Das Weihnachtsbaumwunder

Roman
 
 
DuMont Buchverlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. September 2021
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8321-7125-4 (ISBN)
 
Nina hat den wohl schönsten Job der Welt: für ihre Kunden die perfekte Weihnachtstanne zu finden. Die Arbeit auf der Weihnachtsbaumfarm war immer voller Freude und Glück, doch nach dem Verlust ihres Vaters vor einem Jahr ist die junge Frau in ihrer Trauer gefangen. Ein Verehrer bietet da willkommene Ablenkung - aber ist er der Richtige?
Holly versucht nur, ein normaler Teenager zu sein, und doch wird sie von ihren Mitschülerinnen schikaniert. Als plötzlich der attraktivste Junge der Schule Interesse an ihr zeigt, kann sie ihr Glück kaum fassen. Sind all ihre Wünsche auf einmal wahr geworden, oder hat die Sache einen Haken?
Angies einziger Weihnachtswunsch ist es, ihre Familie zusammenzubringen und ihre in Scherben liegende Ehe zu retten. Erzwingen kann sie die Versöhnung mit Mann und Sohn jedoch nicht. Wird ihr Wunsch in Erfüllung gehen?
Die größten Wunder geschehen an Weihnachten - und vielleicht gibt es ja für alle drei Frauen ein Happy End .
weitere Ausgaben werden ermittelt
Erin Green schreibt zeitgenössische Unterhaltungsromane voller Leben, Liebe und Lachen. Sie lebt mit ihrem Ehemann in der Grafschaft Warwickshire.

Eins

NINA

Samstag, 8. Dezember

Die Weihnachtsbäume ragen weit hinauf in den tintenschwarzen Morgenhimmel, als ich auf dem schlammigen Weg zur Farm stapfe, einer arbeitsreichen Elf-Stunden-Schicht entgegen.

Der Chor der Morgendämmerung hat noch nicht eingesetzt, und außer einem Fuchs auf der Pirsch ist um diese Zeit niemand zu sehen. Allmählich bereiten sich die Vögel auf ihre ersten Töne vor. Trotz dieser heiteren Ruhe fühlt sich mein Herz an wie ein zwischen meinen Rippen verkeilter Kohleklumpen.

Meine Taschenlampe schlägt gegen mein Bein, während ich den verlassenen Pfad entlanggehe. Ich benutze sie im Moment nicht, denn ich kenne den Weg wie meine Westentasche - die Lampe ist nur für Notfälle gedacht. Die Farm beherrscht die örtliche Umgebung und bildet eine hübsche grüne Grenze zu unserem kleinen Dorf Baxterley.

Die Luft ist erfüllt von dem würzigen Duft der Fichten, die auf beiden Seiten des Feldwegs stehen. Ausgewachsene Bäume, die vor Jahrzehnten gepflanzt wurden, gleichen Riesen, ihre ausgebreiteten Zweige hängen tief nach unten, so, als würden sie mich bei meiner frühen Ankunft an meinem Arbeitsplatz begrüßen wollen. Etwas Rotes blitzt vor mir auf und erregt meine Aufmerksamkeit: Da ist es, mein dickes Rotkehlchen. Es hüpft auf einen Fichtenzweig, ruckt mit dem Kopf und mustert mich kurz mit seinen Knopfaugen, bevor es davonfliegt. Ich nenne es »mein« Rotkehlchen, obwohl sehr viele inmitten der Weihnachtsbäume leben - ich tue so, als gäbe es nur eines, und das ist meins.

»Willkommen auf der Weihnachtsbaumfarm«, flüstere ich ihm zu, als es sich auf dem Eingangstor zur Farm niederlässt. Über dem Holztor aus fünf Balken prangt ein kunstvoll gefertigtes Schild, das stolz verkündet: »Züchter des Jahres - bester Weihnachtsbaum«. Diesen Preis haben wir beim jährlichen Wettbewerb der Vereinigung der britischen Weihnachtsbaumzüchter gewonnen - er ist vergleichbar mit einer Fünf-Sterne-Auszeichnung für ein Restaurant oder Hotel, eine Prämierung, die mein Boss mit Freuden der Öffentlichkeit präsentiert. Seitdem hat das neue Holzschild einen Ehrenplatz am Eingang zur Farm.

»Unsere Weihnachtsbäume werden nach Arten sortiert und entsprechend zugeschnitten. Bitte wenden Sie sich an uns, wenn Sie den für Sie passenden Baum nicht finden.« Nach neun Jahren muss ich meinen Verkaufsspruch nicht mehr üben, sondern sage ihn mir aus reiner Gewohnheit noch einmal vor.

Ich schiebe den Metallriegel zurück, öffne das Tor und binde es fest. Wir haben einen weiteren arbeitsreichen Tag vor uns, und ich möchte vermeiden, dass jemand später hierherlaufen muss, um es wieder aufzumachen.

Ich arbeite das ganze Jahr über hier. Wir sind nicht sehr viele - unser Boss Fielding stellt jedes Jahr nach Bedarf eine Menge Saisonarbeiter ein, die dann wieder entlassen werden. Glücklicherweise habe ich mich vor Jahren als gute Mitarbeiterin erwiesen, also kann ich die Schönheit der Farm zwölf Monate im Jahr genießen.

Im Juni 2009 habe ich nach den Abschlussprüfungen die Schule verlassen und bereits eine Woche danach hier angefangen. Wer hätte gedacht, dass Weihnachtsbäume bereits im Juli Pflege brauchen? Das liegt nun neun Jahre zurück, und ich habe keine Ahnung, wie viele Christbäume ich seither verkauft habe.

Es weht ein eisiger Wind. In der Wettervorhersage wurde Schneefall für ganz Warwickshire angekündigt - solche Aussichten machen meinen Boss mit Sicherheit glücklich. Bei Schnee schnellen die Verkaufszahlen von Weihnachtsbäumen in die Höhe, ebenso wie die von Speiseeis an einem sonnigen Sommertag. Für uns Arbeitskräfte auf der Farm bedeutet das jedoch, trotz Schneetreiben und Blizzards unseren Aufgaben nachzugehen. Es ist eine Sache, sich ins Zeug zu legen, um den Leuten Fichten zu verkaufen, aber eine ganz andere, vor einer Schicht tonnenweise Schnee zu schippen, um die Zufahrtswege für die Kunden freizumachen.

Ich setze meinen Weg auf dem zerfurchten, langen Pfad fort, der breit genug für Traktoren ist. Um diese Zeit des Jahres ist es hier oft sehr düster, aber ich fühle mich nie einsam. Wie wäre das auch möglich, da ich doch von der Natur und ihrer sich ständig verändernden Schönheit umgeben bin? Jede Jahreszeit hat ihre eigenen Reize, und der Winter ist einfach der Höhepunkt unseres Jahres.

Mir ist bewusst geworden, dass mein Geist abgelenkt ist, sobald meine Hände beschäftigt sind. Das ist der Zauber der Weihnachtsbaumfarm - hier herrschen eine Wärme und Betriebsamkeit, die mir zu vergessen helfen . Ein langer Arbeitstag mit chaotischen Familien auf der Suche nach einem Baum - wobei manchmal leider auch einige in Streit geraten - ist genau das, was ich brauche. Es ist kaum zu glauben, wie viel Zeit manche Familien für die Suche nach dem richtigen Baum aufwenden, und das, obwohl wir nur vier Arten verkaufen: Fichten, Blautannen, Nordmanntannen und Frasertannen.

Steht dann die Art fest, können sie sich oft nicht über die Größe einigen: Soll es ein ganz kleiner Baum sein, einer von durchschnittlicher Höhe oder einer der fantastischen grünen Riesen? Die meisten Familien kaufen nur einen Baum, also verstehe ich ihren Wunsch nach Perfektion. Ihr perfekter Baum kann ihr perfektes Weihnachtsfest ausmachen. Hin und wieder kaufen Familien auch mehrere Weihnachtsbäume - einen fürs Wohnzimmer, einen für die Diele und einen mit Wurzeln, der im Vorgarten eingepflanzt werden kann. Wir berechnen nach Meter, also kann das ziemlich teuer werden. Und so oft ist der Kostenfaktor entscheidend. Auch heute werde ich sicher irgendwann wieder den altbekannten Satz hören: »Oder sollen wir es lassen und den alten Plastikbaum im Speicher abstauben?« Ich werde lächeln, so tun, als ob ich das nicht gehört hätte, und hoffen, dass sie sich doch für einen Baum aus unserem Sortiment von wunderschönen Exemplaren entscheiden. Meiner Meinung nach geht nichts über einen echten Weihnachtsbaum - er sorgt nicht nur für Freude in dieser Jahreszeit, sondern auch für einen herrlichen Duft. Wenn es hart auf hart kommt und sie immer noch darüber nachdenken, den verstaubten Plastikbaum einem unserer herrlichen Gewächse vorzuziehen, werde ich der Familie rasch eine Fichte zeigen und versehentlich einen falschen Preis nennen. Man könnte es auf meine Weihnachtsstimmung oder auf eine allgemeine Milde in dieser Jahreszeit zurückführen - mein Boss wird auf jeden Fall nichts davon erfahren. Seien wir doch mal ehrlich: Das Leben ist zu kurz, um sich wegen Geld Sorgen zu machen. Am sechsten Januar werden alle unsere Weihnachtsbäume kahl und braun neben einer Mülltonne stehen, also sollte man sich daran erfreuen, solange es möglich ist.

Heute, am achten Dezember, eröffnen wir die Saison. Wenn alles so abläuft wie in den letzten neun Jahren, werde ich zwischen den Familien hin und her laufen, mein Bestes geben, um Bäume herbeizuschleppen und, dank meiner umfangreichen Kenntnisse über jede Art, alle Fragen beantworten. Ich werde freundlich lächeln, Glühwein und warme Früchteküchlein servieren und jeden herzlich begrüßen, der unsere Farm besucht.

*

Der Hof der Farm vor mir wird von hoch oben angebrachtem Flutlicht erhellt. Auf dieser weiten offenen Fläche werden die Weihnachtsbäume verkauft. Aus den Lautsprechern, die außer Reichweite möglicherweise genervter Mitarbeiter platziert sind, erklingt bereits blechern das Weihnachtslied »Little Drummer Boy«. Obwohl ich die Aufnahme schon seit einem Jahr nicht mehr gehört habe, kenne ich die Reihenfolge der zwanzig Songs aus den vorherigen Jahren in- und auswendig.

»Nina!«, ruft Bram, als ich bei der ersten Blockhütte, von uns liebevoll »das Kassenhäuschen« genannt, um die Ecke biege. Er trägt einen Thermomantel und Stahlkappenstiefel. »Ich habe etwas ganz Besonderes für dich!«

Der Klang seiner tiefen Stimme entlockt mir ein Lächeln. Bram, der ältere der eineiigen Zwillingssöhne meines Chefs, glaubt jedes Mal, wenn er mich um ein Date bittet, dass ich endlich einwilligen werde. Dabei vergisst er immer wieder, dass wir gute Freunde sind. Seit dem Matheunterricht in der siebten Klasse verbindet uns eine enge Freundschaft. Und sein jüngerer Bruder Zach gehört auch dazu. Im Charakter sind sie so verschieden wie Tag und Nacht oder wie eine Blautanne und eine Fichte. Beide sind jedoch stark und kräftig gebaut, wohlgenährt und im besten Alter.

Allein der Gedanke, mit einem von den beiden auszugehen, ist mir ein wenig unangenehm; Geschäftliches mit Privatem zu vermischen, fühlt sich für mich ungewöhnlich und falsch an. Die Zwillinge sind in dem massiven Farmhaus aufgewachsen, umgeben von riesigen Feldern im Norden, Süden und Osten.

»Guten Morgen, Bram. Dann schieß mal los!« Ich ziehe mir die Mütze vom Kopf, fahre mir mit den Fingern durch die mausbraunen Locken und mustere seine lebhaften Gesichtszüge, während er mir wieder einmal einen übertriebenen Plan vorträgt, den er sich wahrscheinlich am Abend zuvor nach vier Bier im The Rose, dem einzigen Pub in unserem Dorf, ausgedacht hat.

»Nina, schau mich nicht so an. Ich habe mir gedacht, wir könnten .«

Ich höre ihm gar nicht zu. Seine grauen Augen funkeln aufgeregt, die langen blonden Wimpern flattern wie Schmetterlingsflügel, seine Lippen bewegen sich unaufhörlich. Sein Dad, Boss Fielding, nennt ihn hinter seinem Rücken Quasselstrippe, und die Belegschaft lacht über den uralten Witz. Abraham spielt gern den lauten, aufgedrehten und wetteifernden Zwillingsbruder. »Das ist besser, als Zach zu sein«, erklärt er üblicherweise schlagfertig.

»Also, was denkst du?« Er hält inne,...

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