Zen und die Kunst, im Internet zu surfen

Wegweiser für den bewussten Umgang mit der digitalen Welt
 
 
Nymphenburger (Verlag)
  • 1. Auflage
  • |
  • erschienen am 13. Februar 2020
  • |
  • 208 Seiten
 
E-Book | ePUB mit Wasserzeichen-DRM | Systemvoraussetzungen
978-3-485-06175-9 (ISBN)
 
Täglich hören wir von den Gefahren der digitalen Welt. Gegen diese Unkenrufe stellt Prof. Angela Geissler, Ärztin und Zen-Expertin, eine provokante These auf: Wer sich der virtuellen Welt bewusst stellt, kann daran wachsen, und zwar viel schneller als ohne sie. Die Autorin fasst den Forschungsstand zu Künstlicher Intelligenz, Algorithmen und gesundem Umgang mit dem Netz leicht verständlich zusammen und gibt eine Anleitung, wie man sich bei der Nutzung von Internet und sozialen Medien persönlich weiterentwickeln kann. Mit ihren Tipps und leicht auszuführenden Mediationsübungen aus der Tradition der buddhistischen Achtsamkeitslehre gelingt es, sich nicht als Opfer der Digitalisierung zu empfinden, sondern als aktive Persönlichkeit, die sich mit Güte, Großherzigkeit und Ruhe im Netz bewegt - und die gelassen den Stecker zieht, wenn es zu viel wird.
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Einleitung

Kann die virtuelle Welt aus Datenströmen, Algorithmen, Wellen und Bildern zu einem eigenen Bewusstsein erwachen, sich verselbstständigen und Menschen in die zweite Reihe verweisen? Stehen wir kurz vor der Übernahme durch eine Superintelligenz? Und wenn ja, könnte diese neue Form von Intelligenz den nächsten Schritt in der Evolution darstellen und die Menschheit sogar weiterbringen? Dieses Buch handelt von den Risiken und Transformationschancen, die die digitale Welt bietet. Es ist keine Science-Fiction, es geht um Sie, liebe Leserin, lieber Leser, und Ihren Alltag hier und heute.

Als Radiologin lebe ich schon seit fast 20 Jahren in einer digitalen Umgebung. Computersysteme berechnen heute Röntgenbilder, diese entsprechen den menschlichen Sehgewohnheiten, haben aber mit den ursprünglichen Daten wenig gemein. Schon lange nutzen Radiologen Programme, die Befunde erkennen, Objekte als 3-D-Rendering darstellen und Oberflächen rekonstruieren. Nun bewegt sich eine neue Welle an künstlicher Intelligenz auf die Medizin zu. Die neuen Systeme lernen selbst und können auf Bilddaten zurückgreifen, die sich für Menschen nicht erschließen. Sie werden Mediziner unterstützen und den Ärztemangel in vielen Regionen mildern.

Gleichzeitig werfen sie neue Fragen auf. Wo verläuft die Grenze zwischen Mensch und Maschine? Ist diese Frage nur rein rhetorisch? Werden Sie und ich über kurz oder lang wie im Film »Matrix« untrennbar mit der Welt der Algorithmen verbunden sein? Was passiert, wenn die Digitalisierung alle Lebensbereiche durchdringt? Welche Konsequenzen hat das? Diese Frage hat eine juristische, philosophische und auch eine spirituelle Dimension. Vom Verlauf dieser Entwicklung hängt ab, wie die Welt in Zukunft aussehen wird.

Als spirituelle Lehrerin einer modernen Zen-Linie stelle ich mir die Frage, ob genau diese Situation nicht eine großartige Gelegenheit ist, die Weiterentwicklung des menschlichen Bewusstseins voranzutreiben. Im Idealfall könnten sinnvolle, von Menschen programmierte Algorithmen dazu beitragen, Probleme wie Hunger, Kriege und die Zerstörung unserer Ressourcen zu lösen.

Noch nie wurden Informationen so rasch verbreitet. Noch nie war es möglich, über riesige Distanzen hinweg miteinander zu arbeiten, zeitgleich, wenn auch in verschiedenen Zeitzonen und Kulturen. Die schöne neue Online-Welt nährt das Gefühl von menschlicher Omnipräsenz und schürt gleichzeitig Ängste vor der Allmacht von Algorithmen. Man muss kein Kaiser, kein Herrscher mehr sein, um seine Ideen weltweit verbreiten zu können. Eine einzelne spontan geäußerte Stimme, die den Nerv der Zeit trifft und auf vielen Kanälen verbreitet wird, kann genauso große Auswirkungen haben wie strategisch ausgeklügelte Aussagen von Politikern. Das alles verändert die Welt, in der Sie und ich leben, drastisch.

Die digitale Welt, in der alles zeitgleich verfügbar ist, hat eine hohe Anziehungskraft. Sie werden gesehen, gleichgültig, wo Sie leben. Sie erhalten Zuspruch für Ihre Sorgen, bekommen in Bruchteilen von Sekunden Antworten auf Ihre Äußerungen und auch gnadenlose Kritik. Obwohl diese Art der Kommunikation eine analoge Begegnung nicht ersetzen kann, erzeugt sie doch auch große Intensität. Sie bindet Ihre Aufmerksamkeit, Ihre Zeit. Ob es Ihnen bewusst ist oder nicht, im Kontakt mit der digitalen Welt verwandelt sich Ihr Gehirn in das eines Süchtigen. Sie können sich gar nicht dagegen wehren, Sie sind immer auf der Suche nach dem nächsten medialen Kick.

Wenn wir ehrlich sind, verhalten wir uns nicht immer vernünftig. Obwohl wir das Risiko kennen, hinterlassen wir mehr Spuren im Netz, als uns guttut, und sind oft weitaus gläserner, als uns lieb wäre. Jugendliche gehen unbefangen mit den neuen Möglichkeiten um, gleichzeitig sind ihnen die Probleme und Limitationen dieser Art des Lebens durchaus bewusst. Der Sog, immer online sein zu müssen, kennt mittlerweile keine Altersgrenze mehr. Ständig rufen uns die digitalen Verführer zu: Lies mich! Like mich! Bewerte mich! Kommentier mich! Antworte mir! Um dem permanenten Aufforderungscharakter der digitalen Sirenen zu widerstehen, müssten wir uns wie Odysseus an den Mast binden lassen. Doch wer möchte schon einen Klick verpassen?

Der Selfie-Kult, Instagram und Snapchat stellen neue Anforderungen an das Bild, das wir von uns selbst haben. Es ist heute ein Kinderspiel, das Bild so lange zu manipulieren, bis es perfekt erscheint. Warum sich mit dem unzulänglichen Original begnügen, wenn eine viel überzeugendere Version nur wenige Klicks entfernt ist? Es ist nur naheliegend, alles zu tun, um das Alltagsgesicht zu optimieren. Mit Photoshop und Selbstverschönerungs-Apps. Vielleicht sind Sie schon mal erschrocken beim Blick in den Spiegel, weil er ungeschönt das Alltagsgesicht zeigt. Der Blick in den digitalen Spiegel ist ein Zerrbild, das wissen Sie, doch dieses Bild ist ungleich verlockender, weil es Ihre Sehnsüchte scheinbar erfüllt.

Das kurze Glück, das sich beim Blick auf das optimierte Selbst einstellt, ist jedoch rasch verflogen, und ein schaler Geschmack bleibt. Kennen Sie das? Sie begegnen Ihrem Spiegelbild in einer Fensterscheibe und erschrecken beinahe, weil es so nackt und unbearbeitet ist. Mancher plastische Chirurg trifft inzwischen Patienten, die ihren realen Körper der Traumwelt anpassen möchten. Doch glauben wir wirklich daran, dass ein künstlich nachgeformter Körper der Schlüssel zum Glück ist? Wir können der Tatsache, dass wir altern und uns verändern, nicht entkommen.

Und doch lockt die Verführung, uns mithilfe künstlicher Intelligenz einen Menschheitstraum zu erfüllen und einen perfekten Menschen mit ausgesuchten Eigenschaften zu kreieren. Der Traum, uns selbst neu erschaffen zu können, verspricht ganz neue Optionen. Zum Beispiel die, in der virtuellen, digitalen Welt als Avatar vollkommen anders sein zu können. Diese Vorstellung hat eine fast schon göttliche Dimension. Doch solange wir Menschen aus Fleisch und Blut sind, leben wir in der Realität mit ihren Gesetzmäßigkeiten von Werden und Vergehen und nicht als digitale Repräsentanz wie im Film »Tron«.

Im Äußeren können wir nur Trugbilder erschaffen und in illusionären Welten wandern. Ob wir so glücklich werden, bleibt fraglich. Unser eigenes Bewusstsein schrumpft, die künstlichen Intelligenzen werden größer. Wenn wir unsere Potenziale entwickeln wollen, müssen wir uns selbst weiterentwickeln. Wer oder was ist dieses Selbst? Das zu erforschen und zu entdecken, diese Reise anzutreten ist ein großes Abenteuer. Solange wir bewusst leben, können wir diesen Weg gehen.

Auch wenn ein Rechner Ihre Erinnerungen fälscht, gibt es immer noch einen inneren Kern, der Sie als Menschen ausmacht. Je enger die Verknüpfungen Ihres Bewusstseins mit der Welt der Algorithmen und Programme werden, desto wichtiger ist die Suche nach Ihrem Wesenskern. Wir sollten die Entwicklung dieser Welt und der Menschen nicht Programmen überlassen. Sonst laufen wir Gefahr, Opfer unserer eigenen weiterentwickelten Algorithmen zu werden oder gar als Programmfehler eliminiert zu werden. Zu ergründen, was Sie als Menschen im tiefsten Inneren ausmacht, bedeutet, auf eine ganz besondere Expedition zu gehen. Der erste Schritt dieser Reise hat mit dem Lesen dieses Buches schon begonnen.

Im Film »Matrix« wird der Held Neo vor eine schwierige Wahl gestellt. Er kann entweder eine rote Pille nehmen, die sein Bewusstsein so verändert, dass er erkennen kann, wie die Welt wirklich ist. Oder er kehrt mit einer blauen Pille in seinen gewohnten Bewusstseinszustand zurück. Die Wahl zwischen der roten und der blauen Pille haben wir nicht. Wir können uns aber auf die Suche nach unserem inneren Wesenskern machen. Die Begegnung mit Ihren Potenzialen, Ängsten und Herausforderungen und der Frage, wer wir wirklich sind, ist spannender und fordernder als jedes Rätsel in der virtuellen Welt.

Als Ärztin weiß ich, dass viele Menschen lieber eine rote Pille nehmen, als sich selbst auf den Weg zu machen. Das klingt doch einfach verlockend. Aber auch im Film »Matrix« wird klar, dass die Pille der Erkenntnis nur der erste Schritt ist. Wer sind Sie wirklich? Das können nur Sie selbst erfahren und herausfinden. Auf dieser Reise der Erkenntnis kann Ihnen die Digitalisierung helfen. Sie können die virtuelle Welt als Entwicklungsmotor nutzen, denn Sie müssen einen Schritt voraus sein, um nicht überrollt zu werden und vollständig die Kontrolle zu verlieren.

Mit jedem Schritt, den Sie gehen, verändert sich auch die digitale Welt. Die Herausforderungen der digitalisierten Welt können Sie als Treppenstufen für Ihre Entwicklung nutzen.

In mythischen Zeiten begab man sich in einen Tempel, um sich selbst zu begegnen, Gelassenheit und Stärke zu entwickeln. Über dem Eingang zum Orakel von Delphi fand sich schon der Satz: »Erkenne dich selbst.« Nutzen wir die virtuellen Tempel der Neuzeit, um unseren eigenen Weg zu ergründen. Ich möchte Sie mitnehmen auf eine Reise in die digitale Welt, die Sie und mich fast wie eine zweite Haut umhüllt. Auch ich bin Teil der digitalen Welt. In diesem Augenblick schreibe ich auf einem Computer, speichere meine Sätze in einer Cloud und nutze das Internet für die Suche nach Zitaten.

Natürlich könnte ich diesen Text auch in eine Kladde schreiben, auf Büttenpapier oder ein Palmblatt. Ich könnte eine alte Schreibmaschine vom Dachboden holen. Diese Schreibformen sind selten geworden, obwohl in jedem Buchladen und Schreibwarengeschäft wunderschöne Bücher ausliegen. Sie eignen sich als Tagebuch, für kreative Einfälle oder private Notizen. Doch wer möchte sich im Job die Mühe machen, handschriftliche Texte zu übertragen? Selbst die eigene Handschrift ist...

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