Eine Lüge ist nicht genug

 
 
Bastei Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. März 2011
  • |
  • 240 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0860-7 (ISBN)
 
Das Leben endet tödlich, auch für reiche Industrielle.
Das Leben geht weiter, auch für die Witwe des Firmenchefs der Papierfabrik.
Das Leben ist ein abgekartetes Spiel, findet Hamilton, den die Hochzeit seiner Mutter mit dem Bruder seines Vaters anwidert.
Das Leben auf dem Planeten ist in Gefahr, findet die Umweltaktivistin Olivia, wenn niemand etwas dagegen unternimmt, dass die Abwässer der Papierfabrik weiterhin den Copenhagen River verseuchen.
Das Leben will gelebt werden, rät Horatio seinem Freund Hamilton.

Es ist was faul in dieser US-amerikanischen Kleinstadt, deren Einwohner von der Papierfabrik Elsinore Papers abhängig sind. Die vermeintliche Alternative >>Arbeitsplatzabbau oder Ökologie<< stimmt nicht mehr. Auf Dauer wird das Unternehmen nur überleben können, wenn es umweltverträglich produziert. Und auf Dauer wird das Leben nur dann wieder lebenswert, wenn sich eine böse große Frage beantworten lässt: Ist der alte Firmenchef Rex Prince ermordet worden, und wenn ja, wer steckt dahinter?
weitere Ausgaben werden ermittelt
"Zweiundzweizigstes Kapitel (S. 156-157)

Ich fuhr zu einem Drive-in, um mir die erste richtige Mahlzeit an diesem Tag zu holen. Im Vergleich zu den beiden, die ich im Imbiss gegessen hatte, wo Olivia arbeitete, war dieser Burger hier ziemlich schlapp, aber immerhin essbar. Während ich über den medizinischen Ordner in meinem Schoß brütete, hielt ich nach dem Namen von Dr. Lapham Ausschau.

Das Gekrakel auf den Blättern war nahezu unlesbar, doch ich hätte das, was ich mir ansah, auch nicht verstanden, wenn es ein Computerausdruck gewesen wäre, denn es war reines medizinisches Fachchinesisch. Nur ein Wort, das ich als Dioxin übersetzen konnte, schaffte es, hier und da aufzutauchen.Olivias Arzt hatte ihr gesagt, das Flusswasser wäre zu ver-dünnt, um jemanden wirklich zu töten – jedenfalls auf die Schnelle. Mir fiel wieder ein, wie er gesagt hatte, fast in allem wäre Dioxin, und plötzlich verlor ich den Appetit auf meine restlichen Pommes. Und wenn nun Mr Prince tatsächlich an Krebs gestorben war – Krebs, verursacht durch ein hohes Maß an Dioxin?

Das eigentlich als Gift eingestuft wird, allerdings nicht als das schnellste und sicherste Gift der Welt. Aber wer hat denn gesagt, dass es Claude Prince eilig gehabt hatte? Ich musste einfach wissen, was dieser Krankenbericht aussagte, oder alles würde reine Spekulation bleiben.Ein Mini-Markt auf der anderen Straßenseite verkündete neben massenhaft Reklame für Bier, Zigaretten und Lotto, dass es hier auch ein Faxgerät gäbe. Ich brachte den Volvo dazu, auf die andere Seite zu schleichen.Ein Typ mit ungefähr drei gesunden Zähnen grinste mich an, als ich reinging.»Sie haben ein Fax?«, fragte ich.

»Vier Dollar die Seite, senden oder empfangen.«»Vier Dollar die Seite? Das ist Wucher.«Der Typ grinste wieder. »Ist das einzige in der Stadt, Junge.«Ich war nicht in der Position, mich über Zahnies Verständnis von Angebot und Nachfrage streiten zu können. Daher legte ich die Seiten auf die Theke und berappte die sechzehn Eier, die mich der Spaß kostete. Vielleicht sollte ich das Haus der Princes mit Hamiltons Playstation unter dem Arm verlassen – als Ausgleich für meine Investitionen. Ich wartete, während der Angestellte die Seiten in das älteste noch existierende Faxgerät eingab.

Das Papierfach war fast leer, und wo er schon mal damit beschäftigt war, riss er ein brandneues Päckchen mit Elsinore- Papier auf, um nachzufüllen.Ich sah mich um und dachte, wie allgegenwärtig Papier doch war. Jede Cornflakesschachtel, jede Butterbrotpapierpackung, jede Serviette, Papiertaschentücher und Zeitschriften – nicht alles Papier kam von Elsinore, aber immer noch genug. Und in allem und jedem war Dioxin enthalten, das unbrauchbare, hochgiftige Nebenprodukt bei der Papierherstellung. Sicherlich in beträchtlichem Ausmaß. In einem solchen Ausmaß, dass die Milz von Mäusen auf die zehnfache Größe anwuchs und platzte. Vermutlich war es in allem in dieser Stadt, beim Fluss angefangen bis zum Papier und den Nahrungsmitteln.»Brauchst du noch was?«, fragte der Angestellte."

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