Argusaugen

Sondereinheit 303
 
 
ROWOHLT E-Book (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 19. Oktober 2021
  • |
  • 280 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-644-01238-7 (ISBN)
 
Du siehst ihn nicht, du weißt nicht mal, dass er da ist. Doch er weiß alles über dich.
Er beobachtet sie. Tag und Nacht. Bei allem, was sie in ihren eigenen vier Wänden tun. Bis er sie in- und auswendig kennt. Die drei Frauen, die im Leben stehen, single sind, allein wohnen, bemerken nicht, dass sie überwacht werden. Sie kennen sich nicht, doch etwas verbindet sie. Etwas abgrundtief Schreckliches.
Zwei Mordopfer, hingerichtet mit einem Messer, führen die ermittelnden Beamten zu einer jungen Frau. In ihrer Wohnung werden Spionagekameras und -mikros entdeckt. Wer hat Sonja Petzold so perfide überwacht? Der Präsident des BKA vertraut den Fall der Sondereinheit 303 an. Das Team um Saskia Wilkens und Erik Degenhardt kommt einem eiskalt berechnenden Täter auf die Spur. Er verfolgt einen unmenschlichen Plan. Und was ihn so gefährlich macht: Er hat nichts mehr zu verlieren.
Der zweite packende Fall der Sondereinheit 303 - ein schockierender Thriller, provokant und unvorhersehbar.
weitere Ausgaben werden ermittelt
Volker Gerling, geboren in Buchholz in der Nordheide, hat mehr als zwanzig Jahre im Vertrieb gearbeitet und ist dabei durch Europa und den Nahen Osten gereist. Seine ersten zehn Bücher schrieb er abends und nachts. Bis ihm klar wurde, dass er eigentlich nur Autor sein möchte. 2019 hängte er den Vertriebsjob an den Nagel, um sich ganz auf sein Schreiben zu konzentrieren. Inspiriert haben ihn die Romane von Nelson DeMille, John Connolly und Don Winslow. Gerling lebt mit seiner Frau und seiner Tochter in Braunschweig.

31


Sämtliche Behörden des Landes suchten unter Hochdruck nach Nicole Weber. Ihre Fotos erschienen in Zeitungen, im Internet, und ihre Entführung war sogar Thema in der Tagesschau. Bislang war jedoch alles vergebens. Sie blieb verschwunden, und es gab nicht eine einzige Spur von ihr. Die Blutentnahmen bei Kerstin Stratmann und Sonja Petzold verliefen hingegen reibungslos. Bis mit den Ergebnissen der Analyse in etwa zwei Tagen zu rechnen wäre, wollte Saskia die Zeit nutzen, um einen neuen Hacker fürs Team zu finden.

Mit Hannah Lankwitz wollte sie sich zuerst treffen. Auch wenn Claudia Ulrich der Meinung war, dass es sehr schwer werden würde, sie zu einer Kooperation zu bewegen, wollte sie sich weder mit dem arroganten Arschloch, wie Ulrich ihn betitelt hatte, noch mit der dritten Wahl beschäftigen. Hannah Lankwitz lebte in Hamburg. Das gab Saskia die Gelegenheit, mal wieder zu Hause vorbeizuschauen. Gleich nach den Blutentnahmen machte sie sich auf den Weg.

Zu Hause angekommen, kümmerte sie sich erst einmal um ihre Wäsche - zwei Maschinenladungen voll hatten sich angesammelt. Sie hängte ihre nasse Kleidung in dem kleinen Garten auf und freute sich auf eine irrationale Weise darüber, dass es so etwas wie Wäscheleinen im Garten überhaupt noch gab. Die meisten Menschen verwendeten zum Trocknen Gestelle aus Plastik.

Sie überlegte gerade, was sie am Abend essen wollte, als ihr Handy klingelte.

Es war Claudia Ulrich. «Ich hab deine Nachricht erhalten, dass du in Hamburg bist. Was machst du heute Abend?»

«Ich hab nichts vor .»

«Dann lass uns essen gehen. Was meinst du?»

Saskia freute sich sehr über dieses Angebot. Claudia Ulrich stand als Abteilungsleiterin im Rang weit über Saskia, und Angebote für ein gemeinsames Abendessen waren oft nur Floskeln. Nicht unbedingt ernst gemeint.

«Sehr gerne.»

«Hast du einen Vorschlag?»

«Nun . ich kenne bisher nur ein einziges Restaurant in Hamburg .»

«Welches?»

«Äh . es ist im portugiesischen Viertel an den Landungsbrücken. Wolfgang hat es mir gezeigt. Wie es heißt, weiß ich nicht mehr .»

Wolfgang Schubert war nicht nur der leitende Rechtsmediziner der Hansestadt, sondern auch derjenige, der Saskia mit Rainer Abel bekannt gemacht hatte. Schubert gehörte zum Netzwerk ihrer neu gegründeten Einheit.

«Das Restaurant heißt La Galicia», sagte Ulrich sofort.

«Du kennst es also?»

«Sollte irgendwann einmal ein Wahnsinniger auf die Idee kommen, dieses Restaurant auszurauben, wird er sehr schnell merken, dass die Hälfte der Gäste bewaffnet ist. Es ist nämlich das Stammlokal vieler Polizisten», sagte Ulrich lachend.

«Na, hoffentlich treffen wir da nicht Eisenach», sagte Saskia.

Saskias ehemaliger Vorgesetzter und Partner hatte sie ziemlich mies ausgebootet. Allerdings wäre sie ohne sein unrühmliches Verhalten jetzt nicht beim BKA. Also hatte der Blödmann ihr im Grunde einen Gefallen getan.

«Nein, keine Sorge. Den habe ich da noch nie getroffen. Sagen wir um sieben? Ich reserviere einen Tisch.»

«Einverstanden. Bis später.»

 

Saskia fuhr am frühen Abend rechtzeitig los und erreichte das Restaurant etwas vor der vereinbarten Zeit. Sie fragte den Kellner, der sie empfing, nach einem auf den Namen Ulrich reservierten Tisch. Unter diesem Namen fand der Mann jedoch keine Reservierung.

Der Inhaber des Restaurants kam auf sie zu und erkannte sie.

«Claudia hat vorhin angerufen und einen Tisch für drei Personen gewünscht», erklärte er, brachte sie dorthin und verschwand wieder. Saskia nahm Platz. Ulrich würde also noch jemanden mitbringen. Hoffentlich startete sie nicht einen Verkupplungsversuch. Saskia mochte solche Aktionen überhaupt nicht. Ihre Bedenken wurden zerstreut, als sie Claudia Ulrich wenig später in Begleitung einer jungen Frau auf den Tisch zukommen sah.

Saskia schätzte das Alter der Frau auf Mitte zwanzig. Sie war groß und schlank, trug ihr Haar sehr kurz, hatte einen kleinen Glitzerstein in der Nase und war lässig gekleidet: Jeans, Turnschuhe und ein T-Shirt. Mit blauen, hellwachen Augen musterte sie Saskia abschätzend.

Zu ihrer Überraschung wurde sie von ihrer ehemaligen Vorgesetzten mit einer herzlichen Umarmung begrüßt, als sie sich erhob.

«Saskia, darf ich dir Hannah Lankwitz vorstellen? Hannah, das ist Saskia Wilkens.»

Die beiden gaben sich die Hand, dann setzten sie sich an den Tisch.

Ulrich setzte sich ans Kopfende des Tisches zwischen die beiden und blickte Saskia und Hannah abwechselnd mit einem schiefen Grinsen an. «Bitte entschuldigt, dass ich euch beide mit diesem Treffen zu dritt überrumpelt habe. Aber manchmal heiligt der Zweck die Mittel. Ihr seid übrigens beide eingeladen.»

Hannah murmelte etwas Unverständliches und vergrub ihr Gesicht dann in die Speisekarte.

Ulrich zwinkerte Saskia aufmunternd zu. Ein Kellner kam mit einem Tablett an ihren Tisch und stellte drei Sektgläser auf den Tisch. Ulrich hob ihres in die Luft.

«Auf Joshua.»

Saskia tat es ihr gleich. «Auf Joshua.»

Hannah sah von Ulrich zu Saskia, griff zu ihrem Glas, schnupperte misstrauisch daran und wiederholte dann ebenfalls leise: «Auf Joshua.» Sie leerte ihr Glas in einem Zug und sah dabei ziemlich wütend aus. Anschließend schüttelte sie sich und wandte sich an Saskia. «Du kanntest Joshua?»

«Ja. Wir haben zusammengearbeitet.»

Hannah sah Saskia eine Weile forschend an. Dann blickte sie wieder auf die Speisekarte und sagte eher beiläufig. «Er hat mir nie etwas über dich erzählt.»

«Na ja, von dir wusste ich auch nichts», entgegnete Saskia und fluchte gleich darauf innerlich. Keine gute Idee, eine Konfrontation mit der Person einzugehen, die sie brauchte.

Hannah hob den Kopf, und ihr Blick bohrte sich wie Laserstrahlen in Saskias Augen. Saskia spürte instinktiv, dass diese Augen schon viel gesehen hatten. Und nicht alles davon war gut gewesen. Und sie spürte instinktiv, dass Hannah sich zu verteidigen wusste.

«Es sei denn .», sagte Hannah plötzlich.

Saskia erwiderte den Blick gelassen. «Es sei denn was

«In den letzten Wochen, also bevor er getötet wurde, hat er sich verändert. Er wirkte weniger verbissen. Fast schon heiter. Ich habe ihn mal gefragt, ob er jemanden kennengelernt hat. Er hat nur gelächelt, aber ich dachte damals schon, dass ich ins Schwarze getroffen habe. Du hattest was mit ihm, oder?»

Saskia war in einer Zwickmühle. Es war durchaus möglich, dass Hannah in Joshua verliebt gewesen war und selbst die Hoffnung gehegt hatte, eine Beziehung mit ihm einzugehen. Wenn das so war, würde das eine mögliche Zusammenarbeit erschweren, wenn nicht unmöglich machen. Aber Saskia hatte keine Lust zu lügen. Irgendwann würde es sowieso rauskommen.

«Ja, da war was am Entstehen.»

«Was heißt das, da war was am Entstehen? Habt ihr zusammen getöpfert, oder was?»

«Nein, Hannah, das haben wir nicht.»

«Was denn sonst? Wir waren echt gut befreundet, und normalerweise hatte er keine Geheimnisse vor mir.»

Saskia wurde langsam, aber sicher wütend. Sie sah Hannah aus funkelnden Augen an. «Was willst du denn hören? Dass ich mich in ihn verliebt habe, aber dass er, bevor es wirklich ernst werden konnte, vor meinen Augen umgebracht wurde?»

«Oh Mann, Scheiße. Tut mir echt leid», sagte Hannah leise. Dann stutzte sie. «Moment, er wurde vor deinen Augen getötet? Das heißt, du hast seinem Mörder gegenübergestanden?»

«Nein, Hannah, ich hab gelegen. So wie Joshua auch. Ein wahnsinniger Serienkiller hat uns beide entführt, gefesselt und in einem Blockhaus festgehalten. Joshua ist es gelungen, meine Handfesseln zu lösen. Als der Killer dann ins Zimmer kam, hat er sich sofort auf Joshua gestürzt. Meine Beine waren noch gefesselt, ich konnte ihm nicht helfen. Dann kam der Scheißkerl zu mir, um mich zu töten. Er hatte so einen Kasten gebaut, mit dem brachte er die Leute mit Stromschlägen um. Das gab ihm den Kick. Mir hat er auch welche verpasst. Aber dann konnte ich mich befreien.»

Hannah sah Saskia mit einer Mischung aus Bestürzung und Trauer an. «Und dann?»

Saskia wollte das nicht. Sie wollte sich nicht detailliert an die grauenhaften Dinge erinnern, die in dem Blockhaus geschehen waren. Aber sie war machtlos gegen ihre Gedanken.

Es brach einfach so aus ihr heraus. «Dann hab ich mich losgerissen, hab ihm eine Kopfnuss verpasst, ihm die Augen ausgedrückt und ihm das Hirn mit seinem Scheiß-Stromstab weggebrutzelt.»

Saskia hatte gar nicht gemerkt, dass ihre Stimme immer lauter geworden war.

Sie ernteten irritierte Blicke von den Nachbartischen.

Es war ihr vollkommen egal.

...

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