Hätte, müsste, sollte

Bedürfnisorientierung im Familienalltag wirklich leben
 
 
Kösel (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. November 2021
  • |
  • 272 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-27801-4 (ISBN)
 
Vom Wunsch zur Wirklichkeit

Kennst du das? Theoretisch weißt du, wie du mit deinem Kind umgehen möchtest: zugewandt, achtsam, bedürfnisorientiert. Du weißt, dass Schimpfen Quatsch ist, Ungeduld nicht weiterhilft und Schreien gar nicht geht. Und doch passiert es dir. Immer wieder, jeden Tag. Nina C. Grimm zeigt, woran unsere guten Ansprüche so oft scheitern und warum es sich lohnt, die Herausforderungen unseres Familienlebens als Einladung zu betrachten. Mit psychologischem Fachwissen und Methoden der Achtsamkeit hilft sie uns, alte Muster zu durchbrechen, Vertrauen in unsere Fähigkeiten als Eltern zurückzugewinnen und unseren Kindern die Hand zu reichen, die sie gerade brauchen. So gelingt Erziehung authentisch und ohne Druck.

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Kösel
Durchgehend zweifarbig
  • 2,26 MB
978-3-641-27801-4 (9783641278014)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Nina C. Grimm ist zweifache Mutter, Wissenschaftlerin, Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin in Weiterbildung. Durch ihre Ausbildungen und Berufserfahrung hatte sie einen Berg an Wissen zusammengetragen - um schließlich feststellen zu müssen, dass ihr all das im Chaos des Familienalltags herzlich wenig brachte. Heute schreibt sie darüber, wie wir endlich praktisch leben können, was uns theoretisch längst klar ist. Darüber hinaus berät sie Paare und Familien, gibt Kurse und ist als Speakerin aktiv.

Dein Grund und Boden

Lass uns zu Beginn darauf blicken, wie wir einen soliden Grund und Boden für deine Brücke zwischen Theorie und Praxis erschaffen können: Er entsteht durch die Art und Weise, wie du den Herausforderungen deines Lebens begegnest. Und dabei unterstützt dich Achtsamkeit.

Achtsamkeit

Achtsamkeit ist mittlerweile in aller Munde und das zu Recht. Denn seit Jon Kabat-Zinn diese Praxis für die westliche Kultur zugänglich machte, erwies sie sich in ganz vielen unterschiedlichen Bereichen als sehr wirksam,1 sodass sie nach und nach Einzug hielt in die Psychologie und Psychotherapie, in die Wirtschaft und schließlich auch in den Mainstream. Und auch wenn - oder gerade weil - über Achtsamkeit so viel gesprochen wird, möchte ich dir an dieser Stelle eine kurze Definition vorstellen. Einfach, damit wir eine gemeinsame Idee davon haben:

Achtsamkeit ist eine bewusste Ausrichtung auf den gegenwärtigen Moment, auf das, was gerade tatsächlich ist. Dabei geht es vor allem darum, ein Gewahrsein für die eigenen inneren Regungen (Gedanken, Gefühle und Körperempfindungen) zu gewinnen, ohne diese zu bewerten (gut/schlecht, angenehm/unangenehm) oder sich gar mit ihnen zu identifizieren (»Ich bin wütend« wird zu: »Ich fühle Wut«). Schließlich übt man sich darin, innere Regungen loszulassen und sich mit einem klaren Geist den Dingen zuzuwenden. So ist Achtsamkeit viel mehr eine innere Haltung als einfach nur eine Technik.

Der immense Einfluss meiner Gedanken und die Kraft der Achtsamkeit wurden mir das erste Mal so richtig bewusst, als ich mit meinem Mann nach dem Studium ein halbes Jahr in Indien verbrachte, wo wir ein zehntägiges Vipassana-Retreat »saßen« (wie man im Meditationsjargon sagt - denn tatsächlich sitzt man sehr viel und meditiert! . Eigentlich nonstop). Das Zentrum war im Norden des Landes, in einem kleinen Ort in den Ausläufern des Himalaja-Gebirges. Obwohl es erst Spätsommer war, war es vor allem in den frühen Morgenstunden recht kühl. So kam ich zur ersten Meditation um fünf Uhr morgens bereits fröstelnd auf meinem Kissen an. Während der Meditation bemerkte ich, wie eiskalt meine Füße waren. Und in mir ging es ab: »Hoffentlich kriege ich keine Erkältung . Das wäre eine Katastrophe! Dann kann ich das Retreat nicht bis zum Ende mitmachen. Wie soll ich denn mit verstopfter Nase meditieren? . Hoffentlich krieg ich kein Fieber . Die Trekkingtour nächste Woche müsste damit dann auch ausfallen . Scheiße, ist das kalt ... Mir ist viel zu kalt . Heizen die hier etwa gar nicht?!??« Und so weiter und so weiter. Meine Schultern, meine Stirn und mein Kiefer waren genauso verkrampft wie meine Gedanken.

Und dann, Guru sei Dank, kam da plötzlich ein Gedanke unter all den vielen anderen an die Oberfläche. Ein Gedankenblitz, der die Worte Goenkas (so hieß der Guru) auf meinen Bewusstseinsradar schmetterte: »You just observe!« - »Das Einzige, was du zu tun hast, ist zu beobachten!« Einfach beobachten . und es machte Klick! Auf einmal wurde ich ruhig. Als wäre ein Schalter umgelegt worden. Und die kalten Füße wurden einfach zu kalten Füßen.

Es war für mich so eindrücklich zu erleben, wie sehr sich mein kompletter Gesamtzustand veränderte, als ich es schaffte, meine Gedanken zwar wahrzunehmen, aber nicht mehr darauf einzusteigen. Sie »einfach« zu registrieren, um mich dann dem zuzuwenden, was da sonst noch so war: Stirn in Falten. Spannung im Kiefer . Okay - loslassen! Was noch? Ach ja, die kalten Füße! Ein ziemlich kalter großer Zeh. Ein etwas weniger kalter kleiner Zeh. Und ziemlich wohltemperierte Fußsohlen und Fersen . Und plötzlich hatte ich eine Wahl, was ich aus den kalten Füßen machte. Drama oder Lernfeld? So saß ich also mit meinen kalten Füßen und beobachtete meine Gedanken dazu - und wurde übrigens nicht krank!

Dass meine Füße damals im Norden Indiens kalt waren, war ein Fakt. Eine Tatsache, die sich nicht leugnen ließ. Doch inwiefern das meinen Gesamtzustand prägte, war ganz maßgeblich davon abhängig, was ich innerlich daraus machte. Ich hätte mich eine Stunde lang dem Lärm in meinem Kopf hingeben können. Der Angst vor der Erkältung. Dem Verfluchen dieser Idee, überhaupt hierhergekommen zu sein. Und - schwups - hätte ich eine furchtbare Stunde gehabt und wäre angestrengt aus der Meditation gekommen. Indem ich meine Gedanken und Gefühle beobachtete, ohne mich davon einnehmen zu lassen, löste sich etwas in mir. Und ich konnte klarer auf das blicken, was da fernab meines gedanklichen Dramas war: einfach nur kalte Füße.

Gut, und . ähm . was hat das jetzt alles mit Familie und mit den Herausforderungen des Alltags zu tun, Nina?

Dein Kind durchläuft gerade eine anstrengende Phase? Dann ist das eine Tatsache. Du reagierst darauf, zumindest gelegentlich, auf eine Art und Weise, die dir eigentlich missfällt? Dann ist auch das ein Fakt. Deine innere Ausrichtung entscheidet nun, ob daraus ein Drama oder ein Lernfeld wird. Und die Techniken der Achtsamkeit unterstützen dich dabei, in eine Haltung zu finden, die dich ermächtigt, zu wählen, wie du auf die äußeren Umstände antwortest, anstatt impulsiv darauf zu reagieren.

Lass uns zur Verdeutlichung ein konkretes Beispiel aus dem Familienalltag nehmen:

Max (2) wirft sich trotzig auf den Boden, weil er keine Schokolade mehr bekommt.

Was löst das gedanklich bei seiner Mutter aus?

Sie denkt: »Du undankbares Ding, du hast doch schon so viel bekommen!« Oder: »Ich kann ihm einfach nicht gerecht werden. Nie ist es genug .«

Kennst du sowas? Mir ist es wichtig, zuallererst zu sagen, dass es schlichtweg menschlich ist, wenn sich solche oder ähnliche Gedanken in dir regen. Das macht dich nicht zu einer schlechten Mutter. Entscheidend ist, wie du mit diesen Gedanken umgehst. Welche Bedeutung schreibst du ihnen zu? Nimmst du sie für bare Münze? Lässt du dich von ihnen leiten? Lässt du dich von ihnen einnehmen? Dann kommt es sehr wahrscheinlich in irgendeiner Form zu einem Konflikt, entweder mit deinem Kind oder mit dir selbst.

Einer der Kernthesen der Achtsamkeit kann an dieser Stelle helfen: Gedanken sind nichts weiter als flüchtige Erscheinungen an der Oberfläche unseres Bewusstseins. Und wir können wählen, ob wir auf diesen Gedankenzug aufsteigen - oder eben nicht. Wenn du erkennst: »Aha - da kommt so ein fieser Gedanke. Aber ich muss darauf nicht einsteigen. Ich kann ihn loslassen«, kannst du deinen Blick neu ausrichten. Und dich für das öffnen, was neben diesem einen Gedanken noch alles so da ist. Und plötzlich siehst du in dem schokoverschmierten Monster vielleicht ein ziemlich müdes Kind. Oder ein besonders willensstarkes Kind, das sehr genau weiß, was es möchte. Oder deine eigene Erschöpfung - und die Unlust, über Schokolade streiten zu müssen . Und - tatataaaa - schon hast du ein komplett neues Feld an möglichen Antworten auf die aktuelle Herausforderung.

Fakt ist, dass wir als Menschen in jedem Moment durch unfassbar viele Reize beeinflusst werden - innere wie äußere. Achtsamkeit unterstützt uns dabei, uns in dem ganzen Lärm bewusst auszurichten. Sie schenkt uns eine Wahl:

Was mache ich aus den kalten Füßen?

Was mache ich aus meinem wütenden Kind?

Lasse ich mich von meinen Gedanken wegtreiben? Oder richte ich mich aus und wähle zu antworten, anstatt blind zu reagieren?

Aus der Kognitiven Verhaltenstherapie wissen wir, dass es unsere Gedanken sind, die aus den herausfordernden Momenten unseres Alltags einen Stressmoment machen. Und Achtsamkeit hilft uns, uns so auszurichten, dass wir selbst im größten Chaos Familie so leben können, wie wir es uns wirklich-wirklich wünschen. Und genau das werden wir gemeinsam in diesem Buch aufgreifen. Ich beziehe mich hier im Wesentlichen auf Techniken, die in der Achtsamkeitsphilosophie verwurzelt sind und sich in der sogenannten dritten Welle der Kognitiven Verhaltenstherapie sehr bewährt haben.2 Diese »dritte Welle« ist eine neue Strömung innerhalb der etablierten Kognitiven Verhaltenstherapie, in der sich rund um die Jahrtausendwende unterschiedliche Ansätze formierten, die sich unter anderem auf zentrale Achtsamkeitstechniken stützen und beziehen.

Lass uns deine guten Ideen zum Leben erwecken! Und mit Achtsamkeit beginnt der Weg. Denn Achtsamkeit unterstützt dich dabei, die negative Bewertung von deinen Konflikten aufzuweichen, um sie als Chance betrachten zu können.

Akzeptanz

Eine weitere wesentliche Grundlage für unsere gemeinsame Reise ist die Art und Weise, wie wir den Herausforderungen unseres (Familien-)Lebens begegnen. Gerade in Konflikten.

Wie ist es bei dir? Welche Gedanken gehen dir durch den Kopf, wenn du an den letzten Streit mit deinem Kind denkst?

Ist es sowas wie: »Wow! . Ach, schön! Einfach schön, dass wir uns endlich mal wieder gestritten haben!«?

Sehr wahrscheinlich nicht, oder?

Warum haben Konflikte eigentlich so einen schlechten Ruf? Warum mögen wir sie so ungern, ja, versuchen sie sogar zu vermeiden?

Ist doch vollkommen klar, denkst du jetzt wahrscheinlich. Warum sollte ich etwas mögen, was mich stresst, was mich Kraft kostet? Was nervt, zehrt und Zeit raubt???

Hier können wir gleich die Achtsamkeit zu Rate ziehen, denn...

»Dieses Buch holt Eltern ab, die mit ihrem Latein am Ende sind. Und zwar da, wo sie stehen: mitten in den Herausforderungen des Familienalltags. Um sie dorthin zu bringen, wo sie wahrhaftig zuhause sind.«

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