Die Spur des Verbrechens - Vier Kriminalromane in einem eBook

Anna Marx ermittelt
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 31. Oktober 2019
  • |
  • 564 Seiten
 
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E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96148-199-6 (ISBN)
 
Unterschätze nie eine attraktive Frau: Der fesselnde Krimisammelband "Die Spur des Verbrechens" von Christine Grän jetzt als eBook bei dotbooks. Der schöne Schein ist ihr Geschäft: Klatschreporterin Anna Marx wirbelt mit roten Locken und ein paar Kilo zu viel auf den Rippen über das gesellschaftliche Parkett. Aber reicht es ihr, all die Banalitäten zu veredeln, die ihr von den Schönen und Reichen anvertraut werden? Keinesfalls! Und so erwacht immer wieder ihr kriminalistischer Spürsinn: Anna ermittelt dort, wo zunächst niemand ein Verbrechen vermutet - und wird so immer wieder in spektakuläre Fälle verwickelt. Egal ob es um Erpressung, Mord, einen mysteriösen Todesfall in Afrika oder politische Intrigen geht, Anna ist zur Stelle. Aber wie lange kann man am Rand eines Vulkans tanzen, bevor man sich verbrennt? Jetzt als eBook kaufen und genießen: "Die Spur des Verbrechens" versammelt die vier Kriminalromane "Weiße sterben selten in Samyana", "Nur eine lässliche Sünde", "Ein Brand ist schnell gelegt" und "Schön wie der Tod von Christine Grän in einem Band. Wer liest, hat mehr vom Leben! dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
  • 0,95 MB
978-3-96148-199-6 (9783961481996)
Christine Grän, Jahrgang 1952, studierte Germanistik und Anglistik in Graz. Als freie Journalistin arbeitete sie für verschiedene Zeitungen und lebte mehrere Jahre in Afrika, wo auch die Idee für die berühmte Krimireihe Anna Marx entstand. Heute lebt sie als Autorin in München. Bei dotbooks veröffentlicht sie: "Heldensterben" "Weiße sterben selten in Samyana. Der erste Fall für Anna Marx" "Nur eine lässliche Sünde. Der zweite Fall für Anna Marx" "Ein Brand ist schnell gelegt. Der dritte Fall für Anna Marx" "Schön wie der Tod. Der vierte Fall für Anna Marx" "Der eiskalte Romeo. Der fünfte Fall für Anna Marx" "Die Wahrheit musst du fürchten. Der sechste Fall für Anna Marx" "Die Unschuld stirbt zuletzt. Der siebte Fall für Anna Marx" "Hinter glänzenden Fassaden. Der achte Fall für Anna Marx" "Liebe ist nur ein Mord. Bitterböse Stories" "Hongkong Fire" Die Autorin im Internet: http://www.christine-grän.de

3. Kapitel


Anna kam mal wieder zu spät. Nachlässig geschminkt und mit wehenden Haaren fegte sie die Treppen zur Redaktion hoch. Konferenz war, wie jeden Morgen, um 10 Uhr, und der Chefredakteur haßte Unpünktlichkeit. Er haßte auch noch andere Dinge: Redakteure, die »zuviel dachten«, die links waren, sozial engagiert, ihm widersprachen, dem Betriebsrat angehörten, sich nicht der Überlegenheit seines Geistes beugen wollten.

Um 10 Uhr 14 öffnete Anna behutsam die gepolsterte Tür zum Konferenzzimmer und schlich auf ihren Platz. Die Kollegen lächelten teils amüsiert, teils schadenfroh, und Grübchen - an diesem Morgen Karl Gruber - warf ihr einen eisigen Blick zu. Aber er verkniff sich eine sarkastische Bemerkung, und Anna war ihm dankbar. Sie hatte Kopfschmerzen vom Wein und sehnte sich nach einer Tasse Kaffee und Zigaretten. Gruber war konvertierter Nichtraucher. Es gab kein Rauchverbot im Konferenzzimmer, aber die Zensur war verinnerlicht. Wie beim Schreiben auch.

Das meiste rauschte an ihr vorbei an diesem Morgen: die klugen, zynischen, abgeklärten Bemerkungen über Politik und Politiker, die »tollen Stories«, die die Kollegen anpriesen wie Sauerbier, die blöden Diskussionen darum. Ungefähr die Hälfte von dem, was hier besprochen wurde, landete ohnehin im Papierkorb.

Anna, mit ihrer politischen Randszene ohnehin eine Randfigur, hielt sich vornehm faul zurück. Die Marx bereitet sich schon auf ihren Sommerschlaf vor, dachte Gruber, aber den werde ich ihr versalzen. Gegen Ende der Konferenz knallte er mit der ihm üblichen theatralischen Geste ein Telex auf den Tisch.

»Ist heute morgen angekommen; eine deutsche Expertenfrau hat sich in einem Exotenland umbringen lassen. Kennt einer von euch Samyana?«

Schweigen in der Runde, zwei der politischen Redakteure meldeten sich wie in der Schulstunde: »Liegt im südlichen Afrika, zwischen der Republik Südafrika und Mozambique. Diamanten und Bananen, ein bißchen Tourismus, demokratische Strukturen.« Gruber nickte. Gleich verteilt er Zensuren, dachte Anna.

»Anna, du bist so blaß, du brauchst Luftveränderung.« Der Chefredakteur lächelte, und Anna erblaßte noch mehr. »Du fährst nach Samyana. Englisch kannst du ja wohl.«

»Das kann doch nicht dein Ernst sein. Ich bin Bonner Klatschtante und keine Weltreisende wie unsere außenpolitischen Redakteure.«

Die Scherze anderer Leute amüsierten den Chefredakteur weniger. Er lächelte nicht mehr. »Wie wir alle wissen, Anna, beginnt in Bonn die Saure-Gurken-Zeit. Der Klatsch liegt in den letzten Zügen. Klatsch, Anna. Du machst das mit human touch, interviewst den trauernden Witwer, tröstest die verängstigten Frauen. Basta, du fliegst morgen. Hast 'ne knappe Woche Zeit, wenn die Story gut ist, schicken wir einen Fotografen, sonst knipst du selbst. Spesen sind angewiesen, meine Sekretärin bucht dir den Flug. Laß dich vom Ministerium briefen. Das wär's. Gute Reise.«

Beim ersten Kaffee, der ersten Zigarette, begann sie sich an dem Gedanken von Tapetenwechsel zu erwärmen. Ein bißchen Sonne konnte nicht schaden. Sie las sich die dpa-Meldung durch und wählte die Nummer des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Zusammenarbeit. Ein Herr Müller kam an den Apparat, von angenehmer Stimme; wahrscheinlich verheiratet.

»Samyana, sagten Sie. Eine Sekunde bitte, ich muß mir die Unterlagen holen. Darf ich fragen, was Sie an diesen entfernten Ort fuhrt, Frau Marx?«

»Sie dürfen. Eine Geschichte über das Leben deutscher Experten, Herr Müller. Im besonderen eine über das Ableben einer Expertenfrau. Frau Hellmann.«

Müller seufzte. Es kam ganz klar übers Telefon. »Liebe Frau Marx, wir sehen es aber nicht so gern, wenn Entwicklungshilfe im Horrorgewand verkauft wird. Als ob die Vorurteile nicht schon schlimm genug wären . Naja, das sind also die Fakten: Samyana hat ungefähr die Größe Frankreichs, Standort südliches Afrika. Politisch bedeutungsvoll, weil es eine Art Puffer zwischen Mozambique und der Republik darstellt, im Moment ist die Lage ja wieder etwas gespannt. Das Klima: tropisch bis subtropisch. Seit 1976 unabhängig, vorher britisches Protektorat, Amtssprache Englisch. Hat für Afrika ungewöhnlich starke demokratische Strukturen, ein Parlament und einen gewählten Präsidenten, das orientiert sich am britischen System. Kenneth Quobisa regiert seit der Unabhängigkeit. Ist mit einer Britin verheiratet, weiß. Sein politischer Kurs schwankt zwischen wirtschaftlicher Abhängigkeit von Südafrika und verbalem Widerstand gegen das Apartheidssystem. Die Diamantenmine produziert fast die Hälfte des Bruttosozialprodukts, wird so gut wie von den Südafrikanern betrieben. Ansonsten gibt es nur wenig Kleinindustrie, sehr wenig Landwirtschaft, Fischerei; der Fremdenverkehr steckt noch in den Kinderschuhen, obwohl die Küste sehr schön sein soll. Abgesehen von dem dichtbesiedelten Küstenstreifen ist das Land so gut wie unerschlossen und nur spärlich besiedelt. Wir haben ein paar Projekte im Landesinneren, hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht; ein Fischerei-Projekt im Norden. In der Hauptstadt, sie hat übrigens etwa 40 000 Einwohner, so genau sind die nie gezählt worden, sind vier deutsche Experten: ein Arzt, zwei Ökonomen und Martin Hellmann. Er ist seit 1983 als Touristik-Berater eingesetzt. Wir, beziehungsweise die Entsendeorganisation, haben Herrn Hellmann eine sofortige Versetzung angeboten, aber bis zum Abschluß der Untersuchungen muß er natürlich noch bleiben.«

Anna hatte nur Stichwörter mitgeschrieben, Steno konnte sie nicht. »Und was passiert, wenn Hellmann der Mörder ist?«

Die BMZ-Stimme klang geschockt: »Das fällt nicht in meinen Bereich.«

»Ich meine, wie sieht es rechtlich aus. Könnte er in dem Land belangt werden?«

»Also, wissen Sie, ich kann Ihre Frage nur akademisch beantworten. Wenn einer unserer Experten sich in dem Entsendeland etwas zuschulden kommen läßt, fällt er automatisch unter die Gesetze dieses Landes. Experten genießen keine diplomatische Immunität. Genügt Ihnen das?«

Es reichte. Anna bedankte sich und legte auf.

Grubers Sekretärin brachte den Umschlag mit Geld und Flugscheinen. Schon der Anblick des Tickets bereitete Anna Übelkeit. Sie hatte Angst vorm Fliegen, Angst, die sie nur in Alkohol ertränken konnte. Ein leichter Schwips vor dem Einsteigen, eine Wolke von Gleichgültigkeit, die die Wolken unter ihr weniger furchterregend machen würde . 15 Stunden fliegen . hinterher würde sie aussehen wie ein Karnickel nach der Hetzjagd, kurz vor dem Abschuß.

Hunger, sie hatte plötzlich furchtbaren Hunger. Nur ein Brötchen zum Kaffee, sagte sie sich im Lift. Aber im zehnten Stock, nach dem Studium der Speisekarte war die Entscheidung schon zugunsten von Spaghetti gefallen. Hinterher würde sie wieder ein schlechtes Gewissen haben. Die lange Reue nach dem kurzen Genuß war ihr so vertraut wie das Aufwallen der Gier, der nicht zu bezwingenden Freßlust. Iß auf, sagte die Mutter, iß Anna, sei ein braves Mädchen .

Sie teilte den Plastiktisch mit zwei politischen Redakteuren. Erfried Köbel, selbsternannter Afrologe, hielt einen Vortrag über die politische Lage im südlichen Afrika, während Anna Nudeln um die Gabel wickelte.

»Fünf vor zwölf«, dozierte er mit Grabesstimme. »Was immer die Regierung macht, es ist zu spät, eine friedliche Lösung ist nicht mehr möglich. Nicht einmal die weißen Progressiven, die für die Eliminierung der Apartheid sind, gehen so weit, den Schwarzen ein Stimmrecht geben zu wollen. Und ein paar Reformen können die aufgestaute Wut des Mobs nicht mehr bremsen. So was kann man nicht schreiben, Kinder, aber die Regierung kann doch den Zeiger nur aufhalten, wenn sie die Unterdrückungsmechanismen verschärft. Und eines sage ich euch, wenn die Schwarzen erst einmal an die Regierung kommen, werden sie sich gegenseitig abmurksen. Und dann das Land kaputtmachen. Ist doch überall passiert in Afrika.«

»Du sortierst Scheiße nach Geruch, lieber Erfried«, murmelte Kollege Herschel über seinem Vanillepudding. Den hatte Anna sich verkniffen.

»Finde ich auch«, sagte sie, »du kannst doch ein Unrecht nicht mit einem anderen entschuldigen. Wie lange ist es denn in unserer Geschichte drunter und drüber gegangen, bis wir diesen feinen demokratischen Staat bekommen haben, den jeder bescheißt, so gut er kann.«

»Apropos, von den Kohlrouladen kriege ich Blähungen. Seit dem Regierungswechsel gibt es in dieser Scheißkantine nur noch Kohlrouladen.« Erfried hatte das zu laut gesagt.

»Hamburger Aalsuppe war euch Pinkeln wohl lieber«, krähte ein Setzer vom Nebentisch.

Erfried, dem die Kommunikation mit der »Unterwelt« seit jeher ein Greuel war, setzte sich ab. Er habe eine Verabredung mit dem armen Lambsdorff. »Gute Reise, Anna, und laß deine manikürten Finger von der Politik.«

Arschloch. Anna rauchte ihre Verdauungszigarette und hörte den Gesprächen am Setzertisch zu. Für die unten waren die Redakteure im »Olymp« in der Regel blöde Heinis. »Det schreibt ja nich für unsereines, det kritzelt für sich selbst«, hörte sie den dicken Heinrich sagen. Heinrich hatte, trotz der Umstellung von Bleisatz auf Computer, seine Methoden, es den Schreibtischtätern heimzuzahlen. In den Artikeln einiger Kollegen hatten sich immer fatale Druckfehler gefunden. Wörter mit fäkalischen Ähnlichkeiten waren besonders verwundbar. An die letzte große Tat der Unterwelt konnte Anna sich noch genau erinnern. Da hieß es in einem Leitartikel: Genscher pickt sich die Rosinen aus dem Kuchen. Als die Setzer dann den Außenminister Rosinen ficken ließen, war der Skandal perfekt. Oh, was hatten sie gelacht.

Als sie dabei war, ihren Schreibtisch abzuschließen, kam der Chefredakteur in die...

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