Ein Mann für alle Nächte

Roman
 
 
Goldmann (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Dezember 2016
  • |
  • 320 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-19508-3 (ISBN)
 
"Miss Vivien ... lange nicht gesehen." Bei diesen Worten bekommt Vivien Leigh Rochet weiche Knie. Henry Whitley-Shuler, der Albtraum ihrer Kindheit, steht vor ihr. Sie war das Mädchen, das sein Haus putzte, er war der unerträgliche Sohn reicher Eltern. Damals hatte Vivien sich geschworen, etwas aus sich zu machen und aus Charleston rauszukommen. Sie hat es geschafft - als Hollywoodstar kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück. Sie ist eine glamouröse, erwachsene Frau, Henry sollte sie nicht aus der Ruhe bringen können. Warum nur fühlt Vivien sich dann wieder genauso wie das unbedarfte Mädchen von damals?

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
Goldmann
  • 0,94 MB
978-3-641-19508-3 (9783641195083)
weitere Ausgaben werden ermittelt
Seit sie sechzehn Jahre alt ist, erfindet Rachel Gibson mit Begeisterung Geschichten. Mittlerweile hat sie nicht nur die Herzen zahlloser Leserinnen erobert, sie wurde auch mit dem Golden Heart Award der Romance Writers of America und dem National Readers Choice Award ausgezeichnet. Rachel Gibson hat drei erwachsene Kinder und lebt mit ihrem Ehemann in Boise, Idaho.

KAPITEL 2

Unter der breiten Krempe ihres schwarzen Strohhutes legte Vivien Leigh Rochet die Hand an die Stirn und stöhnte leise.

»Ein paar Appletinis zu viel gestern Abend?«

»Ein paar.« Vivien griff nach der Wasserflasche in der Konsole zwischen ihr und Sarah, die seit fünf Monaten ihre Assistentin war. Die zwei saßen auf dem Rücksitz eines schwarzen Cadillac Escalade, der über den Interstate 26 nach Charleston brauste, über dessen historischer Altstadt sich Gewitterwolken auftürmten. »Christian hat behauptet, sie passten zu meinen Augen.« Christian Forsyth (echter Name Don Smith) war Viviens aktueller Filmpartner, und, wenn man den Boulevardblättern Glauben schenkte, ihr neuster Hollywood-Liebhaber.

»Ihr Teint hat heute einen hübschen Appletini-Ton.«

Vivien trank einen großen Schluck und drückte auf den Knopf in der Armlehne. »Sagen Sie nicht Appletini.« Als das Fenster nach unten glitt, hielt sie das Gesicht in den Wind, der über den Rand der Scheibe wehte. Die Gewitterluft brachte ihre Hutkrempe zum Flattern und roch nach den hohen Kiefern und dem Gestrüpp am Rand des Interstate Highway und nach Magnolien und Sonnenschein. Nach Regen und leichtem Wind von der See. Nach Chaos und Geborgenheit. Nach Heimat.

Neben ihr tippte Sarah auf dem Bildschirm ihres iPad, und vorne sprach der Fahrer in sein Handy, während er die Spur wechselte. Wenn er nicht aufhörte, das Lenkrad so ruckartig herumzureißen, würde Vivien schlecht - schade um die schwarzen Ledersitze. Die feuchte Luft glitt über den spitzen Knochen von Viviens nackter Schulter und ihr Schlüsselbein und spielte mit den Haarspitzen des lockeren Pferdeschwanzes, der auf dem Chiffonoberteil ihres Zac-Posen-Bandeaukleids ruhte. Die leichte Brise wehte den Rollsaum ihres geblümten Rocks hoch und strich über ihre Schenkel.

Es war drei Jahre her, seit sie zuletzt zu Hause gewesen war, und damals war sie nur sechsunddreißig Stunden geblieben. Auf dem Weg zur New Yorker Premiere von End Game, ihrem dritten und letzten Film der Raffle-Trilogie, hatte sie einen Kurzbesuch eingeschoben. Die unglaublich beliebten dystopischen Filme, die auf den gleichermaßen populären Büchern beruhten, hatten Vivien Leigh aus dem Niemandsland der Statistenrollen zu großem Starruhm katapultiert. Mit zweiundzwanzig war sie unter Tausenden von hoffnungsvollen Schauspielerinnen auserwählt worden, Dr. Zahara West zu spielen, die Archäologin, Attentäterin und Revolutionsführerin in der Blockbuster-Reihe. Vor drei Jahren, als jener dritte und letzte Film herausgekommen war, hatte Vivien einen Lebenslauf mit sechs wichtigen Filmrollen und vielfachen Fernsehauftritten vorzuweisen gehabt. Ihr Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood lag etwas weiter unten als der von Charlie Sheen, was wohl ganz gut passte, da sie im wahren Leben auch etwas weiter unten in derselben Straße wohnte wie er.

Als sie vor drei Jahren in die Stadt gefahren war, war sie ein bisschen großkotzig gewesen, ritt auf einer Welle des Erfolges und schwamm im Geld. Sie war für einen Publikumspreis nominiert und hatte gerade erfahren, dass von ihrer achtzehn Zentimeter großen Zahara-Actionfigur (in der Metallbikini-Edition) allein mehr Exemplare verkauft worden waren als von den anderen Raffle-Figuren zusammen. Damals war sie nach Charleston zurückgekehrt, um ihrer Mama bei der Ausrichtung ihrer Einweihungsparty zu helfen und hatte sich wie eine heiße Nummer gefühlt. Diesmal fühlte sie sich nur zum Kotzen. Diesmal kam sie nach Hause, um die Beerdigung ihrer Mutter zu organisieren.

»Sie sind wieder auf dem Titelblatt des Enquirer. Anscheinend wurden Sie bei einer Sex-Orgie ertappt.«

Wen kümmerte das? Viviens perfekte Augenbrauen zogen sich zusammen und erinnerten sie an ihre Kopfschmerzen. Sarah machte nur ihren Job. Aber vielleicht versuchte ihre Assistentin auch, Vivien von den schrecklichen Details der letzten zwölf Stunden abzulenken, in denen ihr Leben zerstückelt worden war wie Zelluloid auf dem Schneideraumboden.

Vor zwölf Stunden hatte sie noch auf einer noblen Party am Mulholland Drive Appletinis geschlürft und Interesse am neusten Hollywood-Klatsch geheuchelt. Einladungen zu solchen Events zu ergattern und auf den Partys der Reichen und Schönen gesehen zu werden gehörte zum Geschäft. Für die Fotografen zu lächeln und sich am Arm von Männern wie Christian Forsyth fotografieren zu lassen war gut für Viviens Karriere, auch wenn er der langweiligste Mann auf Gottes Erdboden war und sie null romantisches Interesse an ihm hatte.

Noch vor zwölf Stunden hatte sich ihr Leben um die richtigen Filmrollen gedreht und darum, sich mit den richtigen Leuten sehen zu lassen. Vor zwölf Stunden hatte sie noch die Rolle der glamourösen Vivien Leigh Rochet gespielt. Schauspielerin, Filmstar, heiße Nummer.

Kamera ab. Sarahs unerwartetes Erscheinen auf der Party hätte Vivien darauf hinweisen müssen, dass etwas nicht stimmte, aber sie hatte zu viele Cocktails auf leeren Magen getrunken, um sich Gedanken darüber zu machen. Wäre sie nicht betrunken gewesen, wäre ihr die Sorge in den blauen Augen ihrer Assistentin vielleicht aufgefallen. Dann wäre sie vorgewarnt gewesen, als Sarah zu ihr trat und ihr das Unfassbare ins Ohr flüsterte.

Ihre Mama war tot. Auch zwölf Stunden danach wusste Vivien nichts Genaueres. Man hatte ihr gesagt, dass die Sanitäter noch zu Hause mit den Wiederbelebungsversuchen begonnen hatten, sie jedoch auf dem Weg zur Notaufnahme gestorben sei. Alles deutete auf einen natürlichen Tod hin. Natürlich? Nichts von dem, was sich in den letzten zwölf Stunden ereignet hatte, kam ihr natürlich vor, und Vivien bekam kaum Luft vor Schmerz und Schuldgefühlen.

»Das verkauft sich vermutlich besser als die üblichen Magersucht-Storys.«

Macy Jane Rochet war tot, da kamen ihr die Lügengeschichten der Klatschpresse so ungeheuer trivial vor. So ungeheuer dumm. Es hatte einmal eine Zeit gegeben, als Vivien Rochet niemandem so wichtig gewesen war, dass er ihren Namen gedruckt hätte, ganz zu schweigen davon, ganze Geschichten über sie zu erfinden. Eine Zeit, in der sie alles dafür getan hätte, um in der Yellow Press erwähnt zu werden und ein Foto von sich auf dem Titelblatt einer Zeitschrift zu sehen. Doch jetzt war Mama tot, und Viviens Leben erschien ihr plötzlich ungeheuer dumm und trivial.

Und vollkommen leer.

Vor Sarahs unerwartetem Erscheinen gestern Abend war in Viviens Leben alles so klar gewesen. So vorgezeichnet. Sie war ein leuchtender Stern gewesen, der sich den Weg zum Mega-Starruhm bahnte. Doch jetzt war alles verschwommen, ihr Hirn umnebelt von Schmerz, Koffein und Alkohol. Sie war so von ihren Gefühlen überwältigt, dass sie kaum einen Gedanken fassen konnte, und in den letzten zwölf Stunden war so viel passiert, dass sie nicht einmal wusste, ob Sonntag oder Montag war.

Es musste Sonntag sein. Vielleicht. »Welchen Tag haben wir?«

Ohne aufzusehen antwortete Sarah: »Den sechsten Juli.«

Vivien griff in ihre rote Kelly Bag und zog eine Sonnenbrille hervor. Sie setzte sich das schwarze Gestell auf und lehnte den Kopf zurück. Das beantwortete ihre Frage nicht, aber es musste Sonntag sein. Auf der Party war sie am Samstagabend gewesen. War das erst gestern Abend gewesen? Ihr schien, als sei mehr Zeit vergangen, seit sie die Sache mit ihrer Mama erfahren hatte.

Ihre Mutter war gütig und liebevoll gewesen, wunderschön und zart. Aber auch anstrengend und schwierig, und ehrlich gesagt manchmal verrückt wie ein zweiköpfiges Huhn. Sie hatte Vivien unzählige Male in Verlegenheit gebracht. Mit ihren unberechenbaren Stimmungshochs und -tiefs. Mit ihrer übertriebenen Euphorie an einem Tag und ihrer abgrundtiefen Verzweiflung am nächsten. Mit ihren großen Träumen von einem Happyend einerseits und ihren Problemen mit Männern andererseits. Die Erde unter ihren Füßen schwankte wie die Gezeiten, wechselhaft, vorhersehbar, und ließ ihre Mitmenschen verunsichert und mitgenommen zugleich zurück. Doch selbst in ihren schwierigsten Phasen war es nicht schwer gewesen, sie zu lieben. Nicht für Vivien, denn trotz aller Höhen und Tiefen und der Unbeständigkeit hatte sie stets gewusst, dass ihre Mutter sie liebte wie sonst niemand auf der Welt. Sie nahm sie, wie sie war, stellte keine Erwartungen an sie und liebte sie von ganzem Herzen.

Macy Jane war nicht perfekt gewesen, aber sie hatte ihr Möglichstes getan, sich um Vivien zu kümmern. Wenn sie nicht konnte, war Viviens Großmutter Roz eingesprungen. Nach Oma Roz' Tod hatte Vivien für sich selbst gesorgt und sich auch um ihre Mutter gekümmert. Sie beide gegen den Rest der Welt. Eine verschworene Gemeinschaft.

So war es immer gewesen.

Der Escalade nahm eine der letzten Ausfahrten und fuhr ins Herz der »Heiligen Stadt«, wie Charleston oft genannt wurde, dessen Kirchturmspitzen und Kirchtürme in einen Himmel ragten, der - typisch für Juli - voller Gewitterwolken hing. Weiter ging es über die Meeting Street zum Hafen, zu von Palmettopalmen und Tempelbäumen gesäumten Kopfsteinpflasterstraßen, zu der vornehmen Opulenz und der glänzenden Pracht südlich der Broad Street. Vivien war inmitten der gesellschaftlichen Elite aufgewachsen, inmitten alter Familien mit alten Familiennamen, die sich bis zur Gründung der St. Cecilia Society zurückverfolgen ließen und noch weiter bis zu den ursprünglichen dreizehn Kolonien. Sie war inmitten von »guten Familien« aufgewachsen, ohne jemals dazuzugehören. Nach ihren »Leuten« waren keine Städte, Brücken oder Golfplätze benannt. Ihre »Leute« arbeiteten...

»Für Romantiker«

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