Ehebrecher und andere Unschuldslämmer

Roman
 
 
Lübbe (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 17. März 2011
  • |
  • 336 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8387-0879-9 (ISBN)
 
Als die schwangere Studentin Louisa nach dem Tod ihres Vaters von der Stadt zurück zu ihrer Mutter zieht, ist sie fest davon überzeugt, daß sie in der ländlichen Idylle versauern wird. Doch schon bald stellt sie fest, daß es in ihrer Heimatgemeinde schlimmer zugeht als einst in Sodom und Gomorrha. Das ist vor allem die Schuld des frisch geschiedenen Pfarrers, der sich nicht nur um das Seelenheil, sondern auch um das körperliche Wohl seiner weiblichen Schäfchen bemüht und somit aus frommen Unschuldslämmern reißende Hyänen macht. Um sich den attraktiven Junggesellen zu angeln, greifen die Damen tief in die weibliche Trickkiste. Ein gnadenloses Spiel aus Lügen, Listen sowie kleineren und größeren Verbrechen beginnt. Als Louisa merkt, daß sogar ihre eigene Mutter darin verwickelt ist, stürzt auch sie sich Hals über Kopf in das Intrigenspiel ...
1. Aufl. 2011
  • Deutsch
  • 0,97 MB
978-3-8387-0879-9 (9783838708799)
3838708792 (3838708792)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Amelie (S. 248-249)

Gilbert fragt, ob er eine der serbischen Fichten aus Opas Garten als Weihnachtsbaum fällen soll«, sagte Louisa. Sie war mit Herr Kalinke offenbar inzwischen per Du. Amelie freute sich, dass die beiden jungen Leute sich angefreundet hatten. Herr Kalinke war ein sympathischer junger Mann, so naturverbunden und höflich. Er war zwar nicht gerade eine Schönheit, aber er machte einen grundehrlichen Eindruck auf sie. »Er kann gerne eine Fichte haben«, sagte sie etwas geistesabwesend.

Der Briefträger war gerade da gewesen und hatte die Post gebracht. Ein blasslilafarbener Umschlag ohne Absender war ihr sofort ins Auge gestochen. O nein, nicht schon wieder! »Gilbert will die Tanne doch nicht für sich«, sagte Louisa ungeduldig. »Er will sie für uns fällen!« »Ach, nein«, sagte Amelie. »Ich will in diesem Jahr keinen Baum. Das wäre zu … Das verstehst du doch, oder?« Louisa nickte. »Es wird schrecklich werden ohne Papa«, sagte sie. »Aber ich dachte, da müssen wir einfach durch.« Amelie sah, wie sie mit den Tränen kämpfte, und bekam kurzzeitig Mitleid mit ihrer Tochter.

»Es werden noch so viele Weihnachten ohne ihn kommen …«, fuhr Louisa stockend fort. »Wir können es doch nicht einfach auslassen.« »Ich für meinen Teil schon.« Amelie nahm ihren Brieföffner und schlitzte den lilafarbenen Brief so grob auf, wie sie eben konnte. Sie konnte und sie würde Weihnachten ignorieren. Wenn sie es zuließ, dass Louisa an alte Traditionen anknüpfte, würde das schwarze Ungeheuer, das nur auf einen Fehler von ihr wartete, sie unweigerlich verschlingen. All die Weihnachten, die sie in diesem Haus schon gefeiert hatten, gingen ihr durch den Kopf, sie sah den Kerzenschein, der sich in den roten Glaskugeln am Baum spiegelte, nahm den Duft von gebratenem Truthahn und Punsch wahr. Für einen Augenblick war ihr, als sähe sie Robert mit seiner Gitarre dort drüben am Kamin stehen und ihr zuzwinkern.

Das schwarze Ungeheuer liebte solche Sentimentalitäten. Es sperrte seinen Schlund weit auf, bereit, Amelie für immer zu verschlucken. Sie schüttelte heftig den Kopf, und Robert verschwand. Nein – was sie betraf, fiel Weihnachten in diesem Jahr einfach flach. Enttäuscht klappte das Ungeheuer das Maul zu. »Ist schon gut«, sagte Louisa, die das Kopfschütteln auf sich bezogen hatte. »Dann also kein Baum dieses Jahr. Kein Puter, keine Geschenke, kein Weihnachtsoratorium.

Deine Weihnachtsplätzchen hatte ich sowieso schon abgeschrieben.« Sie grinste Amelie schief an. »Nicht mal den obligatorischen Weitwurfwettbewerb mit Tante Ellas Stollen willst du veranstalten?« »Das ist kein Stollen, das ist gebackenes Orangeat und Zitronat mit ein bisschen Teig drumherum«, sagte Amelie. »Den kann man nicht mal guten Gewissens kompostieren.« Sie entfaltete endlich das Briefblatt und bemühte sich um ein ausdrucksloses Gesicht. Sie sind nicht des Pfarrers einziger Hase, las sie. Wenn Sie’s nicht glauben, dann kommen Sie abends nach zehn in den Garten der Quirrenbergs.

Auf der Bank unter dem Laburnum trifft sich Pfarrer Hoffmann mit einem anderen Häschen aus seiner Schar. Amelie war versucht, den Brief zusammenzuknüllen, aber sie wollte auf keinen Fall Louisas Argwohn wecken. Also faltete sie den Brief beherrscht zu einem kleinen Päckchen und steckte ihn zurück in den Umschlag. Glaubten die Hagens denn tatsächlich, dass sie sich nachts wie ein Spanner in Quirrenbergs Garten schlich? Und was war überhaupt ein Laburnum? »Stimmt was nicht, Mama?« Louisa sah sie forschend an. »Alles in Ordnung, Kind.« Amelie zwang sich zu einem Lächeln. »Ach, du weißt nicht zufällig, was ein Laburnum ist?« »Das ist … ähm, mal überlegen. Könnte es eine Pflanzenbezeichnung sein?« »Du bist diejenige von uns beiden, die studiert«, sagte Amelie achselzuckend.
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