Chemie für Mediziner für Dummies

 
 
Wiley-VCH (Verlag)
  • erschienen am 17. Oktober 2016
  • |
  • 299 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Adobe DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-527-66821-2 (ISBN)
 
Wenn Sie sich für ein Medizinstudium entschieden haben, müssen Sie sich auch mit der Chemie auseinandersetzen. Aber keine Sorge, dieses Buch bereitet Sie optimal auf die anstehende Prüfung vor. "Chemie für Mediziner für Dummies" erklärt Ihnen anschaulich, wie ein Atom aufgebaut ist, welche Arten der chemischen Bindung es gibt, was Komplexverbindungen sind und führt Sie in die Organische Chemie und die Chemie der Naturstoffe ein. Bernd Goldfuß erklärt Ihnen alles, was Sie als Mediziner über die Chemie wissen müssen - von der Struktur von Penicillin bis zu den chemischen Phänomenen, die der Dialyse zugrunde liegen.
1. Auflage
  • Deutsch
  • Weinheim
  • |
  • Deutschland
  • 17,38 MB
978-3-527-66821-2 (9783527668212)
3527668217 (3527668217)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Prof. Bernd Goldfuß ist promovierter Chemiker. Er lehrt seit 2006 "Chemie für Mediziner" an der Universität zu Köln.
  • Intro
  • Titelblatt
  • Copyright-Seite
  • Inhaltsverzeichnis
  • Über den Autor
  • Einführung
  • Über dieses Buch
  • Törichte Annahmen über den Leser
  • Wie dieses Buch aufgebaut ist
  • Symbole, die in diesem Buch verwendet werden
  • Wie es weitergeht
  • Teil I Grundlagen-das Wesentliche zum Einstieg
  • Kapitel 1 Materie-woraus wir bestehen und was uns umgibt
  • Materie - Atome und Moleküle füllen den Raum
  • Fest, flüssig, gasförmig - die Aggregatzustände
  • Phasendiagramme-Druck und Temperatur auf einen Blick
  • Gase-unsere unsichtbaren Begleiter
  • Flüssigkeiten - anziehend flexibel
  • Feststoffe - wir halten zusammen
  • Kapitel 2 Atome - unteilbar, aber dennoch spaltbar
  • Das Atom - viel leerer Raum um konzentrierte Masse
  • Isotope - gleicher Ort, aber unterschiedliche Masse
  • Radioaktivität - Gefahren und Nutzen der Strahlung
  • Radioaktivität als Krankmacher
  • Radioaktivität als Helfer
  • Vier fundamentale Kräfte - doch nur eine ist für die Chemie relevant
  • Kapitel 3 Chemische Bindungen-wie Atome zusammenhalten
  • Wie finden sich bindungswillige Partner?
  • Kovalent: Wir teilen fair!
  • Ionisch: Wenn sich Elektronen auf eine Seite schlagen
  • Metallisch: Von einer Elektronenwolke umhüllt
  • Was Atome zusammenhält
  • Die Quantenchemie und die Gesetze im Mikrokosmos
  • Leuchtende Atome - das Atommodell von Bohr
  • Die rettende Gleichung - Orbitale für Elektronen
  • Die Regeln von Hund und Pauli
  • Atomaufbau mit dem Kästchenmodell - einfach, aber effektiv
  • Wir halten Ordnung - das Periodensystem der Elemente
  • Elektronenkonfiguration und chemische Eigenschaften
  • Endlich verständlich - die Größe von Atomen
  • Elektronegativität - was Atome anziehend finden
  • Wasserstoff H2 - das einfachste kovalent gebundene und neutrale Molekül
  • Methan CH4 - Hybridisierung zum perfekten Tetraeder
  • Ammoniak NH3 - die Pyramide mit dem freien Elektronenpaar
  • Wasser H2O - das gewinkelte Lebenselixier mit Dipolmoment
  • Sigma s und Pi p-Symbole für Bindungstypen
  • Lewis-Strukturen (I)-kovalente Moleküle richtig zeichnen
  • Oktettregel und Oktettaufweitung
  • Die Lewis-Strukturen für polare kovalente Moleküle
  • Die Geometrie kovalenter Moleküle
  • Sekundäre Bindungen - auch das ist wichtig für Biomoleküle!
  • Teil II Allgemeine und Anorganische Chemie
  • Kapitel 4 Stöchiometrie - chemisches Rechnen
  • Praktisch konstant-Masse chemischer Reaktionen
  • Große Zahl für kleine Teilchen
  • Mischen möglich - korrekte Konzentrationsangaben
  • Dreisatz-drei Größen, eine Lösung
  • Kapitel 5 Thermodynamik - heiße und kalte Chemie
  • Hin und Her-Gleichgewichte in Reaktionen
  • Verschiebung von Gleichgewichten
  • Formen von Gleichgewichten
  • Die Hauptsätze der Thermodynamik
  • Kapitel 6 Kinetik - Geschwindigkeit chemischer Reaktionen
  • So schnell kann's gehen-das Geschwindigkeitsgesetz
  • Aktivierungsenergie-mit Schwung über den Berg .
  • Die Arrhenius-Gleichung - Geschwindigkeit, Temperatur und Aktivierungsenergie
  • Von der Kinetik zum Reaktionsmechanismus
  • Katalysatoren - die Reaktionsbeschleuniger
  • Katalysatoren-Ihre alltäglichen Helfer
  • Enzyme - kein Leben ohne Biokatalysatoren
  • Kapitel 7 Lösungen
  • Was macht ein Lösungsmittel aus?
  • Ohne Wasser geht nichts im Leben
  • Wer löst was?
  • Was geschieht beim Lösungsvorgang?
  • Schwerlöslich - und das ist gut so!
  • Gesättigte Lösung, Löslichkeit und Löslichkeitsprodukt
  • Alle zusammen - Kolligative Phänomene
  • Kapitel 8 Heterogene Gleichgewichte
  • Gleichgewichte zwischen heterogenen Phasen
  • Fest- und Flüssigphasen zum Entgiften und Trennen
  • Fast wie Zauberei - Osmose
  • Schrumpfende Zellen, platzende Kirschen - Osmose im Alltag
  • Sauberes Blut dank Dialyse
  • Das Membranpotenzial - die lebenswichtige Ladungsdifferenz
  • Kapitel 9 Säuren und Basen
  • Wenn Schwefel verbrennt
  • Warum wird Regen sauer?
  • Schwefelsäure - die große Schwester der Schwefligen Säure
  • Basen-die Gegenspieler der Säuren
  • Brønsted - auf die Protonen kommt es an
  • Lewis-Säuren und Lewis-Basen - Elektronen machen den Unterschied
  • Wasser als Säure und als Base
  • Der pH-Wert - negativ und logarithmisch
  • Sauer oder basisch? Alles außer pH 7!
  • Sauer oder basisch - wie stark ist die Verbindung?
  • Wasser nivelliert die maximale Säurestärke
  • Die Berechnung des pH-Werts von Lösungen mit starken Säuren
  • Die pH-Wert Berechnung von Lösungen mit schwachen Säuren
  • Was macht eine Säure so sauer?
  • Von Rotkohl und Blaukraut - pH-Wert-Messungen
  • Kein Leben ohne Puffer - pH-Konstanz ist wichtig!
  • Kapitel 10 Oxidation und Reduktion - wie Elektronen springen können
  • Knallige Redoxreaktion - wie Oxidationsstufen helfen können
  • Einmal pusten, bitte - was Alkohol und Redoxreaktionen verbindet
  • Elektronen hüpfen bergab - das Prinzip von Redoxreaktionen
  • Redox-Disproportionierung von Wasserstoffperoxid - Oxidationsstufen laufen auseinander
  • Redox-Synproportionierung von Ammoniumnitrat - Dünger und Sprengstoff
  • Strom aus der Batterie mittels Redoxchemie
  • Die elektrochemische Reihe - kombinieren Sie Ihre eigene Batterie
  • Spaltung mit Strom - die Elektrolyse
  • Wenn keine Standardbedingungen vorliegen - die Nernst-Gleichung
  • Kapitel 11 Komplexe
  • Komplex, aber nicht kompliziert
  • Koordinative Bindungen - von ionisch bis kovalent
  • Wie stabil ist der Komplex?
  • Metalle in der Zange - der Chelat-Effekt
  • Komplexe, die heilen
  • Teil III Organische Chemie-einfache Bausteine für großartige Moleküle
  • Kapitel 12 Bindung und Geometrie - die vier Arme des C-Atoms
  • Organisch oder nicht - wo ist denn da der Unterschied?
  • Kohlenstoff-ein ganz besonderes Atom
  • Ordnungsprinzipien im »Organischen Universum«
  • Der wichtigste Baustein - die tetraedrische sp3-Hybridisierung
  • Die sp2-Hybridisierung - die trigonal-planare Geometrie
  • Die sp-Hybridisierung - geradewegs zur linearen Geometrie
  • Kapitel 13 Kohlenwasserstoffe
  • Kohlenwasserstoffe in aller Vielfalt
  • Isomere und Doppelbindungsäquivalente
  • Alkane - Homologe des Methans
  • Die Nomenklatur der Alkane
  • Methanproduktion und Erderwärmung
  • Wie viel Energie steckt im Alkan?
  • Spannende Ringe - Cycloalkane
  • Cyclohexan - praktisch spannungsfrei
  • Alkene addieren gern .
  • Diene - durch Konjugation stabilisiert
  • Aromaten - besonders stabil und delokalisiert
  • Aromaten substituieren lieber
  • Das Gift entsteht im Körper - toxische Kohlenwasserstoffe
  • Kapitel 14 Stereochemie
  • Die Chemie in 3D
  • Isomere-unterschiedlich trotz gleicher Summenformel
  • Stereoisomere-der Raum macht den Unterschied
  • Konformere - ganz fix von einem Isomer zum anderen
  • Konfigurationsisomere - planar, ohne Stereozentren
  • Konfigurationsisomere - mit Stereozentren
  • Enantiomere der Milchsäure
  • Fischer-Projektion - die D- und L-Formen der Milchsäure
  • Die R- und S-Formen der Milchsäure - CIP-Nomenklatur
  • Optische Aktivität - rechts- oder linksdrehend
  • Wie unterschiedlich sind Enantiomere?
  • Kapitel 15 Reaktionsmechanismen
  • Die vier Reaktionstypen der (organischen) Chemie
  • Polar oder radikalisch?
  • Die radikalische Substitution - SR zur Synthese der Halogenalkane
  • Die aliphatische Substitution - SN1 mit tert.-Butylbromid
  • SN2 mit Methylbromid-ein anderer nukleophiler Substitutionsmechanismus
  • SEAr-die elektrophile aromatische Substitution
  • Kapitel 16 Alkohole und Ether
  • Ethanol und Methanol - alkyliertes Wasser
  • Die Alkylgruppe macht den Unterschied
  • Die Wertigkeit von Alkoholen
  • Erfrischend alkoholisch - Menthol
  • Phenole - wenn Aryl anstatt Alkyl gebunden ist
  • Ein (echt?) scharfes Phenol - Capsaicin
  • Ether - zweifach alkyliertes Wasser
  • Ether als Narkotikum
  • Zyklische, gespannte Ether - reaktiv und toxisch
  • Nitroglycerin - ein explosives Arzneimittel
  • Kapitel 17 Schwefelverbindungen
  • Schwefel- und Sauerstofforganyle - Unterschiede trotz formaler Gemeinsamkeiten
  • Vom Gestank zum Aroma
  • Die biologisch so wichtige Disulfidbrücke
  • Sulfoxide, Sulfonate und Sulfate
  • Weitere nützliche Schwefelverbindungen
  • Kapitel 18 Amine
  • Alkylierter Ammoniak - organische Amine
  • Amine als Basen
  • Amine als Nukleophile
  • Alkaloide und biogene Amine - wunderbare Wirkungen
  • Kapitel 19 Aldehyde und Ketone
  • Der Alleskönner - Die Carbonylfunktion
  • Aldehyde und Ketone durch die Oxidation von Alkoholen
  • Nachweis für Aldehyde - Fehling- und Tollens-Probe
  • Die Reaktion der Carbonylreste mit Nukleophilen: Hydrate
  • Reaktionen mit Alkoholen bilden Halb- und Vollacetale
  • Aus der Reaktion mit Aminen entstehen Aminale
  • Enolate: der leichte Weg zu Carbanionen
  • Keto-Enol-Tautomerie
  • Die perfekte C-C-Bindungsbildung - Aldol-Additionen
  • Kapitel 20 Carbonsäuren und Derivate
  • Azidität dank Carbonylfunktion
  • Es geht noch saurer - Ameisensäure
  • Die Esterbildung
  • Verseifung
  • Weitere wichtige Derivate von Carbonsäuren
  • Kapitel 21 Heterocyclen
  • Fünfring-Heterocyclen mit Stickstoff
  • Heterocyclen mit Sauerstoff und Schwefel
  • Stickstoffhaltige Sechsring-Heterocyclen
  • Weitere Stickstoff-haltige Heterocyclen
  • Teil IV Alles natürlich - Biochemie
  • Kapitel 22 Aminosäuren und Proteine
  • Primäre und sekundäre Naturstoffe
  • Amino(carbon)säuren
  • Die 20 proteinogenen Aminosäuren
  • Der Rest bringt den Unterschied
  • Der isoelektrische Punkt
  • Die Peptidbindung
  • Große Vielfalt durch Variation
  • Sekundär-, Tertiär- und Quartärstrukturen von Proteinen
  • Kapitel 23 Kohlenhydrate
  • Hydrate des Kohlenstoffs?
  • Kohlenhydrate - woher sie kommen, wohin sie gehen
  • Monosaccharide - die kleinen Bausteine der Kohlenhydrate
  • D-Glucose und D-Fructose - die süßen Monosaccharide
  • D-Glucose - vom Hydroxyaldehyd zur Pyranose
  • Die Mutarotation der D-Glucose
  • D-Fructose - vom Hydroxy-Keton zur Furanose
  • Von Glucose zur Fructose und zurück
  • Disaccharide-glykosidisch gebunden
  • Noch mehr Glykoside
  • Einfach riesig-Polymere aus D-Glucose
  • Kapitel 24 Lipide
  • Lipophile - aus Liebe zum Fett
  • Energie aus Fetten
  • Phospholipide in Zellmembranen
  • Fettsäuren - ungesättigt besonders wertvoll
  • Auf- und Abbau von Fettsäuren
  • Eine Schmerztablette, bitte!-Acetylsalicylsäure hemmt Cyclooxygenasen
  • Kapitel 25 Nukleinsäuren
  • Der Kern des Lebens
  • Die Nukleinbasen
  • Der genetische Code
  • Zucker und Nukleinbasen bilden Nukleoside
  • Mit Phosphorsäure zum Nukleotidester
  • DNA und RNA sind Polyester
  • Basenpaarung durch Wasserstoffbrücken
  • Teil V Top-Ten-Teil
  • Kapitel 26 Valenzstrich (Lewis)-Strukturen
  • Der Bindungsstrich - zwei Elektronen, die Atome verbinden
  • Elektronenkonfiguration und Kästchenschema
  • Freie Elektronenpaare (lone pairs)
  • Ungepaarte Elektronen in Radikalen
  • Oktettaufweitung bei Elementen ab der dritten Periode
  • Grenzstrukturen (I): induktiver Effekt
  • Grenzstrukturen (II): konjugativer (»mesomerer«) Effekt
  • Dreidimensionale Geometrie
  • Relative und absolute Konfiguration
  • Absolute Konfiguration nach Fischer
  • Kapitel 27 Zehn sensationelle Moleküle
  • Stabiler geht es nicht - Adamantan
  • Ein stabiles Carben
  • Ein stabiles C-Radikal
  • Hoch gespannt und aromatisch
  • Ein dreidimensionaler Aromat
  • Ein Kohlenwasserstoff-Würfel
  • Ein kleiner, billiger, hocheffektiver Katalysator für C-C-Kupplungen
  • Ein Kohlenstoff-Tetraeder
  • Ein Fußball nur aus Kohlenstoff
  • Der invertierte Tetraeder - [1.1.1]Propellan
  • Stichwortverzeichnis
  • Wiley End User License Agreement

Kapitel 1

Materie-woraus wir bestehen und was uns umgibt

In diesem Kapitel

Woraus Materie besteht

Der Unterschied zwischen Reinstoffen und Gemischen

Die Aggregatzustände: fest, flüssig und gasförmig

Atome, Moleküle und Polymere

Die Wechselwirkungen zwischen Molekülen

In diesem Kapitel lernen Sie, dass Materie aus Stoffen oder Stoffgemischen besteht, die in unterschiedlichen Aggregatzuständen (fest, flüssig, gasförmig) vorkommen können. Der Aggregatzustand einer Substanz hängt von den externen Faktoren Druck und Temperatur ab. Diese Faktoren ermöglichen alltägliche Phänomene wie den Föhnwind an den Alpen oder das Schlittschuhlaufen. Reinstoffe werden Sie als Moleküle oder (Gas-)Atome kennenlernen, die sich durch physikalisch-chemische Trennmethoden wie Destillation, Kristallisation oder Sublimation nicht weiter zerlegen lassen. Intermolekulare Wechselwirkungen halten die kleinsten Bestandteile der Materie, die Moleküle und Atome, zusammen und bestimmen so die unterschiedlichsten Eigenschaften der Stoffe-vom harten Diamanten bis hin zum weichen Autoreifen.

Materie - Atome und Moleküle füllen den Raum

Als Materie wird all das bezeichnet, was Masse besitzt und Raum beansprucht. Dabei unterscheidet man Reinstoffe wie zum Beispiel destilliertes (also reines) Wasser und Gemische wie etwa das Meerwasser, das neben Wasser auch Salze und andere Stoffe enthält. Im Gegensatz zu den Reinstoffen lassen sich Gemische durch physikalisch-chemische Trennverfahren wie Destillation, (Um)Kristallisation oder Sublimation in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen.

Destillation: Durch eine Destillation können Gemische aus Flüssigkeiten getrennt werden, die unterschiedliche Siedepunkte aufweisen wie zum Beispiel Wasser (100 °C) und Ethanol (78 °C). Erhitzt man ein Ethanol-/Wassergemisch, verdampft zunächst hauptsächlich Ethanol, das schon bei 78 °C siedet. Wird dieser Dampf abgekühlt, erhält man eine Flüssigkeit, die deutlich mehr Ethanol enthält als das Ausgangsgemisch. Dieser Destillationsschritt kann auch mehrfach wiederholt werden. So wird zum Beispiel Rum oder Schnaps »gebrannt«.

Umkristallisation: Feststoffe, die in Gemischen vorliegen, können durch Umkristallisation getrennt werden, so zum Beispiel Rohr- oder Rübenzucker, der bei der Herstellung zunächst noch mit allerlei Pflanzenbestandteilen verunreinigt ist. In heißem Wasser löst sich der Zucker auf, andere Verunreinigungen aber nicht. Durch Filtration wird die wässrige Zuckerlösung von den Verunreinigungen getrennt. Kühlt man nun die wässrige Lösung wieder ab, kristallisiert der gereinigte Zucker aus.

Sublimation: Auch Feststoffe können direkt in die Gasphase übertreten, ohne zuvor flüssig zu werden. So »verschwindet« (sublimiert) frischer Schnee in hohen Lagen aufgrund des geringen Drucks relativ rasch und wird zu Wasserdampf. Die Sublimation wird als Gefriertrocknung bei Lebensmitteln eingesetzt, um diesen bei niedrigem Druck und niedriger Temperatur sehr schonend Wasser zu entziehen.

Die so erhaltenen Reinstoffe können in Elemente und in chemische Verbindungen, die aus unterschiedlichen Elementen aufgebaut sind, wie zum Beispiel Wasser (H2O), unterteilt werden (siehe Abbildung 1.1).

Abbildung 1.1 Heterogene Gemische lassen sich physikalisch in homogene Gemische trennen, die weiter in Reinstoffe aus Molekülen oder Atomen zerlegt werden können.

Heterogene Gemische setzen sich aus mechanisch trennbaren Komponenten zusammen-so kann beispielsweise mit Staub verunreinigte Luft durch Filter gereinigt werden. Bei homogenen Gemischen hingegen, zum Beispiel Autoabgase mit Kohlenmonoxid funktioniert diese mechanische Trennung nicht.

Gemisch: Zwei oder mehr feste Komponenten sind miteinander vermengt, zum Beispiel Quarz, Glimmer und Feldspat, die (geschmolzen, dann erkaltet) Granit ergeben.

Suspension: Eine feste und eine flüssige Komponente wie Sand in Wasser (Schlamm) ergeben eine Suspension.

Aerosol: In einem Gas (meist Luft) sind feste (Staub) oder flüssige (Nebel) Bestandteile enthalten.

Emulsion: Flüssige, sehr kleine Fetttröpfchen in Wasser bilden eine Emulsion wie beispielsweise Milch.

Anders als bei einer Lösung (etwa Salz in Meerwasser), trennt in einer Suspension die Gravitation feste von flüssigen Bestandteilen. Hier ist der Feststoff nicht gelöst, sondern in der Flüssigkeit fein verteilt. Dieses physikalische Prinzip macht man sich beim Sedimentieren (absetzen lassen) zu nutze. Auch das Blut in Ihren Adern ist eine Suspension, in der die festen Bestandteile (Blutzellen) von den flüssigen Bestandteilen (Blutplasma) durch die Schwerkraft getrennt werden können. Würde man ein Reagenzglas mit Blut eine Weile stehen lassen, würden die festen Bestandteile mit der Zeit nach unten sinken, also sedimentieren. (Sie müssten allerdings einen Hemmstoff hinzugeben, damit das Blut nicht gerinnt.) Zur Beschleunigung dieses Vorgangs wird die Suspension in der Laborpraxis in einer sehr schnell rotierenden Zentrifuge behandelt. Die Fliehkraft übernimmt in diesem Fall die Rolle der Gravitation (siehe Abbildung 1.2).

Abbildung 1.2 Flüssige und feste Bestandteile des Bluts können durch Zentrifugation getrennt werden.

Eisenpulver (Fe) und Schwefelpulver (S) können zu einem Gemisch vermengt werden. Starten Sie aber durch Erhitzen eine Reaktion, wandelt sich dieses Gemisch in die neue chemische Verbindung Eisensulfid um (Formel FeS). Diese chemische Verbindung zeigt ganz andere Eigenschaften als das physikalische Gemisch aus Eisen und Schwefel.

Die Unterscheidung zwischen »physikalischem Gemisch« und »chemischer Verbindung« ist bei der Reaktion von magnetischem Eisenpulver (Elementsymbol »Fe«, lateinisch: ferrum) mit elementarem Schwefel (Elementsymbol »S«, lateinisch: sulfur) zu unmagnetischem Eisensulfid (chemische Formel: FeS) besonders anschaulich:

Im Gegensatz zum Eisen-Schwefel-Gemisch, aus dem Eisen mit einem Magneten isoliert werden kann, ist nach der Reaktion die neue chemische Verbindung Eisensulfid FeS entstanden, die völlig andere Eigenschaften als das Gemisch aus Eisenpulver und Schwefel aufweist. Anders als Eisen oder Schwefel reagiert das nicht-magnetische FeS mit Salzsäure unter Freisetzung des nach faulen Eiern stinkenden, giftigen Schwefelwasserstoffs (H2S):

Materie setzt sich aus winzigen Bausteinen zusammen, den Atomen. Wenn sich mehrere Atome verbinden, entstehen Moleküle. Die Atome wiederum (vom griechischen »atomos« = unteilbar) werden von den drei Elementarteilchen Elektron (e-), Proton (p+) und Neutron (n) gebildet. In den nächsten beiden Kapiteln erfahren Sie noch mehr über Atome und die chemischen Bindungen, durch die aus Atomen Moleküle entstehen.

Fest, flüssig, gasförmig - die Aggregatzustände

Der Aggregatzustand gibt die Erscheinungsform von Materie als Gas, Flüssigkeit oder Feststoff an. Zwischen den Teilchen, aus denen Materie besteht, können anziehende Wechselwirkungen auftreten. Beim Übergang von einem festen über einen flüssigen in einen gasförmigen Aggregatszustand nehmen die Wechselwirkungen zwischen den Teilchen ab. Um beispielsweise einen festen Stoff zu verflüssigen, muss Energie in das System gebracht werden, etwa durch Erhitzen. Thermische Energie bedeutet, dass die Teilchen sich schneller bewegen. Je schneller sie sich bewegen, umso geringer ist ihre Neigung, aneinander zu haften. So kommt es mit steigender Temperatur zur Änderung des Aggregatzustands von »fest« (starke Haftung) über »flüssig« (schwächere Haftung) in »gasförmig« (kaum noch Haftung). Das Ausmaß der Unordnung (später werden Sie hierfür den Begriff Entropie kennenlernen) nimmt in der gleichen Richtung zu (siehe Abbildung 1.3).

Abbildung 1.3 Übergänge zwischen den drei Aggregatzuständen. Der Ordnungsgrad der Teilchen und ihre Tendenz zur Anhaftung nimmt von fest über flüssig zu gasförmig ab.

Dazu noch einige Beispiele für Übergänge zwischen Aggregatzuständen aus dem Alltag:

Die Verdunstungskälte ist für die Aufrechterhaltung einer konstanten Körpertemperatur sehr wichtig. Durch Schwitzen kühlt der Körper ab, da ihm für den Übergang von flüssigem zu gasförmigem Wasser (Schweiß auf der Haut) Wärmeenergie entzogen wird, um die zwischenmolekularen Kräfte der Wassermoleküle in der Flüssigkeit zu...

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