Der ERP-Kompass

Erfolgreiche ERP-Projekte im Mittelstand
 
 
MITP (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 5. November 2018
  • |
  • 232 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95845-931-1 (ISBN)
 
Ein fundierter Marktüberblick zu den Produkten von SAP, Orcale, Microsoft, Sage, Infor und Datev
Praxisbewährte und projekterprobte Best Practices zu den Erfolgsfaktoren von ERP-Projekten
Mit vielen Beispielen ein perfekter Ratgeber für KMU



Jedes Jahr werden in Deutschland Milliardenbeträge für die Anschaffung betriebswirtschaftlicher Standardsoftware und nachgelagerte Dienstleistungen ausgegeben. Gleichwohl werden fünfzig bis neunzig Prozent aller Projekte im Nachhinein als wenig erfolgreich oder gar misslungen beurteilt.

Mit diesem Ratgeber für die mittelständische Praxis werden die Gründe untersucht und Mittel und Wege aufgezeigt, wie Fehlinvestitionen, Überstunden und Frustration künftig vermieden werden können.

Der Fokus des Buches liegt auf der pointierten Darstellung struktureller Gemeinsamkeiten der nur auf den ersten Blick unübersichtlich erscheinenden Produktfamilien sowie dem Aufzeigen typischer Problembereiche, die dem Autor in den letzten beiden Jahrzehnten unabhängig von Unternehmensgröße und Softwarelösung bei Projekten immer wieder begegnet sind.

Aus dem Inhalt:
Enterprise Resource Planning-Software
Economies-of-scale
Die wichtigsten Akteure
Erfolgsfaktoren von ERP-Projekten
Märkte, Anbieter, Produkte
SAP, Oracle, Microsoft, Sage + Co.
Kosten
ERP-Funktionalitäten: Erfüllung gesetzlicher Vorschriften, Personalmanagement, Kostenrechnung, Umsatzcontrolling, Deckungsbeitragsrechnung, Einkauf, Lagerwirtschaft, Zahlungsverkehr, Preis- und Rabattlisten, Auftragsbearbeitung/Verkauf, Forderungsmanagement, Budgetierung, Liquiditätsplanung, Dokumentenmanagement, graphische Auswertungen, Data Warehousing/Business Intelligence, CRM, PPS, Branchenmodule, Add-ons
Die erfolgreiche Systemeinführung
Customizing
Praxisbeispiel: Reporting und Controlling eines fiktiven mittelständischen Unternehmens
weitere Ausgaben werden ermittelt
Peter A. Grammer war jahrelange Finanzvorstand/CFO bei mehreren Mittelständlern und für die Einführung neuer ERP-Systeme verantwortlich.

Kapitel 3


Märkte, Anbieter und Produkte


3.1 Marktüberblick


Die fünf größten Softwareunternehmen der Welt sind in aller Mund und auch Entscheidern ohne ERP-Historie in der Regel bekannt.

Tabelle 3.1: Top Five Enterprise Software Vendor Worldwide by Total Enterprise Software Revenue63

Vom Weltmarkt für Unternehmenssoftware entfällt allerdings kein Zehntel auf betriebswirtschaftliche Standardsoftware. Der Teilmarkt weist sowohl oligopolistische als auch polypolistische Strukturen auf. Fünf großen Anbietern, die jeweils mehr als zwei Prozent Marktanteil auf sich vereinigen können, stehen zahlreiche kleine Wettbewerber mit bestenfalls regionaler oder nationaler Bedeutung gegenüber.

Tabelle 3.2: ERP Software Revenue, Worldwide, 2006-200864

Abb. 3.1Die fünf weltweit größten ERP-Anbieter 201565 (Marktanteile in Prozent)

Auch im Inland können wir das Aufeinandertreffen weniger großer und vieler kleiner Anbieter feststellen.

Tabelle 3.3: ERP Software Revenue, Germany, 2006-200866

Ausländische Mitbewerber haben es traditionell schwer. Ihre Präsenz ist weniger auf lokale als auf Entscheidungen einer Konzernzentrale im europäischen Ausland oder den USA zurückzuführen.

Der kumulierte Markanteil der fünf Großen SAP, Oracle, Microsoft, Infor und Sage übersteigt sogar noch ihren Weltmarkanteil von knapp siebenundfünfzig Prozent und der Branchenprimus SAP weist einen beeindruckenden Abstand zum Zweitplatzierten auf. Entspricht das wirklich der Realität in kleinen und mittleren Unternehmen?

Eine weitere Untersuchung, bei der sechshundertachtzehn deutsche Unternehmen mit weniger als fünfhundert Mitarbeitern, klassischer Mittelstand also, nach dem eingesetzten ERP-System befragt wurden, bringt Licht ins Dunkel. Überraschend taucht mit Datev ein Anbieter auf der Pole Position auf, der in den bisherigen Untersuchungen nicht einmal namentlich erwähnt wurde, und SAP landet mit sieben Prozent der Installationen nur im Mittelfeld.

Abb. 3.2Verbreitung von ERP-Lösungen im Mittelstand67

Die unterschiedlichen Ergebnisse sind indes weniger verwirrend, als es auf den ersten Blick vielleicht erscheinen mag. Die Untersuchungen von Gartner basieren auf Erlösen aus Lizenzen und Wartungsgebühren. Die Trovaritstudie, die auf die Zahl der Installationen und damit die tatsächliche Marktpenetrierung abstellt, weist hingegen auf eine beeindruckende Anbieter- und Produktvielfalt im Mittelstand hin.

Wir wollen unser Augenmerk nun den fünf Anbietern beziehungsweise Produkten zuwenden, die international und national gleichermaßen erfolgreich sind. Das Oligopol wird mit Datev um eine deutsche Besonderheit ergänzt.

3.2 SAP


3.2.1 Unternehmen


Bis Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts wurde der Markt für Hard- und Software von IBM dominiert. Das Geschäftsmodell bestand im Verkauf von Großrechnersystemen an Unternehmen und öffentliche Auftraggeber, wobei installierte Software quasi kostenlos mitgeliefert wurde. Aufgrund der Dominanz des Unternehmens auf dem Gebiet betrieblicher Standardsoftware - aus heutiger Sicht handelte es sich bestenfalls um rudimentäre Lösungen für den Finanzbereich und die Lagerhaltung - wurde in den Vereinigten Staaten ein Antitrustverfahren eingeleitet, das damit endete, dass IBM zur Entbündelung von Hard- und Softwarepreisen verpflichtet wurde.

Obwohl es an Mitarbeiterinitiativen zur Fokussierung auf das Softwaregeschäft nicht mangelte, zog sich das Unternehmen in der Folge auf sein traditionelles Hardwaregeschäft zurück. In diesem Umfeld hatten fünf deutsche Mitarbeiter die bahnbrechende Idee, ein standardisiertes Buchhaltungs- und Gehaltsabrechnungssystem zu entwickeln, um die hohen Entwicklungskosten betriebswirtschaftlicher Softwarelösungen auf viele Schultern zu verteilen. Das war die Geburtsstunde von SAP beziehungsweise betriebswirtschaftlicher Standardsoftware allgemein.

Das Konzept hat sich auf ganzer Breite bis hin zu Produkten für Kleinunternehmen durchgesetzt, und SAP ist heute eines der weltgrößten Softwareunternehmen mit mehr als fünfzigtausend Mitarbeitern. Der Konzernumsatz beträgt über zehn Milliarden Euro und wird zu etwa gleichen Teilen mit dem Verkauf von Softwarelizenzen, nachgelagertem Support und Wartung sowie mit Beratungsleistungen erwirtschaftet. Das Geschäftsmodell ist äußerst rentabel, der Rohertrag aus dem Verkauf von Softwarelizenzen und Wartungserlösen liegt über achtzig Prozent, und die beeindruckende Gewinnmarge von über dreißig Prozent soll weiter gesteigert werden.

Weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit haben die großen Softwareanbieter bereits in den neunziger Jahren Niederlassungen in Asien gegründet bzw. sind Kooperationen mit lokalen Softwareunternehmen eingegangen, um vor Ort Software zum Billigtarif zu entwickeln.68 Allein das Volumen nach Indien ausgelagerter IT-Dienstleistungen wird auf nicht weniger als dreißig Milliarden USD jährlich geschätzt.69

Im Jahr 2007 wurde eine strategische Partnerschaft mit WIPRO Ltd., einem führenden indischen Softwareunternehmen mit annähernd hunderttausend Mitarbeitern, bekannt gegeben. Zwei Jahre darauf wurde die Kooperation durch die Berufung eines früheren SAP-Vorstandsvorsitzenden in den WIPRO-Verwaltungsrat bekräftigt. Die deutsche Seite möchte etwa eine Milliarde Euro in die Partnerschaft investieren, wobei insbesondere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten sowie Service- und Supportleistungen als Gegenleistung der Inder benannt wurden. Der Gedanke scheint nicht abwegig, dass auch bei den Walldörfern ein nicht unerheblicher Teil von Produktentwicklung und Kundenbetreuung in Asien stattfinden.

3.2.2 R/3 und Nachfolger


Auch wenn sich das erste Produkt SAP R/1 noch auf die Finanzbuchhaltung, Anlagebuchhaltung und Materialwirtschaft beschränkte und vor Ort beim Kunden programmiert wurde, kann man die Markteinführung im Jahr 1973 gleichwohl als die Geburtsstunde betriebswirtschaftlicher Standardsoftware bezeichnen.70 Erstmalig wurden Daten nicht mehr mechanisch auf Lochkarten gespeichert, sondern über den Bildschirm eingegeben.

Die alsbald angestrebte Integration sämtlicher Funktionen der betrieblichen Wertschöpfungskette in einem Produkt wäre ohne die damaligen Fortschritte der Hardwaretechnologie nicht möglich gewesen und gebar den Nachfolger R/2, der bereits Mehrmandanten- und mehrwährungsfähig, aber nach dem damaligen Stand der Technik immer noch auf Großrechnern/Mainframes installiert war.71

1992 wurde R/3 platziert72, das erstmalig auf einer Client/Server-Architektur basierte und nach Anfangsschwierigkeiten auf große Kundenresonanz stieß. Im Gegensatz zu bisherigen Architekturen, bei den sich alle Anwendungen auf einem Zentralrechner befanden, weist die Client/Server-Architektur eine wesentlich höhere Ausfallsicherheit auf.

Der SAP-Urahn besteht aus mehreren Modulen, die sich wiederum aus verschiedenen Komponenten zusammensetzen. Die Kreativität von SAP bei der Suche nach neuen Produkten ist legendär. Für den Finanzbereich werden um die zehn Lösungen angeboten73 und natürlich gibt es mehrere Module für die Kostenrechnung.74 Die ebenfalls beeindruckende Zahl an Produkten in den Bereichen Logistik und Verkauf sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch damit nur Bestellungen getätigt, Ware gelagert und Ausgangsrechnungen erstellt werden können.

Um den Charakter einer universalen E-Business-Plattform hervorzuheben und den Zeitgeist der Jahrtausendwende zu befriedigen, fand in 1999 eine Umbenennung in MySAP.com statt. Mittlerweile wird das Produkt als SAP ERP 6.0 vermarktet, ohne dass damit gravierende inhaltliche Änderungen verbunden wären. Der Kern des Systems besteht noch immer aus den Anwendungen, die schon seit Jahrzehnten bzw. aus R/3-Zeiten bekannt sind.75 ERP 6.0 wird ergänzt um Module für das Lieferantenbeziehungsmanagement, das Lieferkettenmanagement, das Kundenbeziehungs- und das Produktlebenszyklusmanagement, wobei das umfassende Produktpaket als SAP Business Suite bezeichnet wird.

Von den zweitausend größten Unternehmen der Welt, bei denen nicht selten hunderte Einheiten zu konsolidieren sind, haben sechzig Prozent ERP 6.0 bzw. die Business Suite im Einsatz. Im Jahr 2004 sollen in weltweit 21.600 Unternehmen mehr als dreizehn Mio. SAP-Arbeitsplätze installiert gewesen sein.76 Allein der Durchschnittswert von sechshundert Clients pro Unternehmen liefert wertvolle Hinweise auf die Kundenstruktur.

Mit SAP Hana kam zuletzt eine In-Memory-Computing-Lösung auf den Markt, welche von diesem dankbar aufgenommen wurde und äußert positive Auswirkungen auf die Umsatzentwicklung von SAP hatte. Daten werden im Arbeitsspeicher gehalten und der Transfer auf andere Speichermedien kann drastisch reduziert werden.

Mit SAP Hana ergeben sich deutlich kürzere Bearbeitungszeiten insbesondere bei großen Datenmengen wie sie im SAP-Umfeld typisch sind. Auswertungen können nahezu in Echtzeit erstellt werden.77 Für den Finanzbereich mag es auf eine Stunde/einen Tag nicht ankommen, aber bei der Auswertung von Marketingkampagnen oder der Entwicklung neuer Turbinen können damit signifikante Vorteile verbunden sein.78

Die systeminterne Kommunikation erfolgt über mehr als sechzig Schnittstellen, die umfangreiche Datenströme aus allen Erdteilen zuverlässig auf einem Rechner bei der Muttergesellschaft...

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