Der Himmel über Sussex

Roman
 
 
dotbooks Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 1. Mai 2020
  • |
  • 467 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-96148-973-2 (ISBN)
 
Eine Liebe, die nie sein durfte: Der berührende Familiengeheimnisroman »Der Himmel über Sussex« von Jenny Glanfield jetzt als eBook bei dotbooks. In einem antiken Sekretär findet die junge Studentin Pippa Fotografien aus den 1930er Jahren - und ist sofort verzaubert von den kunstvollen Aufnahmen. Doch ein Detail versetzt sie in Erstaunen - und plötzlich muss sie sich die Frage stellen, ob die Fotos der Schlüssel zur geheimnisvollen Vergangenheit ihrer eigenen Familie sein können. Als sie ihrer Großmutter Kitty von dem Fund berichtet, ist diese vollkommen erschüttert und bricht zusammen. Während sich die alte Dame nur langsam erholt, beginnt Pippa, ihrer Lebensgeschichte nachzuforschen. Dabei lernt sie eine Welt kennen, die schon längst vergangen zu sein scheint - und bittersüße Geheimnisse birgt, deren Schatten bis in die Gegenwart reichen ... »Rosamunde Pilcher hat eine würdige Nachfolgerin!« The Sunday Times Jetzt als eBook kaufen und genießen: Die bewegende Familiensaga »Der Himmel über Sussex« von Jenny Glanfield. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.
  • Deutsch
  • 2,07 MB
978-3-96148-973-2 (9783961489732)
Die britische Schriftstellerin Jenny Glanfield wurde 1946 geboren, studierte Französisch und Deutsch und arbeitete am Institute of Linguists in London. Heute pendelt sie zwischen ihrer Wohnung in der Stadt und ihrem malerischen Landsitz Chatelaine.

Kapitel 1


»Nummer achtundfünfzig, ein schönes, zeittypisches Schrank-Bureau aus Mahagoni und diverse Bücher«, kündigte der Auktionator an, während er seinen Blick durch den Raum schweifen ließ. »Mindestgebot ist dreihundert Pfund.«

Sebastian Devere, der im hinteren Teil des Auktionsraumes saß, rührte sich nicht. Kein Muskel zuckte in seinem Gesicht. Er hatte sich das Stück vor dem Verkauf nicht einmal angesehen, denn jedes besondere Interesse seinerseits hätte unweigerlich den Preis schon vor den ersten Geboten in die Höhe getrieben. Allein seine Anwesenheit hier bei der Auktion in Worthing hatte Neugier erweckt. Sebastian, eine schlanke, distinguierte Gestalt in makellosem Savile-Row-Anzug und Gucci-Schuhen, ein Mann, dem man seine dreiundfünfzig Jahre trotz der Silberfäden im dunklen Haar nicht ansah, war sich der vielen Blicke, die auf ihm ruhten, vollauf bewußt.

Provinzauktionen waren für die großen Londoner Händler wie ihn in aller Regel reine Zeitverschwendung, obwohl er selbstverständlich alle Kataloge abonnierte und gelegentlich - wie in diesem Falle - Zustandsberichte anforderte. Wohnungsräumungen von Altersruhesitzen an der Südküste förderten manchmal unerwartete Schätze zutage.

Dieser Schrank-Sekretär, den der Auktionator fälschlicherweise als Schrank-Bureau bezeichnete, war ein gutes Beispiel. Es konnte sich natürlich um eine Fälschung handeln. Ohne das Innere der Schubladen, die Holzverbindungen, das Furnier, den Zustand des Holzes und den Verlauf der Maserung inspiziert zu haben, konnte man da niemals hundertprozentig sicher sein. Aber nach über dreißig Jahren in diesem Geschäft hatte Sebastian einen sechsten Sinn entwickelt. Der Sekretär sah ihm ganz nach einem Familienstück aus, das über Jahrhunderte hinweg benutzt worden war. Chippendale, 1750 bis 1760, schätzte er, wenn man von der ziemlich steifen architektonischen Kranzleiste und den im Querschnitt halbkreisförmigen Hohlkehlen an den Türen des Bücherschranks ausgehen durfte.

»Achthundertfünfzig. Neunhundert. Neunhundertfünfzig.«

Das letzte Gebot kam von einer Frau in mittleren Jahren, gegen die Sebastian schon bei früheren Gelegenheiten geboten hatte. Ihr gehörte ein Geschäft in den Lanes in Brighton, und sie verkörperte einen Typ Frau, der ihm zutiefst unsympathisch war: Sie verstand es, Eleganz, Intelligenz und Charme mit einem scharfen Geschäftssinn zu verbinden. Auch wenn er damit den selbstgesetzten Rahmen sprengte, hob er den Daumen.

»Tausend Pfund hinten im Saal«, sagte der Auktionator in seinem monotonen Singsang. »Wird mehr geboten?« Die Brighton-Frau nickte. »Tausendfünfzig. Wer bietet tausendeinhundert?«

Sebastian hob abermals den Daumen.

»Tausendeinhundert. Wer bietet mehr?« Der Auktionator sah die Händlerin aus Brighton fragend an, aber diese schüttelte nur den Kopf. Niemand sonst machte ein Gebot.

»Verkauft für tausendeinhundert an den Herrn hinten im Saal.«

Nicht ganz das Geschäft, auf das er gehofft hatte, überlegte Sebastian, aber auch nicht schlecht. Es würde ihm in seinem Ausstellungsraum in South Kensington mindestens ein paar Hunderter Gewinn einbringen. Die Fahrt hierher hatte sich bereits gelohnt.

Durch seine Halbbrille sah er sich noch einmal flüchtig den Katalog an. Obwohl eigentlich Möbel seine Spezialität waren, interessierte er sich stets auch für Silber und Glas - »Kleinkram«, wie man es in seinem Gewerbe nannte -, das die Möbel im Ausstellungsraum erst lebendig machte. Nummer neunundsiebzig, frühviktorianisches Silber, zu dem auch ein paar ziemlich hübsche Kerzenleuchter zählten, könnte möglicherweise interessant sein, aber davon abgesehen gab es nichts, was auf seiner Linie gelegen hätte.

Das Gebot ging dann allerdings über vierhundert, und er überließ das Silber der Dame aus Brighton. Wenn sie nicht schon einen Käufer dafür hatte, würde es ihr schwer werden, diesen Fang gewinnbringend loszuschlagen.

Ein Blick auf seine Rolex zeigte ihm, daß es erst kurz nach zwölf war. Die Auktion war zügiger vonstatten gegangen, als er erwartet hatte. Er konnte noch seine Mutter in Arundel besuchen, ohne allzu spät wieder zurück in London zu sein.

Er bezahlte den Sekretär in bar, und ein ältlicher Möbelpacker half ihm, ihn nach draußen zu seinem Range Rover zu tragen. »Vergessen Sie Ihre Bücher nicht, Sir«, sagte der Mann, nachdem sie den Sekretär vorsichtig eingeladen und eine Decke darübergebreitet hatten.

Bei den Büchern schien es sich um ein Sammelsurium von Anthologien, Klassikern, Wörterbüchern, Enzyklopädien sowie Werken über Kunst und Geschichte zu handeln; Sebastian bezweifelte sehr, daß sie etwas wert waren, aber sie gehörten nun einmal dazu. »Packen Sie sie hinten rein«, wies er den Möbelpacker an. Michael Ashton, sein Assistent, war ein Bücherwurm - sollte er sich damit beschäftigen.

Ein paar Sekunden später reihte er sich in die lange Wagenkolonne ein, die sich langsam und stockend durch Worthing schob, und mußte gleich darauf hart bremsen, als ein Austin A30 aus einer Nebenstraße hervorschoß und ihm die Vorfahrt nahm. Die meisten Einwohner hier standen schon mit einem Fuß im Grab, und viel zu viele von ihnen saßen noch am Steuer, obwohl sie besser mit Laufgestellen vorliebgenommen hätten.

»Du solltest toleranter sein, mein Junge«, sagte seine Mutter, wenn er sich bei ihr über solche Mißstände beklagte. »Eines Tages wirst du selbst alt sein.«

Aber er würde sich niemals hier unten an die Costa Geriatrica zurückziehen, das stand fest, auch wenn Valerie alte Städte wie Arundel sehr malerisch fand und das Reihenendhaus aus dem 17. Jahrhundert, in dem seine Mutter wohnte, für »schlicht allerliebst« hielt. Ja, seine beiden Frauen ließen sich leicht von Äußerlichkeiten beeindrucken. Das Bild, das seine Frau sich von Arundel machte, war genauso irrig wie das seiner Tochter von ihrer Großmutter. Sie sahen nur das gefällige Äußere: Rosen, die sich über Mauern aus Feuerstein rankten; eine nette alte Dame, die in ihrem Garten herumwerkelte. Was unter der Oberfläche lag, ahnten sie nicht.

Wenn Dominic und Philippa aus dem Haus waren, würden er und Valerie sich allerdings vielleicht doch etwas Kleineres suchen - aber natürlich in Dulwich. Sie waren seit ihrer Hochzeit viermal umgezogen. Ihr erstes Zuhause war eine Wohnung in Tooting gewesen, dann hatten sie eine Doppelhaushälfte in Worcester Park gekauft und danach ein freistehendes Haus in Barnes. Zur Zeit lebten sie in Dulwich - drei Wohnzimmer, fünf Schlafzimmer, Ölzentralheizung, Doppelgarage, Swimmingpool. Das Haus war der Gipfel all seiner Träume. Und was noch wichtiger war, es würde ihm einen hübschen Profit einbringen.

Er hatte vor zehn Jahren, 1976, nur dreißigtausend Pfund dafür bezahlt; Terry Hawkins dagegen - der Artdirector einer Agentur im Westend und für Philippas Entschluß, Fotografie zu studieren, verantwortlich war - hatte vor einigen Monaten sein Haus gleich gegenüber für dreihunderttausend verkauft, und das, obwohl es nicht einmal einen Pool besaß. Also müßte ihres mindestens dreihundertfünfzig erzielen. Was man auch sonst von Margaret Thatcher halten mochte, den wirtschaftlichen Aufschwung, den ihre Regierung bewirkt hatte, mußte man ihr jedenfalls zugute halten.

Malerisch mochte dieses Arundel ja sein, überlegte Sebastian grimmig, während er das Tempo drosselte, um die Brücke über den Fluß zu passieren und sich in das Einbahnstraßensystem im Schatten der Burg einzufädeln, aber damit waren seine Vorzüge auch schon aufgezählt. Es gab keine Supermärkte in der Stadt, nicht einmal Marks & Spencer, und punkto Unterhaltung hatte es, wenn man von Chichester absah, überhaupt nichts zu bieten - keine Oper, kein Kino und keine Restaurants, in denen es nicht von alten Leuten wimmelte. Mit wem um alles in der Welt sollte man hier jemals ein kultiviertes Gespräch führen?

Überflüssig zu erwähnen, daß er in der Pannet's Row keinen Parkplatz fand. Das war auch so ein Problem in diesen alten Städten, in denen die Häuser zur Straße hinausgingen - sie waren einfach nicht für den modernen Verkehr geeignet. Parkverbot, so weit das Auge reichte. Nicht, daß seine Mutter das gestört hätte: Sie besaß keinen Wagen.

Nach einigem Suchen fand er schließlich eine Lücke, schloß den Range Rover ab, machte die Alarmanlage scharf und kletterte den steilen Hügel wieder hinauf. Als er vor der Tür von Rose Cottage stand, den abgegriffenen Messingklopfer betätigte und seinen Blick über die Dächer und das Tal des Arun bis zum fernen Silberstreifen des Ärmelkanals schweifen ließ, überkam ihn der vertraute Ärger, den weder die hübschen alten Cottages noch die schöne Aussicht zu dämpfen vermochten.

Sein Verdruß wuchs, als die Reaktion auf sein Klopfen ausblieb und keine eiligen Schritte zu hören waren. Es kam ihm lächerlich vor, daß er wie ein Zeuge Jehovas oder ein anderer unerwünschter Besucher draußen auf dem Gehsteig warten mußte. Sie sollte endlich eine elektrische Klingel mit einer Außenglocke installieren lassen, damit sie ihn auch im Garten hörte. Auch wenn sie die Drähte häßlich fand, mit solchen geringfügigen Widrigkeiten hätte sie sich um der Bequemlichkeit anderer willen einfach abfinden müssen.

Aber das war typisch für ihre sture Einstellung gegenüber allen modernen Errungenschaften. Jahrelang hatte sie das Cottage mit einem großen Kohleherd beheizt und auch gekocht und erst kürzlich zugegeben, daß die Kohlenschlepperei und das Ausleeren der Asche eine unnötig harte Arbeit für eine Frau von weit über siebzig war. Jetzt stand ein Gasherd an der Stelle des alten Kohleherdes, und das Haus wurde zentral mit Gas beheizt. Aber sie weigerte sich immer...

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