Die Nanny und ihr Playboy-Boss

 
 
Cora Verlag GmbH & Co. KG
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 25. September 2020
  • |
  • 144 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7337-2658-4 (ISBN)
 
Die Frauen in Hollywood liegen Dex Hunter zu Füßen. Aber der Filmboss hat nur Augen für die umwerfende Shelby Scott, die neue Nanny seines kleinen Halbbruders. Doch egal, wie sinnlich Dex sie umwirbt: Shelby sagt ihm glasklar, dass sie eins bestimmt nicht will: einen Playboy wie ihn!
Es ist schon lange her, doch Robyn Grady erinnert sich noch ganz genau an jenes Weihnachten, an dem sie ein Buch von ihrer großen Schwester geschenkt bekam. Sofort verliebte sie sich in die Geschichte von Aschenputtel, die von märchenhaftem Zauber und Erfüllung tiefster Wünsche erzählte. Je älter sie wurde, desto mehr verfestigte sich der Wunsch, selbst zu schreiben. Nachdem sie 15 Jahre beim Fernsehen hinter den Kulissen gearbeitet hatte, schien für Robyn die Zeit gekommen, ihren Traum vom Schreiben endlich zu verwirklichen: Sie besuchte Workshops, nahm an Wettbewerben teil und gab nicht auf, an sich zu glauben. Und irgendwann wurde ihr eigenes Märchen tatsächlich wahr: Ihr erstes Buch wurde veröffentlicht! Robyn lebt heute mit Mann und Töchtern in Queensland, Australien. Sie liebt neue Schuhe, abgetragene Jeans, Theaterbesuche und gemeinsame Brunchs mit ebenfalls schreibenden Freundinnen, mit denen sie ihre neuesten Romanideen austauschen kann. Was das Schreiben betrifft, bereut sie einzig und allein, nicht schon viel eher damit begonnen zu haben, und ihrem Verstand statt ihrem Herz gefolgt zu sein. Das Spielen mit Wörtern und die Fähigkeit, die buntesten Bilder allein durch eine Tastatur und die eigene Fantasie zu erschaffen, faszinieren Robyn jeden Tag aufs Neue und bestätigen ihr, dass dies genau das ist, was sie sich vom Leben immer erträumt hat!

1. KAPITEL

Shelby Scott beobachtete das Schauspiel vor der Tür des weltberühmten Hotels mit gerunzelter Stirn. Passanten registrierten die Szene amüsiert im Vorbeigehen. Dex Hunter legte sich gerade mächtig ins Zeug, während er eine äußerst eifrige Lady küsste - oder besser gesagt, sich von ihr abschlecken ließ. Das Strasskleid der Frau glitzerte in der Sonne und hätte zweifellos jedes im Sturm verirrte Schiff wieder in den heimischen Hafen leiten können. Ein Möchtegern-Starlet, vermutete Shelby. Schließlich besaß Mr. Hunter hier in Los Angeles sein eigenes Filmstudio.

Sie hatte Dex Hunter erst heute kennengelernt - als sie ihn im Café angerempelt und er sich daraufhin mit heißem Kaffee bekleckert hatte. Nicht zum ersten Mal hatte sie sich daraufhin geschworen, dass sie den Job als Kellnerin wirklich nur zur Überbrückung machen würde. Denn eigentlich war sie mit dem festen Vorsatz nach Kalifornien gezogen, sich eine gute Stelle als Kindermädchen zu suchen. Darin besaß sie Erfahrung, und jeder zu Hause in Mountain Ridge konnte bestätigen, wie sehr Shelby Scott Kinder liebte. Wie das Glück es wollte, war Mr. Hunter gerade auf der Suche nach jemandem.

Als Junggeselle und viel beschäftigter Chef der Hunter Productions brauchte Dex ein Kindermädchen für seinen kleinen Halbbruder, der ihn für eine Weile besuchen würde. So viel hatte sie bei ihrem ersten kurzen Zusammentreffen mit ihm bereits erfahren. Sie hatte Dex sofort von ihrem Wunsch erzählt, als Nanny zu arbeiten, und damit sein Interesse geweckt. Als er dann erfuhr, dass sie alle Bücher aus der Lieblingsserie des kleinen Jungen gelesen hatte und einen Stegosaurus von einem T-Rex unterscheiden konnte, hatte er schon nahezu überzeugt gewirkt. Sein kleiner Bruder sei ganz verrückt nach Dinosauriern, hatte Dex ihr erzählt.

Weil er es eilig gehabt hatte, waren sie übereingekommen, sich heute Abend zu treffen, um beim Dinner über den Job zu reden. Shelby hatte gehofft, vielleicht sogar schon eine Zusage zu erhalten.

Aber dieses billige Schmierentheater, das ihr jetzt geboten wurde, ließ bei ihr alle Hoffnung auf eine seriöse Zusammenarbeit platzen. Dex Hunter konnte sich eine andere Nanny suchen, wenn sein fünfjähriger Bruder aus Australien eintraf. Ich habe jedenfalls von diesen Aufreißer-Typen die Nase voll, dachte Shelby. Ob sie nun in Hollywood lebten oder in Mountain Ridge, Oklahoma .

Verdammt, sie waren doch alle gleich.

Schließlich löste sich Dex Hunter aus der Umklammerung der Frau. Er drehte sich um, als hätte er Shelbys Anwesenheit gespürt, und kam zu ihr herüber. Mit seinen breiten Schultern wirkte er sehr maskulin, und ihn umgab eine Aura von starkem männlichem Selbstbewusstsein. Sie selbst war eins siebenundsiebzig groß, aber er überragte sie deutlich, stellte Shelby fest.

Was sie kurzzeitig aus dem Konzept brachte, war allerdings der intensive Blick seiner faszinierenden gelbbraunen Augen. Im Licht der Straßenlaterne wirkten sie fast wie die Augen einer intelligenten, gefährlichen Raubkatze.

"Sie sind früh dran", sagte er und rückte seinen Hemdkragen zurecht.

"Ich bin wohl gerade rechtzeitig gekommen", erwiderte sie schneidend. "Produzieren Sie sich immer so in der Öffentlichkeit, Mr. Hunter?" Sie konnte sich die Frage einfach nicht verkneifen.

Dex Hunter sah sie verwundert an, bis er verstand, was sie meinte. Er warf einen Blick über die Schulter zurück und verzog das Gesicht. "Das war vielleicht nicht die beste Einleitung für unser Vorstellungsgespräch."

"Es gibt kein Vorstellungsgespräch", zischte Shelby, drehte sich auf dem Absatz um und steuerte auf die nächste Bushaltestelle zu.

Sie war jetzt seit zwei Wochen in Los Angeles. Kalifornien hatte sie sich nur ausgesucht, weil die Heldin in einem ihrer Lieblingsfilme hier gelandet war, um ein neues Leben anzufangen. Doch plötzlich fühlte sich Shelby allein und total naiv. Bis auf ein paar Tage in Oklahoma City hatte sie ihre Heimatstadt bisher noch nie verlassen. Ihr ganzes Leben hatte sie in Mountain Ridge verbracht - und sie hatte wunderbare Erinnerungen daran.

Bis auf diese eine .

Dex Hunter war ihr gefolgt und versperrte ihr jetzt den Weg. "Sie wollten mit mir beim Dinner über mein Jobangebot sprechen."

"Wenn Sie sich immer so auf ein Geschäftsgespräch vorbereiten wie eben, möchte ich mir gar nicht vorstellen, was Sie so bei sich zu Hause in Gegenwart eines kleinen Jungen treiben. Damit möchte ich nichts zu tun haben."

"Diese Frau ist eine gute Freundin von mir, wir haben uns nur verabschiedet."

"Ich komme vielleicht vom Land", sagte Shelby, "aber von gestern bin ich nicht. Das sah eben nicht nach einer freundschaftlichen Verabschiedung aus."

"Bernice hat zu viel getrunken. Außerdem hätte sie ja auch meine Verlobte sein können."

Bei dem Wort Verlobte drehte sich Shelby der Magen um. "Die Vorführung hat mir trotzdem nicht gefallen." Wie sie selbst darauf reagiert hatte, auch nicht. Sie fühlte sich unwohl. Verletzlich. "Rufen Sie eine Agentur an, die wird Ihnen jemanden vermitteln."

"Ich habe heute Nachmittag Ihre Referenzen überprüft und ein paar Leute angerufen", sagte Dex unbeeindruckt.

Shelby sah ihn erschrocken an und spürte einen Kloß im Hals.

"Im Café erwähnten Sie ein paar Arbeitsstellen in Oklahoma. Ihre Fähigkeiten wurden in den höchsten Tönen gelobt. Vor allem Mrs. Fallon von Hatchlings Kindergarten war von Ihnen begeistert."

Es machte ihr nichts aus, dass er sie überprüft hatte, aber unwillkürlich fragte sich Shelby, mit wem Dex Hunter wohl noch gesprochen hatte. Was wusste er über sie? Nicht dass ihn dieser hässliche Vorfall vom vergangenen Monat interessieren würde. Das Ereignis, über das ganz Mountain Ridge wohl noch jahrelang tratschen würde .

"Ich habe meinen kleinen Bruder schon ein halbes Jahr nicht mehr gesehen .", fuhr Dex fort und riss sie damit aus ihren Gedanken, ". aber er ist bestimmt noch der gleiche kleine Teufel. Energiegeladen und unwiderstehlich. Sie werden ihn sicher mögen." Er lächelte. "Alle lieben ihn."

Shelby holte tief Luft und verschränkte die Arme vor der Brust. "Sie werden jemand anders finden."

"Ich will aber Sie."

"Lassen Sie es einfach sein, und gehen Sie wieder zu ." Shelby drehte sich zu der Frau um, mit der Dex eben noch so hingebungsvoll geknutscht hatte, und sah, wie diese gerade schluchzend zusammenbrach, von zwei Freundinnen in die Arme genommen wurde und sich mit ihnen entfernte.

"Letzte Woche hat Bernices Freund ihre Verlobung platzen lassen", sagte Dex, der die Szene ebenfalls verfolgte. "Ich kenne den Mann schon seit Jahren. Nicht gerade der Typ zum Heiraten."

Shelby zuckte zusammen. Jetzt tat ihr die Frau leid.

"Die Stadt ist für jemanden wie Bernice ein zu hartes Pflaster", sagte Dex. "Wie auch immer Sie sich wegen des Jobs entscheiden, ich würde trotzdem gern mit Ihnen essen gehen. Sie haben den ganzen Tag gearbeitet und Leute bedient. Ich könnte wetten, Sie sind genauso hungrig wie ich."

Shelby verzog das Gesicht. "Das klingt fast, als hätte Mrs. Fallon aus dem Kindergarten Ihnen etwas über meinen gesunden Appetit verraten."

Er lachte, und der weiche, tiefe Ton umschmeichelte sie sanft wie warmes Wasser. Aber sie wollte sich doch nicht einlullen lassen!

"Tate hat auch einen guten Appetit", sprach Dex weiter. "Vor allem Cheeseburger haben es ihm angetan. Allerdings werde ich da wohl ein bisschen einschreiten müssen."

Shelby lächelte und entspannte sich etwas. Dex Hunter war zweifellos charmant. Und sehr überzeugend .

"Ein Dinner wird sicher nicht wehtun", sagte sie schließlich. "Aber ich bezahle meinen Anteil selbst."

Normalerweise hätte sich Dex Hunter für die Vermittlung einer Nanny an eine seriöse Agentur gewandt. Aber sein Gefühl sagte ihm, dass Shelby Scott genau die Richtige für seinen kleinen Bruder Tate war, der gerade seinen besonderen Schutz benötigte.

Jemand hatte auf seinen und Tates Vater, den Medienmogul Guthrie Hunter, mehrere Anschläge verübt. Bevor diese Attentate nicht aufgeklärt und die Schuldigen vor Gericht gebracht waren, brauchte Tate einen sicheren Ort, wo er unterkommen konnte. Niemand aus der Hunter-Familie wollte den Fünfjährigen in Gefahr wissen. Erst vor Kurzem waren Guthrie Hunter und Tate nur knapp einer Entführung entkommen.

Während Dex kurz nachdachte, welches Restaurant am besten geeignet war - ruhig und gemütlich, aber nicht zu intim -, klingelte sein Handy. Er achtete nicht darauf.

"Es könnte doch wichtig sein", sagte Shelby erstaunt.

"Wir wollen jetzt essen gehen."

"Da, wo ich herkomme, würde man es als unhöflich betrachten, wenn jemand einen Anruf nicht beantwortet. Genauso, wie die Tür nicht zu öffnen, wenn jemand klingelt."

Der Blick aus ihren großen grünen Augen wirkte so offen und aufrichtig. Jetzt war wohl der falsche Moment, um ihr zu erklären, dass es in Los Angeles völlig normal war, das Klingeln seines Handys zu ignorieren.

Dex nahm den Anruf an.

Am anderen Ende der Leitung meldete sich sein Drehbuchautor Rance Loggins. "Es funktioniert nicht, Dex", sprudelte Rance los. "Du meinst, Jada sollte Pete auf der Hochzeitsfeier zur Rede stellen, aber ich halte das für keine gute Idee. Es ist zu vorhersehbar."

"Du wirst dir schon etwas einfallen lassen. Schlaf eine Nacht...

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