Fremd fischen

Roman
 
 
Diana Verlag
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. Februar 2013
  • |
  • 448 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10371-2 (ISBN)
 
Sie ist verliebt, er ist verlobt - mit ihrer besten Freundin

Rachel und Darcy sind beste Freundinnen und teilen sich alles - fast alles . Denn als Rachel an ihrem dreißigsten Geburtstag nach einem Drink zu viel mit ihrem Traummann - und Darcys Verlobtem - Dex im Bett landet, muss sie sich entscheiden: Will sie eine wirklich gute Freundin sein oder um die wahre Liebe kämpfen?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Diana
  • 0,64 MB
978-3-641-10371-2 (9783641103712)
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Ich war in der sechsten Klasse, als ich zum ersten Mal ans Dreißigwerden dachte. Meine beste Freundin Darcy und ich hatten hinten im Telefonbuch einen ewigen Kalender gefunden, mit dem man jedes Datum in der Zukunft anschauen und mit Hilfe des kleinen Rasters herausfinden kann, welcher Wochentag es sein wird. Damals konnten wir es nicht erwarten, endlich Teenager zu werden. Also machten wir unseren dreizehnten Geburtstag im folgenden Jahr ausfindig, meinen im Mai und ihren im September. Meiner war am Dienstag, an einem Schultag. Ihrer war samstags. Ein kleiner Triumph - aber typisch. Darcy hatte immer mehr Glück als ich. Sie wurde schneller braun, ihr Haar war leichter zu kämmen, und sie brauchte keine Zahnspange. Ihr Moonwalk war besser als meiner, genau wie ihr Radschlag und ihr Handstandüberschlag (ich konnte überhaupt keinen Handstandüberschlag). Sie hatte eine bessere Sticker-Sammlung. Mehr Michael-Jackson-Buttons. Forenza-Pullover in Türkis, Rot und Pfirsich (von meiner Mutter bekam ich keinen einzigen - sie meinte, sie wären zu modisch und zu teuer). Und eine Fünfzig-Dollar-Jeans von Guess mit Reißverschlüssen an den Knöcheln (dito, fand meine Mutter). Darcy hatte zwei Ohrlöcher und Geschwister - auch wenn es nur ein Bruder war, war das immer noch besser, als Einzelkind zu sein wie ich.

Aber zumindest würde ich eher dreizehn werden. Ich war ein paar Monate älter, und das würde sie niemals aufholen. In diesem Moment beschloss ich, nach dem Wochentag meines dreißigsten Geburtstags zu schauen - in einem Jahr, das so weit entfernt war, dass es wie Science-Fiction klang. Er fiel auf einen Sonntag, und das hieß, dass mein hinreißender Ehemann und ich für diesen Samstagabend einen verantwortungsbewussten Babysitter für unsere zwei (möglicherweise drei) Kinder bestellen würden, und dann würden wir in einem schicken französischen Restaurant mit Stoffservietten essen und bis nach Mitternacht wegbleiben, sodass wir technisch gesehen meinen Geburtstag feiern würden. Ich hätte soeben einen wichtigen Prozess gewonnen - hätte irgendwie bewiesen, dass jemand unschuldig gewesen ist. Und mein Mann würde auf mich trinken:« Auf Rachel, meine wunderschöne Frau, die Mutter meiner Kinder und die beste Anwältin von Indiana.»Ich erzählte Darcy von meiner Phantasie, als wir herausfanden, dass ihr Geburtstag auf einen Mittwoch fiel. Ein Arbeitstag. Pech für sie. Ich sah, wie sie die Lippen schürzte, während sie diese Information sacken ließ.

« Weißt du, Rachel, wen kümmert's, an welchem Wochentag wir dreißig werden?», sagte sie und zuckte eine glatte, olivbraune Schulter.«Bis dahin sind wir alt. Wenn man erst mal so alt ist, sind Geburtstage nicht mehr wichtig.»

Ich dachte an meine Eltern - die in den Dreißigern waren - und an ihren stillosen Umgang mit dem eigenen Geburtstag. Mein Dad hatte meiner Mom kürzlich einen Toaster zum Geburtstag geschenkt, weil unserer in der Woche zuvor kaputtgegangen war. Der neue konnte vier Scheiben auf einmal toasten, nicht bloß zwei. Trotzdem war es kein tolles Geschenk. Aber meine Mom hatte sich über das neue Haushaltsgerät anscheinend gefreut; ich konnte jedenfalls nichts von der Enttäuschung bemerken, die ich empfand, wenn die Weihnachtsausbeute meinen Erwartungen nicht ganz entsprach. Also hatte Darcy wahrscheinlich Recht. Spaßkram wie Geburtstage würde nicht mehr so wichtig sein, wenn wir erst dreißig wären.

Das nächste Mal, dass ich wirklich ans Dreißigwerden dachte, war im letzten Jahr auf der High School, als Darcy und ich anfingen, zusammen Thirty Something im Fernsehen anzugucken. Sie gehörte nicht zu unseren Lieblingsserien - heitere Sitcoms wie Who's the Boss und Growing Pains fanden wir besser -, aber wir guckten sie trotzdem. Bei Thirty Something fand ich die kläglichen Figuren mit den deprimierenden Schwierigkeiten problematisch, die sie offenbar anzogen. Ich weiß noch, dass ich fand, sie sollten erwachsen werden und sich nicht so anstellen. Dass sie aufhören sollten, über den Sinn des Lebens nachzugrübeln, und lieber Einkaufslisten schreiben. Das war damals, als ich dachte, dass meine Teenagerjahre sich unendlich lange hinziehen und dass die Zwanziger wahrscheinlich ewig dauern würden.

Dann wurde ich zwanzig. Und«Anfang zwanzig»schien tatsächlich ewig anzudauern. Wenn ich hörte, wie Bekannte, die ein paar Jahre älter waren, das Ende ihrer Jugend beklagten, sah ich mich selbstgefällig keineswegs in der Gefahrenzone. Ich hatte jede Menge Zeit. Bis ich ungefähr siebenundzwanzig war und schon lange nicht mehr nach dem Ausweis gefragt worden war und staunend zur Kenntnis nahm, dass die Jahre immer schneller vergingen (was mich an den alljährlichen Monolog meiner Mutter beim Auspacken der Weihnachtsdekoration erinnerte) und dass dabei Falten und vereinzelte graue Haare auftauchten. Mit neunundzwanzig setzte das wahre Grauen ein, und mir wurde klar, dass ich in vielerlei Hinsicht ebenso dreißig sein könnte. Aber es nicht war. Ich konnte nämlich immerhin sagen, dass ich in den Zwanzigern war. So hatte ich noch etwas mit College-Studenten gemeinsam.

Ich merkte, dass dreißig nur eine Zahl ist, dass man immer so alt ist, wie man sich fühlt, und so weiter. Ich erkannte, dass dreißig im Großen und Ganzen immer noch jung ist. Aber es ist nicht mehr so jung. Die fruchtbarste, allerbeste Zeit zum Kinderkriegen ist dann zum Beispiel vorbei. Man ist zu alt, um noch anzufangen, für eine olympische Medaille zu trainieren. Im besten Fall - angenommen, man stirbt an Altersschwäche - hat man schon ein Drittel der Wegstrecke hinter sich. Und deshalb hocke ich zu meinem Geburtstag unwillkürlich mit leisem Unbehagen auf der Kante eines kastanienbraunen Sofas in einer dunklen Barlounge an der Upper West Side. Die Überraschungsparty wird von Darcy veranstaltet, die immer noch meine beste Freundin ist.

Morgen ist der Sonntag, den ich zum ersten Mal als Sechstklässlerin beim Spielen mit unserem Telefonbuch ins Auge gefasst habe. Nach dieser Nacht werden meine Zwanziger vorbei sein: Das Kapitel ist für immer abgeschlossen. Das Gefühl, das ich dabei habe, erinnert mich an Silvester, wenn der Countdown läuft und ich nicht weiß, ob ich mir meine Kamera schnappen oder einfach den Augenblick leben soll. Meistens schnappe ich mir dann die Kamera und bereue es hinterher, wenn das Bild nichts geworden ist. Ich bin mächtig enttäuscht und denke mir, dass die Nacht mehr Spaß gemacht hätte, wenn sie nicht ganz so viel bedeutete, wenn ich nicht gezwungen wäre zu analysieren, was ich gemacht habe und wohin ich jetzt aufbreche.

Wie Silvester bedeutet die Nacht heute ein Ende und einen Anfang. Ich kann Enden und Anfänge nicht leiden. Ich würde es immer vorziehen, irgendwo in der Mitte herumzudümpeln. Das Schlimmste an diesem speziellen Ende (meiner Jugend) und Anfang (des mittleren Alters) besteht darin, dass mir zum ersten Mal im Leben klar wird: Ich weiß nicht, wohin die Reise geht. Meine Wünsche sind einfach. Ich will einen Job, der mir gefällt, und einen Typen, den ich liebe. Und am Vorabend meines dreißigsten Geburtstags muss ich der Tatsache ins Auge sehen, dass ich in dieser Hinsicht null von zwei Punkten zu verzeichnen habe.

Erstens: Ich bin Anwältin in einer großen New Yorker Firma. Das bedeutet per definitionem, dass es mir elend geht. Anwältin zu sein, ist einfach nicht so fetzig, wie es immer dargestellt wird - kein bisschen wie in L. A. Law, der Fernsehserie, die Anfang der neunziger Jahre die Anmeldungen zum Jurastudium wie eine Rakete nach oben schnellen ließ. Ich absolviere zermürbend lange Arbeitstage für einen niederträchtigen, anal fixierten Seniorpartner und bekomme hauptsächlich öde Aufgaben. Zudem beginnt irgendwann eine Art von Hass auf das, womit man seinen Lebensunterhalt verdient, an einem zu nagen. Also habe ich mir das Mantra der Juniorpartnerin eingeprägt: Ich hasse meinen Job, und ich werde bald kündigen. Sobald ich meine Kredite abbezahlt habe. Sobald ich den Bonus für das nächste Jahr kassiert habe. Sobald mir ein Job eingefallen ist, mit dem ich meine Miete bezahlen kann. Oder jemanden gefunden habe, der sie für mich bezahlt.

Was mich zu Punkt zwei bringt: Ich bin allein in einer Millionenstadt. Ich habe jede Menge Freunde, wie das stattliche Aufgebot heute Abend beweist. Freunde zum Inline-Skaten. Freunde, mit denen ich im Sommer in die Hamptons fahren kann. Freunde, mit denen ich mich donnerstagabends nach der Arbeit auf ein, zwei oder drei Drinks treffen kann. Und ich habe Darcy, meine beste Freundin aus der alten Heimat, auf die all das zutrifft. Aber jeder weiß, dass Freunde allein nicht reichen, auch wenn ich das oft behaupte, um bei meinen verheirateten und verlobten Freundinnen das Gesicht zu wahren. Ich hatte nicht vor, allein zu sein, wenn ich dreißig bin, nicht mal, wenn ich Anfang dreißig bin. Ich wollte mittlerweile verheiratet sein, und ich wollte in den Zwanzigern eine Braut sein. Aber ich habe gelernt, dass man sich nicht einfach seinen eigenen Fahrplan basteln und erwarten kann, dass er wahr wird. So stehe ich jetzt an der Schwelle eines neuen Jahrzehnts und erkenne, dass das Alleinsein die Dreißig beängstigend aussehen lässt und dass ich mich mit dreißig desto mehr allein fühle.

Die Situation wird dadurch noch trostloser, dass meine älteste und beste Freundin einen glamourösen PR-Job hat und frisch verlobt ist. Darcy ist immer noch ein Glückspilz. Ich sehe jetzt zu, wie sie einigen von uns, unter anderem ihrem Verlobten, eine Geschichte erzählt. Dex und Darcy sind ein...

"Ich bin absolut begeistert!"
 
"Ein herzzerreißend ehrliches Debüt!"
 
"Vergnüglich und ganz aus dem Leben gegriffen"

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