Anarchie und Evolution

Glaube und Wissenschaft in einer Welt ohne Gott
 
 
riva Verlag
1. Auflage | erschienen am 13. Oktober 2011 | 288 Seiten
 
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978-3-86413-110-3 (ISBN)
 
Viele kennen Greg Graffin als Frontmann der Punkrockband Bad Religion. Nur wenige wissen, dass er ein naturwissenschaftliches Studium mit dem Doktorgrad abgeschlossen hat und an der Universität von Kalifornien in Los Angeles Evolutionsbiologie lehrt. In War Darwin ein Punk? schlägt Graffin eine Brücke zwischen Kunst und Wissenschaft. Als Jugendlicher - in einer Zeit, als er 'jede Nacht Drogen, Sex und Ärger hätte haben können' - entdeckte Graffin, dass das Studium der Evolution ihm eine Grundstruktur für den Sinn des Lebens aufzeigte. In diesem provokanten und sehr persönlichen Buch beschreibt er seine Reifung als Künstler und die Entwicklung seiner naturalistischen Weltanschauung. Während der Streit zwischen Religion und Wissenschaft häufig aus extremen Blickwinkeln dargestellt wird, zeigt sein Buch neue, detaillierte Einsichten zu der immerwährenden Debatte um Atheismus und den Sinn des Lebens. Es ist ein Buch für jeden, der sich schon einmal gefragt hat, ob Gott wirklich existiert.

GREGORY WALTER GRAFFIN, geb. 1964, ist Sänger und Songwriter der legendären Punkband Bad Religion, die er 1980 in Los Angeles gründete. Graffin studierte Zoologie und promovierte an der Cornell-Universität. Seither ist er neben seiner Musikerkarriere als Dozent für Biologie und Paläontologie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles tätig. Er lebt in Ithaca, New York, und Los Angeles. STEVE OLSON ist ein preisgekrönter Wissenschaftsautor und Verfasser des Buches Herkunft und Geschichte des Menschen: Was die Gene über unsere Vergangenheit verraten, das 2002 auf der Shortlist für den National Book Award stand. Olson ist Autor für die National Academy of Science sowie für andere Organisationen und zahlreiche naturwissenschaffliche Zeitschriften.
Deutsch
München
0,44 MB
978-3-86413-110-3 (9783864131103)
3864131103 (3864131103)
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GREGORY WALTER GRAFFIN, geb. 1964, ist Sänger und Songwriter der legendären Punkband Bad Religion, die er 1980 in Los Angeles gründete. Graffin studierte Zoologie und promovierte an der Cornell-Universität. Seither ist er neben seiner Musikerkarriere als Dozent für Biologie und Paläontologie an der Universität von Kalifornien in Los Angeles tätig. Er lebt in Ithaca, New York, und Los Angeles. STEVE OLSON ist ein preisgekrönter Wissenschaftsautor und Verfasser des Buches Herkunft und Geschichte des Menschen: Was die Gene über unsere Vergangenheit verraten, das 2002 auf der Shortlist für den National Book Award stand. Olson ist Autor für die National Academy of Science sowie für andere Organisationen und zahlreiche naturwissenschaffliche Zeitschriften.
  • Inhaltsverzeichnis
  • Das Autoritätsproblem
  • Das Leben verstehen
  • Das falsche Götzenbild natürliche Selektion
  • Das falsche Götzenbild Atheismus
  • Die Tragödie: Die Errichtung eines Weltbildes
  • Kreativität, nicht Schöpfung
  • Glaube weise
  • Ein sinnvolles Weiterleben nach dem Tod
  • Danksagung
  • Anmerkungen

2. Kapitel

Das Leben verstehen


 

»Ob ich denke, dass es nützlich ist, die Evolution zu studieren? Die Antwort ist Ja, weil das Weltbild, das wir wollen, das ich will, ein materialistisches ist. Jede Wahrheit, die wir über die Natur lernen können, fügt sich in unser Verständnis der stofflichen Welt ein, und das ist wünschenswert.«

Richard C. Lewontin20

 

»Auch wenn zwei Weltbilder völlig unvereinbar zu sein scheinen, bringen manche Menschen in ihrem Denken und ihren Gefühlen diese beiden Sachen zusammen und glauben gleichzeitig an beides. Nun bitte mich nicht, das zu erklären. Ich betrachte das als etwas, was nicht erklärt werden kann.«

Ernst Mayr21

 

»Darwins Erbe ist, dass es einen logischen Zusammenhang zwischen dem Leben und der Zeit gibt.«

Lynn Margulis und Dorion Sagan22

 

 

Als ich das erste Mal als Punkrocker bei einem Konzert sang, war ich so nervös, dass ich in Gedanken ins 3200 Kilometer entfernte Wisconsin abschweifte, wo meine besten Freunde ihrem gewohnten Tagesablauf nachgingen und nicht mitbekamen, wie ich gerade dabei war, sozialen Selbstmord zu begehen. Ich stand bei einer Party in einer Lagerhalle in Santa Ana in Kalifornien auf einer provisorischen Bühne. Links und rechts von mir waren Brett und Jay und hielten ihre Instrumente in der Hand. Unser ursprünglicher Schlagzeuger Jay Ziskrout saß einsam hinter uns auf dem Hocker seines Schlagzeugs. Der Vater eines Mädchens besaß eine kleine Firma, die Konserven lieferte und lagerte, und hatte seiner Tochter erlaubt, die Lagerhalle für eine kleine Geburtstagsparty für sie und ihre Punker-Freunde zu nutzen. Mehr als 200 Gratulanten aus ganz Los Angeles waren mit ihren Irokesenschnitten, Stiefeln, Halstüchern, Ketten und ihrer negativen Einstellung erschienen, um dann festzustellen, dass an dem Gerücht von Freibier nichts dran war. Und jetzt sollte ich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit singen, und das vor einer ziemlich aufgebrachten Menge.

»Wir sind Baaaad Religion« waren die ersten Worte, die ich bei einem Konzert herausbrachte. Ich hatte mich nach vorne gebeugt und starrte auf die Spitzen meiner Armee-Springerstiefel aus der Zeit des Vietnamkrieges. Ich hatte mich nie darum gerissen, der Frontmann einer Punkrockband zu sein. Es machte mir zwar Spaß, die Menschen mit meinen Songs zu provozieren, aber es ist eine Sache, in seiner Garage davon zu träumen, und eine ganz andere, auf der Bühne zu stehen. Ich hatte die Hosen daher ziemlich voll.

Ich rannte auf der Bühne von links nach rechts wie ein Speedskater, ohne jemals irgendjemanden direkt anzusehen. Keiner wusste, wo sich das Mädchen, das Geburtstag hatte, befand. Eigentlich kannte sie auch keiner aus der Band, und es wusste auch keiner, wieso wir überhaupt zu dieser Geschichte eingeladen worden waren. Das Einzige, was ich wusste, war, dass wir unsere acht Songs so laut und schnell wie möglich herunterspielen und von hier wegkommen mussten, ohne zu viel Ärger zu bekommen. Immerhin kamen wir aus dem San Fer­nando Valley, einer Gegend, die eher für ihre Highschool-Football-Mannschaften und Garagenflohmärkte am Wochenende bekannt war als für Punkbands. Diejenigen Bands, die tatsächlich aus dem »Valley« stammten, versuchten verzweifelt, ihre geografische Herkunft zu verschleiern.

Als wir unseren ersten Song spielten, waren selbst die Punker über den Klang und die übermäßige Verzerrung von Bretts Gitarrensound erschrocken. Ich erinnere mich noch, dass ich erleichtert war, dass die Aufmerksamkeit sich für einen kurzen Moment von mir abwandte. Vielleicht konnte Brett ihr Gespött ja ignorieren. Dann musste ich endlich singen. Als die ersten Worte aus meinem Mund kamen, hatte ich das surreale Gefühl, dass die Zeit stillstand. Ich hatte viel Zeit und Energie in die Ideen und Konzepte unserer Songs investiert, aber das spielte nun keine Rolle mehr. Jetzt musste ich eine Show abliefern.

Meine Stimme war aufgrund der übersteuerten Verstärker und der
Spielzeuglautsprecher der Soundanlage kaum zu hören. Ich hatte keine Ahnung, wie das Publikum reagieren würde, aber nach ein paar Zeilen hatte ich schließlich den Mut, aufzuschauen und einen flüchtigen Blick nach vorne zu werfen. Was ich erblickte, grenzte an ein Wunder. Die Wut war verschwunden, und das Publikum hatte sich in eine verzückte Menge aus wild um sich schlagenden Gliedern und wippenden Köpfen verwandelt. Sie warfen sich ungehemmt gegeneinander, hatten die Augen weit aufgerissen und schrien im Rhythmus mit. Unsere Musik hatte eine zerfahrene, aggressive, emotionale und kollektive Bewegung ausgelöst. Ich fühlte mich sofort eigenartig wohl. Wenn ich sang, reagierte die Menge darauf. Trotz aller Schwierigkeiten als fünfzehnjähriger Zehntklässler war ich hier zum Mittelpunkt dieses wahnwitzigen, tanzenden, kakofonischen Chaos geworden.

Natürlich wäre es schlecht angekommen, wenn ich meine Freude in irgendeiner Weise gezeigt hätte. Zwischen den Songs habe ich kaum Ansagen gemacht, und beim dritten Song hatte ich es dann raus. Mit gestrecktem Mittelfinger und Speedskater-Pose hatte ich die perfekte Formel entdeckt, die über Jahre funktionieren sollte.

Am Ende unseres Auftritts hatte ich genug Selbstvertrauen gewonnen, um anzukündigen: »Als Nächstes kommen Social Distortion.« Die Reaktion der Menge war verhalten, und einen Moment lang dachte ich, dass ich etwas Falsches gesagt hätte. Aber es stellte sich heraus, dass die Punks bloß mehr von dem schnellen Schlagzeug und den verzerrten Gitarren wollten - wer spielte, war ihnen egal. Dennoch war ich so überzeugt, wie es nur ein Fünfzehnjähriger sein kann, dass das Publikum mehr von dem wollte, was Bad Religion zu bieten hatte: anspruchsvolle, tiefsinnige Texte über Gott, Evolution und die großen Fragen des Lebens. Und ich glaubte genug an diese Illusion, um Bad Religion zum Mittelpunkt meines Lebens zu machen.

+

Wir gründeten Bad Religion während einer wichtigen Phase in der Geschichte des amerikanischen Rock 'n' Rolls. Alte Formen gerieten ins Wanken, was enorme Möglichkeiten zur Entfaltung neuer musikalischer Stile eröffnete. »Klassische« Rockbands wie Aerosmith, Journey und Kiss füllten Arenen, aber ihre Musik war völlig sinnentleert - sie waren beinahe ihre eigene Parodie. Disco war gekommen und wieder verschwunden, ohne eine einzige nennenswerte Band zu hinterlassen. Auch Prog-Rock brach, trotz einiger vielversprechender Experimente in den frühen 1970ern, unter seinem eigenen Gewicht zusammen.

Der Aufstieg des Punkrock in der Mitte der 1970er wurde durch mehrere Faktoren bedingt.23 Zum Teil war er eine Reaktion auf die bombastische Mainstream-Musik, teilweise eine Rückbesinnung auf die Schlichtheit von Rock 'n' Roll und auch ein sowohl musikalisches wie philosophisches Bekenntnis zur Selbstbestimmung. Die Brutstätten des Punk waren drei Zentren: England, New York und Kalifornien. Zu der Zeit, als wir Bad Religion gründeten, spielten Bands wie die Ramones, The Dead Boys und Blondie im »CBGB's«, »Max's Kansas City« und anderen Läden in New York. In England hatten sich die Sex Pistols selbst zerstört, aber Sham 69, The Clash und The Buzzcocks waren bekannt genug, um ihre eigenen Touren in den Vereinigten Staaten zu spielen, wo sie wiederum einen großen Einfluss auf jüngere Bands ausübten.24 In Kalifornien war die Punkszene besonders vielseitig. Unter den einflussreichsten Bands fanden sich The Weirdos, Black Flag, The Circle Jerks, X, The Germs, The Gears, The Dickies und Fear.25 Vor 1981 verschmolzen in der Punkszene von Los Angeles die unterschiedlichsten Stile. In den Anfängen der Bewegung konnten in einem Punk-Club am selben Abend zuerst eine Art-Rock-Band wie Geza X and The Mommymen spielen, im Anschluss eine Rockabilly-Band wie The Gears und als Höhepunkt eine Hardcore-Punk-Band wie Black Flag. Die Szene war zu dieser Zeit tolerant und offen, und die Leute fanden viele Möglichkeiten, ihren Lebensstil als Punks auszudrücken. Doch das sollte nicht so bleiben.

Brett und ich hörten in unserer Jugend viele verschiedene Popstile, von Prog-Rock bis zu den Top-40-Charts, und alle diese Musikrichtungen haben unser Songwriting beeinflusst. Wir selbst sahen uns aber als Punkrocker, und entsprechend schrieben wir Punkrock-Songs. Wir waren vor allem von den kompromissloseren Punkbands beeinflusst, die sich mit großer Intensität der Pop-Songstruktur widmeten wie The Dickies, Buzzcocks, X, Sham 69, The Ramones und unsere Zeitgenossen The Adolescents. Sänger wie Elvis Costello oder Bands wie The Germs, die sehr poetische Texte schrieben, inspirierten uns dazu, uns in unseren Songs auf einen tieferen Inhalt zu konzentrieren. Wir übernahmen sogar Zeilen von den Beatles, Elton John oder Todd Rund­gren, auch wenn wir das zu der Zeit nie zugegeben hätten, weil Punks die Musik so verachteten, die nichts mit Punk zu tun hatte.

Die nonkonformistische Tendenz unseres Songwritings führte, zumindest teilweise, dazu, dass wir Ereignisse der amerikanischen Geschichte in dieser Zeit aufgriffen. Das Land entwickelte sich politisch in eine konservative und konformistische Richtung. Südkalifornien war die Brutstätte für Tele-Evangelismus und rechte...

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