kamalatta

romantisches fragment. Mit einem Nachwort von Oliver Tolmein
 
 
Verbrecher (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 15. November 2018
  • |
  • 616 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-95732-368-2 (ISBN)
 
Eine bewaffnete Gruppe bereitet den Anschlag auf ein US- Hauptquartier in Bad Tölz vor. Der NDR-Mann Proff sympathisiert und zerstört dabei sein Familienleben. Werftarbeiter Tapp und seine Kollegen sabotieren die Waffengeschäfte der Oberen. Nina fährt mit Sponties und Arbeitslosen in die DDR; militante Gefangene kämpfen im Knast ums Leben. Tod oder Leben, diese Frage zerreißt auch Ahlers, dessen Kind krank ist. Lauter Genossen, die sich doch wenig kennen. Aber hat 'Genossen' nicht auch mit 'Genießen' zu tun? Überall geht es ums Ganze: um Liebe, Verrat, Zerstörung, Befreiung. Geisslers Romane 'Wird Zeit, dass wir leben' und 'Das Brot mit der Feile' erzählten mal übermütig, mal skeptisch vom Widerstand in den 1930er und in den 1960er Jahren. 'kamalatta' fragt aus dem Blickwinkel der 70er Jahre, was es heißt, wenn es ums Leben geht.

Christian Geissler wurde am 25. Dezember 1928 in Hamburg geboren. Nach einem nie abgeschlossenen Studium der Theologie, Philosophie und Psychologie in Hamburg, Tübingen und München arbeitete er ab 1956 als freier Schriftsteller. Geissler arbeitete u. a. beim NDR, war Mitherausgeber der linken Literaturzeitschrift Kürbiskern, Dokumentarfilmer und Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Neben seinem Debüt 'Anfrage' (1960) ist 'kamalatta' (1988) sein bekanntester Roman. Er lebte zumeist in Hamburg und Ostfriesland und starb am 26. August 2008. Außer seinen Romanen veröffentlichte Geissler zahlreiche Hörspiele, Dokumentarfilme und Lyrik-Bände.
  • Deutsch
  • Berlin
  • |
  • Deutschland
  • 1,27 MB
978-3-95732-368-2 (9783957323682)
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Christian Geissler wurde am 25. Dezember 1928 in Hamburg geboren. Nach einem nie abgeschlossenen Studium der Theologie, Philosophie und Psychologie in Hamburg, Tübingen und München arbeitete er ab 1956 als freier Schriftsteller. Geissler arbeitete u. a. beim NDR, war Mitherausgeber der linken Literaturzeitschrift Kürbiskern, Dokumentarfilmer und Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin.
Neben seinem Debüt "Anfrage" (1960) ist "kamalatta" (1988) sein bekanntester Roman. Er lebte zumeist in Hamburg und Ostfriesland und starb am 26. August 2008. Außer seinen Romanen veröffentlichte Geissler zahlreiche Hörspiele, Dokumentarfilme und Lyrik-Bände.
  • Intro
  • Titelseite
  • KAMALATTA lesen...
  • I GRENZGÄNGEREI
  • II GRUBEGRABEN
  • III DIE MÜHE UMS LEBEN
  • IV FREUDE
  • Mühe ums Lesen - Nachwort von Oliver Tolmein
  • I.
  • II.
  • III.
  • IV.
  • Impressum und Copyright
(st. jean de buèges 18-10-83)
proff ist nie gefunden worden. auch die weit hinterm stein wissen bis heute von ihm nichts. als ich seinen kopf, geschoren, kalt, aus sonnenwarmem schotter vorsichtig aufhob, ohne den ausgemagerten körper freilich im ganzen bewegen zu können, es lag geröll über alles, selten hatte der fluss so viel wasser geführt, jetzt lag das bett trocken heiß, fand ich die stirn gespalten. ich war von der feinheit der schneidung tief gerührt. keine fremde hand, keine einwirkung von außen kann einen menschen so sicher treffen, so scharf auf das bestimmte bedacht, erpicht auf die endlich eindeutige bewegung. ich sah den symmetrischen griff der hingesunkenen hände. hier war nichts überrascht, nichts niedergestürzt, gefällt. hier war die niederlage als die aufrichtung im stein, das bewegte herz in den starrungen seiner befreiten raserei, die zerreißung ins ganze. das hirn unterm pelzigen haar lag klaffend ins dunkel des nackens, wo uns die ängste hocken. auch ohne die ebenmäßigkeit der vernichtung seines gesichts hätte ich proff erkannt an den höckrigen ausdickungen seiner mittleren fingergelenke. in kluger abstimmung ihrer kräfte hatten die hände, ohne im mindesten zu verziehen, den kopf auf die schneide des steins gerissen. ausgewogen der tod eines menschen eigenartig zerteilt. der stein stand still. ihn traf keine schuld. von nichts gerührt staubt er weiß. es war allein die entscheidung von proff gewesen. sein wille, sein schmerz, seine scham, seine lust, sein wissen von den gewalten, ich würde zu solchen fragen unter die leute gehen müssen, teilen mit ihnen den schreck des gesehenen, sorgfältig, einer den andren erinnernd, entziffern welchen vorsprung, nachdenken solches zerspringen. aber sie alle hatten proff nicht gesucht, sie hätten ihn sonst gefunden. wiederum, ohne damit sonderlich achtung auf mich sammeln zu wollen, der ort am fluss, die berstende helle des steins, um den frei der fluss springt, schnalzend wirft er jammer und stolz in funkelnden schaum, verbirgt den saum für den fuß, den riss für den griff der hand, jeden weg dieser äußersten wendung, es wird dich niemand dort suchen. toll bist du bloß bei dir selbst. aber wen triffst du dort an. wer kommt dir bis dorthin nach. schon im anfang, noch erst unterwegs, schließen sich dir die vertrauten türen, wendet die frau im fenster, der mann auf der bank, der mensch aus arbeit den blick von dir weg, bist du verloren. gezielt erscheinst du von nun an aber begehrt den bewachern. wir hüten uns, davon zu reden. plötzlich entdecken unsre verschwiegenheit die kinder. sie schreien uns an, sehen blank ihre herkunft aus toten, ihre zukunft im toten, hetzen, kaum dass unsre augen ihrer fliegenden fliehenden kraft zu folgen vermögen, im gitter nach einem loch, finden nur nichts, springen fort, den grillen nach, heißt es, die steingrau hocken aber rot fliegen, und aber in ihren augen, die wir ja lieben, leuchtet flirrend das licht aus der biegung des flusses. wir werfen die hände uns übers gesicht und jagen angsterfüllt unsren kindern nach. bellend das schaf hütet die hürde des schlächters. da kränken wir uns in unsinn. da möchten wir das geheimnis der weißen schlange nicht länger achten, das schweigen brechen. was uns ins atmen schlägt. aus polen ist eine frau zu gast, jung und klein hanna, die lehrerin, endlich darf sie nun einkaufen laufen, freie weihnacht, maria und josef, überall butter und blusen, da muss sie zittern, aus freude zuerst, aus kälte zu ende, aus weiß, ich seh ich seh was du nicht siehst, hört aber keiner ihr flüstern, ist alles taub, ist weiß, da schreit sie, der heiland ist kommen, singt sie, und hat nichts gesehen, schreit sie, und sieht nix, ist blind ist blind! hanna schreit laut aus würsten und uhren und tassen und dosen und rosen es ist ein ros entsprungen, schon springen die substituten durchs glitzern nach einem arzt, hanna läuft fort, das weihnachtskaufhaus ist groß, freies fest, sie huscht vom fleck ums eck zum zeck. dort sind in kammern weggesetzt kinder, fürs kaufen will mutti die hände frei, weg mit der kleinen dem kleinen ins kistchen, dort sind sie gut, sind still, dürfen schießen, totfahren, feuer frei freie fahrt freies fest fremde. hanna fürchtet sich. sie bückt von kind zu kind. im kästchen flackerts fad fahl, platzt was und prallt und bombt und bongt, gongt das und fratzt, und fallen über das schutzlose kind wasserhaft feuerfarben, bleiches gefunkel, ins leichte gebogen das schneidende weiß. hanna kuschelt sehnsüchtig an die gesichter der kinder an das kleine gespannte, an das gespensterchenkind liebt sich hanna, ans fellchen lederchen lederkind aus automaten in automaten sind alles bloß automaten ach lieblos schreit hanna. und in den unanrührbaren augen der kinder blitzt frei das fähnchen aus sternen und strichen, der krieg der sterne strahlend der krieg der freunde, den hat hanna jahrelang abgelauscht heimlich, das freie leben, in wroclaw, aus us-free-europe, unheimlich abgeschaut jetzt aus den kindern, die wir ja lieben, das grauen, glatt lau die leere als spiel, die freude aus tod, die fremde, den feind, das weiß. alle kinder verweißt. hanna schreit laut, tanzt schrei, schreit tanz. veitstanz, ja unser krakau, lächelt der ältere arzt, sticht ihr farblosigkeit in das rot ihres arms. zu ihrer sicherheit wird hanna verschubt. fern dort still, die arme nach hinten verjackt, tanzt hanna noch lange gegen die schlange, es ist die kerze des pflegers, die weihnachtskerze, die weiße weihnacht, die schlange so nah so klar so gern vergessen. es gibt keine weiße schlange, sagen die freunde lisa und paul, sind weit gereist ins hochtal der schützenden gräser, die frau und der mann, wärmen einander, träumen vom fliegen, wiegen, sind aufgebrochen ausgebrochen ach hingefahren dahin um luft zu schnappen. vor seinen zetteln sitzt paul im kraut, er schreibt die erstickung, ein schriftsteller­leben. lisa, gekauert in warmen schein, sieht schwarz vor der wand des roc blanc jagend mirages, die übung der unterfliegung, den angriff auf eine schlafende stadt. lisa träumt das zerschellen, den blitz. lisa lacht das wunder der traumerfüllung. taumelnd der dreck brennt weg. der stein steht still. ihn trifft keine schuld. von nichts gerührt staubt er weiß. gefangenschaften, schreibt paul. unter mir weit klein hinab wandern die beiden nach le vigan. dort ist heute markt. am rande des marktes, unter bunt ausgerolltem tuch, nah im rücken der stände, im geruch von pfirsich und fisch, käse und leder, der leichte tisch mit den schweren tassen. die freunde strecken die beine, horchen aufs rufen der händler, der kinder, der finken im käfig, der hennen im sack. paul hat eine alte soldatentasche erworben. überall sucht er versteinertes. in der tasche will ers nachhause bringen. ins bleiche decktuch der tasche sind eingefärbt die buchstaben U und S. paul steht auf von der tasse, kauft einen mit schwarzer tinte gefüllten stift, kommt zurück an die tasse, schlürft heiß, streicht das kennzeichen auf der tasche, das brandmal. wer weiß, wo die tasche überall war. er kann es sich denken, das grün der berge kaut gummi, der dorfbrunnen schreit. lisa greift nach pauls hand, lacht ihn an, lacht, sagt sie, über sein dummes gesicht. sie hat für ihr kind eine winzige jacke gekauft, kolibrifarben aus guatemala, ins rückenstück gemustert der kopf einer schlange, elend gestickt, genäht, gefädelt, gefärbt, gewebt, geerntet, gepflanzt, geackert. blut ist im schuh, sagt paul, ist im jäckchen, im täschchen. rukedigu, macht der täuberich unterm markttisch des bäckers, tanzt wiegend, will lieben, frisst kuchen. einen stein stößt paul unterm tisch fort zwischen die tauben. er trifft den knöchel der bäckerin. es gibt einen schmerz, ein gezank. niemand versteht die verletzung der frau aus mehl. so laufen wir alle weiß, sagt paul, weich gestäubt wölfe. ich will nicht ersticken, sagt lisa, nimmt seine hand hinauf zurück in den schatten des baumes. wo denn. den kann keiner finden. den kannst du nicht kennen, nicht suchen, nicht meiden, plötzlich liegst du in seinem schatten, es weht dich kühl an, alles weiß gras grünt satt nass, aber wo ist meine liebste, wo ist mein liebster. das ist der folterschatten. weder kannst du hinaus, noch kann dich der andre drin finden. im glück bist du unerreichbar dein glück. es gibt noch bei den ältesten menschen die sehnsucht nach dem schatten des baums, ebenso gegen ihn nackte angst, er lässt keinen lebend heraus, es frisst dort verrückt nur jeder sich selbst, es sei denn, aber das ist die stunde, die keiner nennt, du siehst das dir nächste im fremden krustigen baum, in der glätte der schlange, im steinstaub, erkennst, dir nah, das dir nächste als das dir liebste, süß frucht. mich fasste das plötzliche grinsen von proff stark an. gestoßen aus schlechtem geruch, löste sich aus seinen zähnen zischend der einfache ton als das einfache wort, verächtlich gepfiffen, folter, nichts war da misszuverstehen. im roten himmel der mond so nah dem ersten stern. es würde bald kühl aus den steinen steigen an uns, den ärmsten und mich. ich setzte mich auf, schlug fliegen aus seinem zerrissenen haar, stellte mich über ihn hin, sah mich um, stieg hier und da ein, nieder und wieder hinauf, um zu suchen und einzusammeln, was aus früheren fluten und stürmen gebrochen und angeschwemmt war, für ein feuerchen gegen die nacht, für ein gedecktes feuer, es sind genug flache, fast schieferförmige steinsplitterungen im ufergeröll unter mir, es soll kein lichtschein und nur so wenig rauch von hier kommen, als...
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