Säuglings- und Kleinkindpsychiatrie

Ein Lehrbuch
 
 
Kohlhammer (Verlag)
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 6. Mai 2010
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  • 176 Seiten
 
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978-3-17-027409-9 (ISBN)
 
Der Begriff "Säuglings- und Kleinkindpsychiatrie" wirft oft Fragen auf. Können so kleine Kinder schon psychisch gestört sein? Handelt es sich dabei nicht um eine Stigmatisierung ganz normaler Reifungsphänomene? Dieses Lehrbuch bietet Antworten auf solche Fragen. Es zeigt, dass psychische Störungen im Kleinkindalter sich zwar oft mit anderer Symptomatik zeigen, jedoch ebenso häufig sind wie bei älteren Kindern, und beschreibt, wie sie erkannt und behandelt werden können. Es ist die erste umfassende Darstellung des Gebiets der Säuglings- und Kleinkindpsychiatrie in deutscher Sprache und beruht sowohl auf der reichen praktischen Erfahrung des Autors sowie auf aktuellen Forschungsergebnissen.
  • Deutsch
  • Stuttgart
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  • 7,66 MB
978-3-17-027409-9 (9783170274099)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Prof. Dr. Alexander von Gontard ist Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie am Universitätsklinikum des Saarlandes (Homburg) sowie Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kinderheilkunde und Psychotherapeutische Medizin.
1 - Deckblatt [Seite 1]
2 - Titelseite [Seite 4]
3 - Impressum [Seite 5]
4 - Inhaltsverzeichnis [Seite 6]
5 - Vorwort [Seite 12]
6 - Einleitung [Seite 14]
7 - 1 Psychische Störungen im Vorschulalter allgemein [Seite 19]
7.1 - 1.1 Klassifikation [Seite 19]
7.1.1 - 1.1.1 Revisionen etablierter DSM-IV-Kriterien [Seite 20]
7.1.2 - 1.1.2 Klassifikationssystem Zero-to-Three [Seite 22]
7.1.3 - 1.1.3 Deutsche Leitlinien [Seite 24]
7.2 - 1.2 Prävalenz [Seite 26]
7.2.1 - 1.2.1 Allgemeine Prävalenz [Seite 26]
7.2.2 - 1.2.2 Versorgungsprävalenz [Seite 30]
7.3 - 1.3 Diagnostik [Seite 34]
7.3.1 - 1.3.1 Allgemeine Diagnostik [Seite 34]
7.3.2 - 1.3.2 Standardisierte Diagnostik [Seite 35]
7.4 - 1.4 Therapie [Seite 37]
8 - 2 Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörungen und Hyperkinetische Störungen [Seite 40]
8.1 - 2.1 Definition und Klassifikation [Seite 40]
8.2 - 2.2 Prävalenz [Seite 41]
8.3 - 2.3 Diagnostik [Seite 42]
8.4 - 2.4 Klinik [Seite 43]
8.5 - 2.5 Ätiologie [Seite 43]
8.6 - 2.6 Therapie [Seite 43]
8.6.1 - 2.6.1 Psychotherapie der ADHS [Seite 44]
8.6.2 - 2.6.2 Pharmakotherapie der ADHS [Seite 46]
8.7 - 2.7 Verlauf und Prognose [Seite 47]
8.8 - 2.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 47]
9 - 3 Störung des Sozialverhaltens mit oppositionellem Verhalten/Störung des Sozialverhaltens [Seite 49]
9.1 - 3.1 Definition und Klassifikation [Seite 49]
9.2 - 3.2 Prävalenz [Seite 50]
9.3 - 3.3 Diagnostik [Seite 51]
9.4 - 3.4 Klinik [Seite 51]
9.5 - 3.5 Ätiologie [Seite 51]
9.6 - 3.6 Therapie [Seite 52]
9.7 - 3.7 Verlauf und Prognose [Seite 54]
9.8 - 3.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 55]
10 - 4 Ausscheidungsstörungen [Seite 57]
10.1 - 4.1 Definition und Klassifikation [Seite 57]
10.2 - 4.2 Prävalenz [Seite 59]
10.3 - 4.3 Diagnostik [Seite 62]
10.4 - 4.4 Klinik [Seite 63]
10.5 - 4.5 Ätiologie [Seite 64]
10.6 - 4.6 Therapie [Seite 65]
10.7 - 4.7 Verlauf und Prognose [Seite 67]
10.8 - 4.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 67]
11 - 5 Posttraumatische Belastungsstörungen [Seite 68]
11.1 - 5.1 Definition und Klassifikation [Seite 68]
11.2 - 5.2 Prävalenz [Seite 70]
11.3 - 5.3 Diagnostik [Seite 70]
11.4 - 5.4 Klinik [Seite 70]
11.5 - 5.5 Ätiologie [Seite 71]
11.6 - 5.6 Therapie [Seite 72]
11.7 - 5.7 Verlauf und Prognose [Seite 73]
11.8 - 5.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 73]
12 - 6 Bindungsstörungen [Seite 74]
12.1 - 6.1 Definition und Klassifikation [Seite 74]
12.1.1 - 6.1.1 Bindungsstörungen [Seite 74]
12.1.2 - 6.1.2 Bindungstheorie [Seite 76]
12.2 - 6.2 Prävalenz [Seite 78]
12.3 - 6.3 Diagnostik [Seite 78]
12.4 - 6.4 Klinik [Seite 79]
12.5 - 6.5 Ätiologie [Seite 80]
12.6 - 6.6 Therapie [Seite 80]
12.7 - 6.7 Verlauf und Prognose [Seite 81]
12.8 - 6.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 81]
13 - 7 Depressive Störungen [Seite 83]
13.1 - 7.1 Definition und Klassifikation [Seite 83]
13.2 - 7.2 Prävalenz [Seite 84]
13.3 - 7.3 Diagnostik [Seite 85]
13.4 - 7.4 Klinik [Seite 86]
13.5 - 7.5 Ätiologie [Seite 87]
13.6 - 7.6 Therapie [Seite 87]
13.7 - 7.7 Verlauf und Prognose [Seite 88]
13.8 - 7.8 Zusammenfassungen und Empfehlungen [Seite 88]
14 - 8 Angststörungen [Seite 90]
14.1 - 8.1 Definition und Klassifikation [Seite 90]
14.2 - 8.2 Prävalenz [Seite 93]
14.3 - 8.3 Diagnostik [Seite 94]
14.4 - 8.4 Klinik [Seite 94]
14.5 - 8.5 Ätiologie [Seite 95]
14.6 - 8.6 Therapie [Seite 95]
14.7 - 8.7 Verlauf und Prognose [Seite 97]
14.8 - 8.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 97]
15 - 9 Anpassungsstörungen [Seite 99]
15.1 - 9.1 Definition und Klassifikation [Seite 99]
15.2 - 9.2 Prävalenz [Seite 100]
15.3 - 9.3 Diagnostik [Seite 100]
15.4 - 9.4 Klinik [Seite 101]
15.5 - 9.5 Ätiologie [Seite 101]
15.6 - 9.6 Therapie [Seite 103]
15.7 - 9.7 Verlauf und Prognose [Seite 103]
15.8 - 9.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 103]
16 - 10 Regulationsstörungen [Seite 104]
16.1 - 10.1 Definition und Klassifikation [Seite 104]
16.2 - 10.2 Prävalenz [Seite 105]
16.3 - 10.3 Diagnostik [Seite 106]
16.4 - 10.4 Klinik [Seite 107]
16.5 - 10.5 Ätiologie [Seite 107]
16.6 - 10.6 Therapie [Seite 107]
16.7 - 10.7 Verlauf und Prognose [Seite 108]
16.8 - 10.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 109]
17 - 11 Fütterstörungen [Seite 110]
17.1 - 11.1 Definition und Klassifikation [Seite 110]
17.2 - 11.2 Prävalenz [Seite 116]
17.3 - 11.3 Diagnostik [Seite 117]
17.4 - 11.4 Klinik [Seite 118]
17.5 - 11.5 Ätiologie [Seite 121]
17.6 - 11.6 Therapie [Seite 122]
17.7 - 11.7 Verlauf und Prognose [Seite 124]
17.8 - 11.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 125]
18 - 12 Schlafstörungen [Seite 126]
18.1 - 12.1 Definition und Klassifikation [Seite 126]
18.2 - 12.2 Prävalenz [Seite 128]
18.3 - 12.3 Diagnostik [Seite 128]
18.4 - 12.4 Klinik [Seite 129]
18.5 - 12.5 Ätiologie [Seite 130]
18.6 - 12.6 Therapie [Seite 130]
18.7 - 12.7 Verlauf von Prognose [Seite 132]
18.8 - 12.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 132]
19 - 13 Weitere Störungen [Seite 133]
19.1 - 13.1 Autismus [Seite 133]
19.2 - 13.2 Elektiver Mutismus [Seite 134]
19.3 - 13.3 Andere Störungen [Seite 134]
20 - 14 Belastende Symptome: Exzessives Schreien [Seite 135]
20.1 - 14.1 Definition und Klassifikation [Seite 135]
20.2 - 14.2 Prävalenz [Seite 135]
20.3 - 14.3 Diagnostik [Seite 136]
20.4 - 14.4 Klinik [Seite 136]
20.5 - 14.5 Ätiologie [Seite 136]
20.6 - 14.6 Therapie [Seite 136]
20.7 - 14.7 Verlauf und Prognose [Seite 137]
20.8 - 14.8 Zusammenfassung und Empfehlung [Seite 138]
21 - 15 Beziehungsstörungen [Seite 139]
21.1 - 15.1 Definition und Klassifikation [Seite 139]
21.2 - 15.2 Prävalenz [Seite 140]
21.3 - 15.3 Diagnostik [Seite 141]
21.4 - 15.4 Klinik [Seite 141]
21.5 - 15.5 Ätiologie [Seite 142]
21.6 - 15.6 Therapie [Seite 143]
21.7 - 15.7 Verlauf und Prognose [Seite 143]
21.8 - 15.8 Zusammenfassung und Empfehlungen [Seite 143]
22 - 16 Ausblick [Seite 145]
23 - Abkürzungen [Seite 146]
24 - Literatur [Seite 148]
25 - Anhänge [Seite 156]
27 - Anhang II: Zero-to-Three R (2005) [Seite 162]
28 - Stichwortverzeichnis [Seite 174]

1 Psychische Störungen im Vorschulalter allgemein


1.1 Klassifikation


Störungen im Vorschulalter zeigen gegenüber denen älterer Kinder und Jugendlicher Besonderheiten. Es wurden deshalb in der Vergangenheit verschiedene Einwände dagegen erhoben, dass die Identifikation von psychischen Störungen in diesem Alter überhaupt sinnvoll und möglich ist, die bei Egger und Angold (2006a) zusammengefasst sind. Man befürchtete, dass erstens das Vorschulalter eine so rasche Entwicklungsdynamik aufweise, dass valide Symptome oder Cluster von Symptomen überhaupt nicht gemessen werden könnten. Da manche Kinder individuelle Entwicklungsverläufe zeigen, die von Normen abweichen können, wurde zweitens in Frage gestellt, ob psychiatrische Störungen überhaupt abgrenzbar seien. Drittens kritisierte man, dass die DSM- und ICD-Klassifikationen nicht genügend Entwicklungsaspekte berücksichtigen würden. Viertens wurde eine Stigmatisierung durch psychiatrische Diagnosen befürchtet, die die Selbstwahrnehmung des Kindes und elterliche Einstellungen negativ beeinflussen könnten, und fünftens kritisiert, dass Beziehungsaspekte mit den versorgenden Erwachsenen so unmittelbar wirksam seien, dass sie von der kindlichen Problematik nicht abgetrennt werden könnten.

Egger und Angold (2006a) weisen darauf hin, dass genau dieselben Kritikpunkte vor dreißig Jahren allgemein gegenüber der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorgebracht wurden. Die Entwicklung der allgemeinen Kinder- und Jungendpsychiatrie der letzten Jahrzehnte zeigte hingegen, dass diese Befürchtungen unbegründet sind und dass im Gegenteil eine kategorial ausgerichtete Klassifikation sich für die Praxis und Forschung ausgesprochen bewährt hat. In ihrer kritischen Übersicht kommen Angold und Costello (2009) zu dem Schluss, dass

  • kategoriale Diagnosen meist extreme Ausprägungen von kontinuierlich verteilten Symptomen repräsentieren;
  • DSM-IV-Kategorien sich gut replizieren ließen;
  • Störungsbilder, die auf Untersuchungen an Erwachsenen basieren, sich auch Im Vorschulalter zeigen und sich in der Praxis bewährt haben;
  • sich die häufigsten psychiatrischen Diagnosen bis zum Alter von zwei Jahren nachweisen lassen;
  • unter dem Alter von zwei Jahren jedoch alternative Klassifikationen notwendig sind, wie z. B. die Zero-to-Three (DC:0-3R 2005), die bisher jedoch nicht genügend empirisch untermauert ist.

Von daher erscheint es theoretisch, logisch und praktisch sinnvoll, auch für das frühe Kindesalter eine kategoriale Einteilung von Störungsbildern zu übernehmen. Dabei stehen vier Klassifikationssysteme zur Verfügung, die sich sinnvoll ergänzen:

  1. Das multiaxiale Klassifikationssystem für psychische Störungen des Kindes- und Jugendalters nach der ICD-10 der WHO (WHO 1993, Remschmidt et al. 2001). Die ICD-10 bildet in Europa und in weiten Teilen der Welt die Grundlage der kinderpsychiatrischen Praxis mit gut definierten Störungsbildern, die sich auch im Vorschulalter replizieren lassen. In dem multiaxialen Klassifikationssystem (MAS) werden insgesamt sechs Achsen unterschieden, die jeweils individuell zu erfassen sind. Die sechs Achsen umfassen:
    1. Achse: Das klinisch-psychiatrische Syndrom
    2. Achse: Umschriebene Entwicklungsstörungen und Teilleistungsstörungen
    3. Achse: Das Intelligenzniveau
    4. Achse: Die körperliche Symptomatik
    5. Achse: Assoziierte aktuelle abnorme psychosoziale Umstände
    6. Achse: Die globale Beurteilung des psychosozialen Funktionsniveaus
    Da vorausgesetzt wird, dass die MAS der ICD-10 allgemein bekannt ist, wird sie in diesem Zusammenhang nicht weiter vertieft. Eine altersspezifische Adaptation bzw. Modifikation der Kriterien für das Vorschulalter gibt es für die ICD-10 nicht.
  2. Die DSM-IV (APA 1994) und die neuere Textrevision DSM-TR (APA 2000) wird in Nordamerika, anderen Ländern und vor allem in vielen Forschungsprojekten verwendet. Trotz vieler Überschneidungen divergieren die Kriterien für manche Diagnosen vor allem bei AHDS (DMS-IV) versus HKS (ICD-10) sehr.

    Da die beiden Klassifikationsschemata die Störungen des Alters von 0-5 Jahren nicht genügend erfassen, wurden zwei verschiedene Reformschritte verfolgt:

  3. Die Revisionen der DSM-IV-Kriterien mit altersentsprechender Anpassung: die Research Diagnostic Criteria - Preschool Age (RDC-PA 2002, AACAP 2003, www.infantinstitute.org).
  4. Die Etablierung von Kriterien von neuen Störungsbildern speziell für das junge Alter mit dem Klassifikationssystem Zero-to-Three (DC:0-3R 2005).

Diese beiden Richtungen (3. und 4.) können sich idealerweise ergänzen, insbesondere, da sich die Zero-to-Three den Störungen der Säuglinge und jungen Kleinkinder, die RDC-PA sich auch den Auffälligkeiten der älteren Vorschulkinder widmet. Beide Zugänge sollen deshalb ausführlich dargestellt werden.

1.1.1 Revisionen etablierter DSM-IV-Kriterien


Von der amerikanischen kinderpsychiatrischen Vereinigung wurden Vorschläge zur Revision und Ergänzung der DSM-IV Kriterien (RDC-PA 2002, AACAP 2003) mit altersentsprechender Anpassung für das Vorschulalter veröffentlicht (AACAP 2003). Diese wurden als "Research Diagnostic Criteria - Preschool Age" (RDC-PA 2002) bezeichnet und sind im Internet unter www.infantinstitute.org abrufbar. Die Autoren dieser Kriterien haben dabei versucht, mehrere Grundprinzipien zu berücksichtigen:

  • Eine enge Anbindung an DSM-IV-Kriterien: Diese sollten möglichst beibehalten werden, um eine Vergleichbarkeit mit älteren Kindern zu ermöglichen. Eine Veränderung sollte nur erfolgen, falls sie empirisch begründbar ist oder wenn einzelne Items für das Vorschulalter nicht passend sind.
  • Keine Annahme von "internalen" Zuständen, Kognitionen und Emotionen: Wegen des eingeschränkten sprachlichen Ausdrucks können junge Kinder Gefühle und Gedanken nicht ausdrücken; sie können deshalb auch nicht eingeschätzt werden. Ein Einschluss von internalen Zuständen als Diagnosekriterien wäre Spekulation.
  • Kein Einschluss von elterlichem Verhalten in die Diagnosekriterien der kindlichen Störung: Die Störung erfolgt nach phänomenologischen Prinzipien der kindlichen Symptome und nicht nach möglicher Ätiologie durch Symptome der Eltern-Kind-Beziehung.
  • Eine klare Unterscheidung zwischen Symptomen und Beeinträchtigungen: Nur Symptome, nicht z. B. Beeinträchtigungen in der Familie und im Kindergarten sollen zur Diagnose herangezogen werden.
  • Klare Unterscheidung zwischen Symptomen und Diagnostikinstrumenten: Nur die Symptome an sich und nicht die Methodik der Erfassung gehören zu den Diagnosekriterien.

Neben der Reliabilität werden vier Aspekte der Validität (Face, Descriptive, Predictive und Construct Validity) für die einzelnen Störungen aufgeführt (RCD-PA 2002). Nach diesen Empfehlungen gelten folgende Störungen als diagnostisch valide im Vorschulalter - neben autistischen Störungen, für die die Validität längst etabliert ist: ADHS; ODD; Störung des Sozialverhaltens; depressive Störungen; posttraumatische Belastungsstörungen; reaktive Bindungsstörungen; Schlafstörungen; Fütterstörungen. Für die Subgruppen der Fütterstörungen, die denen der Zero-to-Three (DC:0-3R 2005) entsprechen, ist die Reliabilität und Validität durch bisherige Studien zum Teil bisher noch nicht ausreichend untermauert.

Bei der Durchsicht der Kriterien fällt auf, dass die Autoren der RCD-PA sehr umsichtig vorgegangen sind. Oft betrifft die Veränderung der Diagnosekriterien (gegenüber der DSM-IV) die Dauer einer Störung. Bei jungen Kindern ist es durchaus sinnvoll z. B. bei der Störung des Sozialverhaltens die Dauer von 12 auf 6 Monate zu reduzieren. Andere Veränderungen betreffen Items, die in diesem Alter nicht möglich sind, z. B. Hinweise auf Hausaufgaben (bei ADHS) oder die Beschreibung von möglichem Waffengebrauch bei der Störung des Sozialverhaltens. Bei manchen Störungen wurden kaum Veränderungen vorgenommen, bei anderen mussten viele Symptome und Items angepasst werden.

Die Verwendung von DSM-IV-Kriterien mit altersentsprechender Modifikation macht durchaus Sinn, wie mehrere faktorenanalytische Studien im Vorschulalter zeigen konnten. Die Validität DSM-IV-basierter Syndrome wurde z. B. von Sterba et al. (2007) anhand von 1.073 Kindern im Alter von 2-5 Jahren untersucht. In einer Faktorenanalyse konnten drei emotionale Syndrome differenziert werden: Soziale Phobie (SOC), Trennungsangst (SAD) und Depression/generalisierte Ängste (MDD/GAD). Im Gegensatz zu älteren Kindern scheinen somit erhebliche Überlappungen zwischen depressiven und generalisierten Angststörungen vorzuliegen. Zudem konnten drei externalisierende Syndrome unterschieden werden: Oppositionell verweigernd/Störung des Sozialverhaltens (ODD/CD), Hyperaktivität/Impulsivität und Unaufmerksamkeit. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass die DSM-IV-Störungen sich sehr wohl im Vorschulalter abbilden lassen: "Psychopathology appears to be differentiated among preschoolers as much as it is among older children and adolescents. We conclude that it is as reasonable to apply the DSM-IV nosology to preschoolers as it is to apply it to older individuals."

In einer weiteren Studie konnten bei...

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