Tango der Leidenschaft

Julia Band 1960
 
Abby Green (Autor)
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
1. Auflage | erschienen am 8. Februar 2011 | 144 Seiten
 
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978-3-86349-658-6 (ISBN)
 
In den Armen des attraktiven Millionärs Don Rafael verspürt die schöne junge Isobel zum ersten Mal die Erotik des Tangos. Eine Sehnsucht regt sich in ihr - heiß und verboten. Sie darf diesen Mann nicht begehren! Sie muss woanders hinschauen, irgendwohin, nur nicht in diese verführerisch dunklen Augen. Denn auch wenn Argentiniens begehrtester Junggeselle und sie wie ein strahlendes Traumpaar scheinen, liegt ein dunkler Schatten auf Isobels Glück. Immer mehr spricht dafür, dass Rafael nur sein berechnendes Spiel mit ihr treibt. Sie aber hat schon längst ihr Herz verloren ...
Julia Romane
Deutsch
0,47 MB
978-3-86349-658-6 (9783863496586)
3863496582 (3863496582)

1. KAPITEL

Don Rafael betrachtete kritisch die junge Frau, die ihm gegenüber stand. Sie ist auch nicht anders als all die feinen jungen Damen der High Society hier in Buenos Aires, dachte er abfällig. Reich und verwöhnt. Allerdings kam sie ihm ein wenig blass vor. Das lag wahrscheinlich an ihrem englischen Vater. Doch ihre Mutter Maria Fuentes de la Roja war durch und durch eine argentinische Adelige. Rafael ärgerte sich, dass er an diesem Abend schon so viel getrunken hatte. Der Whisky half ihm auch nicht, sich aus dieser leidigen Situation zu befreien oder dem Gefühl des Gefangenseins zu entfliehen, mit dem er nun schon seit Jahren leben musste.

Isobel Miller feierte heute ihren achtzehnten Geburtstag. Und er war gekommen, um ihr endlich von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten. Und jetzt stand sie vor ihm, die Frau - mit einem unangenehmen Gefühl im Magen korrigierte er sich - das Mädchen, dem er seit seinem achtzehnten Lebensjahr versprochen war.

"Ich werde Sie niemals heiraten!"

Isobels Atem ging stoßweise, und ihre Brust hob und senkte sich heftig. Noch nie in ihrem Leben hatte sie sich so bedroht und eingeschüchtert gefühlt. Wütend ballte sie die Hände zu Fäusten. In ihrem mondänen und viel zu engen Satinkleid kam sie sich albern und linkisch vor. Doch ihre Mutter hatte darauf bestanden, dass sie es zu ihrer Geburtstagsfeier heute Abend trug. Und ihre Mutter duldete keinen Widerspruch.

Der Mann vor ihr musterte sie kühl. Mit dunkler Stimme, bei deren Klang ihr ein beunruhigender, nie gekannter Schauer über den Rücken lief, sagte er: "Ich bezweifle, dass du das wirklich ernst meinst. Du hast doch gar keine andere Wahl. Dein Schicksal war besiegelt, als dein Großvater meinem Vater die estancia deiner Familie verkaufte. Jeder der beiden bekam, was er wollte", fügte er bitter hinzu. "Dein Großvater das Geld und außerdem die Garantie, dass die estancia durch deine Heirat wieder in den Besitz seiner Familie zurückfällt."

Isobel bemühte sich, den Sinn seiner Worte zu verstehen. "Sie meinen . Sie meinen, dass Ihr Vater übervorteilt wurde?"

"Wohl kaum", meinte er trocken. "Niemand übervorteilte je meinen Vater. Damals war er jedoch als Einziger bereit, ein Angebot für einen derart riesigen Besitz zu machen. Doch er sorgte auch dafür, dass er im Gegenzug bekam, was er wollte. Ihm lag viel an einer standesgemäßen Heirat seines Sohnes - also mir - mit einer Frau aus angesehener Familie - also dir. Die Millers haben in Buenos Aires immer noch einen guten Namen, auch wenn ihr Vermögen inzwischen ziemlich zusammengeschrumpft ist. Dein Großvater erhielt damals nur den halben Preis für seinen Besitz. Nach dem Willen meines Vaters bekommt deine Familie die andere Hälfte erst am Tag deiner Hochzeit, also an deinem einundzwanzigsten Geburtstag."

Isobel wurde schwindelig. Zwar kannte sie, seit sie siebzehn war, diese Abmachung. Sie hatte also gewusst, dass dieser Tag einmal kommen würde. Aber sie hatte den Gedanken daran einfach verdrängt, in der Hoffnung, dass er niemals Wirklichkeit würde. Außerdem lag das damals alles noch in weiter Ferne: Sie war zu der Zeit in England, besuchte eine höhere Schule und lebte bei der Familie ihres Vaters.

Doch jetzt hatte die Realität sie eingeholt, und sie musste sich ihr stellen. Isobel spürte, wie Panik in ihr aufstieg und ihr die Kehle zuschnürte. "Es ist doch nicht meine Schuld, dass Großvater damals auf diesen Handel eingegangen ist."

Die Rückkehr nach Buenos Aires war ihr sowieso schon schwergefallen. In der ziemlich konservativen feinen Gesellschaft von Buenos Aires hatte sie sich nie sehr wohl gefühlt. Und seitdem sie in England die bodenständige, unkomplizierte Verwandtschaft ihres Vaters kennengelernt hatte, schon gar nicht. Eigentlich wollte sie nach dem Abschluss der Schule in Europa bleiben und sich ihrer großen Leidenschaft widmen, dem Tanz. Allerdings wusste ihre Familie noch nichts von ihrem Entschluss.

Sie konnte sich einfach nicht vorstellen, das Leben einer verwöhnten Millionärsgattin zu führen. Sie verstand nicht, wieso viele junge Frauen aus ihrem Bekanntenkreis genau das taten. Dabei hatten sie die exklusivsten Schulen der Welt besucht!

Don Rafael Ortega Romero lachte kurz und scharf auf. Seine weißen Zähne blitzten. Isobel zuckte bei dem harten Lachen zusammen. "Bist du wirklich so naiv, kleine Isobel Miller? Unsere Gesellschaft basiert auf Verbindungen, die aus Berechnung und Bequemlichkeit geschlossen werden. Seit Generationen werden so Ehen arrangiert."

Da war wieder dieses vernichtend zynische Lächeln. "Wenn wir alle an die Liebesheirat glaubten . Mein Gott, dann würde die ganze Hierarchie zusammenbrechen und bald Anarchie herrschen."

Im leicht zerknitterten Smoking, mit offenem Hemd und lässig gebundener Smokingschleife, umgeben von einer Aura rauer Sinnlichkeit, wurde der begehrteste und am schwersten zu erobernde Junggeselle von Buenos Aires seinem arroganten und skrupellosen Ruf mühelos gerecht. Die Hände tief in die Taschen seiner hervorragend geschnittenen schwarzen Hose vergraben, präsentierte sich Rafael Romero als ein Prachtexemplar von Dominanz und unerschütterlicher Männlichkeit.

Isobels Angst wuchs und mit ihr ihre Wut. Mit zusammengebissenen Zähnen zischte sie: "Ich bin weder klein noch naiv. Das ist ja wie im Mittelalter! Wie kann jemand in der heutigen Zeit erwarten, dass ich einer Vernunftehe zustimme!"

Als man vorhin Rafaels Ankunft gemeldet hatte, war Isobel ihren Eltern in die Eingangshalle gefolgt. Einen Moment lang hatte die Haustür offen gestanden und auch die Tür von Rafaels Auto. Bevor der Chauffeur den Schlag schloss und ihr so die Sicht raubte, konnte Isobel noch einen Blick auf ein langes, seidig glattes Bein und einen verführerisch hochhackigen Schuh im Wageninneren erhaschen.

Die Zeitungen brachten oft Fotos von Rafael. Aber die hatten sie nicht auf die Wirkung vorbereitet, die er jetzt auf sie ausübte. Die Farbe seiner Haut war von einem dunklen Oliv, seine Haare waren so schwarz wie die finsterste Nacht und seine Augen dunkel wie die Sünde. Er hatte ein hartes, kompromissloses Gesicht mit einem beinahe grausamen Ausdruck, der aber durch einen dekadent sinnlichen Mund gemildert wurde. Es war der sinnlichste Mund, den Isobel je bei einem Mann gesehen hatte - selbst wenn die Lippen grimmig zusammengepresst waren, so wie jetzt. Mit einer fast zwanghaften Faszination hatte sie im Internet nach Informationen über ihn gesucht. Dabei erfuhr sie, dass man seine Geschäftsmethoden über den grünen Klee lobte und gleichzeitig als halsabschneiderisch verdammte.

Er war ein reicher Industriemagnat, ein Playboy und gewohnt, sich rücksichtslos über Menschen hinwegzusetzen.

Ihre Eltern, die devot um ihn herumscharwenzelten, hatte er mit einer knappen Bemerkung hinausgeschickt. "Lassen Sie uns allein. Ich will mit Ihrer Tochter unter vier Augen sprechen."

Jetzt reckte Isobel angriffslustig das Kinn. "Wieso sind Sie heute Abend überhaupt gekommen? Ich habe Sie jedenfalls nicht eingeladen."

Bei ihrem Versuch, die große Dame zu spielen, verzog er nur spöttisch die Lippen. "Du hättest doch wissen müssen, dass wir uns früher oder später begegnen. Warum glaubst du wohl, bestanden deine Eltern auf deiner Rückkehr nach Argentinien?"

Isobel drehte es fast den Magen um. Ihre Mutter hatte ihr kein Wort von Rafaels Kommen gesagt!

"Es wird keine Heirat geben", wiederholte sie verzweifelt.

Er zuckte nur gleichgültig die Schultern. "Jetzt noch nicht, nein. Aber in drei Jahren."

Isobel hatte das Gefühl, als richteten sich um sie herum Mauern auf, die immer näher rückten. Sie fürchtete nichts mehr, als zu einem Leben gezwungen zu werden, über das sie keine Kontrolle besaß. Sie wollte nicht so zynisch und verbittert enden wie ihre Eltern.

Alle Farbe war aus ihrem Gesicht gewichen. "Aber ich kenne Sie ja noch nicht einmal", murmelte sie. Und plötzlich verlor sie die Beherrschung: "Ich will dieses Leben nicht! Und es ist mir egal, ob Sie mir glauben oder nicht. Ich will nur weg. Und ich will weder Sie noch dieses Haus noch Buenos Aires je wiedersehen."

Bei dem Gedanken an ein Zusammenleben mit diesem gefühllosen Mann packte sie das blanke Entsetzen. Sie wusste genau, dass sie daran zugrunde gehen würde. "Wieso scheint Sie das alles nicht zu kümmern? Sie hatten doch gerade noch ein Rendezvous mit einer anderen Frau. Weiß die eigentlich, dass Sie hier drinnen über Ihre Heirat reden?"

Wieder lächelte er sein unverschämtes Lächeln. "Glaub mir, die Frau im Wagen will nichts weiter, als mit mir ins Bett zu steigen. Das macht sie vollkommen glücklich. Ihr liegt genau so wenig an einer Heirat wie mir. Sie ist nämlich bereits zum zweiten Mal geschieden."

"Sie sind widerlich." Und doch war ihr bei seinen Worten ein äußerst verräterischer Schauer über den Körper gejagt.

Kopfschüttelnd trat Rafael näher. "Nein, nicht widerlich. Nur realistisch. Zwei Erwachsene, die sich verstehen, treffen sich, um Spaß zu haben. Und das alles ohne die lächerlichen Lügen, die sich die meisten Paare bei so einer Gelegenheit erzählen." Er musterte Isobel spöttisch von oben bis unten. "Werde erst einmal erwachsen. Dann wirst du das auch zu schätzen wissen. Man merkt, dass du...

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