Unwissend

Band 1
 
 
Books on Demand (Verlag)
  • 2. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. August 2020
  • |
  • 396 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-7526-7614-3 (ISBN)
 
Stell dir vor, du findest ein Geheimnis heraus - und veränderst damit nicht nur die Zukunft, sondern auch deine Vergangenheit.

Alles, was die fünfundzwanzigjährige Joe über ihre Mutter zu wissen glaubt, fällt in sich zusammen, als der rätselhafte Kelly bei ihr auftaucht. Trotz ihrem Dickkopf und seiner groben Art verlieben sie sich bedingungslos ineinander.
Doch während ihre Liebe wächst, beginnt nicht nur die verzweifelte Suche nach einer unbekannten Schwester, sondern auch ein Rennen gegen die Zeit.
Denn Männer aus Kellys dunkler Vergangenheit sind auf der Suche nach ihm, um ihm alles zu nehmen, was er liebt ...
2. Auflage
  • Deutsch
  • 0,49 MB
978-3-7526-7614-3 (9783752676143)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Davina H. Grace, geboren 1993, lebt mit ihrem Mann, den Meerschweinchen und Kaninchen am Niederrhein in Deutschland.
Geschichten schreibt sie schon, seit sie schreiben kann. Nicht von Anfang an mit Sinn und Verstand, aber immer schon mit Herzblut und Leidenschaft.
Unwissend - Band 1 ist ihr erster Roman, aber gewiss nicht der letzte.

Kapitel Drei


Zwei Stunden. Hundertzwanzig Minuten lang saß ich in meiner Küche auf dem Boden und weinte, fluchte und schrie. Jede meiner grauen Gehirnzellen versuchte, sich irgendwie an mehr von diesem Unfall zu erinnern. Doch es war wie ausradiert.

Ein kleiner Teil von mir zog es in Erwägung, dass Kelly einfach verrückt war. Multiple Persönlichkeitsstörung oder so etwas. Ich dachte daran, wie er mich außer Gefecht setzen und festhalten konnte. Vielleicht war er beim Militär und hatte von irgendeinem Einsatz einen psychischen Schaden davongetragen? Man hörte doch immer wieder von ehemaligen Soldaten, die völlig verwirrt und unzurechnungsfähig irgendwo aufgegriffen worden.

Doch der überwiegende Teil von mir musste sich eingestehen, dass ihn für verrückt zu erklären, nicht weniger verrückt war. Weshalb sollte er hierherkommen und sich so etwas ausdenken? Wieso hätte er grundlos das Bild meiner Mutter stehlen sollen?

Meine Mutter. Ich betrachtete das Bild und versuchte, irgendetwas dabei zu fühlen. Sie hatte dieselben braunen Augen und dasselbe blonde Haar wie ich. Ihre Haut war glatt und sie strahlte. Sie konnte auf dem Foto nicht älter als Anfang dreißig sein. Doch abgesehen von Oberflächlichkeiten regte sich nichts in mir. Für mich war sie einfach eine Fremde, die mir ähnlichsah. Wieder musste ich an Kellys Worte denken. Sein Bruder war bei diesem Unfall gestorben und meine Mutter trug die Schuld daran.

Konnte das alles wirklich passiert sein? Falls ja, weshalb erinnerte ich mich nicht richtig? Wieso hatte mir nie jemand davon erzählt?

Achtlos parkte ich meinen Wagen wenig später auf der Auffahrt meines Vaters und lief zur Tür. Ohne zu klingeln schloss ich auf und stürmte hinein. »Papa?«

Meine Stimme hallte durch die Räume, aber ich bekam keine Antwort. So schnell ich konnte stieß ich jede der Türen auf, um ihn zu finden.

Fündig wurde ich im Wintergarten, wo mein Vater mit den Jacob-Brüdern stand und fachmännisch das fehlende Glas im Rahmen betrachteten. Die beiden Bauernsöhne Tom und Markus Jacob schnauften um die Wette und lächelten verlegen, als sie mich sahen.

»Papa, wir müssen reden!«

Er drehte sich zu mir herum, der Zollstock in seinen Händen wirkte völlig deplatziert. Sein Blick starrte in mein Gesicht. »Wie siehst du denn aus?«

Erst jetzt spürte ich meine geschwollenen Augen und meine glühenden Wangen. »Interessiert mich gerade nicht. Wir müssen reden. Sofort!«

Er klopfte Tom auf die Schulter und entschuldigte sich.

In der Küche aktivierte er den Kaffeeautomaten, während ich am Tisch Platz nahm und tief Luft holte.

Schweigend hörten wir zu, wie die Kaffeemaschine das Wasser aufheizte und Bohnen mahlte, ehe sie mit zwei gleichmäßigen Strahlen die beiden Tassen füllte.

»Also . worüber müssen wir reden?«, fragte mein Vater schließlich und nahm neben mir Platz an dem Tresen.

Ich blinzelte in meinen Kaffee hinein, während ich nach den richtigen Worten suchte. Mein Vater trommelte mit den Fingern auf dem Tisch herum, während sein Blick immer wieder durch die Glastür hindurch zu den Jacob-Brüdern huschte, die noch immer im Wintergarten herum werkelten. »Joe, worüber willst du mit mir sprechen? Ich hab keine Zeit für solche -«

»Hatte meine Mutter irgendwann mal einen Unfall mit mir?«, platzte es schließlich aus mir heraus.

Er verstummte und sah mich an. Mehrmals öffnete sich sein Mund, ohne dass er etwas sagte. Schließlich holte er tief Luft und antwortete: »Ja, aber das ist schon lange her. Warum fragst du?«

Meine Finger krallten sich ineinander. »Weil ich mich bis heute Morgen nicht daran erinnern konnte . und dann .«

Er runzelte die Stirn. »Und dann was

Meine Nägel gruben sich in meine Haut, bis es schmerzte. Am liebsten hätte ich ihm jetzt alles erzählt, was ich von Kelly wusste. Dass er hierhergekommen war, mich aufgesucht hatte und in Papas Haus eingebrochen war.

Doch ich konnte es nicht. Ich erinnerte mich an sein Herz, dass unter meinen Fingern pochte.

So lange dieses Herz schlägt, Joe, werd' ich dich beschützen. Seine Stimme hallte durch meinen Kopf, erfüllte mich mit Wärme und ließ mich ihm glauben. Ich hatte zwar keine Ahnung, was für ein Leben er führte - doch ich spürte, dass es die Wahrheit war.

»Und dann habe ich heute Nacht davon geträumt und es Kelly erzählt.«

»Dieser Typ war schon wieder bei dir?« Mein Vater stellte seine Tasse ab und musterte mich mit hochgezogener Augenbraue.

»Können wir uns auf meinen Traum und diesen Unfall konzentrieren?«, fragte ich zurück und hielt seinem Blick stand, ehe ich fortfuhr.

Als ich fertig war, nickte er und nahm meine Hand, so wie früher, wenn wir über etwas Ernstes sprechen mussten. Er legte seine Finger über meine, bis sie kaum noch zu sehen waren. »Du warst noch so klein. Deine Mutter hatte die irrwitzige Idee, mit dir ihren Vater dort zu besuchen.« Er schüttelte lächelnd den Kopf. »Keine Ahnung, welcher Teufel sie da geritten hat. Aber wir waren ja bereits getrennt, also habe ich nicht weiter nachgefragt. Ihr seid sofort nach Hause gekommen, nachdem ihr aus dem Krankenhaus entlassen wurdet. Sie hat dich bei mir abgesetzt und gesagt, sie müsse noch etwas regeln und würde dich in ein oder zwei Wochen wieder abholen. Und na ja, den Rest kennst du ja.« Sanft drückte er meine Hand.

Ich nickte und lächelte schwach, ehe sich meine Stirn wieder in Falten legte. »Hast du dich nie gefragt, dass sie mich doch nie abgeholt hat?«

Er sah nach draußen, als würde sich dort zwischen seinen Orchideen die Antwort finden lassen. »Natürlich. Ich habe damals auch Kontakt zu einem befreundeten Anwalt aufgenommen, aber er riet mir es einfach dabei zu belassen. Es wäre für dich nur noch verwirrender geworden und das wollte ich dir auf gar keinen Fall zumuten. Du warst eh noch so durch den Wind von dem Unfall, weil du dich ja an nichts erinnern konntest.«

»Sie war schuld daran, oder?«

Er bestätigte es nickend, sagte aber nichts dazu.

»War sie dafür im Gefängnis?«

Mein Vater zuckte mit den Schultern und wiegte seinen Kopf hin und her. »Ihr Vater ist ein ziemlich einflussreicher, in Geld schwimmender, alter Sack . ich könnte mir vorstellen, dass er den einen oder anderen Polizisten auf seiner Seite hat und deine Mutter da irgendwie rausholen konnte.« Er ließ meine Finger los und klopfte mit den Händen auf seine Oberschenkel. Ein sicheres Zeichen dafür, dass er diesem Gespräch jetzt entkommen wollte.

Also bedankte ich mich für den Kaffee und ließ ihn zurück zu den Männern, während ich noch in meinen Gedanken versunken meinen Kaffee austrank.

Bevor ich ging, machte ich noch mal einen Abstecher in den Wintergarten, wo Tom und Markus gerade das fehlende Glas durch passend gesägte Dachlatten ersetzten. Mein Vater stand daneben und sah zu, wie sie das Holz festschraubten.

Tom wischte ächzend den Schweiß von seinem speckigen Nacken an seinem Blaumann ab, als er schnaufte: »Wir finden diesen Kerl, Georg. Das versprechen wir dir!«

Markus nickte eifrig, dass sein Kinn wackelte wie Pudding. »Wir halten Ohren und Augen offen.« Eine weitere Schraube bohrte sich ratternd in das Holz und ließ seinen Speck zittern. »Vielleicht solltest du dich mal mit dem alten Otto Werkes unterhalten. Ich hab gehört, dass in seinen Feldern hinten ein Obdachloser wohnen soll. Ich finde das ziemlich verdächtig. Sollen wir das für dich klären?«

Innerlich hatte ich mich eigentlich schon verabschiedet und auf den Weg nach Hause gemacht, um in Ruhe meine Gedanken über Kelly, meine Mutter und diesen Unfall zu sortieren. Doch als ich die Abscheu in den Stimmen der beiden Bauern hörte, hielt ich inne und drehte mich nochmal zu ihnen um. »Er ist kein Obdachloser«, hörte ich mich sagen und wünschte mir wie so oft, erst nachzudenken bevor ich zu reden anfing.

Mein Vater runzelte die Stirn. »Wer ist kein Obdachloser?«

Ich sah unbeirrt in das fragende Gesicht meines Vaters. »Der Typ, der in Ottos Feld schläft.«

Er verdrehte die Augen. »Jetzt sag mir nicht, dass es dieser Kelly ist.«

Mein Schweigen war Antwort genug.

»Und was treibst du dich mit so einem rum?«, grunzte Tom belustigt und sah um Zustimmung heischend zu seinem Bruder auf, der nur unwesentlich größer war als er.

Doch noch bevor Markus ihm eine Antwort geben konnte, erwiderte ich trotzig: »Er ist jedenfalls kein Penner.«

An der dicken Falte, die sich in die Stirn meines Vaters gemeißelt hatte, konnte ich ablesen, dass ihm die Vorstellung missfiel. Ob es die Tatsache war, dass ich überhaupt mit Kelly zu tun hatte oder dass er unter freiem Himmel schlief, war schwierig zu...

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