Lea und die Pferde - Reitfieber

Reitfieber
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Juli 2011
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1002-0 (ISBN)
 
Band 7 - Reitfieber Pferde, Liebe und Romantik Das Erfolgsrezept für Teenager: Erste Liebe, Freundschaft, Pferde Fundiertes Fachwissen in einer witzigen Geschichte Mit vielen Hintergrundinformationen zur Pferdehaltung Lea und ihre Mutter könnten nicht unterschiedlicher sein. Dass ihre gemeinsame Liebe für Pferde sie verbindet, finden sie erst nach einer Weile heraus - schließlich hatte Lea eigentlich anfangs überhaupt keine Lust auf Reitstunden! Doch spätestens seit Lea ihr Traumpferd Joker Riesenross geradezu in die Hände gefallen ist, ist auch sie vom Reitfieber gepackt ... Ein neues Pferd im Reitstall, ein wunderschöner Welsh-Cob! Komisch nur, dass sein Besitzer Darius sich kaum um ihn kümmert, finden Lea und ihre Freundinnen. Zu allem Überfluss hat Darius sich auch noch mit dem grauen Mäuschen Nele angefreundet. Als Darius mit seinem Pferd zur Welsh-Bundesschau fährt, sind Lea und Co. natürlich mit von der Partie und erfahren so einiges Interessantes aus Darius' Vergangenheit ... Kurzweilig und mit viel Witz erzählt Christiane Gohl von Pferden, Menschen, und dem Glück der (Pf)Erde.
weitere Ausgaben werden ermittelt

Romantischer Ausritt


Pst, sei leise, du weckst Baumanns auf!«
Thorsten, mein Freund, war manchmal ein bisschen ungeschickt, und als wir uns jetzt zu noch fast nachtschlafender Zeit durch den Stall tasteten, fiel er prompt über einen herumstehenden Wassereimer. Haltsuchend griff er nach einem Stapel Halfter und Kopfstücke, die dabei mit Getöse zu Boden gingen. Und auch die Pferde taten das ihrige dazu, auf uns aufmerksam zu machen. Mein Joker war ein Riesenross mit großen Füßen und seine Hufe auf der Stallgasse machten entsprechenden Lärm. Mano, Thorstens Schimmel, war ebenfalls kein Leisetreter.

»Wenn wir herumschleichen, erschrecken die noch viel mehr«, behauptete Thorsten. »Dann denken sie, wir wären Pferdediebe. Aber Mensch, warum ist es bloß so dunkel?«

»Es wird gleich Licht!«, prophezeite ich und betätigte den Schalter. »Und außerdem wollen wir in den Sonnenaufgang reiten. Vorher ist es zwangsläufig duster!«

»Vor ein paar Wochen war es um halb sechs schon hell .«, moserte Thorsten weiter und tatsächlich war unser Vorhaben eigentlich eine Hochsommer-Idee. Wir hatten die ganzen Ferien über geplant, irgendwann vor Tau und Tag auszureiten und damit der Sommerhitze und den Insekten zu entgehen. Leider war immer irgendetwas dazwischengekommen. Und nun war September, die Schule sollte heute wieder anfangen und dies war die allerletzte Gelegenheit für unseren romantischen Ausritt. Also hatten Thorsten und ich uns kurzfristig dazu entschlossen, als gestern nach zwei Wochen Regen endlich wieder die Sonne schien. Zwar entpuppte sich der heutige Morgen als eher neblig und gar nicht so einladend, aber jetzt ließ ich keine Widerrede mehr gelten.

Halbwegs leise - schließlich wohnten meine Freundin Svenja und ihre Eltern über den Ställen - holten wir Joker und Mano von der Weide und banden sie zum Putzen und Satteln auf der Stallgasse an. Beide Pferde schienen guter Laune, obwohl Mano noch ein bisschen ins Licht blinzelte. Er hatte eben noch gelegen und Thorsten hatte ihn aufscheuchen müssen. Dementsprechend feucht war sein Fell. Thorsten bürstete nur rasch darüber, richtig striegeln konnte man den nassen Schimmel nicht. Jokers Fell fühlte sich ebenfalls klamm an, aber er war immerhin schon auf den Beinen gewesen und hatte mich mit dem üblichen durchdringenden Wiehern begrüßt. Joker war stets begeistert davon, mich zu sehen, wobei ich hoffte, dass sein Jubel wirklich mir galt und nicht dem Begrüßungsleckerbissen. Jetzt streckte er seine Tapirnase genüsslich vor, während ich ihn striegelte. Er liebte die Massage und wirkte fast enttäuscht, als ich es heute kurz machte.

»Tut mir leid, Großer, aber nachher ist noch Schule«, beschied ich ihn. »Wenn wir vorher die große Runde schaffen wollen, müssen wir bald mal los.«

Thorsten und ich hatten uns darauf geeinigt, dass ein Ritt in den Sonnenaufgang ein bisschen ausführlicher ausfallen musste als der alltägliche Trip durchs Wäldchen. Es gab da eine Runde, die über ein paar Hügel führte und letztlich einen weiten Blick über den Wald und sehr viele Autobahnen erlaubte. Wir wohnten im Ballungszentrum und durften in Sachen romantische Landschaften nicht wählerisch sein.

Joker zog jedenfalls mit dem üblichen Sieben-Meilen-Stiefel-Schritt los, als wir nun starteten. Er war ein lebhaftes Pferd, und ich schaffte es nicht immer, seinen Vorwärtsdrang zu zügeln. Eigentlich, so meinte jedenfalls meine Reitlehrerin Frau Tomms, war Joker eine Nummer zu groß für mich. Ich ritt erst seit knapp zwei Jahren, während Joker schon eine halbwegs erfolgreiche Turnierkarriere und viele schlechte Erfahrungen mit ehrgeizigen Besitzern hinter sich hatte. Aber ich war eben nicht durch Vernunftskauf, sondern im Rahmen einer regelrechten Liebesgeschichte an Joker gekommen. Es begann mit einem vorsichtigen Anstupsen seiner Tapirnase und endete mit einem filmreifen Showdown, der Joker beinahe zum Schlachter, dann aber doch zu mir und in Svenjas Stall geführt hatte.

Jetzt konnte ich darüber allerdings nicht nachdenken. Joker und Mano hatten den ersten Feldweg erreicht und das Tageslicht brach sich auch langsam Bahn - obwohl es weniger ein spektakulärer Sonnenaufgang als ein langsames Auflösen des Nebels zu werden versprach. Thorsten und ich ließen die Pferde also antraben. Für Thorsten war das kein Problem. Er hatte am Anfang zwar auch seine Schwierigkeiten mit Mano gehabt, schließlich war der Schimmel ein ehemaliges Springpferd und auf Tempo getrimmt. Aber inzwischen hatten sich die beiden annähernd perfekt zusammengerauft, vor allem, seit Thorsten zum Westernreitstil gewechselt hatte. Er saß nun recht sicher und bequem im Westernsattel, während Joker mich immer noch ziemlich durchschüttelte. Mein Pferd hatte gewaltige Bewegungen, die schwer zu sitzen waren.

»Aber dafür ist er ein Weight-Watchers-Pferd«, pflegte Svenja mich zu trösten. »Wenn du solche Pferde reitest, hältst du automatisch dein Gewicht, du musst da gar nichts dafür tun. Man verbraucht unheimlich Kalorien, nur um das auszubalancieren. Mein Pony dagegen .«

Svenjas Islandstute Hrifla hatte butterweiche Bewegungen, ebenso wie Millie, das Pony meiner Mutter. Aber wir hatten ohnehin alle keine Gewichtssorgen. Svenja war klein und zierlich, Mom und ich waren groß, aber dünn.

Thorsten und ich ritten jetzt durch den Wald und bemühten uns nach Kräften, die Sache romantisch zu finden. Als es nun wirklich hell wurde, versuchten wir es auch mit Händchenhalten, aber Thorstens Finger waren nicht wärmer als meine und obendrein nass. Dabei regnete es nicht wirklich, aber der Nebel schien in alle Falten unserer Kleider zu kriechen und der Niederschlag bildete Tröpfchen in unserem Haar und in den Mähnen der Pferde. Es war weniger romantisch als schlichtweg kalt.

»Kleiner Galopp?«, fragte Thorsten, als wir eine Steigung erreichten. Ich bevorzugte Anhöhen, um mit Joker zu galoppieren, weil ich da bessere Chancen hatte, ihn hinterher wieder anzuhalten. Hier trabten wir sonst allerdings eher, der Hügel war nicht sehr hoch und insofern ungeeignet, Joker müde zu machen. Heute allerdings schien auch Thorsten nichts mehr zu wünschen, als den Ritt möglichst bald hinter sich zu haben. Er wirkte genauso verfroren wie ich. Sein etwas rundes Gesicht unter dem lockigen blonden Haar, das unter der Reitkappe hervorquoll, war vor Kälte gerötet. Dennoch fand ich, dass er umwerfend gut aussah. In den letzten Monaten hatte er deutlich »Babyspeck« verloren und sah jetzt ein bisschen so aus wie Leonardo DiCaprio in seinen ersten Filmen. Ich war ganz schön stolz, so einen Freund zu haben.

»Na gut!«, meinte ich jetzt ein wenig zögerlich. »Um die Zeit werden ja noch nicht allzu viele Rentner mit Dackeln im Wald sein .«

Einige Spaziergänger mussten ihre Hunde unbedingt auf den wenigen Reitwegen Gassi führen, und mit Joker bestand stets die Gefahr, sie zu überrennen.

Wie immer griff mein Pferd die Anregung zu einem Galopp begeistert auf. Der große Braune überholte Mano sofort und erklomm die kleine Steigung mit gewaltigen Sprüngen. Leider machte er keine Anstalten, oben zu stoppen, nur weil ich am Zügel zog. Natürlich versuchte ich es auch mit tiefem Einsitzen und Kreuzeinwirkung und zuletzt mit dem »Zauberwort« Haaalt!, auf das Thorsten seinen Mano erfolgreich trainiert hatte. Der Schimmel war noch verrückter nach Leckerbissen als Joker und rammte sofort die Hufe in den Boden, sobald das Wort ertönte. Thorsten belohnte ihn dann stets mit einem Stück Brot. Joker war sich jedoch oft nicht sicher, ob Rennen oder Fressen schöner war, und heute entschied er sich für eine Verlängerung des Galopps. Begeistert jagte er den Hügel wieder hinunter - und zu allem Überfluss landeten wir auch noch mitten in einer Nebelbank. Weiter oben war die Sicht schon sehr gut gewesen, aber jetzt tauchte Joker in einen milchigen Dunst, der einen kaum die Hand vor Augen erkennen ließ. Nass und kalt war es obendrein, die Lederzügel flutschten mir nur so durch die Finger.

»Nun steh endlich!«, rief ich meinem ausgelassenen Pferd zu und versuchte, den Ästen auszuweichen, die ein paar böswillige Bäume frech über den Weg hängen ließen. Und dann ging es wie ein Ruck durch den gewaltigen Pferdekörper unter mir! Joker stoppte so plötzlich, dass ich über den Sattel auf seinen Hals rutschte. Hätte ich nicht die Zügel losgelassen und ihn umklammert und hätte er den Kopf gesenkt, statt ihn alarmiert zu heben, so wäre ich sicher hinuntergefallen.

So aber konnte ich mich schnell wieder aufrichten und erkannte nun auch, was Joker überzeugt hatte anzuhalten: Quer über den Reitweg war rot-weißes Flatterband gespannt und gleich dahinter verschwand der Weg in einem Abgrund!

»Was ist das denn?«, fragte Thorsten entsetzt. Mano war eben hinter uns aufgetaucht. Auch im Galopp, aber zweifellos besser unter Kontrolle als mein Riesenross. »Die haben ja den halben Wald weggebaggert!«

»Die neue Schnellstraße!«, erinnerte ich mich aufseufzend. »Svenja hat davon erzählt. Aber . also so dramatisch hatte ich mir das nicht vorgestellt!«

»Irgendwann sind hier nur noch Straßen«, meinte Thorsten traurig. »Aber was machen wir jetzt? Zurückreiten? Dann schaffen wir es nicht rechtzeitig zur Schule.«

»Drum herum reiten«, schlug ich vor. »Den Hügel runter, immer an der Klippe lang. Unten kann man die Trasse bestimmt überqueren.«

»Aber es ist ganz schön rutschig .«, gab Thorsten zu bedenken. Wir würden querfeldein reiten müssen und teilweise wirkte der Abstieg ziemlich steil.

»Ach komm,...

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