Dunkel Hell

Die Balance - Taran Saga II
 
 
myMorawa von Dataform Media GmbH (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2021
 
E-Book | ePUB ohne DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-99129-232-6 (ISBN)
 
"Ist Dunkelheit nur die Abwesenheit von Licht oder ist Licht nicht auch die Abwesenheit von Dunkelheit, genau wie die zwei Seiten einer Münze?", fragte sich Fehuwin. Die Magier der Akademie von Nornhain bilden einen der mächtigsten Adepten aus, die sie jemals unterrichtet haben. Der junge Fehuwin ist von Natur aus dazu imstande, die dunkle und die helle Seite der Magie im Gleichgewicht zu halten. Doch diese Balance ist fragil und der junge Magier muss erst lernen, welches Chaos die dunkle Seite verbreiten kann. Die helle Magie allein vermag die Welt von Taran nicht vor dem Angriff der dunklen Götter zu schützen. Fehuwin hat einen langen Weg vor sich, denn erst die Balance der Macht wird ihm die Kraft verleihen, das Schicksal Tarans zu beeinflussen - zum Guten oder zum Schlechten.
  • Deutsch
Morawa Lesezirkel GmbH
  • 2,94 MB
978-3-99129-232-6 (9783991292326)
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Sommerhitze und Schattenspiele

Magister Redus hatte diese Auszeit außerhalb von Nornhain dringend nötig gehabt. Er mochte seine Kollegen in der Akademie und er unterrichtete ausgesprochen gerne und freute sich über jeden Fortschritt der Lernenden - aber besonders im Sommer, wenn die Felder im Wind rauschten, die Menschen fröhlicher und die Mägde und Knechte leichter bekleidet waren, brauchte er immer einige Zeit nur für sich allein. Somit hatte es sich gut getroffen, dass Erzmagier Malines gerade jemanden gesucht hatte, um eine Lieferung alter Artefakte aus der Stadt zu holen. Da den betreffenden Stücken große Macht innewohnte, hatte der Leiter der Akademie nur einen aus der Reihe der vertrauenswürdigen und loyalen Magister damit betrauen wollen. Malines schätzte Redus nicht nur ob dessen Ehrlichkeit, sondern nicht zuletzt auch darum, weil Redus keinerlei Ambitionen an den Tag legte, an den Ränken und politischen Intrigen der Akademie teilzuhaben. Ebenso wenig strebte er danach, die Hierarchie innerhalb der Akademie emporzuklettern. Seine größte Fähigkeit bestand darin, magische Talente zu finden.

Redus hatte in der Stadt im Haus der Magiergilde den versiegelten Rucksack entgegengenommen und war nun schon seit dem Morgen auf der heißen und staubigen Landstraße unterwegs, als er etwas abseits in einer schattigen Senke ein paar Häuser sah. Da die Sonne schon im Zenit stand, durfte er seinem erschöpften Körper ruhig eine kleine Pause gönnen und verließ den Weg.

Die erste Person, die er antraf, war ein Mann mittleren Alters, der vor einem Haus gerade das verbogene Metallblatt eines alten Pfluges mit einem schweren Hammer bearbeitete. Der Bauer erklärte ihm, dass sie hier in ihrem kleinen Dorf Mauereck keine Schenke hätten, dass er aber gerne bereit wäre, ihm aus seinem eigenen Keller einen Krug Wein zu verkaufen. Etwas Brot und Käse könnte er auch noch dazugeben. Der Magier war einverstanden, und nachdem der Bauer das Versprochene geholt hatte, drückte Redus ihm ein paar Kupfermünzen in die Hand und ging in Richtung der alten Eiche, die in der Mitte des Dorfes stand und von der aus man einen guten Überblick über das bescheidene Dorfleben hatte.

Redus setzte sich auf den dicken Holzstamm, der als behelfsmäßige Bank dort abgelegt worden war, und lehnte sich mit seinem Rücken an den Baum. Dann mischte der Magier etwas Wasser mit dem erstaunlich guten Wein in seinem Becher und kaute genussvoll Brot und Käse, während er die wunderbaren Schattenspiele der Blätter auf dem staubigen Platz betrachtete. Er war gerade dabei, einzunicken, als ihn eine laute Stimme aufschreckte. Mit einem Male wieder hellwach, wandte Redus seinen Kopf in die Richtung, aus der die schroffen Worte gekommen waren.

Etwa zwanzig Schritte entfernt erblickte er eine ärmlich gekleidete Frau, die vor einem Haus stand, das von einer einfachen Mauer aus Steinen und Ästen umgeben war. Sie unterhielt sich mit zwei Buben, von denen einer neben einem umgekippten Eimer am Boden saß und spielte. Der andere, obwohl von schwächlicher und zarter Statur, sah eindeutig älter aus als der Junge am Boden.

»Jetzt komm schon, Fehuwin«, sagte die Mutter zu ihm, »du bist doch der Ältere und der Gescheitere.« Sie drehte sich um und ging zum Haus. »Lass Thorin noch etwas spielen, er ist schließlich noch klein. Und nun geh und hol mir bitte einen Eimer Wasser.«

In dem Moment, als die Frau das Haus betrat, passierte es. Jemand anderer als Redus hätte dieser Szene aller Wahrscheinlichkeit nach keine besondere Aufmerksamkeit geschenkt, aber der Magier hatte diese Ablenkung seiner Mittagsruhe mit wachen Sinnen verfolgt. Die Frau hatte sich kaum umgedreht, als sich der Junge vom Boden erhob. Zu Redus' Überraschung überragte der kleine Thorin seinen Bruder nicht nur um einen halben Kopf, er war auch gröber und massiver gebaut. Als er Fehuwin die Zunge herausstreckte und eine Grimasse schnitt, nahm Redus eine Veränderung in der Aura des älteren Jungen wahr. So viel Wut und Kraft hatte er bei einem Kind noch nie zuvor gesehen. Dunkle Schatten streckten ihre Finger aus und ein kaltes, helles Licht schien zwischen den schwarzen Fäden aus der Aura des Jungen hervor. Doch genauso schnell, wie er begonnen hatte, endete dieser Ausbruch auch schon wieder und eine ruhige und freundliche Aura umgab den Jungen.

»Ja, Mama, mach dir keine Sorgen!«, rief er der Frau nach. »Ich erledige das schon. Dann hast du mehr Zeit, dich um den Kleinen zu kümmern.«

Der Magier war sprachlos, einerseits aufgrund der Worte des Jungen, andererseits ob der diesem innewohnenden Kräfte, die er soeben an ihm wahrgenommen hatte. Die eine Kraft ungebändigt, Furcht einflößend und dunkel, die andere kalt, aber hell und ebenso stark, hatte sie doch das Dunkel zurückzudrängen vermocht. Alle Sinne des Magisters waren plötzlich hellwach. Er musste diesen Jungen unbedingt in die Akademie bringen und dort ausbilden - koste es, was es wolle.

Redus packte die Reste seiner Mahlzeit in seinen Beutel und ging zu dem Haus. Er blieb am Eingang an der Mauer stehen und rief durch ein offenes Fenster: »Gute Frau, dürfte ich kurz näher treten?«

Erstaunt steckte die Mutter der beiden Buben den Kopf aus dem Fenster. »Was wollt Ihr hier?«

»Ich würde Euch gerne .«

»Und wer seid Ihr überhaupt? Ich kenne Euch nicht, habe Euch noch nie zuvor in unserem Dorf gesehen.«

»Mein Name ist Magister Redus. Ich war gerade auf dem Weg zurück in die Akademie und habe zufällig hier Rast gemacht. Falls Ihr nichts dagegen einzuwenden habt, würde ich Euren älteren Sohn gerne als Haushaltshilfe bei uns anstellen.«

Nach kurzem Zögern bat ihn die Frau schließlich ins Haus. Während sich der Magier mit ihr unterhielt, konnte er durch das Fenster den Jüngeren der beiden Buben beobachten, der noch immer vor dem Haus auf dem Boden saß. Fehuwin hingegen hatte sich sogleich zu den beiden in die Stube gesellt und verfolgte die Unterhaltung aus wachen, klugen Augen.

Redus verhandelte vorsichtig, denn schon nach wenigen Sätzen war ihm eines klar geworden: Die Frau, die ihm am Tisch gegenübersaß, mochte vielleicht einfach in ihrer Erscheinung wirken, aber sie war alles andere als dumm. Wenn Fehuwins Mutter den Braten roch, dass der Magier in Gestalt ihres Sohnes einen wahren Schatz für die Akademie gefunden hatte, dann würde sie keinen Moment zögern, um den Preis für ihren Ältesten in schwindelerregende Höhen zu treiben.

»Ja, ich verstehe schon«, meinte sie zögerlich, »dass der Herr Magister einen so braven, fleißigen und gehorsamen Buben wie meinen Fehuwin sehr gut als Hilfe brauchen könnte . aber der Junge würde mir bei der Arbeit auf meinem kleinen Bauernhof sehr fehlen. Der kleine Thorin ist schließlich noch so jung und hilflos. Fehuwin dagegen ist klug und geschickt.«

Bei den Worten »klein« und »hilflos« tauschten der Magier und Fehuwin einen kurzen Blick aus. Redus hob kaum merklich die Augenbrauen, und der Junge verzog missmutig den Mund. In diesem Moment war klar, dass der Bursche ihm freiwillig in das Abenteuer Akademie folgen würde - vorausgesetzt, es gelang Redus, dessen Mutter zu überreden.

»Also gut, liebe Frau, ich kann Euch ein allerletztes Angebot machen«, sagte Redus in einem Tonfall, als würde er hiermit das Limit seiner Möglichkeiten bis zum Äußersten ausreizen. »Ihr erhaltet von der Akademie am Beginn jedes neuen Blühzyklus drei Goldmünzen und im Winter wird einer unserer älteren Schüler hierher auf Euren Hof kommen und Euch mit seiner Jugend und seiner Magie während der kalten Mondzyklen nach Kräften unterstützen. Was sagt Ihr dazu?« Dass der Magister auf diese Weise eine vortreffliche Strafe für besonders nervige ältere Semester in die Hand bekommen würde, verschwieg er ihr wohlweislich.

Die Frau dachte kurz nach und meinte schließlich mit einem abwesenden Blick: »Meinetwegen, abgemacht - aber es sollten schon eher junge Männer denn jugendliche Burschen sein, die Ihr mir auf den Hof schickt.« Dann drehte sie sich zu Fehuwin. »Du hast gehört, was Magister Redus und ich vereinbart haben. Also, nun mach schon - geh auf dein Zimmer und pack deine Sachen zusammen.«

Es dauerte nicht allzu lange, bis Fehuwin seine wenigen Habseligkeiten in einen Ranzen gepackt hatte und zurück in die Stube kam. Er legte sein kleines Bündel vor sich auf den Tisch und obenauf ein Schieferbrett sowie eine Handvoll Kreidestücke.

Redus zog die Augenbrauen hoch. »Du kannst schreiben, Fehuwin?«, fragte er erstaunt.

»Nein, leider nicht . aber ich zeichne gerne die wundervollen Dinge, die mir begegnen«, erwiderte der Junge und fügte nach einem kurzen Zögern hinzu: »Und manchmal auch Dinge, von denen ich...

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