In Mexiko Band I + II

 
 
OTB eBook publishing
  • 1. Auflage
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  • erschienen am 8. Juli 2019
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  • 749 Seiten
 
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978-3-96537-449-2 (ISBN)
 
Synopsis: 'Am 30. Mai des Jahres 1864 war die erste Etage des großen und schönen Hauses in Mexiko, das der General und frühere Präsident Miramon mit seiner jungen Frau bewohnte, festlich erleuchtet, und die geschäftige Dienerschaft noch in voller Arbeit, um die verschiedenen Säle für den Empfang der erwarteten Gäste instand zu setzen. Im Spielzimmer wurden die Tische arrangiert und die Lichter angezündet; im großen Saal rückte man das Instrument etwas von der Wand ab, und alles verriet, daß der Besuch ein sehr zahlreicher und auch äußerst glänzender sein würde - keine der gewöhnlichen Tertulias, die in der letzten Zeit fast wöchentlich eine Anzahl von Freunden wie Gesinnungsgenossen in dem gastlichen Haus des jungen Kriegers und Staatsmannes versammelt hatten. Es war auch in der Tat eine bewegte und lebendige Zeit in Mexiko - dies Frühjahr von 1864, denn es schien fast, als ob es Frühling im ganzen Lande werden, und Krieg und Blutvergießen, die ihre Schrecken seit langen Jahren über die schöne Erde gegossen, nun doch ein Ende nehmen sollten. Allerdings standen die Franzosen überall im Land; das Blut, das ihre Waffen vergossen, rauchte noch allerorten in den Tälern - mexikanisches Blut, den Herzen derer entströmt, die sich den fremden Usurpatoren keck entgegengeworfen und ihr eigenes Vaterland, den eigenen Herd verteidigt hatten; aber daran war man ja in Mexiko gewöhnt. Solange die jetzige Generation lebte, hatte sie es - mit kurzen Unterbrechungen vielleicht - nie anders gesehen und gekannt, und was deren Eltern erzählten, drehte sich nur ebenfalls um Geschichten von Revolutionen und Pronunciamentos, um Erpressungen und Exekutionen. Sie wußten es nicht besser, und, von der übrigen Welt so ziemlich abgeschlossen, schien es fast, als ob ein anderer staatlicher Zustand gar nicht denkbar sei.'
  • Deutsch
  • 1,38 MB
978-3-96537-449-2 (9783965374492)

Erster Band


Verschiedene Parteien.


Am 30. Mai des Jahres 1864 war die erste Etage des großen und schönen Hauses in Mexiko, das der General und frühere Präsident Miramon mit seiner jungen Frau bewohnte, festlich erleuchtet, und die geschäftige Dienerschaft noch in voller Arbeit, um die verschiedenen Säle für den Empfang der erwarteten Gäste instand zu setzen. Im Spielzimmer wurden die Tische arrangiert und die Lichter angezündet; im großen Saal rückte man das Instrument etwas von der Wand ab, und alles verriet, daß der Besuch ein sehr zahlreicher und auch äußerst glänzender sein würde - keine der gewöhnlichen Tertulias, die in der letzten Zeit fast wöchentlich eine Anzahl von Freunden wie Gesinnungsgenossen in dem gastlichen Haus des jungen Kriegers und Staatsmannes versammelt hatten.

Es war auch in der Tat eine bewegte und lebendige Zeit in Mexiko - dies Frühjahr von 1864, denn es schien fast, als ob es Frühling im ganzen Lande werden, und Krieg und Blutvergießen, die ihre Schrecken seit langen Jahren über die schöne Erde gegossen, nun doch ein Ende nehmen sollten.

Allerdings standen die Franzosen überall im Land; das Blut, das ihre Waffen vergossen, rauchte noch allerorten in den Tälern - mexikanisches Blut, den Herzen derer entströmt, die sich den fremden Usurpatoren keck entgegengeworfen und ihr eigenes Vaterland, den eigenen Herd verteidigt hatten; aber daran war man ja in Mexiko gewöhnt. Solange die jetzige Generation lebte, hatte sie es - mit kurzen Unterbrechungen vielleicht - nie anders gesehen und gekannt, und was deren Eltern erzählten, drehte sich nur ebenfalls um Geschichten von Revolutionen und Pronunciamentos, um Erpressungen und Exekutionen. Sie wußten es nicht besser, und, von der übrigen Welt so ziemlich abgeschlossen, schien es fast, als ob ein anderer staatlicher Zustand gar nicht denkbar sei.

Ähnlich wie jetzt war es dabei schon oft im Land, schlimmer freilich noch nie gewesen; denn wie zuzeiten der Spanier, drang ein fremdes Heer herein und benutzte die eine Partei, um mit deren Hilfe die andere zu schlagen und zu unterjochen. Auch war ein Ende dieses Kampfes kaum vorauszusehen, konnte wenigstens noch lange Jahre dauern, und mußte dann Mexiko vollständig ruinieren.

Da plötzlich zeigte sich Rettung, und wie ein schönes, wunderbares Märchen klang es fast, denn drüben, weit drüben über dem Meere, in einem fremden Weltteile, auf hohem, die See überschauendem Felsenschloß, hatte ein Fürstensohn eingewilligt, die Zügel ihres Landes in die Hand zu nehmen, und schon, wie das Gerücht ging, trug ihn die Welle ihrem Ufer entgegen.

Es war eigentümlich, welchen Eindruck diese Nachricht auf alle Parteien - wenigstens für kurze Zeit - hervorbrachte. Wie das Läuten der Friedensglocken die Streitenden trennt und sie dem Klange horchen, so schienen sich auch hier die Parteien für kurze Frist geeinigt zu haben, um wenigstens erst einmal den neuen Zustand der Dinge anzuschauen.

Das eigentliche Volk sehnte sich übrigens nach Frieden, und wer ihn brachte, war willkommen; jede der anderen Parteien aber hoffte den neuen Fürsten ihrer Seite zu gewinnen, und selbst zahlreiche Führer der Liberalen, die bis dahin noch auf des zurückgetriebenen Juarez Seite gestanden, waren es müde geworden, das schöne Land zu nichts als einem Schlachtfeld zu verwenden, auf dem sie den Boden ewig mit Blut düngten, ohne je ein Saatkorn hineinzulegen oder eine Ernte zu ziehen.

Ob die Führer der Parteien nicht ihre Absichten und Pläne dabei hatten und allein nach dem Grundsatz handelten, kein Mittel zu scheuen, um nur ihre Zwecke zu erreichen, sollte erst die Zeit enthüllen - jetzt zeigte sich, wenigstens äußerlich, nichts davon, und in der Hauptstadt selber schien alles nur von dem Wunsch beseelt, die neue Monarchie in Kraft, ins Leben treten zu sehen. - Wie es nachher wurde - wen in dem ganzen weiten Reich hätte das gekümmert? Welcher einzelne von all den Hunderttausenden der spanischen Kolonisten in ganz Amerika sorgte sich um das nächste Jahr, ja, nur um den nächsten Tag, und eine neue Regierung? Was hinderte sie, dieselbe wieder abzuschaffen, sobald sie ihnen nicht behagte? Es war ja doch weiter nichts als ein Versuch. Daß irgend jemand so töricht sein könne, mit vollem und heiligem Ernst an eine solche Sache zu gehen und sein ganzes Leben, seine Ehre, sein alles dafür einzusetzen, wäre ihnen nicht einmal im Traum eingefallen, selbst, wenn sie nur einen Begriff von dem gehabt hätten, welchen Wert das alles für einen europäischen Prinzen haben mußte.

Nur unter den höheren Klassen des Staates herrschten hier und da noch Zweifel, und solche besonders, die mit den außermexikanischen Verhältnissen nur ein klein wenig vertraut waren, konnten es sich nicht denken, daß ein österreichischer Prinz, von Frankreich aufgefordert, sein ruhiges Asyl daheim verlassen sollte, um sich einen Palast über dem Krater eines Vulkans aufzubauen. Das eigentliche Volk aber hatte keine solchen Bedenken, - es erwartete den versprochenen Kaiser und jubelte ihm schon von vornherein entgegen.

Allerdings stand mitten in der Stadt der alte Palast Iturbide. Das war auch ein Kaiser gewesen, - der erste, seit Mexiko das spanische Joch abgeschüttelt, und sein Blut hatte den mexikanischen Boden gefärbt, mexikanisches Geschoß sein Herz durchbohrt - aber niemand dachte daran, zwischen den beiden Kaisern, die ihren Thron inmitten einer Republik aufpflanzen wollten, eine Parallele zu ziehen, während die mexikanische Hautevolee schon im Vorgenuß all der Herrlichkeiten schwelgte, die ein Kaiserreich ja im natürlichen Verlauf der Dinge bringen mußte. Waren sie doch gerade die eigentliche und einzige Aristokratie im Lande, ohne welche nun einmal kein Hof bestehen konnte - und was die politischen Schwierigkeiten betraf, ei! das blieb Sache des Kaisers wie seiner Räte, und sie dachten nicht daran, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

General Miguel Miramon stand, wenn auch in vollständiger Toilette, sich aber um die Vorbereitungen in seinem Hause wenig kümmernd, und nur aufmerksam eine vor ihm ausgebreitete Karte von Mexiko betrachtend, in seinem Zimmer.

Er war von jeher eine der Hauptstützen der klerikalen Partei gewesen, und gerade diese hatte die Berufung des Kaisers am stärksten und unermüdlichsten betrieben, weil sie besonders auf einen österreichischen Prinzen ihre größte Hoffnung setzte. War nicht von dem Republikaner und Indianer Juarez F1 die Kirche, und damit, ihrer Meinung nach, die ganze Religion unter die Füße getreten worden? Hatte er nicht die Kirchengüter konfisziert, ja, sogar den Priestern verboten, in ihrem Ornat auf der Straße zu erscheinen? Durfte denn selbst unter seiner Regierung nur noch eine Prozession die Stadt durchziehen, oder das Allerheiligste offen und frei einhergetragen werden? Das letztere hatten nun allerdings die Franzosen schon wieder beseitigt, seit sie Juarez nach Norden hinaufgejagt und unschädlich gemacht, aber die Liegenschaften der Kirche befanden sich noch immer in den Händen von Laien, die Gewalt selber hatten sie noch nicht zurückgewinnen können, und dazu sollte und mußte ihnen jetzt Maximilian helfen. Er mußte, denn nur durch sie war er auf den Thron berufen - nur durch sie konnte er sich, wie sie glaubten, halten.

Miramon dachte aber jetzt nicht an die Interessen der Geistlichkeit, wenn sie auch mit den seinigen vielleicht Hand in Hand gingen. Die Linke auf den Tisch gestützt, mit dem Zeigefinger der Rechten den Punkt bezeichnend, wohin die Franzosen seinen alten Feind und politischen Nebenbuhler Juarez getrieben, und wo er in dieser Zeit nur noch einen Rang wahrte, dem schon keine Macht mehr zur Seite stand, schweiften seine Gedanken dort hinauf und suchten die Möglichkeit eines entscheidenden Sieges zu erfassen. Und sollte Juarez noch einmal versuchen, von dort herauszubrechen? Es war nicht denkbar - wenigstens jetzt nicht, wo das Land von französischen Soldaten schwärmte und neue Kriegsschiffe mit dem Kaiser jeden Tag erwartet wurden. Selbst die schwankenden Mexikaner hätten sich dem Flüchtigen in dieser Zeit nicht wieder angeschlossen, und war da jetzt nicht vielleicht der Augenblick gekommen, wo man ihn, den gefährlichsten Gegner, von seinem nördlichen Fluchtweg abschneiden und völlig unschädlich machen konnte? Stand aber Juarez nicht mehr im Weg - ein leises, kaum merkbares Lächeln legte sich um die feingeschnittenen Lippen des jungen Mannes, und er hob sich hoch empor und schüttelte die vollen schwarzen Locken aus der Stirn. Da hörte er einen leichten Schritt in seinem Zimmer, und sich rasch danach wendend, bemerkte er seine im vollen Glanz des Abends strahlende Gattin in der Tür.

Es war ein selten schönes Paar, wie sie beide da einander gegenüberstanden, in voller Jugend, von Licht und Glanz und Glück umgeben, mit allen Gütern der Erde gesegnet, und ihrer bevorzugten Stellung im Leben sich dabei vollbewußt. Er, wie sie, hoch und schlank gewachsen, sein männlich intelligentes Gesicht von einem vollen Schnurr- und starken Knebelbart geziert, mit offenem Auge und einer hohen Stirn, mit kühn geschnittenen Brauen, wobei selbst das nicht störte, daß die linke um ein wenig höher auflief als die rechte. - Sie dagegen mit jedem Zauber holder Weiblichkeit übergossen und dennoch stolz und hoch wie eine Königin mit ihrem weiten, wallenden Gewande, den blendend weißen Hals, wie das rabenschwarze Haar von Edelsteinen geschmückt, und deren blitzender Glanz trotzdem von den wahrhaft zauberischen Augen des schönen Weibes übertroffen.

Und...

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