Brandmale

Sondereinheit 303
 
 
ROWOHLT E-Book (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Oktober 2021
  • |
  • 266 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-644-01157-1 (ISBN)
 
Er mordet im Verborgenen.
Herzstillstand lautet die offizielle Diagnose, als die Frau tot in ihrem Bett aufgefunden wird. Nur ein unscheinbares Brandmal lässt den Rechtsmediziner aufmerksam werden. Die Frau war nicht das erste Opfer, doch der Täter bleibt ein Unbekannter. Die junge LKA-Beamtin Saskia Wilkens schreckt nicht vor unkonventionellen Methoden zurück und ist neu in der Sondereinheit 303, die sich des Falls annimmt. Das neu gegründete Team ermittelt ganz ohne offizielle Genehmigung. Und so nähern sie sich dem Serienkiller, der immer brutaler tötet.
Ein packender und rasanter Thriller um einen eiskalten, berechnenden Serienkiller.

«Gerling weiß, wie es geht, und schreibt für das klassische Thriller-Vielleser-Publikum.» Heike Schmidtke, Verlagsleitung ARGON VERLAG AVE GmbH
weitere Ausgaben werden ermittelt
Volker Gerling, geboren in Buchholz in der Nordheide, hat mehr als zwanzig Jahre im Vertrieb gearbeitet und ist dabei durch Europa und den Nahen Osten gereist. Seine ersten zehn Bücher schrieb er abends und nachts. Bis ihm klar wurde, dass er eigentlich nur Autor sein möchte. 2019 hängte er den Vertriebsjob an den Nagel, um sich ganz auf sein Schreiben zu konzentrieren. Inspiriert haben ihn die Romane von Nelson DeMille, John Connolly und Don Winslow. Gerling lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Braunschweig.

4


Dezember 2020

Saskia Wilkens raste die A7 in Richtung Süden entlang. Fast hätte sie die Ausfahrt Schnelsen-Nord verpasst. Sie wechselte schnell auf die rechte Spur und sauste auf die Ausfahrt, was ihr ein wütendes Hupen vom Wagen hinter ihr einbrachte. Saskia lachte und winkte dem Fahrer zu. Der zeigte ihr erbost den Mittelfinger. Sie hatte das Wochenende bei ihren Eltern im Norden verbracht und Sonntag spontan entschieden, noch eine Nacht zu bleiben. Um den Pendlern aus dem Weg zu gehen, war sie früh am Montagmorgen aufgebrochen. Kaum hatte sie die A7 verlassen, reihte sich Baustelle an Baustelle, und sie verlor den zeitlichen Vorsprung, den sie zuvor aufgebaut hatte. Im Vergleich zu Hamburg war Kiel ein Dorf. Hier war alles irgendwie größer. Sogar die Straßen wirkten breiter, obwohl das natürlich Quatsch war.

Leider waren auch die Staus länger.

Nervös warf sie einen Blick auf die Uhr im Armaturenfeld. Laut Navi brauchte sie noch fast eine halbe Stunde bis ins Präsidium am Bruno-Georges-Platz 1. Sie war rechtzeitig losgefahren, und auf der Autobahn war auch alles wie am Schnürchen gelaufen. Aber jetzt . würde sie zu spät kommen.

Das würde ihrem Vorgesetzten nicht gefallen. Seit Saskia vor einem Jahr in das Landeskriminalamt Hamburg gewechselt und Hauptkommissar Eisenach zugeteilt worden war, ließ der sie regelmäßig spüren, was er von ihr hielt: nämlich gar nichts. Das lag noch nicht einmal an ihr selbst. Ihr Partner galt allgemein als äußerst schwieriger Mensch. Ihre Kollegen in Kiel hatten sie vorgewarnt, denn Eisenach eilte ein bestimmter Ruf voraus. Sicher, es war ein großer Karriereschritt für Saskia, ins LKA Hamburg zu wechseln. Womit sie ihrem eigentlichen Ziel, ins Bundeskriminalamt zu kommen, noch einen Schritt näher kam.

Ihrem großen Ziel, dem BKA, ordnete sie alles andere unter. Sogar eine Beziehung hatte sie dafür aufgegeben. Markus hatte ihren Ehrgeiz irgendwie pervers gefunden, nannte es einen Fetisch. Er hatte überhaupt nicht verstanden, warum sie diesen Weg eingeschlagen hatte. Markus wollte nicht begreifen, dass, wenn man wirklich etwas bewegen wollte, man ganz nach oben müsste. Erst dann würden die Leute einem zuhören. Und Saskia hatte eine Menge zu sagen. Das müsste eigentlich auf jeden Menschen zutreffen, der halbwegs bei Verstand war und mit offenen Augen durchs Leben ging. Tat man das, erkannte man auch die Missstände, die einem jeden Tag begegneten. Ungerechtigkeiten waren an der Tagesordnung. Im Kleinen wie im Großen.

Der Tante-Emma-Laden um die Ecke musste schließen, weil der Baulöwe das Gebäude abreißen wollte, um teure Eigentumswohnungen zu bauen, die sich eine normale Familie niemals würde leisten können. Deshalb starben die Innenstädte aus, verkamen zu überteuerten Luxusenklaven, in denen kaum noch Kinder aufwuchsen oder Rentner ihren Ruhestand genossen. Die mussten alle an den Stadtrand ziehen oder ganz woandershin. Im Übrigen war der Baulöwe überschuldet und frisierte seine Liste neuer Mieter, sodass die Banken ihm noch mehr Geld in den Rachen warfen. Schadensbegrenzung nannten die Banker das. Was für ein Irrsinn. Am Ende verschwand der Baulöwe mit Millionen Euro im Koffer ins Ausland, und die kleinen Handwerksbetriebe, die in Vorleistung getreten waren, mussten Insolvenz anmelden.

«Um solche Dinge zu ändern, musst du in die Politik gehen», hatte Markus gesagt. «Was willst du bei der Polizei?»

Er hatte nicht verstanden, dass das nicht funktionieren würde, da die Politiker in diesem Spiel eine tragende Rolle einnahmen. Genau das wollte sie ändern. Auf ihre Weise. Als Polizeibeamtin im BKA wäre ihr das möglich. Da könnte sie ihr bestehendes Netzwerk weiter ausbauen, denn ihr würden fast alle Türen offen stehen. Vor allem die des Innenministeriums. Und dann könnte sie damit beginnen, bundesweit die Ungerechtigkeiten zu bekämpfen, denen die Menschen Tag für Tag ausgesetzt waren.

Aber erst einmal müsste sie wohl oder übel Eisenach anrufen, um ihm zu sagen, dass sie zu spät kommen würde. Saskia fuhr rechts ran und gab die Telefonnummer ein. Sofort sprang die Mailbox an. Das war typisch für ihn; sein Handy war selten vor zehn Uhr vormittags angeschaltet. Es blieb ihr nichts anders übrig, als im Präsidium anzurufen. Vielleicht saß er ja schon an seinem Schreibtisch. Es war noch früh, sodass ihr Anruf an die Zentrale weitergeleitet wurde.

«Polizeipräsidium Hamburg, was kann ich für Sie tun?»

«Guten Tag, Oberkommissarin Wilkens hier. Ich würde gerne mit Hauptkommissar Eisenach sprechen.»

«Einen Moment bitte, ich verbinde Sie.»

Es entstand eine kleine Pause, die durch langweilige Fahrstuhlmusik nicht erträglicher wurde.

Dann: «Ludwig.»

In ihrer Abteilung arbeitete niemand, der Ludwig hieß. Sie war also immer noch irgendwo im Erdgeschoss, wo sie keiner kannte.

Immerhin arbeiteten fast zweitausend Menschen in dem Gebäude.

«Hallo. Oberkommissarin Wilkens hier. Ich würde gerne mit Hauptkommissar Eisenach sprechen», wiederholte sie ihre Bitte.

«Der ist zu einem Tatort unterwegs.»

«Oh . ich bin seine Partnerin. Könnten Sie mir bitte sagen, wo dieser Tatort ist? Dann könnte ich statt ins Büro gleich dahin fahren.»

Natürlich wollte Herr Ludwig ihre Dienstnummer erfahren, damit er Saskias Angaben überprüfen konnte. Es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass besonders schlaue Journalisten Tricks anwandten, um an Informationen zu gelangen. Sobald klar war, dass Saskia keine Reporterin war, erhielt sie die Adresse. Sie bedankte sich, unterbrach die Verbindung und gab das neue Ziel ins Navi ein. Als die Route berechnet worden war, hätte sie vor Freude fast geschrien.

Das Ziel war nur fünf Autominuten von ihrem aktuellen Standort entfernt.

Mit ein klein wenig Glück würde sie sogar noch vor Eisenach dort ankommen.

Saskia setzte den Blinker, fädelte sich in den Verkehr ein und fuhr los.

***

Der Tatort befand sich in einer verkehrsberuhigten Seitenstraße einer ruhigen Wohngegend im Hamburger Stadtteil Hummelsbüttel. Saskia wusste anhand der dort parkenden Einsatzfahrzeuge, dass sie ihr Ziel erreicht hatte. Sie sah einen Krankenwagen und drei Zivilfahrzeuge. Sie vermutete, dass eines der Fahrzeuge dem Kriminaldauerdienst gehörte. Das zweite war mutmaßlich von der Spurensicherung, das letzte vom Rechtsmediziner. Der Leichenwagen war noch nicht eingetroffen.

Saskia stellte ihren Wagen am Straßenrand ab, stieg aus und betrachtete das Haus. Es handelte sich um ein großes einzeln stehendes Gebäude mit gepflegtem Vorgarten. Natürlich hatte Saskia sich über die Immobilienpreise Hamburgs erkundigt, als ihre Versetzung feststand. Schließlich würde sie ein neues Zuhause benötigen. Dieses Anwesen in dieser Gegend hier war locker eine Million Euro wert.

Sie öffnete die Pforte und ging den mit kleinen weißen Kieselsteinen ausgelegten Weg hoch bis zum Eingang des Hauses. Dort empfing sie ein blasser Polizist in Uniform.

Sie zeigte dem Kollegen ihren Ausweis.

«Die Frau liegt im Schlafzimmer. Durch die Eingangstür, dann die zweite rechts. Aber ich muss Sie warnen; es ist kein schöner Anblick. Überzieher liegen übrigens vor der Haustür.»

Saskia bedankte sich und ging zur Eingangstür. Dort fand sie in einem Karton die Plastiküberzieher, die verhindern sollten, dass der Tatort durch Schmutz an den Schuhen verunreinigt wurde. Sie zog sich die Plastikhauben über ihre Schuhe und ging in das Haus.

Als sie im Flur stand, kam ihr ein zweiter Beamter entgegengelaufen. Saskia sah seinen Gesichtsausdruck, und sie beschlich ein ungutes Gefühl.

Der arme Kerl war panisch und kurz davor, sich zu übergeben.

Bevor sie das Zimmer betrat, hörte sie ihn draußen vorm Haus würgen. Saskia atmete tief durch und machte einen Schritt nach vorn.

Jetzt konnte sie in das Wohnzimmer sehen.

Ihr erster Gedanke war: «So viel Blut.»

Die Leiche der Frau lag auf dem Teppich, der sich durch das viele Blut dunkel verfärbt hatte. Ein scharfer metallischer Duft lag in der Luft. Und der Geruch nach menschlichen Exkrementen. Eine teuflische Kombination.

Zwei Männer in weißen Schutzanzügen hatten ihre Arbeit offenbar beendet. Nun standen beide an der Seite und sahen einem dritten Mann, der über die Leiche gebeugt war, bei der Arbeit zu. Bis auf das Rascheln der Schutzanzüge war es totenstill im Zimmer. Was ihr sofort auffiel, waren die vielen kleinen Fähnchen, die von den Beamten immer dann ausgelegt wurden, wenn sie eine Spur entdeckt hatten. Am Kopfende der Frau und sogar noch mehrere Meter davon entfernt gab es jede Menge davon.

Saskia räusperte sich. «Guten Tag.»

Die Köpfe der drei Männer ruckten gleichzeitig in ihre Richtung. Der Mann, der sich um die Leiche kümmerte, richtete sich auf und kam auf sie zu.

«Darf ich fragen, wer Sie sind?»

Erneut zückte Saskia ihren Ausweis. «Oberkommissarin Wilkens. LKA Hamburg. Ich bin die .»

Das Gesicht des Mannes erhellte sich. «Sie sind die neue Partnerin von Eisenach. Etwas spät, aber herzlich willkommen in Hamburg.» Er streckte ihr die behandschuhte Rechte entgegen. «Wolfgang Schubert mein Name. Ich bin der zuständige Rechtsmediziner. Die beiden Kollegen hier gehören zu mir. Sie wollten eigentlich schon damit beschäftigt sein, unsere Ausrüstung in den Wagen zu bringen. Aber sie können sich von dem Anblick...

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