Im Angesicht des Drood

Shaman Bond 9
 
 
Feder & Schwert (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 2. August 2018
  • |
  • 496 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-86762-314-8 (ISBN)
 
Manche nennen mich Shaman Bond, doch geboren wurde ich als Eddie Drood, der Jüngste in einer langen Reihe von Ahnen, die berufsmäßig die Menschheit vor allem beschützen, was düster, dämonisch und einfach nur bösartig ist. Man muss wahrscheinlich nicht extra erwähnen, dass wir uns dabei über die Jahrhunderte eine ganze Reihe von Feinden gemacht - und einige fragwürdige Geschäfte abgeschlossen haben.

Im Austausch für die Macht, die Kräfte des Bösen zu bekämpfen, haben meine Eltern ihre Seelen verkauft. Sie sind nicht die einzigen, die Geschäfte mit Himmel, Hölle, und jeder anderen übernatürlichen Dimension dazwischen gemacht haben, und jetzt ist der Zahltag gekommen.

Unter anderem auch für mein Mädchen, Molly. Sie, meine Eltern, und andere mächtige Leute sind gekidnappt worden, damit sie ihre Schuld bezahlen - oder am "Großen Spiel" teilnehmen. Die Regeln sind einfach: Gelange von einem Ende der Taschendimension zur anderen und töte deine Konkurrenten. Die Schuld des Gewinners wird voll getilgt, und die Körper und Seelen der Verlierer sind für immer verloren.

Natürlich kommt es, wie es kommen muss: Ich muss an diesem tödlichen Spiel teilnehmen, das unzweifelhaft unfaire Ausgangsbedingungen hat, um meine Lieben zu retten ...
  • Deutsch
  • Köln
  • |
  • Deutschland
  • 1,88 MB
978-3-86762-314-8 (9783867623148)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Simon R. Green wurde 1955 in Bradford-on-Avon, Wiltshire, England geboren. An der Leicester Universität studierte er englische und amerikanische Literatur und Geschichte.

Mit dem Schreiben begann er 1973, bereits während seines Studiums, und eine erste Kurzgeschichte konnte er 1977 verkaufen, aber der große Erfolg sollte sich noch lange nicht einstellen. Erst Anfang der 90er Jahre wurde Ace Books auf eines seiner älteren Manuskripte aufmerksam und schloß mit ihm einen Vertrag über sechs Romane ab - die Geburt der "Hawk und Fisher"-Reihe. Der endgültige Durchbruch gelang ihm mit dem Roman zum Costner-Film "Robin Hood - König der Diebe", der bald darauf Platz 14 der New York Times Bestsellerliste belegen konnte. Bekannt wurde Green danach vor allem durch seine Science Fiction-Reihe Todtsteltzer. Er zeigt jedoch auch in der Fantasy die gesamte Bandbreite von Dark Fantasy bis zur humoristischen Fantasy.

Simon R. Greens Romanreihe Tales from the Nightside erscheint seit 2006 bei Feder&Schwert unter dem Titel Geschichten aus der Nightside. Im Sommer 2007 bestätigte Green den Verkauf der Filmrechte an Celtic Rose Entertainment. Mit der Shaman Bond-Reihe baut er sein Multiversum um die Nightside weiter aus.

2

Man tut, was man kann. Aber es ist nie genug.

Ich ging hinunter in die Waffenmeisterei. Die Familie hält sie sicher versteckt in einer großen steinernen Höhle im Felsgrund tief unter dem Westflügel des Herrenhauses. So hält sich der Schaden am darüberliegenden Haus in Grenzen, wenn mal etwas schiefgeht, und das tut es mit Sicherheit . üblicherweise auf eine sehr laute, schmutzige und furchtbar zerstörerische Weise. Der Waffenmeister ist mit seinem Team aus hochintelligenten und nur ein ganz klein wenig verstörenden Laborassistenten verantwortlich für die Erforschung und Produktion aller Waffen, Apparaturen und sonstiger raffinierter Spielzeuge, aber auch für die Erarbeitung all der anderen fiesen Tricks, die es uns draußen im Einsatz ermöglichen, unsere Arbeit zu erledigen. Die Rüstung der Droods ist wirklich gut, zum Teufel, was sag ich: Die Rüstung ist großartig . aber selbst sie kann eben nicht alles.

Die Waffenmeisterei ist einer der wenigen Orte im Herrenhaus, wo ich mich wirklich zu Hause fühle. Sonst erinnert mich alles nur an die strenge Disziplin, die brutale Ausbildung und die niemals endende Autorität, die das Leben der Droods bestimmten. Also alles, wovor ich davongelaufen war, sobald sich mir die Chance dazu bot. Die Waffenmeisterei dagegen war der Ort, an dem ich mich immer versteckt hatte, wenn ich eigentlich irgendwo anders hätte beschäftigt sein sollen, und wo ich Zeit mit dem einzigen Familienmitglied verbracht habe, das sich wirklich Zeit für mich nahm: der Waffenmeister - mein Onkel Jack.

Als ich endlich durch die schwere Sicherheitstür den Raum betrat, der aus einer langen Reihe miteinander verbundener Steinkammern bestand - sie alle zusammen bildeten die Waffenmeisterei -, fiel mir sofort auf, wie ungewöhnlich ruhig und organisiert alles im Vergleich zu dem kaum zu kontrollierenden Chaos, das man hier sonst vorfand, schien. Wie üblich flackerten überall unregelmäßig und plötzlich Lichter auf, und in der Luft hing schwer der Gestank von Chemikalien. Ein Blitz zog sich gerade wie Funken sprühender Efeu über eine der Wände, und über dem, was nach einem der jüngsten unglücklichen Vorfälle von einem Arbeitsplatz übrig geblieben war, waberte dunkler Qualm. Aber niemand beachtete mich. Üblicherweise konnte ich mich immer auf ein befremdetes Lächeln oder Nicken, manchmal sogar auf das ein oder andere fröhliche Winken verlassen. Man akzeptierte mich hier, meist zumindest, erkannte in mir die gleiche rebellische Haltung, die hier so stolz gepflegt wurde. Aber heute sah mich niemand auch nur an, als ich vorbeiging.

Alle schienen auffällig konzentriert in ihre Arbeit vertieft zu sein. Niemand stand wie sonst in den üblichen laut diskutierenden Grüppchen zusammen, in denen man unausweichlich früher oder später über irgendetwas aneinandergeriet, niemand testete wie früher irgendwelches Zeug an seinen Kollegen aus. Alles war sehr . ruhig und geordnet. Ich erkannte den Ort kaum wieder.

Natürlich gab es auch heute ein paar Rebellen. Zwei Assistenten steckten mitten in einem Drood-Duell. Sie standen einander in ihren Rüstungen gegenüber und versuchten, sich gegenseitig darin zu überbieten, was sie mittels reiner Willenskraft aus der goldenen seltsamen Materie ihrer Rüstungen formen konnten. Sie gingen bei ihren Experimenten über die normale menschliche Form hinaus und testeten, wie weit sie gehen konnten, was für groteske und extreme Formen sie bilden und aufrechterhalten konnten. Goldene Dämonen wurden zu leuchtenden Engeln, Horror zu Herrlichkeit. Sie taumelten ein wenig, wenn sie zusätzliche Gliedmaßen erschufen oder exotische Waffen aus ihrer Rüstung formten, und sobald die Konzentration des Rüstungsträgers nachließ, zerfaserten die neu geschaffenen Formen unausweichlich und zerfielen schließlich ganz. Je unkonventioneller die Form, desto schwerer war es für den Inhaber der Rüstung, die einzelnen Elemente mit seinem Willen zusammenzuhalten. Einer der Assistenten kippte plötzlich vornüber, als sein Schwerpunkt sich bei einer weiteren Transformation zu weit nach vorn verlagerte. Ich überließ die beiden sich selbst.

Weiter drinnen in der Waffenmeisterei bildete eine Gruppe Laborassistenten gerade einen Suchtrupp, um einen weiteren Assistenten wiederzufinden, der endlich sein neues Unsichtbarkeitskraftfeld perfektioniert hatte, aber plötzlich aufgehört hatte, ihre Fragen zu beantworten. Um ihn aufzuspüren, bewegten sie sich mit weit ausgebreiteten Armen durch die Waffenmeisterei. Natürlich war es durchaus möglich, dass er längst hinausgeschlichen war und irgendwo ganz herzlich lachte. So hätte ich das gemacht.

Zwei Assistentinnen, die im Kampfring gerade gegeneinander antraten, waren mit Schlagringen aus erschöpftem Uran und Kraftfeldern an den Armen bewaffnet. Eine kleine Gruppe von Beobachtern machte sorgfältig Notizen und schloss flüsternd Wetten ab. Nicht weit entfernt spielten zwei junge Assistentinnen Golem-Wrestling mit zwei riesigen Steingolems. Ich war ziemlich sicher, dass da irgendein praktischer Zweck dahintersteckte . irgendwo.

Unten am Schießstand hatte ein Assistent aufgerüstet und einen goldenen Arm in etwas verformt, das einer Bazooka verdammt ähnlich sah. Während alle anderen in Deckung gingen, zielte er sorgsam und feuerte ein Projektil aus seltsamer Materie ab. Das andere Ende des Schießstands löste sich in Qualm und Feuer auf, während der Rückstoß den Assistenten von den Füßen riss und durch die Hälfte der Waffenmeisterei und diverse im Weg stehende Dinge schleuderte. Manche wollten einfach nicht hören. Seine Zuschauer waren allgemein belustigt, einige applaudierten.

Ich fand Onkel Jack zusammengesunken in seinem Lieblingssessel an seinem Arbeitsplatz vor, der mir wesentlich weniger überfüllt zu sein schien als sonst. Sein Computer war aber noch immer ohne triftigen Grund in Misteln und Knoblauchzöpfe gewickelt. Auf der Rückseite des Sessels prangte die Aufschrift Gott würfelt doch. Er arbeitete anscheinend an nichts Bestimmtem. Das war ungewöhnlich. Der Waffenmeister lebte normalerweise für seine Arbeit, aber jetzt saß Onkel Jack einfach nur da und starrte geistesabwesend Löcher in die Luft. Ich sagte einige Male seinen Namen, bevor er langsam den Kopf drehte und mich ansah. Er wirkte älter, entkräftet. Ein spindeldürrer Mann in gebückter Haltung mit kahlem Kopf und strengen Gesichtszügen. Die buschigen weißen Augenbrauen waren noch dieselben, aber seine normalerweise stahlgrauen Augen schienen merkwürdig trüb. Sein Laborkittel erstrahlte in reinem Weiß und war frisch gestärkt. Er zeigte weder die üblichen Spuren chemischer Verbrennungen noch die Einschusslöcher, die mein Onkel sonst immer als Zeichen der Ehre betrachtet hatte. Er sah mich lange an und schien mich dann plötzlich zu erkennen. Auf einmal lächelte er breit, und als er seinen Kopf hob, wurde sein Blick wieder klarer, und plötzlich war er kein alter Mann mehr, sondern sah wieder aus wie mein Onkel Jack.

Er schüttelte mir fest die Hand, wobei meine fast in seiner übergroßen Technikerpranke verschwand, und setzte sich in seinem Stuhl aufrechter hin. Er trug unter dem Kittel ein schwarzes T-Shirt ohne einen der üblichen verstörenden Sprüche, und das bereitete mir aus irgendwelchen Gründen ernsthafte Sorgen. Der Waffenmeister liebte es, mit seinen T-Shirts ein Statement abzugeben, meist ein beleidigendes und ungemein unangemessenes. Das war seine eigene kleine Opposition gegen Autorität. Ich setzte mich an den Rand seiner Werkbank, weil ich wusste, dass er das hasste, und wartete darauf, dass er mich tadelte. Als das nicht geschah, bestürzte mich das so, dass ich direkt wieder aufstand. Ich suchte mir einen freien Stuhl und zog ihn heran, sodass ich mich ihm gegenübersetzen konnte und fragte mich, wie ich mich möglichst taktvoll erkundigen konnte, was zur Hölle mit ihm los war.

"Willkommen daheim", sagte der Waffenmeister. "Es ist schön, dich wiederzusehen. Du kommst viel zu selten her. Das ist immer noch dein Zu Hause, weißt du? Hier gehörst du hin. Du solltest nicht mit wohlmeinenden aber eben doch zweitrangigen Einrichtungen wie dem Ministerium des Unheimlichen anbändeln. Ja, ich weiß, dein Großvater hat dort gute Arbeit geleistet, aber das Ministerium wird immer nur eine Regierungsbehörde sein. Wir Droods sind für die ganze Welt verantwortlich. Es sieht immer mehr danach aus, dass du nur noch heimkommst, wenn du etwas von uns willst. Warum bist du heute hier, Junge? Was willst du von mir?"

"Hat es dir die Matriarchin nicht gesagt?", fragte ich vorsichtig.

"Was denn? Ach ja ." Er beugte sich vor und wühlte in einigen Schubladen seines Arbeitstisches, bevor er schließlich einen Packen verschiedener Papiere hervorzog und sie achtlos in meine Hand drückte, die ich ihm erwartungsvoll hinhielt. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und lächelte mich leichthin an.

"Hier, Junge. Eine Universal-Standard-Allzwecklegende. Alle Unterlagen und Ausweise, die du brauchst, um jeden in Lark Hill ordentlich zu beeindrucken. Trag einfach den Namen, für den du dich entscheidest, in die passenden Lücken ein und ergänze alle behördlichen Unterschriften, die du für nötig hältst. Kritzel einfach was hin, die prüfen das nie. Das ist alles ziemlich standardmäßiges Zeug. Wedel einfach damit herum und schau die Leute möglichst böse an, dann solltest du klarkommen."

Ein wirklich lauter Knall ertönte am anderen Ende der Waffenmeisterei. Ein buntes, spaghettiartiges Kabelgewirr tanzte an der Wand, Lichter flackerten, und der Boden bebte. Niemand sah auf. In der Waffenmeisterei waren Explosionen und...

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