Das Science Fiction Jahr 2017

 
 
Golkonda Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 30. November 2017
  • |
  • 504 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-946503-11-8 (ISBN)
 
In der 32. Ausgabe von 'Das Science Fiction Jahr' finden sich Beiträge von Christian Endres, Fritz Heidorn, Michael K. Iwoleit, Udo Klotz, Jewgeni Lukin, Hannes Riffel, Lars Schmeink u. v. a. Darüber hinaus ergeben Interviews und Rezensionsblöcke über Literatur, Film und Comic ein umfangreiches Portfolio dessen, was das Jahr 2016 der Science Fiction gebracht hat.

Michael Görden (*1954) zog es schon immer in die Phantastik. Umso mehr freut er sich, dass er, nach einigen Abzweigungen ins dokumentarische Filmen, Übersetzen und in esoterische Sphären, mit Golkonda wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt. Denn mit Science Fiction hat er bei Lübbe in den 1970er-Jahren seine Karriere begonnen. Nun durchstöbert er wieder die reiche Welt der SF nach außergewöhnlichen phantastischen Perlen, deren Qualität den großen Publikumsverlagen zu hoch ist.
  • Deutsch
  • 58,73 MB
978-3-946503-11-8 (9783946503118)
weitere Ausgaben werden ermittelt

YUVAL NOAH HARARI

HOMO DEUS.

EINE GESCHICHTE VON MORGEN

(Homo Deus · 2016)

Sachbuch · C. H. Beck · Hardcover · 576 Seiten · auch als E-Book

Aus dem Englischen von Andreas Wirthensohn

SF-Leser, die aufgrund des Titels ein Panorama zukünftiger Perspektiven erwarten, seien vorab ins Bild gesetzt - die angekündigte »Geschichte von Morgen« fällt trotz der fünfhundert Seiten Buchumfang schmal aus. Homo Deus ist aber ohne Zweifel ein Publikations-Coup, da der Titel des Buches auch mich hat aufmerksam werden lassen. Das Werk befindet sich seit geraumer Zeit in der Sachbuch-Spitzengruppe der SPIEGEL-Bestsellerliste (Stand Juli). Bill Gates höchstpersönlich hat es auf seine Empfehlungsliste gesetzt. Harari wurde in den letzten Monaten allein schon von mehreren deutschsprachigen Medien zu Zukunftsfragen interviewt.

»Dieses Buch spürt den Ursprüngen unserer gegenwärtigen Konditionierung nach, um ihren Griff zu lockern und uns in die Lage zu versetzen, weit fantasievoller als bisher über unsere Zukunft nachzudenken.« Harari ist von seiner Ausbildung her Historiker und sein Buch ist über weite Strecken eine Darstellung der Vergangenheit und der Gegenwart. Da ich diese Rezension aber für ein SF-Jahrbuch verfasse, will ich gleich zu seinem phantastischen Ausblick kommen. Der sogenannte Homo deus ist nämlich nur ein Zwischenstadium der Entwicklung bei Harari, am Ende steht eine Art kosmisch überhöhtes Internet der Dinge. »Menschen sind lediglich Instrumente, um das >Internet der Dinge< zu schaffen, das sich letztlich vom Planeten Erde aus auf die gesamte Galaxis und sogar das gesamte Universum ausbreiten könnte. Dieses kosmische Datenverarbeitungssystem wäre dann wie Gott. Es wird überall sein und alles kontrollieren, und die Menschen sind dazu verdammt, darin aufzugehen.« Motor der Entwicklung, die von unserer heutigen Wirklichkeit ausgeht, sei der »Dataismus«, eine Datenreligion seiner Meinung nach (auffallend ist, dass Harari den Begriff der Religion vielseitig benutzt - dazu später mehr).

Diesen Dataismus hält er für ein großes Hintergrundproblem, das den Lauf der Zivilisation steuern könnte (Harari versteht sein Buch als Warnung, er ist nicht etwa ein überzeugter Dataist). Harari deutet die Geschichte der menschlichen Zivilisation als voranschreitende Steigerung der Verbindungen zwischen ihren Elementen, so der Fähigkeit einer nicht lokal gebundenen Kooperation, etwas, wozu Tierpopulationen nicht in der Lage seien. Dataistisch sei nun eine Vorgehensweise, bei der solche Verbindungen und die Zahl der »Prozessoren« beständig erhöht werden - gewissermaßen im Glauben »an die unsichtbare Hand des Datenflusses«. Es komme also möglicherweise zu einer Verselbstständigung der formalen Organisation der Datenproduktion und -verteilung, die sich dem menschlichen Verständnis immer mehr entziehen und immer weitere Dimensionen der Wirklichkeit umfassen könne. Bezeichnend für diese Entwicklung sei zudem die Abkopplung der Intelligenz vom Bewusstsein. Nicht-bewusste Intelligenzen spielen mittlerweile Schach, fahren Auto und diagnostizieren Krankheiten durch Techniken der Mustererkennung. Daraus folgert er: »Zur Superintelligenz führen womöglich verschiedene Wege, von denen nur einige durch die Straße des Bewusstseins müssen.« Das hält Harari nicht davon ab, die Algorithmen ohne Bewusstsein einseitig zu hypostasieren. Die Menschheit könnte eventuell rückblickend nicht mehr als »ein leichtes Kräuseln im großen kosmischen Datenstrom« gewesen sein.

Zusammen mit Peter Kempin habe ich im SF-Jahr 2009 eine Spekulation über eine alternative Schöpfungsgeschichte unter dem Titel »Pancognosis« veröffentlicht. Wir lassen die irdische Genese der Intelligenzformen mit der von uns so bezeichneten Konnexion enden, die eine tendenziell kosmische virtuelle Sphäre der Künstlichen Intelligenz darstellt, die auch weniger komplex strukturierte, von menschlichen Gedächtnissen ausgehende Einzel- und Gruppenbewusstseine umfasst. Bezogen auf die Annahme einer machtvollen KI auf Basis immer komplexerer Techniken der Informationsverarbeitung sind wir - mit Harari gesprochen - Vertreter des Dataismus. Wir haben aber eine andere Perspektive auf den Sinn solcher Entwicklungen. Informationen, Daten sehen wir »als Drittes zwischen menschlichem Bewusstsein und den materiellen Objekten«, sie sind aber kein Selbstzweck und sie entfalten sich auch nicht zu einer bloßen informationellen Monstrosität. Wir gehen davon aus, dass sich das intelligente, selbstreflexive Bewusstsein als Gedanken-»Virtualität« weitestgehend von seiner Bindung an die Materie abkoppeln wird, allein schon deshalb, um auf diesem Wege eine kosmisch adäquate Existenz führen zu können. Parallel dazu wird sich durch die zunehmende Verschaltung, Vernetzung von immer mehr »natürlichen« und künstlichen Bewusstseinseinheiten, in welcher konkreten Form auch immer, ein höherer Gedankenreichtum mit neuen Rationalitätsmustern und Denklogiken eröffnen, deren Komplexität niedrigeren Stufen der Intelligenz verborgen bleibt - ein Gedanke, wie er ebenfalls in Also sprach GOLEM von Stanislaw Lem ausgeführt wird.

Harari bleibt in dieser Hinsicht widersprüchlich. Neben seiner dystopischen Sicht auf den Dataismus sieht er durchaus den Vorteil einer anderen Existenzform. »Einer nicht-organischen künstlichen Intelligenz hingegen wird es viel leichter fallen, fremde Planeten zu besiedeln. Organisches Leben durch anorganische Wesen zu ersetzen könnte deshalb die Saat zu einem künftigen galaktischen Imperium legen.« Auch die Frage einer weiteren Höherentwicklung des Bewusstseins ist ein Thema, auch wenn er nur kurz darauf eingeht. Er überlegt beispielsweise, ob es analog zum elektromagnetischen Spektrum eine uns unbekannte Bandbreite von mentalen Zuständen geben könnte: »Wir können nicht einmal wahrnehmen, dass wir auf einer winzigen Insel des Bewusstseins inmitten eines riesigen Ozeans fremder Geisteszustände leben.« Damit spielt er auch an auf die Wahrnehmungszustände von Tieren, die Menschen nicht nachvollziehen können. An einer anderen Stelle schreibt er zum Homo deus: »Eine zweite kognitive Revolution könnte Homo deus Zugang zu unvorstellbaren neuen Sphären verschaffen und uns zu Herren der Galaxie erheben.« Die diesbezüglich erste Revolution der Bewusstwerdung beim Homo sapiens datiert Harari 70000 Jahre zurück und macht sie an der Erfindung der mündlichen Sprache fest. Die »neuen Sphären« interpretiere ich als höhere Sphären der Intelligenz, die auch solche des Bewusstseins sind. Insofern kollidiert diese Aussage mit seiner Vorstellung einer alles verändernden, bewusstlosen dataistischen »Tsunami«, die den Menschen und schließlich auch den Homo deus zurücklässt.

Überhaupt ist seine Vorstellung der Göttlichkeit, nach der die Menschen streben sollen und die andere Suchen wie die nach Unsterblichkeit oder Glück einschließt, eine, die sich nicht an einem Bild von Gott orientiert, wie es die monotheistischen Religionen ausgebildet haben. »Wenn davon die Rede ist, Menschen zu Göttern zu erheben, dann sollte man dabei eher an griechische Götter oder an hinduistische Devas denken und weniger an den allmächtigen himmlischen Vater der Bibel. Unsere Nachfahren werden weiterhin ihre Eigenheiten, Marotten und Schwächen haben, so wie Zeus und Indra sie hatten. Aber sie werden in ganz anderen Dimensionen lieben, hassen, schaffen und zerstören können.« Insofern vermenschlicht Harari sie und gibt ihnen einen allgemein-verständlichen Bezugsraum (ich musste spontan an die beiden SF-Romane Ilium und Olympos von Dan Simmons denken). Den Homo deus sieht er als Projekt einer anderen Religion, des »Techno-Humanismus«. Die Menschheit im Ganzen strebe nach Göttlichkeit, es werde nur die Sache weniger Menschen sein. Harari geht auf die ungleiche Verteilung des heutigen globalen Reichtums ein. Er befürchtet infolgedessen eine Aufspaltung der Menschheit in »biologische Kasten«, bei der Übermenschen mit neuen Fähigkeiten die anderen unterjochen. Die abzusehenden »Upgrades« des Geistes werden die Machtverhältnisse spiegeln, was sicher stimmt. Zugleich macht er den Übermenschen doch wieder stärker als er in anderen Abschnitten des Buches erscheint: »Homo deus wird einige wesentliche menschliche Merkmale behalten, aber auch über optimierte körperliche und geistige Fähigkeiten verfügen, die ihn in die Lage versetzen werden, sich sogar gegen die ausgeklügelsten nicht-bewussten Algorithmen zu behaupten.« Damit möchte ich den Teil der mittel- oder längerfristigen Spekulationen im Buch verlassen. Der Inhalt zu diesen, wie ich ihn komprimiert habe, umfasst im Buch verhältnismäßig wenige Seiten (besonders S. 64-80, 475-481, 517-522).

»Zwar versuchen sich Historiker gelegentlich am Prophetischen (ohne nennenswerten Erfolg)«, schreibt Harari selbstironisch, »aber das Studium der Geschichte will uns vor allem Möglichkeiten bewusst machen, an die wir normalerweise nicht denken.« Darin sehe ich eine weitere Leistung von Harari. Er bricht dank seines historischen Wissens abstrakte Konzepte herunter auf das Alltagserleben von Menschen. Prozesse der Vergesellschaftung illustriert er zum Beispiel an der Figur eines jungen englischen Adligen, der um 1180 zu einem Kreuzzug aufbricht. Er macht - auch wenn er kein Informatiker ist - das Konzept der Vernetzung, Verschaltung stark durch einprägsame Beispiele. Städte mit Tempeln, in denen die Menschen im Dienst der Götter standen, seien vor rund 6000 Jahren wichtige Knotenpunkte gewesen im Hinblick auf die Bewahrung kollektiver Mythen und der Organisation...

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