Kinder in Bewegung

100 Tipps gegen Bewegungsmangel und Fehlernährung
 
 
Meyer & Meyer (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 18. Mai 2020
  • |
  • 242 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-8403-3733-8 (ISBN)
 
Kinder in Bewegung! gibt Eltern praktische Lösungsvorschläge, wie Sie als Vorbilder den Lebensweg Ihrer Kinder positiv beeinflussen können. Damit Ihre Kinder wieder Freude am Spielen und Toben finden sowie ein gesundes und genussvolles Essen schätzen lernen.
  • Deutsch
  • Aachen
  • |
  • Deutschland
  • 12,44 MB
978-3-8403-3733-8 (9783840337338)
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Peter Gerfen ist studierter Sport- und Fitnessökonom, ehemaliger Handball-Nationalspieler und -Trainer. Als einer der gefragtesten Personal-Fitness-Trainer und Ernährungscoachs entwickelte er aus den jahrelang gesammelten sportlichen Erfahrungen und neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen das MTE-Fitness-Konzept.

Nico Kurpiers ist Professor für Bewegungswissenschaften und Gesundheitssport an der Universität Hildesheim.

Brinja Hoffmann ist ehemalige Leistungssportlerin. Nach ihrem Studium der Ernährungswissenschaften an der Universität Jena ist sie derzeit als Gesundheits- Ernährungsexpertin mit ihrer eigenen Firma selbständig tätig. Sie berät nicht nur Privatpersonen, sondern auch Vereine, Institutionen und Unternehmen.

2Bewegung


2.1Medizinischer Stellenwert von Sport und Bewegung im Kindesalter


Von Dr. med. Corinna Abrolat

Aus medizinischer Sicht ist die sportliche Aktivität bei Kindern und Jugendlichen eine wichtige vorbeugende Maßnahme gegen das vorzeitige Auftreten einer Vielzahl von internistischen und orthopädischen Erkrankungen.

Neben Spaß und Erfolgserlebnissen sollte auch das Gesundheitsbewusstsein bereits bei Heranwachsenden als Motiv für Sport und Bewegung berücksichtigt werden.

Regelmäßige Bewegung fördert nicht nur die Ausdauer, die Muskelkraft und die Koordination, sie steigert auch den Grundumsatz, stärkt das Immunsystem, hilft, Stress abzubauen und schützt vor Krankheiten im Alter.

Sport hat einen positiven direkten und indirekten Einfluss auf alle Organe unseres Körpers. In der Medizin nennen wir das eine systemische Wirkung, also den gesamten Organismus betreffend, im Gegensatz zur lokalen Wirkung, welche nur eine bestimmte Stelle betrifft.

Das heißt, selbst wenn nur ein einziger Muskel trainiert wird (z. B. der Musculus biceps im Oberarm), hat dieses Training auch Auswirkungen auf die Lunge, das Herz, die Blutgefäße und den Stoffwechsel.

Dieses Phänomen ist bei Kindern deswegen besonders wichtig, weil dadurch der Grundstein für eine lang anhaltende Gesundheit und für das körperliche Wohlempfinden gelegt wird. Die Auswirkungen von sportlicher Aktivität im Kindesalter halten bis ins hohe Erwachsenenalter an. Die Ergebnisse der Muscatine-Studie belegen die positiven Auswirkungen regelmäßiger körperlicher Betätigung im Kindes- und Jugendalter auf den Gesundheitsstatus im Erwachsenenalter (Walther et al., 2011).

Im Folgenden werden die Auswirkungen sportlicher Aktivität auf den Bewegungsapparat, auf den Stoffwechsel, auf das Herz-Kreislauf-System sowie auf das Gehirn erläutert.

Bewegungsapparat


Häufig bestehen bereits bei Kindern sogenannte muskuläre Dysbalancen, was bedeutet, dass unterschiedliche Kraft und Dehnfähigkeit bestimmter Muskelgruppen zu Fehlhaltungen und Schmerzen führen kann. Ist zum Beispiel die Bauchmuskulatur schwächer ausgeprägt als die Rückenmuskulatur, kippt das Becken nach vorn, und es kommt zu einer Hohlkreuzbildung.

Der passive Bewegungsapparat des menschlichen Körpers, der aus Knochen, Knorpeln, Bändern und Sehnen besteht, wird durch die Muskeln bewegt.

Alle Elemente des aktiven und passiven Bewegungsapparats bilden und formen sich ihren Anforderungen entsprechend.

Ein häufig gebrauchter Muskel wächst sichtbar, was wir an Kraftsportlern gut nachvollziehen können. Aber auch der Knochen wird kräftiger, was man nicht nur mikroskopisch, sondern sogar im Röntgenbild erkennen kann.

Um dies zu verdeutlichen, sind nachfolgend die Röntgenbilder zweier 12-jähriger Kinder im Vergleich zu sehen. Auf den Bildern sieht man von beiden Kindern jeweils den linken Hüftknochen mit der Hüftpfanne und das linke Schambein. Das erste Bild ist von einem Kind mit einer Lähmung der unteren Extremitäten, das zweite Bild zeigt die Hüfte eines gesunden Kindes.

Die unterschiedliche Knochendichte erkennt man daran, dass auf dem ersten Bild der Knochen dunkler erscheint (in der Radiologie wird diese vermehrte Transparenz als Aufhellung bezeichnet, weil der Knochen strahlendurchlässiger ist). Das liegt am geringeren Mineralsalzgehalt dieses Knochens. Auf dem zweiten Bild sieht der Knochen deutlich heller aus (radiologisch transparenzgemindert), d. h., der Knochen ist dichter, weil er mehr Kalksalze enthält, er ist also besser mineralisiert.

Der Knochen besteht in seinem Inneren aus vielen kleinen Bälkchen, die vom Aufbau einem Schwamm ähneln, weshalb diese Struktur in der Anatomie auch Spongiosa genannt wird, was quasi Schwammstruktur bedeutet. Ernährt wird der Knochen über die ihn umgebende Knochenhaut (Periost). Sie ist gut durchblutet und versorgt das Innere des Knochens mit Mineralien und Sauerstoff. Bei zu wenig Bewegung ist die Durchblutung vermindert, somit gelangen weniger Nährstoffe in die Spongiosa und der Knochen verliert an Substanz (wird also radiologisch transparenter).

Aktive Muskelkontraktionen stimulieren die Durchblutung der Knochenhaut und damit den Knochenaufbau.

Um den mechanischen Ansprüchen gerecht zu werden, muss sowohl der Knochen als auch der Knorpel auf Druck oder Zug reagieren und verformbar sein. Die Knochenbälkchen sind deshalb den Belastungszonen entsprechend unterschiedlich dicht angeordnet.

So muss man sich die Bälkchenanordnung in etwa vorstellen. Im Vergleich mit den Röntgenbildern lässt sich diese Struktur sogar (ansatzweise) wiedererkennen.

Knochenbälkchen

Weil die für das Längenwachstum der Röhrenknochen verantwortliche knorpelige Wachstumsfuge (Epiphysenfuge) erst im jungen Erwachsenenalter verknöchert, ist Bewegung und Sport für Kinder besonders wichtig.

Studien belegen, dass durch Sport vor allem in der Wachstumsphase ein größeres Knorpelvolumen aufgebaut wird, was wiederum im Alter vor Arthrose schützt. Ein erhöhter Fettanteil im Muskel reduziert hingegen das Knorpelvolumen.

Eine über zwei Jahre durchgeführte Studie belegt die Bedeutung des muskulären Fettanteils. Nach dieser Studie besteht ein enger Zusammenhang zwischen einem fortschreitenden Knorpelverlust im Kniegelenk und einer Zunahme des Fettanteils im Oberschenkelmuskel (Musculus vastus medialis): "Mit jedem zusätzlichen Prozent Fett reduziert sich das Knorpelvolumen um 0,07-0,22 %" (GmbH & Arnold, 2016).

So unterstützt der Muskelaufbau den Knochen und die Gelenke, sorgt für einen gleichförmigen Bewegungsablauf und reduziert damit nicht nur die Entstehung von Haltungsschäden, sondern verhindert auch vorzeitige Alterungsprozesse, wie z. B. die Arthrose.

Stoffwechsel


Übergewicht (Adipositas) bei Kindern und Jugendlichen stellt ein Risiko für die Entstehung einer Reihe von Stoffwechselstörungen dar.

In großen epidemiologischen Studien wurde nachgewiesen, dass bereits bei der Hälfte der übergewichtigen Kinder ein sogenanntes metabolisches Syndrom vorliegt. Das ist keine eigenständige Krankheit, sondern eine besonders gefährliche Kombination von Stoffwechselstörungen und Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Zum metabolischen Syndrom gehören Übergewicht, Bluthochdruck, ein zu hoher Blutzucker sowie ein gestörter Fettstoffwechsel (Bussler et al., 2017; Weiss et al., 2004).

Außerdem ist Übergewicht ein bedeutender Risikofaktor für die Entstehung der Arthrose, nicht nur wegen der mechanischen Überlastung, sondern auch wegen des hohen Anteils an Fettgewebe, welches auf Stoffwechselebene den Knorpel schädigt.

Herz-Kreislauf-System


Die Stoffwechselveränderungen bei Adipositas tragen erschreckenderweise bereits im Kindesalter zu strukturellen und funktionellen Veränderungen am Herzmuskel bei.

Eine 2014 publizierte Studie hat bei übergewichtigen Kindern im Vergleich zu normalgewichtigen Kindern eine Vergrößerung der Herzhöhlen nachgewiesen mit nachfolgenden Funktionsstörungen des Herzmuskels (Mangner et al., 2014).

Gehirn


Körperliche Bewegung und vor allem Sport stimuliert die Neubildung von Nervenzellen und Synapsen und fördert so die Gedächtnisleistung und Konzentration.

Das bewegungsabhängige Nervenwachstum wurde zunächst in Tierversuchen untersucht. Mäuse, die viel liefen, bildeten in ihrem Hippokampus neue Nervenzellen. Diese Hirnregion ist u. a. für das Lernen und das Gedächtnis zuständig.

Dieses biologische Prinzip lässt sich durchaus auch auf den Menschen übertragen. Die Entstehung neuer Nervenzellen und die nervalen Verschaltungen sind folglich aktivitätsabhängig, was bedeutet, dass sich die Anzahl der neu gebildeten Nervenzellen durch körperliches Training erhöhen lässt (Kempermann, 2019).

Außerdem wird durch Sport die Konzentration an bestimmten Botenstoffen, den sogenannten Neurotransmittern, im Gehirn erhöht. Diese Stoffe dienen an den Synapsen für die Informationsübertragung, wodurch das Denken effizienter wird.

Bei Ausdauerbelastungen steigt ab etwa 30 Minuten der Serotoninspiegel im Gehirn an. Dieser Gute-Laune-Botenstoff sorgt für Optimismus und Ausgeglichenheit.

Ein Mangel an Serotonin wird u. a. verantwortlich gemacht für...

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