Lea und die Pferde - Ein Joker für alle Fälle

Ein Herz für Joker
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 22. Juli 2011
  • |
  • 160 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-1005-1 (ISBN)
 
Große Aufregung auf dem Reiterhof: Lea darf zum ersten Mal mit ihrem Pferd Joker bei einem Dressurturnier antreten! Nach anfänglicher Nervosität geht alles gut. Sie und Joker gewinnen. Lea ist überglücklich. Doch dann kommt die böse Überraschung: Jokers ehemalige Besitzerin sieht nun, was in Joker steckt. Sie hatte ihn Lea geschenkt, weil er krank war - und nun fordert sie Joker zurück. Lea, Thorsten und ihre Freunde wollen das um jeden Preis verhindern!
weitere Ausgaben werden ermittelt

Bock auf bunte Schleifen?


Manche lernen es einfach nie .« Tina Tomms hockte auf einem Strohballen neben dem Reitplatz der Haltergemeinschaft am Höhnweg, kraulte den Hofhund Bluff und kommentierte das Geschehen in der Reitbahn. Ihre Mutter unterrichtete dort gerade zwei neue Schülerinnen, Suse und Marie Richard. Die etwa siebenjährige Suse saß auf einem gescheckten Reitpony, die neunjährige Marie ritt einen Islandwallach. Sofern man hier von »Reiten« sprechen konnte. Tatsächlich machte der struppige Braune, was er wollte, und bewegte sich zudem nur im Passgang wie ein Kamel. Der Schecke war noch schlimmer. Alle fünf Minuten startete er unvermittelt durch und galoppierte ein- bis zweimal um die Runde, wobei Suse hysterisch schrie. Tina verdrehte darüber nur die Augen. Sie selbst war zwar auch erst elf Jahre alt, im Sattel allerdings längst ein alter Hase. »Tommie«, wie wir ihre Mutter nannten, hatte Tina schon aufs Pferd gesetzt, bevor sie laufen konnte. Inzwischen bestritt Tina erfolgreich Turniere bis zur Klasse L. Und hatte wenig Geduld mit Anfängern.

Was mich anging, so brachte ich deutlich mehr Verständnis für die beiden gebeutelten Mädchen auf den unrittigen Ponys auf. Ich ritt selbst noch nicht so lange - und ich war nicht von allein auf die Idee gekommen, ausgerechnet diesen Sport zu erlernen. Tatsächlich war ich zunächst nur im Schlepptau meiner Mutter in der Reitschule gelandet. Aber dann hatte ich mich dort zunächst in das Pferd Joker und dann in meinen Freund Thorsten verliebt - und war jetzt mit beiden ziemlich glücklich. Ich liebte lange Ausritte auf Joker - möglichst verbunden mit Händchenhalten mit Thorsten. Der Dressurreiterei konnte ich allerdings nach wie vor nicht viel abgewinnen, und die zwei Mädchen, die hier verzweifelt versuchten, Tommies erst freundlichen, jetzt aber zunehmend genervt klingenden Anweisungen zu folgen, taten mir leid.

»Sie reiten eben noch nicht lange«, nahm ich die beiden gegenüber Tina in Schutz und versuchte, Joker daran zu hindern, ausgerechnet den Strohballen anzuknabbern, auf dem Tommies Tochter thronte. Mit wenig Erfolg. Mein brauner Wallach zog ihn beinahe mühelos unter Tina weg. Sie war ein sehr kleines, zierliches Mädchen mit rotem Haar und Pippi-Langstrumpf-Zöpfen. Man hätte ihr absolut nicht zugetraut, Riesenrösser wie Joker bändigen zu können. Tatsächlich ging mein gewaltiger Westfale unter Tina aber sehr viel besser als unter mir, und ihre eigenen Turnierponys, Farian und Zinderella, brachte sie regelrecht zum Tanzen.

»Noch nicht lange?«, quietschte Tina. »Also Marie reitet jetzt drei Jahre und Suse zwei. Gut, zuerst im Islandpferdeverein, das zählt nicht so. Aber selbst da sollten sie gelernt haben, nicht alle drei Minuten zu schreien oder abzuspringen.«

Letzteres praktizierte Marie gerade, als sich ihr Pferd anschickte, dem Schecken ihrer Schwester nachzusetzen. Marie machte gar nicht erst den Versuch, es daran zu hindern, sondern ließ sich gleich in den Sand der Reitbahn fallen. Ihre Mutter, die vom Rand aus zusah, brüllte sie an. Suse erschrak darüber derart, dass sie auch gleich den Sattel räumte. Vergnügt galoppierten beide Pferde reiterlos durch die Bahn. Tommie beherrschte sich eisern. Freundlich fragte sie die Mädchen, ob ihnen auch nichts passiert sei, und wies sie dann an, die Ponys wieder einzufangen.

Tina rieb sich genervt die Nase. Hätte sie selbst sich so ein Verhalten erlaubt wie Marie und Suse, hätte Tommie sie wahrscheinlich gevierteilt.

»Die zwei sind einfach unfähig!«, urteilte sie dann, während die Mädchen hinter ihren Ponys hersetzten. »Entweder dumm oder faul oder beides. Suse kann nicht mal richtig auftrensen, sie hat vorhin geheult, weil der Schecke den Kopf hochriss, als sie ihm das Gebiss ins Maul schieben wollte. Hätte ich an seiner Stelle auch gemacht, der weiß ja, dass sie nur an der Trense rumzerrt. Und Marie . meine Güte, wenn ihre Mutter nicht aufpasst, legt die glatt noch den Sattel verkehrt herum auf!«

Das alles war natürlich übertrieben, aber eine gewisse Unsicherheit der Schwestern im Umgang mit ihren Pferden war mir auch schon aufgefallen. Allerdings hielten sie die Ponys noch nicht sehr lange in Eigenregie. Familie Richard wohnte in der Nähe des Höhnwegs und hatte sich erst vor Kurzem einen kleinen Stall in den Garten gestellt. Vorher hatte Brownie, der Islandwallach, in einem reinen Islandpferdestall in Pension gestanden. Da musste er allerdings raus, als sie Pünktchen für Suse kauften. »Normalpferde« nahm der Stallvermieter nicht auf und einen zweiten Isländer wollte Frau Richard nicht anschaffen.

»Warum eigentlich nicht?«, erkundigte ich mich mäßig interessiert bei Tina. Joker und ich hatten nach Marie und Suse Reitstunde bei Tommie, und da ich zu früh gekommen war, hing ich nun mit ihr am Reitplatzrand rum. »Die meisten Islandpferdeleute wechseln doch nie die Rasse.«

Tina verzog den Mund zu einem spöttischen Lächeln, wobei ihre Zöpfe wippten und ihre Sommersprossen tanzten. »Mama Richard möchte aber in den Turniersport«, verriet sie mir dann. »Und das ist bei Islandpferdeleuten bekanntlich eine Geldfrage .«

»Im Normalsport nicht?«, neckte ich sie. Tommie gab für Tinas Turnierponys sehr viel Geld aus.

»Doch«, gab Tina zu und drückte Jokers riesige Nase energisch von ihrem Strohballen weg. Er schob sein Riechorgan stattdessen tapirartig vor und untersuchte Tinas Taschen auf Leckerli. »Aber man muss schon fähig sein, das Pferd zu lenken. Und ab und zu gewinnt auch mal jemand mit einem nicht so teuren Pony, wenn er dafür gut drauf sitzt. Gerade in den kleinen Prüfungen. Wenn der Schecke da einigermaßen gut ginge, sähe das für Suse gar nicht so schlecht aus. Aber mit dem Isi hat Marie im Sport keine Chance, egal wie sie reitet. Und im Islandpferdebereich wird sie auch nichts. Das Pony töltet ja nicht mal.«

Ich nickte. Meine Mutter und ich hatten kurzzeitig im Islandpferdeverein geritten, als wir noch Anfänger waren, und so kannte ich mich ein bisschen aus: Mit einem Pferd wie Brownie konnte man in keiner Turnierdisziplin für Isländer eine Schleife holen.

Allerdings war der kleine Wallach auch für konventionelle Dressur- und Springprüfungen völlig ungeeignet. Dafür fehlte ihm einfach die Ausbildung. Und Marie war weit entfernt davon, dem abhelfen zu können. Sie stieg eben wieder auf und schrie ihr Pony an, weil es dabei fast in Trabgeschwindigkeit rückwärtsging.

»Schimpf nicht mit ihm, sondern lass die Zügel lockerer!«, befahl Tommie. »Wenn du ihm im Maul herumzerrst, versucht er natürlich, sich dir zu entziehen.«

Marie ließ die Zügel los und fand sich rücklings im Sand wieder, als Brownie als Reaktion darauf vorwärtsstürmte.

Tommie schüttelte den Kopf. »Lockerer lassen, nicht wegschmeißen! Und du, lass Pünktchen doch nicht schon wieder hinterherlaufen, Suse!«

Der Schecke trabte gerade wieder unaufgefordert an. Suse heulte auf.

Tina stöhnte und sah auf die Uhr. »Noch fünf Minuten«, sagte sie dann. »Meine Mami ist wahrscheinlich kurz vor dem Hörsturz.«

Ich hoffte bloß, dass Tommie ihren Frust nicht an mir abreagieren würde. In der letzten Zeit wurde sie immer strenger und strenger, wenn sie Joker und mich korrigierte. An sich sollte ich mich dadurch geehrt fühlen. Tommie hatte unendliche Geduld mit Anfängern. Ihre Turnierhoffnungen zwiebelte sie dagegen erbarmungslos, allen voran ihre Tochter Tina. Und neuerdings sah sie wohl auch in mir einen aufgehenden Stern am Dressurhimmel. Nach langer Zeit machte ich endlich Fortschritte darin, Joker an den Zügel zu reiten und korrekt durch Bahnfiguren zu führen. Langsam erinnerte er sich wieder an seine glorreiche Vergangenheit als sündhaft teures Dressurpferd - eine Lebensphase, die er eigentlich längst abgehakt hatte. Joker hatte mit seinen früheren Besitzerinnen nicht viel Glück gehabt. Sie hatten ihn von einem Turnier zum anderen geschleppt und zwischendurch hart trainiert. Als er dann endlich durch einen glücklichen Zufall bei mir landete, wollte er keinen Dressurplatz mehr sehen. Und ich selbst neigte wie gesagt auch nicht zum »Kringelreiten«. Aber andererseits war Joker ein sehr großes, sehr starkes Pferd. Ich musste lernen, ihn zu kontrollieren, sonst wurde es schlicht zu gefährlich, wenn er im Gelände ins Rennen kam. Also nahm ich brav Reitstunden bei Tommie - und musste dabei zusehen, wie nicht nur in meiner Reitlehrerin, sondern auch in meiner Mutter der Ehrgeiz erwachte. Letzten Sommer hatte sie mir sogar ein Reitjackett gekauft, als ich mit dem Pferd einer Freundin in einer Dressur startete - dunkelgrün, passend zu meiner Augenfarbe -, was zugegebenermaßen cool aussah. Leider konnte man es zu keinem anderen Anlass tragen als zu der dämlichen Turnierreiterei. Und Mom erwartete jetzt natürlich, dass ich auf Joker darin glänzte.

Tommie hatte ihre Schülerinnen inzwischen endlich wieder im Sattel und ließ sie zum Abschluss noch ein wenig Schritt reiten. Nach zwei Runden beendete sie dann die Stunde. Frau Richard stürzte sofort auf sie zu.

»Das war aber noch nicht so vorführreif! Was können wir denn machen, Frau Tomms, damit das besser wird?«

Tommie seufzte. »Üben, Frau Richard«, meinte sie dann.

Ich hatte Joker inzwischen in die Bahn geführt und gurtete nach. Natürlich ganz zufällig in der Nähe von Tommie und ihrer Kundin.

»Und vielleicht auch mal über andere Pferde nachdenken .«, fügte Tommie schließlich etwas widerwillig hinzu. Für heute hatte sie offensichtlich genug von Familie...

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