Das Ich und die Wirklichkeit

Perspektivische Übungen jenseits von Geist und Eigentum mit Hilfe von individueller Weltbildtheorie und Meditation
 
 
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  • erschienen am 18. August 2016
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978-3-7412-5855-8 (ISBN)
 
Ist es möglich, die so umfangreich analysierten letzten zweieinhalbtausend Jahre unter einem ganz neuen Blickwinkel zu betrachten? Der Autor versteht diese metaphysische Zeit als eine kurze Übergangsphase der abendländischen Kultur, die in ihrer Verrücktheit etwas Unwahrscheinliches hervorgebracht hat: das freie Ich. Die eingebildeten Götter und sonstigen Menschengespenster dienten zuletzt nur der - zunächst stillen, seit dem 19. Jahrhundert offenen - Selbsterhöhung des Menschen: der Mensch, das übernatürliche Wesen. Das eingebildete freie Ich ist die Krönung dieser Selbstüberschätzung. Diese Eitelkeit haben wir teuer durch Vernichtungsorgien bezahlt: zuletzt jeder gegen jeden und im Zweifelsfalle gegen die Natur. Die Jenseitsprojektionen haben die Herausbildung einer Hierarchie ermöglicht, die nicht nur den Mächtigen über die Untertanen setzte, sondern auch den Vater über die Familie und die Mutter über die Kinder. Doch die schlimmste und folgenreichste hierarchische Abspaltung ist die eingebildete Herrschaft des Ichs über den Körper. Jeder Einzelne trägt den Wahnsinn dieser Diesseits-Jenseits-Spaltung in sich. Die Spaltung des Individuums ist der Urgrund des Problems, doch darin liegt auch eine Chance: Jeder Einzelne kann durch die Arbeit an sich selbst zur Überwindung des metaphysischen Phänomens beitragen. Die Wege und Mittel, die der Autor vorschlägt, sind individuelle Weltbildtheorie und Meditation. Während ein gutes, selbstgemachtes Weltbild das eigene Ich als Einbildung sichtbar macht, kann die Meditation unser Selbstwertgefühl stärken, damit wir - fest eingebettet in eine Ichkultur - den Blick auf die Wirklichkeit des Ichs überhaupt aushalten können.
1. Auflage
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978-3-7412-5855-8 (9783741258558)
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Der Autor hat 1979 eine Ausbildung als Studienrat für Germanistik und Sozialwissenschaft beendet, sich dann aber im Bereich Informatik selbständig gemacht und 33 Jahre damit sein Geld verdient. Die Geisteswissenschaft oder Philosophie wurde zu seinem Hobby und begleitete seine alternativen Lebenswege (Zenkloster, tantrische Lebensgemeinschaft und zuletzt eine Patchworkfamilie). Eine Arbeitslosigkeit im Alter von 62 Jahren gab die Gelegenheit, ein zehnjähriges Buchprojekt zu Ende zu bringen, in dem er in der perspektivischen Tradition Nietzsches seine Weltsicht zusammenfasst.
1 - Titelseite [Seite 3]
2 - Impressum [Seite 4]
3 - Inhaltsverzeichnis [Seite 5]
4 - Vorwort [Seite 9]
5 - I. Ein Überblick: Das verrückte Zeitalter, das Ich und die Wirklichkeit [Seite 21]
5.1 - 1. Das aktuelle Zeitalter als Psychokrise [Seite 21]
5.1.1 - 1.1 Ein Bild und seine Wirklichkeit [Seite 21]
5.1.2 - 1.2 Die metaphysische Krise [Seite 24]
5.2 - 2. Die geniale Erfindung des Ichs [Seite 26]
5.3 - 3. Die evolutionären Effekte der metaphysischen Krise [Seite 27]
5.3.1 - 3.1 Vom magisch-animistischen zum metaphysischen Zeitalter [Seite 27]
5.3.2 - 3.2 Vom metaphysischen zum gewusst projizierten Ich [Seite 33]
5.3.3 - 3.3 Das durchaus beachtenswerte Zwischenergebnis: die Aussicht auf das Ende [Seite 34]
5.4 - 4. Der metaphysische Problemhorizont [Seite 39]
5.5 - 5. Der Einzelne und die Welt der Dinge [Seite 45]
5.6 - 6. Das Problem: Die Icheitelkeit des Einzelnen als handfester Teil der Wirklichkeit [Seite 48]
5.7 - 7. Ein Beispiel: Zum Verhältnis von "Basis" und "Überbau" bei Karl Marx [Seite 50]
5.8 - 8. Der eine Geist und das Eigentum [Seite 54]
5.8.1 - 8.1 Kopplung von Geist und Eigentum [Seite 54]
5.8.2 - 8.2 Landeigentum (Land als Produktivkraft) [Seite 56]
5.8.3 - 8.3 Eigentum an sich selbst [Seite 58]
5.8.4 - 8.4 Schon immer der Zweck: das eingebildete und gut getarnte Auffüllen von Ich und Eigentum mit eingebildeter Substanz [Seite 59]
5.9 - 9. Die wichtigste Übung: Den Blick auf die Wirklichkeit halten [Seite 62]
5.9.1 - 9.1 Vom Ich zur Wirklichkeit [Seite 62]
5.9.2 - 9.2 Das Basiswerkzeug: Meditation in vielen Formen [Seite 66]
5.9.3 - 9.3 Der Blick auf sich und die Welt formuliert als Theorie [Seite 72]
5.9.4 - 9.4 Kombinierte Wirkung von Meditation und Theorie: Stärkung des Ichs, Erfahrung tatsächlichen Verbundenseins mit anderen, psycho-politische Durchsetzungskraft [Seite 78]
5.9.5 - 9.5 Individuelle Weltbildtheorie und Meditation finden zusammen in der Intimität des intelligenten Gesprächs [Seite 80]
5.10 - 10.Keine Wahl für Autor und Leser [Seite 81]
5.11 - 11.Das Resonanzmodell und das Ich [Seite 84]
5.12 - 12.Zusammenfassung: Sich der Wirklichkeit stellen mit Meditation und selbstgemachter Theorie [Seite 87]
5.12.1 - 12.1 Was kommt nach der Krise? [Seite 87]
5.12.2 - 12.2 Die paradoxe Aufgabe: Stärkung des Ichs [Seite 89]
5.13 - 13.Aus aktuellem Anlass eine kleine Leseübung mit einem Artikel aus Der Spiegel 24/2014 [Seite 92]
6 - II. Ein Blick in meinen Theoriebaukasten [Seite 101]
6.1 - 1. Das Resonanzmodell [Seite 101]
6.1.1 - 1.1 Einleitung [Seite 101]
6.1.2 - 1.2 Was ist Resonanz? [Seite 103]
6.1.3 - 1.3 Neuronale Resonanz [Seite 108]
6.1.4 - 1.4 Verständigung durch Resonanz [Seite 121]
6.1.5 - 1.5 Projektion von Bedeutung und Wirklichkeit [Seite 131]
6.1.6 - 1.6 Resonanz, Ich, Theoriebildung und Meditation [Seite 135]
6.2 - 2. Das wirkliche Ich als Resonanz [Seite 138]
6.2.1 - 2.1 Übersicht [Seite 138]
6.2.2 - 2.2 Das Ich als Schnittstelle [Seite 143]
6.2.3 - 2.3 Das Ich als soziale Institution [Seite 147]
6.2.4 - 2.4 Die lebendige Resonanz zwischen den vielen Gehirnen und der Welt ist die tragende Wirklichkeit der Ichs [Seite 151]
6.2.5 - 2.5 Das wirkliche Ich als Resonanz, eine Zusammenfassung [Seite 153]
6.2.6 - 2.6 Das unverzichtbare Ich, ob wirklich oder eingebildet [Seite 154]
6.2.7 - 2.7 Das missverstandene Individuum und die neue Bedeutung des Einzelnen [Seite 158]
6.3 - 3. Die Wirklichkeit und der Innen-Außen-Dualismus [Seite 159]
6.4 - 4. Das Unerkennbare aushalten, ein Gedankenexperiment gegen die Überheblichkeit jeder Geistprojektion [Seite 161]
7 - III. Aus meiner Sicht: Der aktuelle Stand meiner Weltbildtheorieübungen [Seite 167]
7.1 - 1. Das metaphysische Ich und seine Wirklichkeitsdefizite [Seite 167]
7.1.1 - 1.1 Das Ich und das Missverständnis von der menschlichen Intelligenz [Seite 168]
7.1.2 - 1.2 Das Ich ist nicht das Bewusstsein [Seite 176]
7.1.3 - 1.3 Das Ich ist nicht die Individualität [Seite 180]
7.1.4 - 1.4 Das Ich und der freie Wille [Seite 181]
7.1.5 - 1.5 Das Ich und die Freiheit [Seite 183]
7.1.6 - 1.6 Das Ich und die Geschichte [Seite 184]
7.1.7 - 1.7 Das Ich und die Macht [Seite 185]
7.1.8 - 1.8 Das Ich und die Liebe [Seite 186]
7.1.9 - 1.9 Das Ich der metaphysischen Kultur und die Wirklichkeit: eine Geschichte aus Vor- und Nachteilen [Seite 189]
7.2 - 2. Das Ich als Eigentümer [Seite 194]
7.2.1 - 2.1 Die Projektion von Eigentum [Seite 195]
7.2.2 - 2.2 Geist-Eigentum-Projektionen und Grundkonflikte [Seite 199]
7.3 - 3. Der Einzige und sein Eigentum, Ich und Eigentum bei Max Stirner [Seite 206]
7.3.1 - 3.1 Die historische Bedeutung von Max Stirner [Seite 206]
7.3.2 - 3.2 Einleitung: Ich hab mein' Sach' auf Nichts gestellt [Seite 207]
7.3.3 - 3.3 Kurzer Einstieg in die beiden Hauptteile (Abteilungen) des Stirner-Buches [Seite 219]
7.4 - 4. Ichentstehung beim Einzelnen: Zur traumatischen Implementierung des Ichkerns durch die Mutter [Seite 223]
7.4.1 - 4.1 Vorbemerkung: von der Kultur zum Einzelnen [Seite 223]
7.4.2 - 4.2 Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern: Modelle aus meiner Geschichte [Seite 225]
7.4.3 - 4.3 Mein Erklärungsmodell des frühkindlichen Traumas auf der Basis von Ich und Eigentum [Seite 231]
7.4.4 - 4.4 Der traumatische Ichkern als Chance [Seite 242]
7.5 - 5. Schwächende und stärkende Kräfte für das Ich aus der Umwelt [Seite 245]
7.5.1 - 5.1 Das Ich und seine Widersacher: die Wirklichkeit und die Ichs der Anderen mit ihrem Eigentum [Seite 247]
7.5.2 - 5.2 Abwehrversuche der Wirklichkeitsdefizit-Bedrohung [Seite 250]
7.5.3 - 5.3 Das Ich und seine Verbündeten: Körper und Theorie als Vermittler von Wirklichkeit [Seite 254]
7.6 - 6. Das Ich und die Vernunft [Seite 259]
7.6.1 - 6.1 Vorbemerkung [Seite 259]
7.6.2 - 6.2 Unzertrennbar: Theorie und Vernunft [Seite 260]
7.6.3 - 6.3 Ein neues Ichverständnis analog zur neu verstandenen Vernunft [Seite 262]
7.6.4 - 6.4 Rationalisierung: eine enge Verbindung zwischen Vernunft und Ich [Seite 265]
7.6.5 - 6.5 Der Einzelne als Forscher seiner selbst [Seite 269]
7.7 - 7. Persönliche Auswege: Mein Ich stärken und schwächen [Seite 272]
7.7.1 - 7.1 Vorbemerkungen [Seite 272]
7.7.2 - 7.2 Angst überwinden [Seite 275]
7.7.3 - 7.3 Die Königswege: Meditation und Theorie [Seite 281]
7.7.4 - 7.4 Ich muss mein Leben ändern [Seite 285]
7.7.5 - 7.5 Der Umgang mit der Eitelkeit [Seite 294]
7.8 - 8. Nochmal von vorne: Fokus Wirklichkeit [Seite 298]
7.8.1 - 8.1 Worum geht's? Die Wirklichkeit! [Seite 298]
7.8.2 - 8.2 Das Problem mit der Wirklichkeit [Seite 304]
7.8.3 - 8.3 Unsere Wirklichkeit will erklärt werden [Seite 311]
7.9 - 9. Ein Rückblick [Seite 313]
7.9.1 - 9.1 Am Ende: Sie und ich und unsere Motive [Seite 313]
7.9.2 - 9.2 Mein tiefster Punkt [Seite 314]
8 - IV. Leseübungen mit Jürgen Habermas, Thomas Metzinger und Peter Sloterdijk [Seite 318]
8.1 - 1. Jürgen Habermas: Freiheit und Determinismus [Seite 318]
8.2 - 2. Thomas Metzinger: Der Ego-Tunnel [Seite 321]
8.3 - 3. Peter Sloterdijk: Du mußt dein Leben ändern: Über Anthropotechnik [Seite 327]
8.3.1 - 3.1 Was will Peter Sloterdijk? [Seite 327]
8.3.2 - 3.2 Was konnte ich von Peter Sloterdijk übernehmen? [Seite 331]
8.3.3 - 3.3 Der konservative Künstlerbürger [Seite 333]
8.3.4 - 3.4 Sloterdijks Von-oben-Philosophie [Seite 335]
8.4 - 4. Texte der Leseübungen als Steinbruch und Werkzeuglieferant meines Theoriebaukastens [Seite 338]
9 - V. Weitere Einblicke in den verworfenen Band 2 [Seite 339]
9.1 - 1. Alte Vorbilder [Seite 339]
9.2 - 2. Leseübungen [Seite 342]
9.3 - 3. Theoriebaukasten [Seite 342]
9.4 - 4. Nachbürgerliche Aussichten [Seite 343]
9.5 - 5. Ichübungen und Ichtherapie [Seite 347]

I. Ein Überblick: Das verrückte Zeitalter, das Ich und die Wirklichkeit


1. Das aktuelle Zeitalter als Psychokrise


Die Menschheit kämpft schwer mit einer "geistigen" Krise, mit einer Art Schizophrenie, der Geist-Eigentum-Krankheit, seit ungefähr zweieinhalbtausend Jahren. Das ist eine ernsthafte Krankheit der Wirklichkeitsspaltung. In ihrem fiebrigen Wahn sieht sie sich zwischen Geist und Erde eingeklemmt und die Zellen ihres Körpers sind wie von einem Krebs befallen und verdauen sich gegenseitig. Es gibt Anzeichen dafür, dass die Krankheit aktuell ihr letztes Stadium erreicht hat, das Ichoffenbarungsstadium, ein Aufbäumen und Rütteln am irdischen Bett. Falls das Bett seine Menschentragfähigkeit nicht vorzeitig einbüßt, sollte die Genesung nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Die ungewöhnliche Wortwahl Ichoffenbarungsstadium wird im weiteren Verlauf näher erläutert. Da der Begriff im Buch eine zentrale Rolle spielt, hier nur kurz der Hinweis, dass ich die monotheistische Phase unseres Zeitalters als Entstehungsgeschichte des Ichs verstehe.

1.1 Ein Bild und seine Wirklichkeit8


  • Das Bild vom Krankenbett

Die Menschheit auf dem Krankenbett ist vor allem ein Bild, und man kann es problemlos verwenden, weil vermutlich niemand auf die Idee kommt, das Bild mit der Wirklichkeit zu verwechseln, in der es selbstverständlich kein irdisches Bett gibt, das die Menschheit für sich beanspruchen könnte. Das Ansprechen des Bildes als Bild gibt mir Gelegenheit für den Hinweis, dass die Menschen in ihrer Kommunikation glauben, wie selbstverständlich zwischen ihren Bildern und der Wirklichkeit unterscheiden zu können, und dabei davon ausgehen, dass die anderen ihre Wirklichkeit ganz ähnlich wahrnehmen. Doch die Wirklichkeit erweist sich als sehr komplex und nicht so einfach zu ergreifen, wie wir glauben möchten. Und wir Individuen spielen dabei auch noch eine entscheidende Rolle, weil einerseits Verstehen - oder Missverstehen - von Welt sich zuletzt immer in jedem einzelnen Kopf ereignet, und andererseits zeigt sich immer mehr: Wir Individuen entpuppen uns mit einem verrückten Verständnis von uns selbst als Kern des Problems.

Erste Erläuterungen zum zentralen Begriff Wirklichkeit in der Endnote.

  • Erste perspektivische Übung

Vor allem aber gibt uns das Bild den Einstieg in eine perspektivische Übung. Tatsächlich ist das Lesen des ganzen Buches als eine perspektivische Übung zu verstehen, doch hin und wieder lade ich Sie zu einer Leseübung ein mit einem Inhalt von besonders verschiebefähigem Potential oder zu einer expliziten Übung, bei der Sie aufgefordert werden, den Lesefluss zu unterbrechen und etwas Bestimmtes vor ihrem geistigen Auge ablaufen zu lassen. Ich möchte Sie, den Leser, zu einem Aussichtspunkt einladen, zu dem wir in diesem Buchprojekt mehr oder weniger ausdrücklich immer wieder zurückfinden werden. Möchten Sie sich mit diesem Bild auf eine Perspektivenhöhe einlassen, von der aus das aktuelle Zeitalter unseres Kulturraums als eine menschheitsgeschichtlich kurze Krisen- oder Übergangszeit erscheint?

wir: Die persönliche Ansprache wir kann ich mir leisten, weil sie aus meiner Sicht frei ist von jeglichem kumpelhaften Schulterklopfen. Ich verstehe das wir wortwörtlich, da es mich als den kreativ aus sich selbst heraus schöpfenden Autor genauso wenig gibt, wie den frei die Inhaltsaufnahme entscheidenden Leser. Der Inhalt meines Kopfes ist vollständig das Produkt meines wahrnehmenden Gehirns und seiner homöostatischen Arbeit, also meiner Kultur, die Ihr Gehirn zu großen Teilen genauso aufgenommen hat wie meines. Sie würden diesen deutschen Text gar nicht verstehen, wenn unsere Gehirne nicht in großen Teilen den gleichen Inhalt hätten (siehe Teil II, Theoriebaukasten). Das Buch ist ein Resonanzprodukt meines Gehirns und es kann mit Ihrem Gehirn nur resonieren, weil die Gehirninhalte in hohem Maße identisch sind. Diese Resonanzen kann man als Basis eines tatsächlichen Wir verstehen. Das Ich-Pronomen wird in meinen Texten bunt gemischt gleichfalls verwendet und verschiebt den Fokus lediglich ein wenig auf meine persönliche Sicht.

Unter unserem Kulturraum verstehe ich dabei grob das geographische Europa und den Mittelmeerraum, doch je weiter das Zeitalter voranschreitet, verschiebt sich der Schwerpunkt in Richtung dessen, was wir heute den säkularen Westen nennen. Den Beginn des Zeitalters sehe ich fünfhundert Jahre vor unserer Zeitrechnung mit der sogenannten Achsenzeit (ich übernehme den Begriff von Jürgen Habermas9). Für die Zeit von zirka 800 bis 300 vor unserer Zeitrechnung hat Karl Theodor Jaspers den Begriff Achsenzeit eingeführt. Historiker und Archäologen stehen ihm mit seinem weltweiten Anspruch kritisch gegenüber, aber in dieser Zeit hat zweifellos ein großer Strukturwandel stattgefunden, der unsere abendländische Kultur hervorgebracht hat (der zum Gegenstand der Historiker wurde, die Zeit vorher beschäftigt mehr die Archäologen). Ich kann mich nicht an der Diskussion beteiligen, was damals warum wirklich stattfand. Ich folge neben der bei Jürgen Habermas dargestellten Begründung in Anlehnung an Karl Jaspers auch dem Argument von Peter Sloterdijk, der mit dieser Bruchstelle auch die Entstehung der Lautschrift (Konsonanten plus Vokale) in Verbindung bringt und der damit verbundenen Fähigkeit, menschliche Sprachereignisse10 als soziale Vorgänge zu fixieren.

Achsenzeit: In meinem Verständnis dieser Zeit gehe ich nur von der Großtatsache aus, dass damals von Bauernwirtschaft getrieben dualistisch-metaphysische Weltbilder mit monotheistischen Göttern entstanden und politische Staaten mit neuen hierarchischen Strukturen. Die Zeit davor, die sogenannte prähistorische Zeit, vor allem seit der neolithischen Revolution, fasse ich der Einfachheit halber in meiner Terminologie als monistische, magisch-animistische Zeit zusammen, wobei ich auch dafür in diesem Buch keine ausführliche Begründung liefern kann. Insbesondere das mythologische Zeitalter in Europa, bei dem es schon selbständige Geistgötter gab, die aber in der einen gemeinsamen Welt lebten, lasse ich außer Acht und betrachte es kulturell (im engeren Sinne) als einen Übergang von der animistisch-magischen zur metaphysischen Zeit (siehe auch Kapitel I.3.1, Vom magisch-animistischen zum metaphysischen Zeitalter). Stichworte der neuen metaphysischen Zeit sind: griechische, römische, arabische Kultur (Technik, Wissenschaft), abrahamitische Religionen (jüdisch, christlich, islamisch), Altertum, Mittelalter, Neuzeit und Kriege ohne Ende. Aus der Sicht der kurzen Krise wirkt das Wort Zeitalter für die aktuelle Epoche unzutreffend, und wir müssten eher von einer Übergangszeit sprechen, ein Übergang von einem vorherigen animistisch-magischen Zeitalter, das mindestens siebzigtausend Jahre währte, zu einem kommenden Zeitalter, über das man als ein Zeitalter wissensbasierter Kulturen spekulieren könnte. Aber auf dem Hintergrund, dass es unsere Zeit ist, mit der unsere Geschichtsschreibung beginnt und es einen vergleichsweise genauen Anfangszeitpunkt gibt - eben die wenigen Jahrhunderte der Achsenzeit -, werde ich dennoch vom aktuellen Zeitalter sprechen.

  • Krise des Einzelnen

Doch es geht nicht nur um eine Krankheitskrise unserer westlich abendländischen Kultur, sondern in gleichem Maße um eine Krise in jedem Einzelnen. Als perspektivische Übung formuliert: Jeder Einzelne hat in seinem tiefsten Innersten einen großen, abgespaltenen und gut verdrängten Schmerz, der sich mit und an der Basis der kulturellen Diesseits-Jenseits-Spaltung entwickelt hat. Wir werden uns diesen Spaltungsschmerz näher anschauen11 und feststellen, dass es sich um einen Kern handelt, um den herum sich der metaphysische Teil des Ichs kristallisiert hat. Im Fundament der Kultur gibt es ein Problem, das nur in jedem Einzelnen gelöst werden kann. Die kulturelle Entwicklung hilft uns dabei, aber eine Mehrheit der Einzelnen muss von unten einen Integrationsschritt, eine Aufhebung der innersten Spaltung vornehmen, andernfalls werden die kulturgetragenen Revolutionen - wie bisher - weiter scheitern. Das Buch versteht sich dabei als Übungsanleitung mit den Säulen eigene Weltbildproduktion und Meditation12.

1.2 Die metaphysische Krise


  • Zeitalter der Metaphysik

Eine Intention dieses Buchprojektes liegt nun darin, diesen zur Übung empfohlenen Perspektivepunkt mit seiner ungewohnten Aussicht plausibel zu machen, die weitreichenden Konsequenzen für den Einzelnen daraus abzuleiten und ihm Werkzeuge und Techniken aufzuzeigen, wie er zum Ausgangspunkt für den Lösungsweg werden kann. Wir können dieser Psychokrisenzeit einen Namen geben, der gleichzeitig das grundlegendste Symptom der Krankheit beschreibt: Wir leben seit den alten griechischen Denkern im Zeitalter der Metaphysik.

Metaphysik: Der mit philosophischen Begriffen wenig vertraute Leser braucht an dieser Stelle nicht befürchten, dass ich ihn mit Fremdwörtern wie Metaphysik quälen...

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