?

Marvin fühlte wieder einmal, wie Verzweiflung und Wut in ihm aufwallten. Es schien so unfair, ohne Mutter auskommen zu müssen. Wenn er wenigstens wüsste, was wirklich passiert war. Aber nicht einmal die Ärzte hatten erklären können, woran sie gestorben war.

Marvin nahm den geschnitzten Vogel in seine Hand, um ihn genau zu betrachten. Er fühlte sich erstaunlich warm an. Er sah wie eine Krähe, Dohle oder vielleicht auch ein Rabe aus. Marvin wusste, dass Raben und Dohlen in der freien Natur mittlerweile selten geworden waren.

Marvin ließ seine Finger prüfend über die...

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