Dorf-Idylle?

Autobiografische Stories aus einem kleinen kriegerischen Dorf am Rande der Schwäbischen Alb
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. März 2021
  • |
  • 282 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7534-4960-9 (ISBN)
 
Als ich Mitte der 90er Jahre einen Eingeborenen aus einem idyllischen Dorf am Rande der Schwäbischen Alb heiratete und ihm in seine Heimat folgte, merkte ich bald, in welch kleines kriegerisches Bergdorf ich geraten war. Hier herrschen noch bis zum heutigen Tag wahrlich raue Sitten. Diesen Ort kann ich Zartbesaiteten, Hochsensiblen oder gar Harmoniebedürftigen absolut nicht empfehlen.

In meinem Buch gebe ich als abgehärtete Insiderin spektakuläre Einblicke in mein Leben auf dem Dorf. Ich konnte es mir nicht verkneifen, einige "ganz normale" Dorfbewohner aus dem schwäbischen Kulturkreis in Ironie zu baden und humorvoll aufzubereiten.

Hier gibt es zum Beispiel noch "richtige" Männer, die bei passender Gelegenheit ganz spontan ihren angeborenen Jagdtrieb austoben und ihrer Göttergattin ein frisch erlegtes Wildschwein zu Füßen legen. Macht- und Konkurrenzkämpfe unter rechtschaffenen Hausfrauen sind an der Tagesordnung, jede will das Sagen haben und jede will die Beste sein. Sogar die ortsansässigen Katzen sind bereits infiziert: es kommt nicht selten zum Krieg der Kuscheltiere, wo natürlich das Recht des Stärkeren gilt. Frauen kurz vor Ende ihrer Blütezeit leben hemmungslos ihr vielleicht letztes Frühlingserwachen aus, derweil überbeanspruchte Männer von Lustlosigkeit oder gar Potenzproblemen geschüttelt werden. Kampftrinken ist ein beliebter Sport bei beiden Geschlechtern aller Generationen und führt zu manchen Verwicklungen.

Soll nur noch einer sagen, auf dem Dorf wäre nichts los...
2. Auflage
  • Deutsch
  • 0,74 MB
978-3-7534-4960-9 (9783753449609)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Christa Grandy wurde Ende der 50er Jahre in Oberschwaben geboren und ist auf der Schwäbischen Alb aufgewachsen. Sie hat einige Zeit im Schwarzwald gelebt und dort als Schriftsetzerin gearbeitet, bevor sie der Liebe wegen am Rande der Schwäbischen Alb hängenblieb.

Dort lebt sie noch heute. In dieser Umgebung hatte sie über zwei Jahrzehnte Gelegenheit, neben der Familienarbeit Undercover für ihr Erstlingswerk "Dorf-Idylle?" zu recherchieren. Nachdem ihre Kinder erwachsen waren, widmete sie sich ganz ihrem Hobby, dem Schreiben von Geschichten aus dem Leben.

Tupperparty


In meiner entfernteren Nachbarschaft wohnt eine Frau mittleren Alters, die ähnelt in ihrem Aussehen recht stark einer Barbie-Puppe. Ich glaube, das ist gewollt. Deswegen nenne ich sie einfach mal Barbie. Sie ist klein, zierlich, recht hübsch und hat niedliche, blonde Löckchen im Überfluss. Barbies einziges Kapital ist die Schönheit, die in ihrer Jugend ganz sicher in reichem Maße vorhanden war. Barbie erzählte mir mal, sie hätte noch nie Bock gehabt, etwas zu lernen. Sie wollte immer nur Hausfrau und Mutter werden. Als Gott am Tag der Schöpfung die Schönheit verteilte, hat Barbie garantiert zwei Mal laut "Hier!" geschrien. Als er Intelligenz verteilte, hat sie höchstens "Hier" geflüstert.

Sie kriegte mit Müh und Not gerade mal den Hauptschulabschluss hin und dachte nicht daran, eine Ausbildung zu machen. Stattdessen bekam sie bereits mit 16 Jahren ihr erstes Kind - das hat sie so gewollt, meinte sie. Wohl als Auftakt für ihre Karriere als Hausfrau und Mutter mit ganz vielen Kindern. Das war ihr einziger Berufswunsch, etwas anderes konnte oder wollte sie sich nicht vorstellen.

Der junge Vater bekam zu dem von ihm nicht geplanten Baby auch noch kalte Füße und ließ Barbie mit Kind sitzen. Barbies Schönheit allein reichte nicht, ihn zu halten. Diese Schönheit rutscht schnell in den Hintergrund, wenn Barbie den Mund aufmacht. Außer banales Zeug zu Themen wie Schönheitspflege, Diät und Haushaltskram kommt da gar nichts raus. Eine Frau ohne Tiefgang eben, dazu noch eine, die immer alles am besten weiß.

Trotzdem schaffte sie es später, mit ihrem Kind doch noch in den Hafen der Ehe zu segeln und ihr Traum, nur Hausfrau und Mutter zu sein, wurde endlich wahr. Sie bekam einen Mann mit sehr gutem Job, einem Haus im Grünen und standesgemäßem Fahrzeug der Marke mit dem Stern. Barbie wähnte sich am Ziel ihrer kühnsten Wünsche, als sie und ihr Göttergatte nach kurzer Zeit noch einen Sohn bekamen. Sie genoss das Mutter- und Hausfrauen-Glück zwei oder drei Jahre in vollen Zügen an der Seite eines Mannes, der nicht zu den Ärmsten im Dorf gehört. Aber die Freude blieb nicht lange ungetrübt. Barbies Mann wollte im Gegensatz zu Barbie keine weiteren Kinder. Nun war der Traum von der Großfamilie ausgeträumt.

Barbies Göttergatte liebte seinen Sohn über alles, für sein Stiefkind dagegen hatte er gar nichts übrig. Der eigene Sohn wurde mit Spielzeug überschüttet, für das Stiefkind war dem Mann jeder müde Euro zu viel. Auch Barbie wurde finanziell sehr kurzgehalten. Der wohlhabende Gatte entpuppte sich als krankhafter Geizkragen. Wenn Barbie über das kärgliche Haushaltsgeld hinaus zusätzlich was wollte oder brauchte, musste sie selbst Geld verdienen. Für das Stiefkind hatten die nicht immer fließenden Alimente des leiblichen Vaters zu reichen. Der Ehemann rückte keinen Cent zusätzlich raus und Barbie hatte keine Kontovollmacht. Wie zu Omas Zeiten, als Frauenrechte noch kein Thema waren.

Trotz allem hielt Barbie sich äußerlich recht gut und kleidete sich auch mit 40+ noch sehr jugendlich: bevorzugt enge Radlerhosen oder Leggings, dazu war ein bauchfreies Top obligatorisch im Sommer. Im Gegensatz zu vielen Frauen ihres Alters konnte sie sich das leisten, sie hat echt eine Top-Figur. Darauf war sie ungemein stolz und daran arbeitet sie auch gnadenlos. Wochenlang isst sie nicht mehr als drei Salatblättchen und eine Karotte am Tag.

Ständig redet sie nur von Diäten, bis mir schon allein vom Zuhören die Salatblätter aus den Ohren wuchsen. Wenn ich sie von weitem sah, machte ich mich so schnell wie möglich vom Acker, damit sie mir nicht wieder die Story von ihrer neuesten Diät rein-drückte. Sie redete gern endlos ohne Punkt und Komma über Dinge, die mich nicht im Geringsten interessieren.

Deswegen sehe ich Barbie am Liebsten von hinten. Aus dieser Richtung sieht sie auch am besten aus - eine echt heiße Puppe mit knackigem Hintern und wallender blonde Löckchen-Mähne. Das macht sie aber für mich nicht besser, ich steh eben nicht auf Frauen.

Von vorne sieht die Sache ein bisschen anders aus. Barbies niedliches Puppengesicht begann schon Mitte Vierzig leichte Falten zu werfen. Wirklich kaum der Rede wert, aber für Typen wie Barbie ist schon ein Hauch von Fältchen die Total-Katastrophe. Sie fragte mich mal, was man dagegen machen könnte. Ich meinte, das liege am Körpergewicht. Mollige Frauen hätten weniger Neigung zu Faltenbildung. Ich sagte, sie solle mehr essen, ein bisschen Speck unter der Haut zieht Falten glatt.

Auch bei Barbies Oberweite wurde langsam das Wirken der Schwerkraft deutlich - hier hätte ein Push up-BH hilfreich sein können. Das lag aber auch daran, dass sie zu wenig Speck auf den Rippen hatte. Frau nimmt doch nie dort ab, wo sie es gern möchte. Bei den meisten ist es normal, dass die Oberweite leidet, wenn man sich mit Salatblättern kasteit. Ach, immer diese Luxusproblemchen!

Diese kleinen Schönheitsfehler kompensierte Barbie mit immer enger werdenden kurzen Höschen oder Jeans, wahrscheinlich um den Blick auf Wichtigeres als ihr Gesicht und Dekolletee zu lenken.

Da kann man eigentlich nichts dagegen haben, aber ein schöner Anblick ist das nicht, wenn es die Hose vorne zwischen den Beinen so hineinzieht, dass es aussieht wie "Muschi frisst Hose". Dieses Phänomen hat Dieter Bohlen in der Fernsehsendung DSDS mal mit der Bezeichnung "Taubstummenhose" versehen. Er sagte zu einer jungen Sängerin, die eine extrem enge Lederhose trug: "Man sieht, wie sich bei jedem Schritt die Lippen da unten bewegen, aber es kommt kein Ton raus."

Eines Tages traf ich mit Barbie auf einer Tupper-Party zusammen. Da gab es kein Entrinnen mehr für mich. Die Party wurde von einer sehr freundlichen Nachbarin veranstaltet, die ich nicht abweisen wollte. Das halbe Dorf war hier versammelt und ich kam ausgerechnet gegenüber Barbie zu sitzen. Barbie hatte zu diesem Anlass natürlich ihre Figur-betontesten Klamotten an, um sich von der breiten Masse abzuheben. Sie konnte zeigen, was wir anderen kaschierten. Das Thema des Tages war wie immer ihre aktuelle Diät und dass sie an diesem Nachmittag nur noch einen schwarzen Kaffee ohne Zucker trinken dürfe, sonst überschreite sie ihr Kalorien-Limit.

Ich dagegen überschritt mein Kalorien-Limit an diesem Tag hemmungslos mit Spaß und Freude. Vor den gierig-hungrigen Augen Barbies genoss ich die Kuchen-Köstlichkeiten der Gastgeberin in vollen Zügen und goss noch Kaffee mit Milch und Zucker und ein paar Gläser Cola in meinen runden, weichen Luxuskörper. Barbie versuchte vergeblich, mir dieses mit verächtlichen Blicken und schrägen Kommentaren zu vermiesen. Die war ja nur neidisch auf alle, die sich ohne Wenn und Aber den Schlemmerfreuden hingaben, ohne an ein Morgen auf der Waage zu denken. So hat halt jeder sein Hobby. Meins ist unter anderem Essen.

Irgendwie schien es, als hätte sie es an diesem Tag so richtig auf mich abgesehen. Vielleicht war sie sauer, weil ich mir deutlich anmerken ließ, dass ich generell an einem Gespräch mit ihr nicht interessiert bin oder es war Zufall, weil ich ihr gerade gegenübersaß und sie immer schlechtere Laune bekam angesichts der fröhlich schmausenden Gesellschaft, die sich für keinerlei Diät-Gespräche interessierte.

Barbie wurde mir gegenüber recht angriffslustig, was ich mit Nichtbeachtung und gelegentlichen ironischen Sprüchen quittierte. Ich habe große Nachsicht mit Kranken und lasse mich daher nicht so leicht provozieren. Sie konnte ja nichts dafür, dass sie wegen ihrer Salatblätter-Diät im Unterzucker herumlief. Durch Zuckermangel werden Leute eben aggressiv und das Gehirn funktioniert in diesem Zustand auch nicht richtig. Da kann der oder die Betreffende einfach nichts dafür, wenn er sich um Kopf und Kragen redet.

Das passierte Barbie öfters. Sie äußerte zum Beispiel in unserem Kreis von fülligeren Damen, dass sie Übergewicht total unansehnlich findet und übergewichtige Frauen sich einfach nur gehenlassen. Das käme für sie nie in Frage, sie achte IMMER auf ein gepflegtes Äußeres. Disziplinlosigkeit beim Essen sei ihr fremd.

Interessante Aussage. Übergewichtige Menschen sind also immer undiszipliniert, unansehnlich und ungepflegt. Das war mir neu, das hätte ich jetzt nicht gedacht. Man lernt doch immer wieder dazu. Aber nur, wenn man will.

Dumm war nur, dass unsere liebe Gastgeberin zu den wirklich stark übergewichtigen weiblichen Wesen gehört und auch noch mitkriegte, was Barbie von sich gab. Für mich war ganz klar, dass Barbie sich nicht das Geringste dabei dachte. Taktgefühl ist eben nicht ihre Stärke.

Ich musste Barbie leider widersprechen und sagte ihr, dass schon Rubens nur üppige Frauen malte - der wusste halt, was schön ist. Barbie wusste nicht, wer Rubens war. Ich erklärte es ihr kurz und fuhr dann fort, dass schon die Steinzeit-Menschen wunderschöne Frauen-Figuren formten, die Fruchtbarkeits-Göttinnen eben, die aussahen wie ich. Selbst in der Steinzeit wussten die schon, wie wahre Schönheit auszusehen...

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