Johann Wolfgang von Goethes Gedichte

Ausgewählte Werke VI
 
 
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  • 1. Auflage
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  • erschienen am 20. November 2019
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  • 512 Seiten
 
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978-3-7504-7229-7 (ISBN)
 
Johann Wolfgang von Goethes Gedichte nach Goethes Werke, Vollständige Ausgabe letzter Hand, Bd. 1-4, Cotta, Stuttgart und Tübingen 1827, durchgesehen und, soweit nötig, revidiert sowie orthographisch aktualisiert. [Joerg K. Sommermeyer]
1. Auflage
  • Deutsch
  • 0,63 MB
978-3-7504-7229-7 (9783750472297)
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Johann Wolfgang von Goethe, geboren am 28. August 1749 in Frankfurt am Main, gestorben am 22. März 1832 in Weimar. Den deutschen Dichterfürsten kennt jedes Kind. Sein Name ist untrennbar verknüpft mit Idealismus, Sturm und Drang, Weimarer Klassik.
Lieder

Spät erklingt, was früh erklang,

Glück und Unglück wird Gesang.

Vorklage

Wie nimmt ein leidenschaftlich Stammeln

Geschrieben sich so seltsam aus!

Nun soll ich gar von Haus zu Haus

Die losen Blätter alle sammeln.

Was eine lange, weite Strecke

Im Leben voneinander stand,

Das kommt nun unter einer Decke

Dem guten Leser in die Hand.

Doch schäme dich nicht der Gebrechen,

Vollende schnell das kleine Buch;

Die Welt ist voller Widerspruch,

Und sollte sich's nicht widersprechen?

An die Günstigen

Dichter lieben nicht zu schweigen,

Wollen sich der Menge zeigen.

Lob und Tadel muss ja sein!

Niemand beichtet gern in Prosa;

Doch vertraun wir oft sub rosa

In der Musen stillem Hain.

Was ich irrte, was ich strebte,

Was ich litt und was ich lebte,

Sind hier Blumen nur im Strauß;

Und das Alter wie die Jugend,

Und der Fehler wie die Tugend

Nimmt sich gut in Liedern aus.

Der neue Amadis

Als ich noch ein Knabe war,

Sperrte man mich ein;

Und so saß ich manches Jahr

Über mir allein,

Wie im Mutterleib.

Doch du warst mein Zeitvertreib,

Goldne Phantasie,

Und ich ward ein warmer Held,

Wie der Prinz Pipi,

Und durchzog die Welt.

Baute manch kristallen Schloss

Und zerstört es auch,

Warf mein blinkendes Geschoss

Drachen durch den Bauch,

Ja, ich war ein Mann!

Ritterlich befreit ich dann

Die Prinzessin Fisch;

Sie war gar zu obligeant,

Führte mich zu Tisch,

Und ich war galant.

Und ihr Kuss war Götterbrot,

Glühend wie der Wein.

Ach! ich liebte fast mich tot!

Rings mit Sonnenschein

War sie emailliert.

Ach! wer hat sie mir entführt?

Hielt kein Zauberband

Sie zurück vom schnellen Fliehn?

Sagt, wo ist ihr Land?

Wo der Weg dahin?

Stirbt der Fuchs, so gilt der Balg

Nach Mittage saßen wir

Junges Volk im Kühlen;

Amor kam, und Stirbt der Fuchs

Wollt er mit uns spielen.

Jeder meiner Freunde saß

Froh bei seinem Herzchen;

Amor blies die Fackel aus,

Sprach: »Hier ist das Kerzchen!«

Und die Fackel, wie sie glomm,

Ließ man eilig wandern,

Jeder drückte sie geschwind

In die Hand des andern.

Und mir reichte Dorilis

Sie mit Spott und Scherze;

Kaum berührt mein Finger sie,

Hell entflammt die Kerze.

Sengt mir Augen und Gesicht,

Setzt die Brust in Flammen

Über meinem Haupte schlug

Fast die Glut zusammen.

Löschen wollt ich, patschte zu;

Doch es brennt beständig;

Statt zu sterben, ward der Fuchs

Recht bei mir lebendig.

Heidenröslein

Sah ein Knab ein Röslein stehn,

Röslein auf der Heiden,

War so jung und morgenschön,

Lief er schnell, es nah zu sehn,

Sah's mit vielen Freuden.

Röslein, Röslein, Röslein rot,

Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: »Ich breche dich,

Röslein auf der Heiden!«

Röslein sprach: »Ich steche dich,

Dass du ewig denkst an mich,

Und ich will's nicht leiden.«

Röslein, Röslein, Röslein rot,

Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach

's Röslein auf der Heiden;

Röslein wehrte sich und stach,

Half ihm doch kein Weh und Ach,

Musst es eben leiden.

Röslein, Röslein, Röslein rot,

Röslein auf der Heiden.

Blindekuh

O liebliche Therese!

Wie wandelt gleich ins Böse

Dein offnes Auge sich!

Die Augen zugebunden,

Hast du mich schnell gefunden,

Und warum fingst du eben mich?

Du fasstest mich aufs Beste

Und hieltest mich so feste;

Ich sank in deinen Schoß.

Kaum warst du aufgebunden,

War alle Lust verschwunden;

Du ließest kalt den Blinden los.

Er tappte hin und wider,

Verrenkte fast die Glieder,

Und alle foppten ihn.

Und willst du mich nicht lieben,

So geh ich stets im Trüben

Wie mit verbundnen Augen hin.

Christel

Hab oft einen dumpfen, düstern Sinn,

Ein gar so schweres Blut!

Wenn ich bei meiner Christel bin,

Ist alles wieder gut.

Ich seh sie dort, ich seh sie hier

Und weiß nicht auf der Welt,

Und wie und wo und wann sie mir,

Warum sie mir gefällt.

Das schwarze Schelmenaug dadrein,

Die schwarze Braue drauf,

Seh ich ein einzig Mal hinein,

Die Seele geht mir auf.

Ist eine, die so lieben Mund,

Liebrunde Wänglein hat?

Ach, und es ist noch etwas rund,

Da sieht kein Aug sich satt!

Und wenn ich sie denn fassen darf

Im luft'gen deutschen Tanz,

Das geht herum, das geht so scharf,

Da fühl ich mich so ganz!

Und wenn's ihr taumlig wird und warm,

Da wieg ich sie sogleich

An meiner Brust, in meinem Arm;

's ist mir ein Königreich!

Und wenn sie liebend nach mir blickt

Und alles rund vergisst,

Und dann an meine Brust gedrückt

Und weidlich eins geküsst,

Das läuft mir durch das Rückenmark

Bis in die große Zeh!

Ich bin so schwach, ich bin so stark,

Mir ist so wohl, so weh!

Da möcht ich mehr und immer mehr,

Der Tag wird mir nicht lang;

Wenn ich die Nacht auch bei ihr wär,

Davor wär mir nicht bang.

Ich denk, ich halte sie einmal

Und büße meine Lust;

Und endigt sich nicht meine Qual,

Sterb ich an ihrer Brust!

Die Spröde

An dem reinsten Frühlingsmorgen

Ging die Schäferin und sang,

Jung und schön und ohne Sorgen,

Dass es durch die Felder klang,

So la la! le ralla!

Thyrsis bot ihr für ein Mäulchen

Zwei, drei Schäfchen gleich am Ort,

Schalkhaft blickte sie ein Weilchen;

Doch sie sang und lachte fort,

So la la! le ralla!

Und ein andrer bot ihr Bänder,

Und der dritte bot sein Herz;

Doch sie trieb mit Herz und Bändern

So wie mit den Lämmern Scherz,

Nur la la! le ralla!

Die Bekehrte

Bei dem Glanze der Abendröte

Ging ich still den Wald entlang,

Damon saß und blies die Flöte,

Dass es von den Felsen klang,

So la la!

Und er zog mich, ach, an sich nieder,

Küsste mich so hold, so süß.

Und ich sagte: »Blase wieder!«

Und der gute Junge blies,

So la la!

Meine Ruhe ist nun verloren,

Meine Freude floh davon,

Und ich höre vor meinen Ohren

Immer nur den alten Ton,

So la la! le ralla!

(usw.)

Rettung

Mein Mädchen ward mir ungetreu,

Das machte mich zum Freudenhasser;

Da lief ich an ein fließend Wasser,

Das Wasser lief vor mir vorbei.

Da stand ich nun, verzweiflend, stumm;

Im Kopfe war mir's wie betrunken,

Fast wär ich in den Strom gesunken,

Es ging die Welt mit mir herum.

Auf einmal hört ich was, das rief

Ich wandte just dahin den Rücken -,

Es war ein Stimmchen zum Entzücken:

»Nimm dich in acht! Der Fluss ist tief.«

Da lief mir was durchs ganze Blut,

Ich seh, so ist's ein liebes Mädchen;

Ich fragte sie: »Wie heißt du?« - »Käthchen!«

»O schönes Käthchen! Du bist gut.

Du hältst vom Tode mich zurück,

Auf immer dank ich dir mein Leben;

Allein das heißt mir wenig geben,

Nun sei auch meines Lebens Glück!«

Und dann klagt ich ihr meine Not,

Sie schlug die Augen lieblich nieder;

Ich küsste sie und sie mich wieder,

Und - vorderhand nichts mehr von Tod.

Der Musensohn

Durch Feld und Wald zu schweifen,

Mein Liedchen wegzupfeifen,

So geht's von Ort zu Ort!

Und nach dem Takte reget

Und nach dem Maß beweget

Sich alles an mir fort.

Ich kann sie kaum erwarten,

Die erste Blum im Garten,

Die erste Blüt am Baum.

Sie grüßen meine Lieder,

Und kommt der Winter wieder,

Sing ich noch jenen Traum.

Ich sing ihn in der Weite,

Auf Eises Läng und Breite,

Da blüht der Winter schön!

Auch diese Blüte schwindet,

Und neue Freude findet

Sich auf bebauten Höhn.

Denn wie ich bei der Linde

Das junge Völkchen finde,

Sogleich erreg ich sie.

Der stumpfe Bursche bläht sich,

Das steife Mädchen dreht sich

Nach meiner Melodie.

Ihr gebt den Sohlen Flügel

Und treibt durch Tal und Hügel

Den Liebling weit von Haus.

Ihr lieben, holden Musen,

Wann ruh ich ihr am Busen

Auch endlich...

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