Das Verschwinden der Jamie Mason

 
 
Francke-Buch (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. August 2019
  • |
  • 100 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96362-942-6 (ISBN)
 
Willow Anderson fällt aus allen Wolken, als sie nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Großvaters von dessen letztem Fall erfährt: Er wollte ein Baby ausfindig machen, das vor über 20 Jahren aus dem Krankenhaus entführt wurde. Dabei sind sie in ihrer gemeinsamen Firma eigentlich auf Ahnenforschung und das Auffinden verschollener Erben spezialisiert.
Doch anscheinend hatte ihr Großvater bereits eine heiße Spur - eine so heiße Spur, dass auch Willow plötzlich in Lebensgefahr gerät. Nun bleibt ihr gar keine andere Wahl: Zusammen mit ihrem Exfreund, dem früheren FBI-Agenten Austin McKade, stürzt sie sich in die Ermittlungen. Und stößt in ein Wespennest aus Intrigen und Verrat .
Auflage
  • Deutsch
  • Deutschland
  • 1,20 MB
978-3-96362-942-6 (9783963629426)
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6. Kapitel

Bei ihren Worten erstarrte er. War sie durch den Schock paranoid geworden? Beinahe hätte er sie losgelassen, um ihr ins Gesicht zu schauen und sich zu vergewissern, dass ihre Augen nicht wirr und glasig wirkten, aber er konnte sie nicht loslassen. Noch nicht. Willow war immer absolut ehrlich und vernünftig gewesen. Nein, er musste ihre Vermutung ernst nehmen.

Schritte kündigten an, dass sich jemand dem Zimmer näherte. Willows Körper versteifte sich in seinen Armen. Er spürte sofort, dass sie wieder Abstand brauchte. Deshalb ließ er sie los und wich einen Schritt zurück. Dana trat mit offenem Mund ins Zimmer. Sie hielt zwei Tüten in der Hand, eine davon mit dem unverkennbaren McDonald's-Logo. Allein der Anblick ließ seinen Magen knurren. Aber er bezweifelte, dass Willow mit ihm teilen würde. Dabei könnte er nach der ganzen Aufregung wirklich auch etwas Nervennahrung vertragen.

»Ich habe dir wie gewünscht ein wenig Fast Food mitgebracht und außerdem aus dem Supermarkt noch Käsekuchen besorgt.« Dana hatte sich wieder gefangen und hielt die Papiertüten hoch. Sie stellte sie auf den Nachttisch, der an die andere Wand geschoben worden war, um nicht im Weg zu sein. »Und ich habe dir etwas mitgebracht, das du anziehen kannst, wenn sie dich entlassen. Es sind Sachen von mir. Sie sind dir bestimmt zu groß, aber es wird schon gehen.«

»Danke, Dana.« Willow setzte sich aufrechter hin und schien ihren Verdacht wegen des Brandes für den Moment verdrängt zu haben. Sie sah aus, als könnte sie es nicht erwarten, von hier wegzukommen.

Das konnte er gut nachempfinden. Er richtete seine Aufmerksamkeit auf JTs Assistentin, die ihn völlig ignorierte.

»Es freut mich, dich wiederzusehen, Dana«, sagte er.

Der Blick, mit dem sie ihn bedachte, sprach Bände: Diese Freude beruhte nicht auf Gegenseitigkeit. Wahrscheinlich warf sie ihm vor, Willow das Herz gebrochen zu haben. Woher sollte sie auch wissen, dass es umgekehrt gewesen war?

Wusste Willow, dass Dana Emma, seine Assistentin, angerufen und ihr mitgeteilt hatte, dass seine Hilfe nicht mehr benötigt wurde? Er hatte das Gefühl, Dana hatte sie nicht darüber in Kenntnis gesetzt. Andererseits konnte dieser Anruf durchaus auch Willows Idee gewesen sein.

»Mich freut es auch, Sie wiederzusehen, Sonderermittler McKade.«

»Ex«, sagten er und Willow gleichzeitig. Er sah ein schwaches Grinsen in ihrem Gesicht aufflackern. Wie gern hätte er ihr 1000-Watt-Lächeln gesehen, aber unter den gegebenen Umständen wäre das wohl zu viel verlangt gewesen.

»Ich würde gern hören, wie es dazu gekommen ist.« Willow rückte ihr Kissen zurecht.

Er sah sie fragend an und versuchte, eine tiefere Bedeutung in diese Worte hineinzulegen, aber wahrscheinlich gab es keine. »Vielleicht ein anderes Mal.«

»Das hört sich so an, als hättet ihr beide nett geplaudert«, sagte Dana. »Aber Willow braucht jetzt Ruhe.« Sie bedachte ihn mit einem Blick, der ihn unmissverständlich dazu aufforderte, sich von Willow fernzuhalten.

Was bist du? Ihre Mutter? Er behielt diese Worte für sich.

Er konnte ihr keinen Vorwurf daraus machen, dass sie versuchte, Willow zu beschützen. Er kannte dieses Bedürfnis. Wusste sie, dass Willow den Verdacht hegte, dass es sich um Brandstiftung handelte? In diesem Fall sollte sie dankbar sein, dass er hier war. Immerhin war er ein sehr guter Ermittler. Auch wenn er nicht mehr beim FBI war, hatte er nichts von seinem Können eingebüßt und würde es einsetzen, wenn Willow das erlaubte.

»Zuerst muss ich etwas essen«, meinte Willow. War das ihre Art zu sagen, dass er bleiben sollte? Er war sich nicht sicher.

Dana packte das Essen aus und Austin trat zurück.

Er hatte JTs Tod immer noch nicht ganz verarbeitet und jetzt wäre auch noch Willow fast ums Leben gekommen. Ob sie konkrete Anhaltspunkte dafür hatte, dass es sich um Brandstiftung handeln könnte? Wenn er dieser Sache nachgehen wollte, würde er wirklich erst einmal etwas im Magen brauchen.

Der Geruch des Essens stieg ihm in die Nase. Ja, er würde definitiv gern etwas davon abhaben!

Wenn er ehrlich war, musste er zugeben, dass er es gebraucht hatte, Willow wieder in den Armen zu halten, um sich zu vergewissern, dass sie wirklich lebte und er das nicht nur träumte. Nach seinem Erlebnis bei einem FBI-Einsatz hatte er immer noch Albträume.

Er war dennoch dankbar, dass Dana aufgetaucht war und sie gestört hatte. Er hätte nicht so stark auf Willow reagieren dürfen. Er hätte nicht gedacht, dass es ihn so sehr aus der Fassung bringen würde, sie nach zwei Jahren wiederzusehen. Vielleicht hatte es einfach damit zu tun, dass sie mit einem intravenösen Zugang am Arm und einem Sauerstoffsensor am Finger im Krankenhaus lag.

Obwohl ihr anzusehen war, wie erschöpft und ausgelaugt sie war, war sie mit ihren langen, glänzenden Haaren, die ihr über die Schultern fielen, und diesen faszinierenden, sensiblen, nussbraunen Augen wunderschön. Sie war noch atemberaubender, als er sie in Erinnerung hatte, auch mit der tiefen Trauer, die in ihr Gesicht geschrieben war. Ihr schmerzvoller Blick berührte ihn auf eine Weise, die er nicht einmal ansatzweise begreifen konnte.

Ich hätte nicht zurückkommen sollen.

Er hätte ihr eine Beileidskarte wegen JTs Tod schicken können. Das wäre ihr bestimmt lieber gewesen.

Aber falls jemand ihr Haus niedergebrannt hatte, falls tatsächlich jemand versucht hatte, Willow zu töten, war Austin genau zur rechten Zeit am rechten Ort. Wann war ihm das zuletzt passiert? Wenn er früher ein Gespür dafür gehabt hätte, zum richtigen Zeitpunkt da zu sein, wo er gebraucht wurde, hätte er vielleicht beim FBI bleiben können.

Er trat näher an den Tisch heran und hoffte, Dana würde so großzügig sein und ihm auch etwas von dem Essen anbieten. Das würde ihm einen Vorwand geben, um noch eine Weile zu bleiben. Es wäre besser, wenn Willow ihm von sich aus alles erzählte, als wenn er nachbohren müsste. Trotzdem würde er im Notfall darauf bestehen.

Dana schaute ihn stirnrunzelnd an, aber nach einem kurzen Blick auf Willow wurde ihre Miene weicher. Es war nicht zu übersehen, dass sie sie liebte. Sie würde ihn nicht wegschicken, wenn Willow nicht darum bat.

Sein Atem beruhigte sich.

Dana hielt Austin eine Tüte hin. »McMuffin mit Ei und Schinken oder Rösti-Taler? Burger gab es so früh leider noch nicht.«

»Danke.« Er nahm die Tüte und zog das Frühstück heraus. »Ich glaube, ich habe seit über zehn Jahren nichts mehr von McDonald's gegessen.«

»Wie hast du das ausgehalten?«, lachte Willow und musste dann stark husten.

Er eilte auf eine Seite des Betts, Dana auf die andere. Als der Husten nachließ, legte Willow erschöpft den Kopf auf ihr Kissen zurück und schloss die Augen. Sie so traurig zu sehen, fühlte sich an, als würde ihm ein stumpfes Messer in den Bauch gerammt.

Was machte er hier? Er hatte nichts mehr in ihrer Nähe zu suchen. Es wäre nicht gut für sie, wenn er ihr Leben wieder durcheinanderwirbelte. Zuerst musste er selbst wieder einen klaren Kopf bekommen, soweit das überhaupt möglich war. Er konnte trotzdem nicht einfach gehen, nicht, solange er nicht herausgefunden hatte, was passiert war, und dafür gesorgt hatte, dass Willow in Sicherheit war. Wenn er jetzt ginge und ihr etwas zustieße, könnte er sich das nie verzeihen.

Dana ging ins Badezimmer, ließ aber die Tür offen. Vielleicht hatte sie entschieden, dass es besser wäre, wenn sie Austin ein wenig mit Willow allein ließ. Doch er bezweifelte, dass sie ihm viel Zeit einräumen würde.

Er trat wieder an den Tisch, nahm einen Becher mit einem Strohhalm und brachte ihn ihr ans Bett. »Willst du etwas trinken?«

Willows Lider öffneten sich und er konnte wieder ihre strahlenden braunen Augen sehen. Sie nahm ihm die Limonade aus der Hand. Er half ihr, sich zum Trinken aufzusetzen.

Er hörte, wie Dana sich die Hände wusch. »Warum sagst du, jemand hätte das Feuer absichtlich gelegt?«, flüsterte er.

Schon stand Dana wieder an Willows Bett. »Du sagst was?«

Diese Frau hatte gute Ohren.

Willow atmete tief durch. »Ich habe die Feuerwehrleute reden hören. Sie haben gesagt, dass das Feuer unmöglich ein Unfall gewesen sein kann, weil es sich so schnell ausgebreitet hat.«

»Das könnte tatsächlich ein Indiz für Brandstiftung sein«, stellte Austin fest.

Dana schaute ihn an. Er wollte diese Frau wirklich mögen, aber er war nicht sicher, ob er es ignorieren konnte, dass sie ihn nicht ausstehen konnte.

»Brandstiftung? Denkt ihr nicht, dass ihr Gespenster seht?« Dana trat vom Bett weg und biss nervös in einen der Rösti-Taler.

Austin ging im Zimmer auf und ab und rieb sich den Nacken. Im Gegensatz zu Dana war ihm der Appetit vergangen. »Der Feuerwehrhauptmann wird eine Untersuchung einleiten. Wir werden also bald mehr wissen.« Austin würde alles tun, um schon früher etwas zu erfahren. Das ergab doch alles keinen Sinn. »Fällt dir irgendein Grund ein, warum jemand das Haus hätte niederbrennen wollen?«

Austin hatte nichts von einer Brandstiftungsserie gehört, aber er würde auch das nachprüfen.

»Nein. Kein einziger.« Willow schüttelte den Kopf. »Das ist mir alles zu viel. Vielleicht habe ich die Feuerwehrleute ja falsch verstanden.«

Er hoffte es. Austin ignorierte Danas durchdringenden Blick. Dieser Verdacht musste ernst genommen werden. Sie konnten nicht einfach so tun, als wäre nichts passiert. Andererseits sah er vielleicht...

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