Der Sommernachtsball

Roman
 
 
Manhattan (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 11. November 2013
  • |
  • 560 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-641-10799-4 (ISBN)
 
Ein bezauberndes Aschenputtelmärchen aus dem England der 30er-Jahre

Viola Withers Leben ist gerade alles andere als märchenhaft. Arm wie eine Kirchenmaus ist die junge Witwe dazu gezwungen, mit der Familie ihres verstorbenen Ehemannes unter einem Dach ein eher freudloses Dasein zu fristen. Der mürrische Mr. Wither ist ein tyrannischer Geizhals, der keinen Hehl daraus macht, wie wenig er von seiner Schwiegertochter hält, und Violas Schwägerinnen sind beide keinen Deut besser. Allein die Aussicht auf den großen Wohltätigkeitsball kann Violas Laune heben - besonders, da Victor Spring ebenfalls dort sein wird, Spross der wohlhabendsten Familie am Ort und in Violas Augen ein wahrer Märchenprinz. Doch Victors Absichten in Bezug auf Viola sind, kurz gesagt, nicht besonders ehrenhaft .

  • Deutsch
  • München
  • |
  • Deutschland
  • 0,88 MB
978-3-641-10799-4 (9783641107994)
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1. KAPITEL

Es ist gar nicht so einfach, einen ausgesprochen langweiligen Garten anzulegen, aber Mr Wither war dies gelungen.

Er pflegte das Grundstück unweit von Chesterbourne, Essex, auf dem sein Haus lag, natürlich nicht selbst, aber sein Desinteresse und seine Abneigung, Geld für Pflege und Erhaltung des Gartens auszugeben, blieben nicht ohne Einfluss auf den Gärtner. Das Ergebnis waren ein kümmerlicher Rasen, ein weitläufiger Steingarten mit kaum etwas darin und etliches langweilige Gesträuch, das Mr Wither praktisch fand, weil es pflegeleicht war und Platz einnahm. Vor allem sollte alles ordentlich sein. Was für eine Plage diese Gänseblümchen doch sind, dachte er, als er eines schönen Aprilmorgens am Fenster des Frühstückszimmers stand. Elf Stück wuchsen mitten auf seinem Rasen. Man musste Saxon anweisen, sie zu entfernen.

Mrs Wither kam herein. Er beachtete sie nicht, denn er kannte sie ja. Sie nahm an einem der Gedecke Platz. In diesem Moment ertönte in der Diele ein Gong, worauf Mr Wither mit schwerem Schritt den Raum durchmaß und am anderen Ende des Tisches Platz nahm. Dann schlug er die Morning Post auf. Mrs Wither reichte ihm eine Tasse Tee und eine Schüssel mit Marken-Frühstücksflocken, die sich in Geruch und Geschmack nicht von allen anderen Frühstücksflocken unterschieden. Drei Minuten vergingen. Mrs Wither nippte an ihrem Tee und starrte über Mr Withers bis auf zwei einsame Haarsträhnen kahlen Schädel hinweg auf eine Amsel, die unter der Chilefichte herumstolzierte.

Mr Wither blickte langsam auf.

»Die Mädchen sind schon wieder unpünktlich.«

»Sie kommen ja gleich, Lieber.«

»Sie sind unpünktlich. Dabei wissen sie ganz genau, wie viel Wert ich auf Pünktlichkeit bei den Mahlzeiten lege.«

»Ich weiß, Lieber, aber Madge hat verschlafen, weil sie gestern nach dem Tennis todmüde war, und Tina ist noch …«

»Zupft noch an ihrer Frisur herum wie immer, nehme ich an.«

Mr Wither wandte sich wieder der Zeitung zu, und Mrs Wither nippte erneut am Tee und starrte aus dem Fenster.

Madge, die ältere Tochter, kam herein. Sie rieb sich die Hände.

»Morgen, Mama. Entschuldige die Verspätung, Vater.«

Mr Wither antwortete nicht, und sie setzte sich. Sie war neununddreißig Jahre alt, eine wuchtige Frau mit groben Gesichtszügen, einem kurz gestuften Bubikopf und unverschämt roten Backen, die am liebsten Tweedkostüme trug.

»Wie kannst du bloß dieses Sägemehl essen, Vater?«, bemerkte sie und machte sich über Eier und Speck her. Ihre Stimme klang fröhlich, denn es war ein schöner Morgen und erst zehn nach neun. Zu Beginn eines Tages bestand immer die Möglichkeit, dass er anders wurde als all die anderen. Vielleicht passierte ja mal was. Und dann wäre alles viel netter.

Madge befasste sich nie eingehender mit ihrem Gefühlsleben; sie wusste nur, dass sie beim Frühstück immer bessere Laune hatte als beim Abendessen.

Mrs Wither lächelte schwach. Mr Wither schwieg.

Durch die weite geflieste Eingangsdiele näherten sich eilige, aber sichtlich widerwillige Schritte, und schon tauchte Tina auf, mit rosa geschminkten Lidern. Das dünne, glanzlose Haar war seitlich gescheitelt und hing ihr wie immer in einer schlaffen, welligen Tolle ins schmale kleine Gesichtchen, für das Augen und Mund viel zu groß zu sein schienen. Sie war fünfunddreißig und trug – offenbar um sich selbst eine Freude zu machen – ein hübsches grünes Kostümchen mit einer weißen Rüschenbluse. Sie hatte zierliche kleine Hände, deren Nägel, passend zum Lidschatten, hellrosa lackiert waren.

»Guten Morgen. Entschuldige die Verspätung, Vater.«

Mr Wither nahm seine kurzen, stämmigen Beine – die erstaunlicherweise in einer Hose mit Schottenkaro steckten – auseinander und überkreuzte sie erneut, blickte aber nicht auf. Mrs Wither lächelte ihrer Tochter zu und sagte leise:

»Sehr hübsch, Liebes.«

»Was? Wie?« Mr Withers blutunterlaufene, blassblaue Augen mit den dicken Tränensäcken richteten sich unversehens auf Tina.

»Ach – bloß mein neues Kostüm, Vater.«

»Neu, was?!«

»Ja – äh – ja.«

»Wozu denn neue Kleider? Du hast doch schon genug!« Mr Wither vertiefte sich wieder in den Wirtschaftsteil.

»Speck, Tina?«

»Ja, bitte.«

»Eine oder zwei Scheiben?«

»Och, bloß eine, bitte. Nein – die kleine da. Danke.«

»Du isst viel zu wenig!«, meinte Madge missbilligend. Sie bestrich sich eine Scheibe Toast mit Butter. »Das steht dir nicht. Du bist doch ohnehin so dünn. Weiß nicht, warum du überhaupt abnehmen willst; siehst richtig verhungert aus.«

»Das hängt doch davon ab, wie man sich fühlt, oder? Und ich fühle mich um Meilen besser, als …«

»Um Meilen? Wie kannst du dich um Meilen besser fühlen?«, ließ sich Mr Wither vernehmen. Er legte die Morning Post beiseite und starrte seine jüngere Tochter streng an. »Eine Meile ist ein Längenmaß. Damit kann man nicht einen menschlichen Zustand beschreiben. Man kann sich merklich besser fühlen. Oder beträchtlich. Oder … nun ja. Aber jedenfalls nicht um Meilen besser. Das ist ganz und gar unmöglich.«

»Also, äh …« Tina rieb raschelnd ihre trockenen Hände, die sie in den Schoß gelegt hatte. Sie lächelte zittrig. »Dann fühle ich mich eben beträchtlich besser, seit ich mit der Brash-Diät angefangen habe.«

Ihr Lächeln enthüllte unregelmäßige Zähne, ließ aber ihr Gesicht entspannter und jünger erscheinen.

»Also, ich kann nur sagen, sie sieht nicht gut aus. Was meinst du, Vater?«

Schweigen. Die Amsel zwitscherte einmal laut und süß und flog dann davon.

»Was hast du heute vor, Liebes? Willst du Golf spielen?«, wandte sich Mrs Wither in gedämpftem Ton an ihre ältere Tochter. Madge, die gerade den Mund voll hatte, nickte nur.

»Und wirst du zum Lunch hier sein?«, hakte ihre Mutter behutsam nach.

»Kommt drauf an.«

»Du musst doch wissen, ob du zum Lunch hier sein wirst oder nicht, Madge«, mischte sich Mr Wither ein, der im Wirtschaftsteil soeben etwas gelesen hatte, das seine Tage, die nie sonderlich hell waren, verdunkelte. »Kannst du deiner Mutter denn nicht sagen, ob du nun kommst oder nicht?«

»Leider nein, Vater«, antwortete Madge fest und wischte sich den Mund ab. »Reich mir doch mal den Sportteil, falls er frei ist.«

Mr Wither nahm den Sportteil heraus und reichte ihn stumm herüber. Der Rest der Zeitung segelte trübe zu Boden.

Alle schwiegen. Die Amsel tauchte wieder auf.

Eine schwere, schwarzlila Wolke hing nun über Mr Withers Gemüt. Bevor er den Artikel im Wirtschaftsteil las, war er so wie immer gewesen, beim Frühstück. Oder beim Mittag- oder Abendessen. Aber jetzt (so dachten Mrs Wither und Madge und Tina) machte sich Vater Sorgen. Und das würde den ganzen restlichen Tag überschatten.

Mr Withers Hauptsorge galt natürlich seinem Geld, von dem ihm etwa 2800 Pfund pro Jahr zur Verfügung standen: Zinsen aus einem hübschen Vermögen, das ihm sein Vater hinterlassen hatte. Es stammte aus einem Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten Gasunternehmen, bei dem der verstorbene Mr Wither die Aktienmehrheit innegehabt hatte.

Der jüngere Mr Wither, der so gut wie nichts von Gas verstand, aber eine Menge davon, wie man Leute herumkommandiert und seinen Willen durchsetzt, hatte das Unternehmen während seines aktiven Berufslebens mit einigem Erfolg weitergeführt. Mit fünfundsechzig (vor fünf Jahren) hatte er die Firma schließlich verkauft, den Erlös angelegt und sich zur Ruhe gesetzt. Seinen Ruhestand genoss er nun auf »The Eagles«, seinem Anwesen unweit von Chesterbourne in Essex, wo er schon die dreißig Jahre zuvor gelebt hatte.

Mr Withers Investitionen waren so sicher, wie Investitionen in dieser Welt eben sein können; aber das war nicht sicher genug für Mr Wither. Er wollte, dass sie ganz sicher waren, allzeit produktiv, solide wie ein Fels und verlässlich wie der Einbruch der Nacht.

Aber es nützte nichts: Sie gingen rauf und runter, beeinflusst durch Kriege, Geburten, Abdankungen und Flughäfen. Er konnte nie sicher sein, was sein Geld jetzt wieder anstellen würde. Nachts wachte er auf und lag im Dunkeln und fragte sich, was wohl gerade mit seinem Geld geschah. Und tagsüber durchforstete er unbehaglich die Spalten des Wirtschaftsteils.

Er war kein Geizhals (sagte er sich), aber er hasste es nun mal, gutes Geld verschwendet zu sehen. Er bekam Magenschmerzen, wenn er ohne einen wirklich guten Grund Geld ausgeben musste. Geld war schließlich nicht zum Ausgeben da. Geld war da, um GESPART zu werden. Dafür war es uns gegeben worden.

Verzweifelt starrte er in seine schwammigen Frühstücksflocken und dachte an all das schöne Geld, das man ihm aus dem Kreuz geleiert hatte. Wie er es gehasst hatte, all die Schul- und Studiengebühren für seine Töchter zu bezahlen, in den zehn Jahren, in denen sie eine berufliche Laufbahn angestrebt hatten. Hunderte von Pfund, alles zum Fenster hinausgeworfen. Gutes Geld für nichts und wieder nichts. Kunstschulen und Wirtschaftsschulen, Sekretärinnenkurse und Journalismusstudien, Hundepflege und Handweberei. Alles sündteuer. Und wozu? Was konnten die Mädchen vorweisen?

Nichts. Mr Wither hielt sie für unwissend und unfähig, sich korrekt auszudrücken. Sie konnten weder etwas mit den Händen...

»Dieses Märchen aus dem England der 30er-Jahre wird Sie verzaubern.«
 
»Was für ein Luxus, über dieses einzigartige Buch gestolpert zu sein!«
 
"Amüsanter Roman"
 
"Vergnüglich-romantische Soap-Opera im Buchformat"
 
"Zauberhaftes Aschenputtelmärchen!"
 
"Ein wunderbar altmodisches Buch aus der ach so guten alten Zeit"

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